Neuseeland 2009 – Reisebericht 5

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Glühwürmchen und Leuchttürme in Neuseeland

Wie im ersten Reisebericht bereits erwähnt verbringen wir die ersten fünf Tage unserer Neuseelandreise auf der Nordinsel. Dann folgen vier Wochen Entdeckungsreise auf der Südinsel, bevor wir am 11. Februar erneut die Cookstrasse mit der Fähre überqueren. Auf der Nordinsel reisen wir die letzten zwei Wochen an der Ostküste so weit in den Norden wie die Zeit es erlaubt.

Da wir unseren Camperbus in Auckland abholen und dort auch wieder abgeben, bleiben wir zuerst nur fünf Tage auf der Nordinsel. Die Reise planen wir im Gegenuhrzeigersinn durch zu führen. Nachdem die Autoübergabe reibungslos geklappt hat, startet am 13. Januar mitten in der Nacht unser Abenteuer. Die erste Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz ausserhalb von Auckland. Schlafen im Auto und leben auf so engem Raum fühlt sich noch komisch an, aber wir haben jetzt ja genügend Zeit uns daran zu gewöhnen. Am nächsten morgen suchen wir zuallererst einen Supermarkt, wo wir uns mit Essen eindecken können. Es ist wie mit einer neuen Wohnung, alle Schränke sind anfangs noch ganz leer. Im Supermarkt New World werden wir fündig.

Wir fahren auf dem Highway Nr. 1 von Auckland Richtung Süden. Die Strassen sind zwar gut angeschrieben, aber zur Sicherheit schauen wir auf unsern Kompass. Ja, die Richtung stimmt. Nach rund vier Stunden Fahrt erreichen wir bereits unser erstes Ziel, die Waitomo Glowworm Caves. In Waitomo lassen wir unsern Camperbus Charly auf dem Campingplatz stehen und buchen gleich eine Höhlentour. Wir schaffen es gleich noch auf die letzte Tour um 17:00 Uhr. Unser Guide führt uns durch die riesige Kalksteinhöhle und gibt uns interessante Informationen über die unterirdischen Formationen wie Stalaktiten und Stalagmiten. Der Höhepunkt der Tour ist die lautlose Bootsfahrt auf dem unterirdischen Fluss durch die Glühwürmchengrotte. Die Decke der Grotte wirkt wie ein Sternenhimmel mit all den Glühwürmchen. Mit dem erzeugten Licht locken die vielen Glühwürmchen andere Insekten an und so haben sie gleich für ihr Essen gesorgt.

Es ist nicht erlaubt Fotos in der Grotte zu machen, deshalb können wir leider keine Bilder von der Glühwürmchen-Tour zeigen.

Während der Fahrt durchs Land treffen wir immer wieder auf Farnpflanzen. Es gibt insgesamt über 80 verschiedene Arten Farn. Von winzig kleinen Farnpflänzchen bis zu Farnbäumen gibt es hier alles.

Ein Babyfarn das sich langsam zum Blatt ausrollt. Ein richtiges Kunstwerk.

In Taumaruni sehen wir beim Vorbeifahren das schöne Maori Meeting Haus. Wir halten kurz an und schauen uns das Eingangstor und die Halle etwas genauer an. Uns gefallen die schönen Schnitzereien und die Bemalung ganz besonders.

Die Geschichte besagt, dass sich vor etwa 1'000 Jahren polynesische Vorfahren der Maori als erste Gruppe in Neuseeland niedergelassen haben. Heute gibt es in Neuseeland zwei Bevölkerungsgruppen, die Neuseeländer europäischer Abstammung und die polynesischen Maori. Die Maori Kultur ist in Neuseeland nicht überall gleich präsent. Wir sind auf der Nordinsel mehr Maoris begegnet als auf der Südinsel.

In Taumaruni startet der Forgotten World Highway. Auf dem Touristen Informationsbüro holen wir uns eine Strassenkarte dieses Highways. Schliesslich wollen wir uns ja nicht verirren und dann in Vergessenheit geraten. Das Abenteuer erstreckt sich über 155 Kilometer und führt uns durch hügelige Landschaft und Busch. Auf der gesamten Strecke gibt es keine Tankmöglichkeit und 12 Kilometer führen über ungeteerte Strassen. Genau das Richtige für uns.

Von einem Aussichtspunkt sehen wir weit in der Ferne den schneebedeckten Vulkanberg Ruapehu.

Das Wasser des Mt Damper Falls fällt 85 Meter in die Tiefe. Vor allem nach heftigem Regen ist der Wasserfall überaus spektakulär. Da wir im regenarmen Sommer unterwegs sind, stürzt verhältnismässig wenig Wasser in die Tiefe.

Weg von der Kiesstrasse finden wir im Busch einen idealen Schlafplatz. So schön ist das Camperleben. Einfach die Füsse hoch lagern und die Nachmittagssonne geniessen.

Der Forgotten World Highway endet in der Kleinstadt Stratford. Uns zieht es wieder ans Meer und so fahren wir Richtung Westen nach New Plymouth. Zuerst decken wir uns wieder mit Esswaren ein, bevor wir auf dem Surf Highway 45 bis ans Cape Egmont fahren. Am Kap finden wir einen wunderschönen Leuchtturm und den idealen Schlafplatz direkt am Meer. Im Hintergrund erkennt man den Vulkanberg Mt. Taranaki oder auch Mt. Egmont genannt.

Es ziehen Wolken auf und der Wind wird immer stärker. Die Abendsonne findet trotzdem ihren Weg zwischen den Wolken durch und beleuchtet den Leuchtturm, sodass dieser richtig kitschig aussieht.

Auf der Fahrt machen wir kurz Halt im verschlafenen Nest Foxton. Nach dem langen Autofahren müssen wir zwischendurch einmal unsere Beine vertreten. Foxton ist zwar in unserem Reiseführer nicht beschrieben, aber es lohnt sich kurz anzuhalten. Inmitten des Dorfes steht ein Windrad und auf der Hauptstrasse stehen zwei alte, restaurierte Trolley Busse.

Wie geplant erreichen wir am 17. Januar die Hauptstadt Wellington. Wir gehen direkt zur Fähre und checken ein. Uns bleibt eine Stunde um die Hafengegend zu erkunden, bevor es um 13:00 Uhr auf die Fähre geht. Das Wetter ist genial, aber der Wind ist so stark, wir laufen gegen den Wind und kommen kaum vom Fleck. Es ist Wochenende und im Hafengelände von Wellington ist ein reger Betrieb. Alte Autos sind ausgestellt und viele Marktstände werden aufgestellt.

Die Kombination von alten und modernen Bauten harmonisieren perfekt. Das Gebäude rechts scheint eine alte Lagerhalle gewesen zu sein. Im modernen Glasbau befinden sich Wohnungen, Restaurants und Büros.

Die Gebäude sind sehr schön bemalt und wirken schon fast wie eine Märchenstadt.

Um 13:00 Uhr gehen wir wieder zum Hafen und fahren mit Charly auf die Fähre. Die nächsten vier Wochen verbringen wir auf der Südinsel von Neuseeland. Mehr in unseren Reiseberichten Teil 1 bis 4 Hauptverzeichnis Neuseeland.

Genau vier Wochen später sind wir wieder in Wellington. Leider ist es bedeckt, aber zwischendurch lässt sich auch immer wieder etwas Sonne blicken.

Der Ruderclub ist in einem sehr schönen Haus untergebracht.Es ist reger Betrieb und wir beobachten die verschiedensten Rudergruppen trainieren. Sobald das Team den Rhythmus gefunden hat, gehen die Boote ab wie eine Rakete.

Nach einer kurzen Tour durch Wellington fahren wir nach Upper Hut, wo wir auf einem Zeltplatz übernachten. Leider wird das Wetter immer schlechter und auch am Morgen regnet es noch immer in Strömen. So ändern wir unseren Plan Wellington zu Fuss zu erkunden und machen stattdessen einen Museums und E-Mail-Tag.

Zuerst verbringen wir einige Stunden im Te Papa Museum. Das Museum ist kostenlos und sehr gut besucht, vorallem bei diesem Wetter. Auf vier Stockwerken verteilt sind Ausstellungen über die Geschichte, die Entstehung der zwei Inseln Neuseelands, die Unterwasserwelt und die Maori Kultur zu finden.
Wer dieses Meeting Haus von Innen betrachten will, muss die Schuhe ausziehen und draussen stehen lassen. Rechts neben dem Meeting Haus ist die Vorratskammer.

Auch an ausgefallenen Kunstwerken fehlt es im Te Papa Museum nicht. Diese Kuh wurde aus Blechbüchsen zusammen genietet. Etwas makaber dabei ist, dass der Inhalt der Büchsen einst Corned Beef war. Die Kuh ist jedoch wieder zum Leben erwacht und ist nicht mehr die Kuh im Blech, sondern die Kuh aus Blech.

Manche Künstler sind wirklich kreativ. Auf die Idee ein Auto aus Wellblech zu bauen muss man auch zuerst kommen.

Nach unserer Museumstour suchen wir uns ein typisch englisches Pub und trinken ein Bier. Es regnet noch immer in Strömen und wir sind froh ein Dach über dem Kopf zu haben. Das Wetter hat wirklich viele Ähnlichkeiten mit dem aus England oder Irland. Zum Glück lässt der Regen am späten Abend nach und wir kommen knapp noch trocken zum Auto.

Über dem Civic Square ist eine riesige Kugel aus Farnblättern aufgehängt. Bei Nacht sieht diese ganz anders aus als bei Tag.

Diesmal bei Tag mit blauem Himmel.

Heute ist es zwar bewölkt, aber zum Glück regnet es nicht mehr. Wir packen die Chance beim Schopf und schauen uns noch ein bisschen die Stadt an. Als erstes stoppen wir bei den Parlamentsgebäuden. Der runde Bau, der Beehive (Bienenstock) wurde vom englischen Architekten Sir Basil Spence entworfen und zwischen 1969 und 1980 gebaut. Das Parliament House daneben ist einiges älter und wurde 1922 fertig gestellt.

Nicht weit vom Parlamentsgebäude finden wir die Old St. Paul's Kirche. Sie wurde im Stil früher englischer Gotik gebaut und im Jahre 1866 fertig gestellt. Die Old St. Paul's wurde im Jahre 1964 durch den Neubau der St. Paul's Kathedrale ersetzt. Die Zukunft der alten Kirche war ungewiss. Nach starken Protesten der Bevölkerung kaufte die Regierung im Jahre 1966 die Kirche und schenkte sie dem Volk. Es folgte eine vierjährige Restaurationsphase und der Kirche wurden neue Funktionen zugeteilt. 1970 wurde die Old St. Paul's wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und wird heute hauptsächlich für Hochzeiten, Beerdigungen und für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Im Innern staunen wir über die schöne, alte Holzkonstruktion. Das Gewölbe erinnert an ein umgedrehtes Boot. Für den Bau der Old St. Paul's Kirche wurde nur einheimisches Holz verwendet. Die Orgel links auf dem Bild sieht zwar nicht allzu spektakulär aus, aber beeindruckend finden wir, dass sie 1'316 Pfeifen hat.

Nach der kurzen Wellington-City Tour geht die Reise weiter. Wir machen einen Abstecher ans Cape Palliser, südlich von Wellington. Auf dem Weg besichtigen wir die Putangirua Pinnacles. Diese Steinformationen sind durch die Erosion während rund 120'000 Jahren entstanden. Von der Aussichtsplattform sehen wir die Pinnacles von oben.

Wir schauen uns das Ganze noch von näher an und steigen von der Aussichtsplattform runter zum ausgetrockneten Flussbett. Von hier unten sehen die hohen Steintürme noch eindrücklicher aus. Die Pinnacles sehen aus wie aufeinander gereihte lose Steine. Wir können uns kaum vorstellen, dass diese Formationen bei einem Sturm nicht einfach zusammen fallen. Anscheinend ist das Gebilde stabiler als es aussieht.

Die Fahrt zum Cape Palliser führt uns an einem interessanten Ort vorbei. Ngawi ist ein verschlafenes Fischerdorf. Im Dorf gibt es mehr Bulldozer pro Kopf wie wahrscheinlich nirgendwo anders auf der Welt. Die Bulldozer werden von den Fischern verwendet, um die Fischerboote aus dem Wasser zu ziehen.

Die Teletubbies sind wohl auch hier in Neuseeland bekannt. Süss, dieser pinke Tinky Winky Bulldozer.

Das Cape Palliser ist eine Sackgasse. Auf dem Hügel am Kap steht ein Leuchtturm der über 258 Stufen zu erreichen ist. Da der Leuchtturm auf Privatgrund liegt, fahren wir weiter. Auf der Wiese zwischen der Strasse und dem Meer liegen die Pelzrobben wie Faulpelze rum. Sie lassen sich von uns nicht stören und schlafen einfach weiter.

Napier wurde im Jahre 1931 durch ein Erdbeben zerstört und ein Feuer löschte daraufhin die gesamte Innenstadt aus. Aus den Aschen entstand die Art Deco Stadt Napier.

In Napier sind die Häuser sehr hübsch bemalt und gepflegt. Die Häuser wirken beinahe wie Puppenhäuser.

In Wairoa sehen wir bei der Durchfahrt diesen Leuchtturm. Das Old Portland Island Lighthouse war von 1877 bis 1958 in Betrieb. Heute leuchtet der Turm nur noch symbolisch achtmal jeden Abend und ist bis zu einer Entfernung von 50 km sichtbar.

Captain Cook hat als Entdecker in Neuseeland eine grosse Bedeutung. Im Jahre 1769 segelte Captain Cook als erster Europäer in Gisborne ein und benannte die Bucht Poverty Bay. Captain Cook steht hier auf einem Kompass und symbolisiert seine Reisen rund um Australasien. Hier in Gisborne hat seine Reise um Neuseeland angefangen. Die Aufzeichnungen von Captain Cook wurden für die Erstellung der ersten Landkarte von Neuseeland verwendet. Captain Cook führte drei globale Entdeckungsreisen durch. Mit Hilfe seiner Informationen konnte die Weltkarte substanziell vervollständigt werden.

Wir fahren an der Ostküste entlang und machen Halt an der Tolaga Bay. Hier besichtigen wir den scheinbar längsten Steg Neuseelands. Wir spazieren den 660 Meter langen Steg entlang und schauen den Fischern zu.

Die Küstenstrasse zum östlichsten Punkt von Neuseeland führt über eine Kiesstrasse direkt am Meer entlang. Auf der 22 Kilometerlangen Strecke befinden wir uns wieder völlig in der Natur. Diese Kühe haben auch ein schönes Leben. Welche Schweizer Kuh geniesst schon Blick aufs Meer?

Nach der holprigen Fahrt mit traumhafter Kulisse erreichen wir schlussendlich das East Cape. Von weitem sehen wir den Leuchtturm hoch oben auf dem Hügel. Wir lassen unsern Bus stehen und steigen über 700 Stufen hoch zum Leuchtturm. Der Himmel ist strahlend blau und wir sehen von hier oben aufs Meer und ins Hinterland. Traumhaft!

Hier am East Cape wollen wir den Sonnenaufgang sehen. So stellen wir den Wecker auf 5:45 Uhr. Das sollte reichen für den Sonnenaufgang. Wir stehen sofort auf als der Wecker klingelt. Schliesslich wollen wir nichts verpassen. Da der Weg weit ist, nehmen wir unser Frühstück mit zum Leuchtturm. Es ist noch kühl und so sind die 700 Tritte hochsteigen ein willkommenes Fitnesstraining. Als wir oben ankommen, ist noch ein anderer Traveller da. Zu dritt warten wir auf die Sonne. Langsam verfärbt sich der Himmel violett und pink.

Wir befinden uns hier am östlichsten Punkt von Neuseeland und sind somit praktisch die ersten Menschen, welche die Sonne am heutigen Tag sehen.

Die aufgehende Sonne gibt ein ganz besonderes Licht und die Stimmung ist sehr speziell.

Der Leuchtturm hat am 9. August 1900 das erste Mal für die Seefahrer geleuchtet. Durch Erdbeben sind die Klippen immer weiter ins Meer abgerutscht und der Leuchtturm musste umplatziert werden. Seit 1922 steht der Turm da wo er heute steht, auf 154 Metern über Meer. Der 14 Meter hohe Turm Leuchtet alle 10 Sekunden einmal und wird in einer Entfernung von 35 Metern gesehen. Seit fast 25 Jahren funktioniert der Leuchtturm vollautomatisch.

Der Tag ist erwacht und wir geniessen die herrliche Aussicht über die grünen Wiesen. Bei dieser wunderbaren Aussicht geniessen wir unser Frühstück.

Auf der Weiterfahrt sehen wir diese fotogene Kirche von Raukokore. Die anglikanische Kirche wurde im Jahre 1894 erbaut und ist ein beliebtes Fotomotiv.

Wir geniessen unser Mittagessen mit Blick auf die Opotiki Beach.Die Fahrt geht weiter Richtung Rotorua, wo wir die Vulkanaktivität Neuseelands erkunden werden. Mehr dazu im nächsten Reisebericht.

Einmal mehr hoffen wir euch mit unserem Bericht Einblick in das Land am andern Ende der Welt zu geben.

Wir danken für euren Besuch auf unserer Homepage.

Unter Das vulkanische Gebiet der Nordinsel Neuseelands findet ihr den nächsten Reisebericht.

Bis bald,

Reni und Marcel


Folgende Bücher haben uns bei der Vorbereitung und auf der Reise durch Neuseeland weitergeholfen und können wir empfehlen:

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