Neuseeland 2009 – Reisebericht 4

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Die Ostküste der Südinsel

Nach längerer Zeit der Reise durch schöne, unbewohnte Natur und ohne grössere Stadt, sind wir gespannt auf Neuseelands zweitgösste Stadt Christchurch. Die Stadt hat rund 344'000 Einwohner und das Stadtzentrum ist nur wenige Kilometer von der Küste entfernt.

1905 wurde in Christchurch der Tramverkehr aufgenommen aber 50 Jahre später wieder eingestellt. Heute prägen die restaurierten Trams, die nun auf einer 2.4 Kilometer langen Strecke rund um das Stadtzentrum verkehren, wieder das Stadtbild und sind ein beliebtes Fortbewegungsmittel der Touristen. Im Hintergrund ist der Clock Tower Block des Arts Centre zu sehen. Dieses Gebäude war das erste permanente Gebäude der Canterbury University.

Den Mittelpunkt Christchurch bildet der Cathedral Square, um welchen das Stadtzentrum erbaut wurde. Wie es der Name schon erahnen lässt gibt es natürlich eine Kathedrale an diesem Platz. Die Christchurch Cathedral wurde im Jahre 1881 mit einem 63 Meter hohen Kirchturm erbaut.

Die 18 Meter hohe Skulptur Chalice wurde zur Feier des neuen Millenniums errichtet und steht ebenfalls auf dem Cathedral Square gleich neben der Christchurch Cathedral.

Rund um diese Skulptur werden jeden Tag unzählige Marktstände aufgebaut, wo vom Souvenir bis zu Kleidern alles gekauft werden kann. Natürlich gibt es auch Essensstände und beim Wurststand "Franz's Wiener" kaufen wir uns glatt eine Bratwurst.

Captain Cook hat zwar auf seinen Entdeckungsreisen 1769 das erste Mal Neuseeland erblickt. Die ersten Europäer landeten aber erst im Jahre 1815 in der Region Canterbury zu welcher Christchurch gehört.

Nein, wir sind nicht in Venedig und diese Gondoliere sind auch keine ausgewanderten Italiener die in Venedig keinen Job gefunden haben. Wir befinden uns tatsächlich in Christchurch und die Bootsfahrten zum Vergnügen haben hier eine lange Tradition.

Die Oxford Terrace Baptist Church gefällt uns sehr gut, obwohl das Gebäude gar nicht so sehr nach einer Kirche aussieht.

Die New Regent Street wurde im spanischen Missionsstil in den 1930er Jahren erbaut und beherbergt heute Kaffees und Shops.

Da heute am 6. Februar der Feiertag Waitangi Day ist, lassen wir die Stadt links liegen und fahren an die nahe gelegene Küste. Am Strand Taylors Mistake wandern wir der Küste entlang.

Von Taylors Mistake wandern wir der Steilküste entlang zum Godley Head, der auf dem äussersten Zipfel dieser Halbinsel liegt. Während des Krieges kam diesem Punkt eine sehr grosse Bedeutung zu und so wurde eine militärische Festung mit Kanonen erbaut. Die Überreste können wir auch heute noch sehen.

Die Wanderung führt durch schönes Weideland der zerklüfteten Küste entlang. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir Godleys Head und blicken über die herrliche Küstenlandschaft. Zurück geht die Wanderung auf der andern Seite der Halbinsel Richtung Lyttleton Harbour.

Wieder zurück auf der anderen Seite der Halbinsel geniessen wir noch die herrliche Aussicht auf den Strand von Taylors Mistake. Als wir am Morgen unsere Wanderung gestartet haben, war der Strand noch fast menschenleer. Nun sind aber auch die Neuseeländer erwacht und geniessen den sonnigen Feiertag am Strand mit picknicken, surfen und baden.

Von Christchurch führt ein Tunnel unter dem Meer hindurch nach Lyttelton. In nur 20 Minuten kann man durch dieses Meisterwerk der Technik Lyttelton erreichen. Wir entscheiden uns für den längeren Weg, der an der Küste entlang über ein schmale und kurvenreiche Strasse führt. Auf dieser Strasse geniessen wir die Aussicht auf Christchurch und die Bucht von Lytteton.

Der Hafen von Lyttelton ist der grösste der Südinsel von Neuseeland. Es ist ein grosser Umschlagplatz für Container und auch ein riesiger Kohlevorrat wird hier gelagert. Von der alten Timeball Station haben wir eine Superaussicht über das fleissige Treiben im Hafen, wo gerade ein Containerschiff neu beladen wird.

Die Timeball Station die 1876 im Viktorianischen Stil erbaut wurde ist das Wahrzeichen von Lyttelton. Die Timeball Station war ein sehr wichtiges Instrument für die Seefahrer.

Bevor es GPS Systeme gab musste die genaue Position auf hoher See mit der Hilfe der Sterne bestimmt werden. Zu dieser Lagebestimmung mussten die Seefahrer sehr genau wissen, was die aktuelle Zeit ist. Genau um 12 Uhr mittags wurde ein grosse Zeitkugel auf dem Turm der Timeball Station fallengelassen. Diese Kugel signalisierte so die genaue Zeit für alle Bootsfahrer und diese konnten ihre Zeitmessgeräte nach dem Fall der Zeitkugel synchronisieren.

Auch heute noch wird die Zeitkugel hochgehoben und um genau ein Uhr am Mittag fallengelassen. Natürlich wird die Kugel heute nur noch aus Tradition fallengelassen und längst arbeiten die heutigen Seefahrer mit hochtechnischen Systemen, um die genaue Position auf hoher See zu bestimmen. Von 1876 bis 1934 war die Timeball Station besetzt und genutzt. 1973 wurde die Station in den New Zealand Historic Places Trust aufgenommen und originalgetreu restauriert.

Nach der Besichtigung der Timeball Station gönnen wir uns erst einmal eine Pause in den Strassen von Lyttelton. Hier gibt es viele Kaffees und wir finden einen Shop mit supergenialen frischen Gelati. Die Portionen sind unglaublich gross und superlecker. Unser neuer Favorit ist das Hoky Poky Glace, das glasierte Peanutkernenstücke drin hat. Dann fahren wir auf der Summit Road zurück nach Christchurch und geniessen nochmals die herrliche Aussicht auf Christchurch.

Zur Abwechslung hier mal wieder ein Stimmungsbild vom Sonnenuntergang den wir heute Abend erleben.

Am nächsten Tag machen wir uns auf zur Erkundung der Banks Peninsula. Auf dem Weg müssen wir aber erst noch einkaufen gehen und schauen dem regen Trieben am Strand zu. Surfen oder eben Wellenreiten ist in Neuseeland sehr beliebt. Hier ist gerade eine grosse Klasse am vorbereiten für das Üben im kalten Wasser.

Die Banks Peninsula wurde durch grosse vulkanische Eruptionen geformt und ist gut von Christchurch aus erreichbar. Die meisten Strassen auf der Halbinsel sind schmal, kurvenreich und steil. Rund um die fast runde Halbinsel gibt es herrlich, abgelegene Buchten und traumhafte Sandstrände die zum verweilen einladen.

Das historische Städtchen Akaroa ist eines der Highlights der Banks Peninsula. Im Jahre 1838 hat Jean Langlois, ein französischer Walfangkapitän, die Halbinsel von Maoris abgekauft. Zwei Jahre später sind 57 Franzosen losgezogen um sich in Akaroa niederzulassen. In der Zwischenzeit sind allerdings bereits die Briten eingezogen und haben das Land für sich beschlagnahmt. Die Franzosen haben sich zwar niedergelassen, haben aber ihr Land 1849 wieder abgegeben und ein grosse Anzahl Briten hat sich niedergelassen. Bis heute gibt es aber Nachfahren der Franzosen, die immer noch in Akaroa leben und ein gewisser französischer Charme ist dem Ort erhalten geblieben.

Die Church of St. Patrick liegt inmitten eines grünen Gartens am Rande von Akaroa. Hier wurde die erste Messe der Südinsel von Bischof Pompallier gehalten.

Ein weiteres Beispiel der schönen alten Häuser aus Holz.

Nach der Besichtigung von Akaroa und einem feinen Cappuccino in einem der vielen Kaffees machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. In der Okains Bay werden wir fündig. Hier treffen wir auf einen superschönen Campingplatz der inmitten eines Pinienwaldes liegt und von unserem Platz aus sind wir in wenigen Schritten am Strand.

Am Abend geht der Mond genau über der Bucht auf und das Licht reflektiert herrlich über dem nassen Sand des Strandes.

Zwischen dem Strand und unserem Schlafplatz im Pinienwald ist nur ein schmaler Streifen von hohem Gras.

So wie gestern Abend der Mond über der Okains Bucht aufgegangen ist, geht heute Morgen die Sonne über der Bucht auf und übergiesst die Hügel mit einem goldenen Zauber.

Okains Bay ist ein winzig kleines Dorf mit nur wenigen Einwohnern, aber trotzdem gibt es hier fast alles. Dieses Haus wurde 1865 erbaut und dient als Bibliothek für die kleine Bevölkerung von Okains Bay.

Auch eine Kirche gibt es. Die St. Johns Kirche wurde 1863 erbaut. Im Jahre 1884 wurde eine Orgel aus Amerika eingebaut und seit 1912 besitzt die Kirche auch eine Glocke.

Weiter geht die Fahrt heute von Okains Bay zurück nach Christchurch und weiter nach Kaikoura, etwa 100 km nördlich von Christchurch. Zuerst aber geniessen wir nochmals die superschöne Landschaft der Banks Peninsula. Die Küste der Halbinsel ist sehr zerklüftet und überall gibt es Buchten die zum Teil sehr tief in das Land hinein fliessen.

Die Strassen sind wie schon erwähnt sehr kurvenreich und steil. Unzählige Warntafeln weisen uns immer wieder auf die Gefahren und die Kurven hin.

Ein ganz schönes Stück der Strasse ist nicht geteert und wir fahren auf Kies. Auf einer Seite der Strasse ist Fels, auf der anderen Seite geht es steil den Hang hinunter und ein Zaun grenzt die Weiden ab. An viele Stellen wäre ein kreuzen mit entgegenkommenden Fahrzeugen nicht möglich. Zum Glück gibt es nur wenige Verrückte, die auf dieser Strasse fahren und Menschen leben in dieser abgelegenen Gegend auch nicht so viele.

Geschafft. Wir haben die Schotterpisten hinter uns gelassen und fahren wieder auf geteerter Strasse. Aber auch hier gibt es Hindernisse. Die beiden Schafe haben sich wohl verlaufen oder sind gerade auf dem Nachhauseweg nach einem Ausflug.

Unser Charly hält durch und bis anhin hat er uns noch kein einziges Mal im Stich gelassen. Hoffentlich verläuft auch der Rest der Neuseelandreise so problemlos.

Auf einer Passhöhe erhaschen wir noch einen letzten Blick durch die Bäume, bevor wir wieder nach Christchurch runter fahren.

Leider regnet es in Kaikoura wieder einmal und auch für die nächsten Tage ist schlechtes Wetter angesagt. Nicht gerade optimales Wetter um die Outdoor Aktivitäten dieses Ortes zu geniessen. So verziehen wir uns zuerst einmal in ein Kaffee. Gegen Mittag hellt es ein bisschen auf und wir schauen uns die Pelzrobbenkolonie an. Bereits auf dem Parkplatz treffen wir auf die ersten Tiere. Ganz genüsslich liegt dieser hier zwischen den Bäumen und er lässt sich auch nicht stören als wir nebenan parkieren.

Auf den Felsen am Meer hat es noch ganz viele Pelzrobben. Eins haben alle gemeinsam. Sie liegen da und schlafen, lassen sich nicht von Touristen stören und scheinen völlig entspannt zu sein.

Nun sind wir bald am Ende der Reise durch die Südinsel von Neuseeland angelangt. Da das Wetter auf der Südinsel auch in den nächsten Tagen nicht besser zu werden scheint, wollen wir unsere Fähre umbuchen und schon ein bisschen früher auf die Nordinsel reisen. Auf der Fahrt von Kaikoura nach Picton fahren wir nochmals an Weinbaugebieten vorbei und zeitweise haben wir sogar nochmals ein bisschen blauen Himmel.

Auch in Picton, wie in allen andern grösseren Häfen von Neuseeland, sehen wir erschreckend viel Holz liegen. Ganze Plätze sind voll mit abgeholzten Wäldern und auch auf den Strassen sehen wir sehr viele Holztransporte. Auf unserer Reise haben wir viele abgeholzte Hügel gesehen und wir haben auch viel über die Abholzung der früheren Zeiten gehört und gelesen. Erschreckend ist, dass anscheinen nach wie vor extrem viel Wald abgeholzt wird und die Natur so völlig ausgebeutet wird.

Hier ein paar Daten die wir im Museum TePapa bezüglich der Veränderung der Landschaft Neuseelands gefunden haben.

Vor 800 Jahren waren rund 85% der Fläche Neuseelands bedeckt von Wald. Heute ist die Fläche des Waldes auf nur noch gerade 25% geschrumpft.
Als die ersten Menschen aus dem Ostpazifik einwanderten, war nur gerade 5% der Fläche bedeckt mit Gras und der Rest war Wald, Sumpflandschaft oder Berge. Heute sind 51% der Fläche genutzt für Grasanpflanzung. Zwischen 1200 und 1400 wurden grosse Flächen Wald gerodet und die Waldfläche wurde auf rund 55% reduziert. Als um 1840 die ersten Europäer einwanderten, wurde weiterhin grossflächig Wald gerodet und die Waldfläche auf 25% reduziert. Wir sind gespannt wie es weitergehen wird und wir hoffen, dass ein Teil der abgeholzten Gebiete wieder aufgeforstet werden. Vor allem hoffen wir auch, dass in Zukunft nicht mehr ganze Landstriche und Hügel abgeholzt werden, wie wir es an vielen Orten gesehen haben. Es ist nicht nur schlecht für die Natur sondern sieht auch sehr hässlich aus. All die Erdrutsche und die Erosionsprobleme im Land sollten eigentlich zum Denken anregen.

Wir konnten unser Fährticket ohne Probleme umbuchen und hoffen auf etwas besseres Wetter auf der Nordinsel. Im Hafen von Picton, wo wir bereits auf der Fähre sind, fährt gerade die Voldendam ein. Ein Kreuzfahrtschiff das unter Holländischer Flagge fährt.

Ein letzter Blick zurück auf den Hafen von Picton und die Südinsel.

Wir hoffen unser Reisebericht hat euch gefallen und freuen uns auf euren nächsten Besuch auf unserer Webseite.

Vielen Dank für euer Interesse.

Unter Glühwürmchen und Leuchttürme in Neuseeland findet ihr den nächsten Reisebericht.

Bis bald,

Marcel und Reni


Folgende Bücher haben uns bei der Vorbereitung und auf der Reise durch Neuseeland weitergeholfen und können wir empfehlen:

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