Neuseeland 2009 – Reisebericht 3

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Ganz im Süden von Neuseeland

In den ersten beiden Reiseberichten haben wir unsere Erlebnisse an der Westküste der Südinsel beschrieben. Gut 20 Tage sind wir nun in Neuseeland unterwegs und befinden uns nun im Süden der Südinsel. Am 27. Januar fahren wir von Kingston über Te Anau nach Milford Sound. Die Strasse ist sehr kurvenreich und geht hoch und runter. Wir fahren über Passstrassen und durch herrliche Täler. Das Fjordland liegt im Südosten der Südinsel. Hier finden wir eine sehr zerklüftete Landschaft mit vielen Hügeln und Tälern vor, die nur sehr dünn besiedelt ist.

Trotz der vielen Kurven kommen wir sehr gut voran und wir sind schneller, als wir eigentlich erwartet haben. Die Strecke von Te Anau nach Milford Sound ist 119km lang, äusserst abwechslungsreich und zum Teil extrem kurvenreich. Als wir in Milford Sound ankommen erkundigen wir uns zuerst, ob wir heute noch auf eine Fahrt mitkönnen. Das Timing stimmt und es gibt noch eine Menge Platz auf der nächsten Fahrt. Wir eilen zum Auto zurück und bereiten unseren Lunch vor (wir haben nämlich noch nichts zum Mittagessen bekommen und es ist doch schon zwei Uhr). Dann geht's zurück zum Hafen und schon fährt unser Boot, die Lady of the Sounds, in den Hafen ein.

Milford Sound ist eine Fjordlandschaft mit vielen Hügeln, Bergen, Wasserfällen und verborgenen Buchten. Für die Erkundung dieser Landschaft kommt nur ein Fahrzeug auf dem Wasser in Frage. Mit der Lady of the Sounds gehen wir also auf eine der Touren um die herrliche Fjordlandschaft zu erkunden.
Im Hintergrund sind die hohen, zum Teil schneebedeckten, Gipfel der bis zu 2'000 Meter hohen Berge zu erkennen. Auf der linken Seite ist der 1'682 Meter hohe Mitre Peak sichtbar. Dies ist der höchste sich direkt aus Meereshöhe erhebende Berg der Welt. Seinen Namen verdankt der Berg seiner Form, die einer Bischofsmütze ähnelt.Auf der rechten Seite ist der mit eine Schneekuppe versehene Gipfel des Mount Pembroke.

The Lady Bowen Falls sind die höchsten Wasserfälle im Milford Sound und ergiessen sich aus einer Höhe von 161 Meter in die Tiefe. Die Fälle wurden nach der Ehefrau eines der ersten Gouverneure Neuseelands benannt.

Immer wieder fahren wir um einen Felsvorsprung und dahinter eröffnet sich eine ganz neue Welt die zuvor verborgen war. Als wir diesem Felsvorsprung näher kommen sehen wir plötzlich, dass sich auf dem Fels Pelzrobben sonnen

Die Pelzrobben lassen sich von uns überhaupt nicht stören. Sie geniessen das Sonnenbaden und liegen gemütlich auf den Felsen.

Die 155 Meter hohen Sterling Falls wurden nach Captain Sterling benannt, einem der frühen Erforscher dieses Gebietes.

Unseren Schlafplatz für heute finden wir auf einem DOC Campground, der superschöne Plätze mit Feuerstellen hat. Gleich hinter unserem Schlafplatz finden wir einen sehr dichten Wald mit moosigem Boden.

Auf der Feuerstelle die zu unserem Platz gehört, zaubern wir trotz starkem Wind und etwas feuchtem Holz ein herrliches Feuer. Die Würstchen schmecken halt auf einem richtigen Holzfeuer doch am Besten.

Reni der Wurstesser in voller Aktion. Die Sonne scheint zwar, aber der Wind ist unangenehm kühl und so müssen wir rasch essen, damit nicht unser ganzes Essen kalt wird. Nach dem Nachtessen verziehen wir uns rasch in unseren Bus, da ist es wenigstens windstill.

Die Nacht war extrem kalt und wir haben ganz schön gefroren. Auch lange Hosen, drei Shirts und Socken haben nicht viel geholfen. So brauen wir uns am Morgen zuerst einmal einen heissen Kaffe, um uns wenigstens ein bisschen aufzuwärmen. Wir befinden uns halt doch auf rund 500 Meter über Meer, inmitten einer Bergwelt mit Schnee, wie das Bild unserer Weiterreise zeigt.

Auf dem Rückweg von Milford Sound nach Te Anau fahren wir wieder über die sehr kurvenreiche Passtrasse. Die Passtrasse wurde im Jahre 1928 von rund 200 Strafarbeitern erbaut, die keine Maschinen sondern nur Schaufeln und Schubkarren zur Verfügung hatten. Der 1'219 Meter lange Humer Tunnel, den wir durchfahren müssen, ist nur einspurig und es gibt ein Lichtsignal. Das Lichtsignal steht gerade auf rot und so haben wir eine Viertelstunde Zeit die herrliche Bergluft zu geniessen. Die Zeit verkürzt uns ausserdem ein sehr neugieriger Kea. Die Keas sind eine Papageienart, die hier in freier Bergwelt leben.

Auf der Fahrt von Te Anau zur Küste schauen wir uns die historische Hängebrücke von Clifden an. Die Hängebrücke ist 111.5 Meter lang und führt über den Waiau Fluss. Die Planung der Brücke wurde im Jahre 1896 gestartet und die Brücke wurde im April 1899 nach 10monatiger Bauzeit eröffnet.

Gleich neben der Hängebrücke finden wir ein anderes altes Bauwerk. Dieses alte Cottage scheint nicht mehr bewohnt zu sein. Das Schaf im Vordergrund hält aber die Wiese vor dem Haus in Schuss.

Dieser Schafbock posiert extra für eine Aufnahme und zeigt uns stolz seine gedrehten Hörner.

Wir erreichen die Küste und suchen uns erst mal einen schönen Platz fürs Mittagessen. Im völlig verschlafenen Fischerdorf Cosy Nook finden wir ein herrliches Plätzchen direkt am Meer.

Das Dorf besteht aus ein paar Häusern, die aber nur noch teilweise bewohnt sind. Es stehen noch einige alte Fischerboote hier die auf Eisenbahnschienen ins Meer geschoben werden können. Die Schienen sind aber völlig mit Gras überwachsen. Mit den Booten scheint also niemand mehr zu fischen.

Über eine Schotterstrasse erreichen wir die Bucht von Waipapa. Hier steht ein Leuchtturm und es gibt schöne Sanddünen. Leider scheint die Sonne nicht und der Wind weht sehr stark. Wir können leider unser Nachtessen nicht am Strand geniessen.

Der Leuchtturm wurde erbaut nachdem am 29. April 1881 das Dampfschiff SS Tararua auf das vorgelagerte Riff aufgelaufen und am Morgen des 30. Aprils gesunken ist. Von den 151 Passagieren und Besatzung haben trotz der nahen Küste 131 Menschen das Unglück nicht überlebt.

Der Strand ist das Zuhause dieser beiden riesigen Seelöwen. Die beiden lassen sich durch meine Nähe nicht stören und faulenzen getrost weiter.

Der Slope Point ist der südlichste Punkt der Südinsel Neuseelands. Will man noch südlicher gehen muss man per Boot auf die Stewart Island fahren, die der Küste vorgelagert sind. Kein Wunder ist es hier kühl. Bis zum Südpol sind es nur noch 4'800km. Jetzt wird es Zeit, dass wir wieder näher zum Äquator fahren.

Leider verschlechtert sich das Wetter zusehends und es wird immer stürmischer. Bei der Porpoise Bay entscheiden wir uns auf den Campground zu fahren und dort das schlechte Wetter auszuharren. Im seichten Wasser der Bucht tummeln sich Hectors Delfine und lassen sich vom schlechten Wetter kein bisschen stören. Die Hectors Delfine sind sehr klein und mitunter eine der rarsten Delfinarten. Weltweit soll die Population nur gerade um die 7'000 Tiere betragen. Die Delfine kommen sehr nahe zum Strand, um im von den Wellen und Sand getrübten Wasser zu jagen.

Am nächsten Morgen regnet es zwar beim Aufstehen gerade einmal nicht, aber nach dem Frühstück beginnt es wieder zu giessen. Wir entscheiden uns trotzdem weiterzufahren und legen einen Stopp bei den Purakaunui Falls ein. Der Weg zu den Wasserfällen ist nur etwa 15 Minuten entfernt und im Wald sind wir vor dem Regen etwas geschützt. Der verregnete Spatziergang hat sich gelohnt, denn die mehrstufigen Wasserfälle sind ein sehr schönes Fotomotiv.

Zum Glück lässt nun der Regen etwas nach und es hellt wenigstens ein bisschen auf. Wir stoppen auf dem Weg um Jack's Blowhole anzuscheuen. Dies ist ein 55 Meter tiefes Loch das rund 200 Meter vom Meer entfernt mitten im Weideland liegt. Das Loch hat einen Durchmesser von rund 100 Metern und ist unterirdisch durch einen natürlichen Kanal mit dem Meer verbunden. Wenn nun eine Welle gegen die Küste rollt, dann wird Wasser durch den 200 Meter langen unterirdischen Kanal gedrückt und im Jacks Blowhole spritzt das Wasser hoch. Den nächsten Stopp legen wir beim Nugget Point ein.

Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir den Leuchtturm aus dem Jahre 1870. Von hier aus haben wir eine super Aussicht auf das Meer und die Felsen, die aus den heranrollenden Wellen emporragen. Auf den Felsen tummeln sich Seelöwen, Pelzrobben und viele verschiedene Vogelarten.

Nun geht es weiter auf völlig verlassenen Strassen Richtung Dunedin, der nächsten grösseren Stadt, wo wir hin wollen. Auf dem Weg nach Dunedin finden wir einen schönen Schlafplatz direkt am Meer.

Am nächsten Morgen machen wir auf der Fahrt nach Dunedin noch einen letzten Halt um den Tunnel Beach anzuschauen. Leider ist der Himmel immer noch bewölkt aber wenigstens regnet es nicht mehr.

Nach etwa einer halben Stunde Fussmarsch ereichen wir die sehr eindrucksvolle Küste mit dem Tunnel Beach. Die Felswände sind von den konstant heranrollenden Wellen ausgewaschen und auch eine riesige Unterspülung ist durch die stetige Wasserbewegung entstanden. Der Strand selbst liegt verborgen in einer kleinen Bucht inmitten der unglaublichen Felsformationen und ist durch einen künstlichen Tunnel erreichbar. Der Tunnel wurde von Hand in den Fels gehauen. Den Auftrag dazu hat John Cargill erteilt, der Mitglied des ersten Parlamentes von Neuseeland war. Er wollte für seine Familie den Strand als Picknickplatz erschliessen.

Hier ist kein Riese ins Wasser gesprungen. Was von oben ein bisschen aussieht wie die Haare eines abgetauchten Riesen ist in Wahrheit Kelp.Kelp wächst in Wäldern unter Wasser im klaren, flachen Meer und benötigt nährstoffreiches, kaltes Wasser bei einer Temperatur von unter 20°C. Pelzrobben lieben es in den Kelpwäldern zu spielen und zu jagen:

Gegen Mittag erreichen wir Dunedin. Die Stadt Dunedin mit rund 100'000 Einwohnern gefällt uns sehr gut. Sie ist nicht riesig, aber wir finden alles was wir brauchen.Das Stadtzentrum ist überschaubar und wir können zu Fuss alle Sehenswürdigkeiten erreichen. Dunedin hat vor allem sehr schöne Bauwerke im Viktorianischen Stil, schöne Kirchen und steile Strassen.

Dunedin ist der keltische Name für Edinburgh. Kein Wunder, denn die ersten europäischen Einwanderer die im März 1848 in Dunedin ankamen waren von Schottland. Diese Schottischen Wurzeln können wir auch heute noch deutlich in Dunedin erkennen.

Dieses herrliche Gebäude ist die Railway Station, von wo aus noch heute die Züge losfahren. Wir bestaunen vor allem auch den herrlichen Garten vor dem Bahnhofsgebäude.

Die First Church of Otago wurde im Jahre 1873 fertig gestellt und wird von dem 56 Meter hohen Kirchturm überragt. Die Kirche wurde vom Architekten Robert Lawson geplant und mit Kalkstein im Gotischen Stil erbaut.

Das Innere der Kirche wird von Holz und Stuckatur beherrscht und die Kirche hat sehr schöne, farbige Kirchenfenster.

Diese Kirche wird heute als Theater genutzt. Natürlich ist die Kirche nicht schräg gebaut sondern die Strasse ist recht steil.

Von wegen steile Strasse. Die Baldwin Street ist gemäss Guinness Buch der Rekorde offiziell die steilste Strasse der Welt. Im steilen Teil der Strasse, der 161.2 Meter misst, bewältigt die Strasse eine Höhe von 47.2 Metern, was einen durchschnittlichen Steigungsgradienten von 1 zu 3.41 ergibt. Der steilste Steigungsgradient liegt bei 1 zu 2.86.

Wir gehen zu Fuss die Strasse hinauf, da wir unserem Charly die Mühe ersparen wollen. Zum Glück gibt es hier keine Winter mit viel Schnee, sonst würden wohl die Anwohner mit dem Auto kaum mehr zu ihren Häusern gelangen. Die Strasse ist so steil, dass der Gehsteig eine Treppe ist.

Die Häuser sind stark in den Berg gebaut und die ganze Welt scheint irgendwie etwas schräg.

Nach der Besichtigung von Dunedin fahren wir das erste Mal auf die Halbinsel Otago, die von Dunedin her nur eine kurze Autofahrt ist. Die Otago Halbinsel bietet wunderschöne Wanderungen, eine riesige Fülle von Wildtieren und eine herrliche Küstenlandschaft mit Steilküsten, Sandstränden und kleinen Buchten. Zuerst schauen wir uns die Sandfly Bay an. Es stellt sich heraus, dass es hier gar nicht so viele Sandfliegen gibt, wie der Name erwarten lässt. Dafür ist der Abstieg und vor allem später der Aufstieg über den sehr steilen Sandhügel umso abenteuerlicher. Der Zugang zur Sandfly Bay führt über eine riesige, steile Sanddüne, die zwischen dem Strassenende und dem Meer liegt.

Wir gehen am Strand entlang und dabei begegnen wir diesem riesigen Seelöwen. Er lässt sich kaum stören von uns und gähnt genüsslich. Wir sind so nahe, dass wir den üblen Mundgeruch des Seelöwen riechen. Wir würden dem Seelöwen dringend eine Zahnpflege empfehlen, haben aber nicht versucht ihm die Zähne zu putzen.

Auf dem Rückweg sehen wir doch wirklich noch einen Gelbaugen-Pinguin aus dem Wasser kommen und über den Strand watscheln. Wir sind zwar recht weit von ihnen entfernt, aber es ist trotzdem sehr eindrucksvoll diesen tollpatschigen Pinguin in freier Wildbahn zu beobachten.

Am nächsten Tag erleben wir wieder einen wunderschönen Tag. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint und es windet sehr stark. Wir fahren wieder auf die Otago Halbinsel, wo wir wandern gehen. Den Allans Beach auf dem Foto werden wir später noch anschauen gehen. Zuerst wandern wir aber über die windigen Hügel.

Wir wandern auf den Hügelzügen durch Schafweiden und geniessen die herrliche Aussicht. Auf den riesigen Weiden fressenden die Schafe genüsslich und wir erfreuen uns über die Aussicht auf das Meer.

Die Hügel der Küste sind mit goldenem Gras überzogen das im Wind wogt. Der Wind ist so stark, dass wir richtig arbeiten müssen um gegen den Wind zu gehen. Als wir den Hügelkamm überqueren wollen, haben wir richtig Mühe dies gegen den Wind zu schaffen. Wir müssen uns in den Wind lehnen. Meine Sonnenbrille wird mir vom Kopf gerissen und um ein Haar davon geweht. Zum Glück erwische ich die Brille noch ein paar Meter weiter entfernt im Gras.

Die Büsche und Bäume sind dem Wind voll ausgesetzt und der bläst hier erbarmungslos. Für die Pflanzen gibt es hier nur eine Möglichkeit zu überleben, sie müssen sich den Bedingungen anpassen. So wachsen die Büsche und Bäume einfach in der Windrichtung. So ergeben sich die skurrilsten Formen und die Büsche und Bäume sind sehr einseitig.

Diese Baumreihe ist von dem stetigen Wind in die eine Richtung mächtig zur Seite geneigt und hängen über die Strasse. Hoffentlich halten die Bäume dem Wind auch noch stand solange wir brauchen um an der Baumallee vorbei zu fahren.

Am Allans Beach werden wir erst Mal gründlich sandgestrahlt. Der Wind peitscht den losen Sand dem Strand entlang und wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel Sand in die Augen bekommen. Leider sind wir hier am Strand dem Wind voll ausgesetzt und haben kaum die Möglichkeit uns irgendwo in den Windschatten zu stellen. Noch gehen wir mit dem Wind, wie wird das wohl, wenn wir zurück gegen den Wind gehen müssen?

Nachdem wir ein Stück dem Strand entlang gehen, treffen wir auf diese Pelzrobbe die gerade von einem Festschmaus aus dem Meer zurückkehrt.

Die Pelzrobbe wälzt sich genüsslich im Sand und wir sitzen einfach auf einem Fels und schauen dem Schauspiel zu. Die Pelzrobbe kommt immer näher und am Ende muss Reni plötzlich einen Sprung zur Seite machen. Reni ist ganz verdattert und die Robbe schaut mit ihrem treuherzigen Blick als ob sie keiner Fliege was tun könnte.

Dieser weisse Seelöwe scheint ganz schön müde zu sein. Er öffnet kaum seine Augen und beachtet uns überhaupt nicht. Er weiss wohl genau, dass er von uns nichts zu befürchten hat und er der Stärkere ist.

Auf dem Weg von Dunedin nach Oamaru machen wir Halt bei den Moeraki Boulders. Die einzigartigen, runden Moeraki Boulders liegen am Strand zwischen Moeraki und Hampden. Über 50 Stück dieser bis zu 2.2 Meter Durchmesser grossen und bis zu 7 Tonnen schweren Kolosse wurden bisher durch die natürliche Erosion freigelegt.

Wissenschaftler glauben, dass die Entstehungsgeschichte der kugelrunden Steingebilde 60 Millionen Jahre zurückgeht. Es sind Konkretionen, die durch die Veränderung des Meeresspiegels und der Küste freigelegt wurden. Konkretionen sind harte Zusammenballungen/Verdichtungen, die über Zeit und unter Druck aus Sedimenten gebildet werden. Diese Konkretionen können ganz kleine Kugeln aber auch bis zu drei Meter grosse Gebilde sein. Einige der Konkretionen von Moeraki mit Durchmessern über zwei Meter sind also sehr grosse Exemplare. Auf dem unteren Bild ist das Innere einer aufgesprungenen Kugel zu sehen.

Am Nachmittag erreichen wir Oamaru, eine kleine Stadt an der Küste mit rund 12'000 Einwohnern. Die Stadt erreichte einen gewissen Reichtum im 19ten Jahrhundert mit dem verschiffen von tiefgefrorenem Fleisch. Zudem wurde in der Region das Baumaterial Kalkstein entdeckt und so entstand eine Stadt voller wunderbarer Gebäude in klassischer Form.

Weil der Hafen eine wichtige Rolle spielte entwickelte sich die Gegend rund um den Hafen als erstes. Heute werden die einst verwahrlosten Gebäude Schritt für Schritt instand gestellt und wieder neu genutzt. In den Viktorianischen Gebäuden sind heute wieder Restaurants, Shops und Firmen untergebracht und das Quartier verströmt einen ganz speziellen Charme.

Oamaru ist nebst der Architektur auch bekannt für die Pinguinkolonien. Es gibt zwei verschiedene Arten von Pinguinen hier. Die Gelbaugenpinguine und die Blauen Pinguine. Am Abend wollen wir die Rückkehr der Blauen Pinguine in die Kolonie beobachten. Auf dem alten Steg neben der Pinguinkolonie lebt noch eine andere Vogelart. Diese riesige Kolonie von Krähenscharben sehen von weitem auch schon fast ein bisschen aus wie Pinguine. Die Krähenscharben (Engl. Shag) gehören zur Familie der Kormorane und sind ca. 70 cm gross.

Auf dem Weg zur Pinguinkolonie sehen wir bereits die ersten beiden Pinguine.

Die Oamaru Blue Pinguin Colony wurde 1992 angesichts der Bedrohung des natürlichen Lebensraumes der Pinguine im Hafengebiet gegründet. Die Kolonie verfügt über 180 Nistkästen in denen die Pinguine leben. Seit der Gründung wurden aus aus den 33 über 130 brütende Paare. Die Blauen Pinguine sind die kleinsten Pinguine und erreichen nur etwa ein Grösse von 30 cm und ein Gewicht von rund einem Kilogramm. Die Pinguine verlassen das Nest vor dem Sonnenaufgang und verbringen den Tag zur Nahrungssuche im Meer. Erst nach dem Eindunkeln kehren die Pinguine zu ihren Nistplätzen zurück um ihre Jungen zu füttern. Während der Brutzeit ist immer nur ein Elternteil mit der Nahrungssuche beschäftigt und der andere Elternteil bleibt im Nest bei den Jungen.

Die Rückkehr der Pinguine aus dem Wasser wird jeden Abend von unzähligen Schaulustigen mitverfolgt. Zum Schutze der Pinguine wurde dazu eine Tribüne gebaut, von der aus die Beobachter die Pinguine auf ihrer Rückkehr aus dem Meer über eine Rampe in die Nistplätze beobachten können. Wir beobachten rund 100 Pinguine und sind von der tollpatschig wirkenden Wesen völlig begeistert. Als wir nach dem Beobachten zurück zu unserem Bus gehen, stehen einige Pinguine auf dem Parkplatz und scheinen sich verirrt zu haben. Sie werden aber ihren Brutplatz bestimmt auch noch finden, denn die Jungen begrüssen die Eltern lautstark und rufen nach Nahrung.

Wir fahren zu unserem Schlafplatz ausserhalb von Oamaru direkt an der Küste. Im Scheinwerferlicht unseres Wagens tauchen auf einem kleinen Sandhügel plötzlich zwei Pinguine auf. Dise Pinguine sind etwas grösser und es handelt sich um Gelbaugenpinguine. Wir schlafen heute Nacht also direkt neben den Pinguinen. Am Morgen werden wir dann auch lautstark von den Pinguinen geweckt. Noch vor Sonnenaufgang geht eine grosse Diskussion zwischen den beiden Pinguineltern los. Wahrscheinlich wird darüber diskutiert, wer denn heute im Nest bleibt und wer sich in die Wellen stürzen muss und den Tag mit der Suche nach Nahrung verbringen wird. Mit schlafen ist also erst Mal nichts mehr. Ich entscheide mich aufzustehen und den Sonnenaufgang über dem Meer zu geniessen. Es ist zwar sehr kalt, aber die Aussicht entschädigt das Frieren.

Aus meinem Versteck kann ich die Pinguine sehr gut beobachten, ohne dass ich die scheuen Kreaturen störe und die Pinguine bemerken gar nicht, dass ich da bin. Der Gelbaugenpinguin ist einer der seltensten Pinguine. Die Pinguine werden 63 bis 69 cm gross, wiegen 5 bis 8 kg und werden 18 bis 20 Jahre alt.

Der eine Elternteil ist losgezogen und wird nun den Tag im Meer damit verbringen, um genügend Futter zu sammeln. Erst beim Eindunkeln wird der Pinguin wieder an Land kommen und dann den Nachwuchs füttern. Diese Familie scheint zwei Junge aufzuziehen.

Die Sonne geht langsam auf und es wird hell. Die Sonnenstrahlen bringen auch ein bisschen Wärme. Links auf dem Bild ist das eine Junge zu sehen, dass noch ein ganz anderes Gefieder und Färbung hat als der erwachsene Pinguin auf der rechten Seite.

Auf der Fahrt Richtung Norden machen wir einen kleinen Abstecher ins Landesinnere um die Elephant Rocks anzuschauen. Wenn wir diesen Fels so anschauen ist uns klar, wieso die ausgewaschenen Kalksteinformation den Namen Elephant Rock erhalten hat. Die Felsformation entstand durch die Erosion über Millionen von Jahren, die den verhärteten Kalkstein freigelegt hat.

Der Peel Forest bietet einige schöne Wanderungen durch den Wald. Zuerst gehen wir den kurzen Big Tree Walk und schauen uns die grossen Bäume an. Der eine Totara hat einen Stamm von fast drei Metern Durchmesser und hat ein geschätztes Alter von etwa 1'000 Jahren.Er ist 31 Meter hoch und hat einen Umfang von 8.4 Metern.

Da es bewölkt ist, entscheiden wir uns für den Allans Track der 2 bis 3 Stunden dauert. Auf dem ersten Teil des Tracks folgen wir dem Fern Walk. Im Peel Forest gibt es rund 68 verschiedene Arten von Farn. Wir versuchen möglichst viele verschiedene Arten zu finden und siehe da, wir finden immer wieder neue Arten von Farn.

Leider wird das Wetter immer schlechter. Dichte Wolken ziehen auf und es beginnt leicht zu regnen. Zum Glück haben wir einen kurzen Walk gewählt und es wird Zeit zurück zum Wagen zu kommen.

Wir hoffen euch mit unserem Bericht einen weiteren Einblick in das Kiwi-Land zu geben.

Unter Die Ostküste der Südinsel findet ihr den nächsten Reisebericht.

Vielen Dank für euer Interesse.

Bis bald,

Reni und Marcel


Folgende Bücher haben uns bei der Vorbereitung und auf der Reise durch Neuseeland weitergeholfen und können wir empfehlen:

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