Neuseeland 2009 – Reisebericht 2

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Die wilde Westküste der Südinsel

Nach den wunderbaren Tagen im Norden der Südinsel reisen wir am
21. Januar weiter zur Westküste. Die Fahrt vom Farewell Spit führt uns über das Takaka Gebirge durch das Motueka Tal. Über kurvenreiche Strassen, Berge und Täler erreichen wir schlussendlich Murchison, wo wir übernachten. Am nächsten Morgen geht die Fahrt weiter durch die Bullerschlucht an die Westküste. Wir fahren auf dem Highway No. 6, eine traumhaft schöne Strecke mit vielen Aussichtspunkten auf die wilde Westküste. Die Klippen und das raue Meer sind superschön zum anschauen.

An der Westküste erwarten uns wieder einige Attraktionen. Als erstes besichtigen wir die Punakaiki Pancake Rocks. Punakaiki liegt am Highway zwischen Westport und Greymouth. Diese Strecke gilt als einer der schönsten Strecken in Neuseeland.Hier ein Beweisbild.

Die Punakaiki Pancake Rocks gehören zum Paparoa Nationalpark. Eine Berg- und Meerlandschaft voller Schönheit und Überraschungen. Uns beeindrucken vor allem die Klippen und die tosenden Wellen.

Die Felsformationen werden Pancake Rocks genannt, da die riesigen Felsen aussehen wie aufgeschichtete Pfannkuchen.

Der Rundgang zum Dolomite Point verspricht die beste Aussicht auf die pfannkuchenartigen Formationen und die zerklüfteten Felsen. Unglaublich wie diese Felsen über Jahrzehnte von den Wellen ausgewaschen und durchlöchert wurden.

Wir verabschieden uns von den Klippen und fahren runter zum Strand. Mittlerweilen haben sich die Wolken fast vollständig aufgelöst und wir geniessen die Sonne und den blauen Himmel. Hier hat Marcel sein Kunstwerk hinterlassen.

Noch mehr Steinmännchen finden wir gleich neben dem Parkplatz.

Nach diversen Fotostopps an der Westküste erreichen wir gegen Abend die Stadt Greymouth. Auf der Suche nach einem Schlafplatz fahren wir per Zufall zur Brunner Suspension Bridge. Eigentlich wollten wir den Grey River überqueren, doch das ist mit dem Auto nicht möglich. So steigen wir aus Neugierde einfach mal aus und sehen uns das Ganze aus der Nähe an. Wir sind in der Brunner Mine Historic Area gelandet.

Während wir uns umschauen finden wir eine Tafel mit interessanten Informationen. Thomas Brunner entdeckte 1848 Kohle an diesem Platz. Die kommerzielle Kohlengewinnung startete 16 Jahre später. Von 1864 bis 1942 waren bis zu 8 Minen laufend in Betrieb und es wurde Steinkohle gewonnen. Die Produktion war im Jahre 1901 auf dem Höhepunkt. Unter anderem lesen wir auch über das Brunner Desaster. Am 26. März 1896 morgens um halb neun gab es in der Brunner Mine eine Explosion. Dabei kamen alle 67 Mitarbeiter die an dem Tag am Arbeiten waren um. Dies war das schlimmste Minenunglück in der Geschichte Neuseelands.

Nach einer erholsamen Nacht erwachen wir früh morgens. Das Wasser im Grey River ist spiegelglatt und uns erwartet ein sonniger Tag.

Auf der Fahrt sehen wir immer wieder interessante Strassenschilder. Hier das Achtung-Kiwi-Schild. Der Kiwi ist das bekannteste Tier Neuseelands. Der Kiwi ist ein kleiner, rundlicher, flugunfähiger Vogel. Es ist schon eine Herausforderung einen Kiwi in der Natur zu sehen, denn zum einen sind die Tiere nachtaktiv und mit ihrem bräunlichen Gefieder gut der Umgebung angepasst. Leider sehen wir während unserer gesamten Reise keinen Kiwi in freier Laufbahn, aber immerhin ab und zu einen auf einem Strassenschild oder im Museum.

Auf der Weiterfahrt treffen wir auch auf eine Achtung-Pinguine-Tafel. Hier ist die Chance grösser einmal einen Pinguin zu sehen. Wir sind gespannt.

Gegen Mittag erreichen wir Greymouth. Mit 13'500 Einwohnern ist Greymouth die grösste Stadt der Westküste. In der Stadt hat es schön gepflegte alte Gebäude wie zum Beispiel das Speights Ale House.

Nach unserem Kurzbesuch in Greymouth fahren wir zur Shanty Town. Die nachgebaute Goldgräber Stadt ist in voller Funktionstüchtigkeit, wie einst 1880 im Goldrausch Zeitalter. Viele der Gebäude wurden stilecht nachgebaut oder renoviert.

Shanty Town kann ganz einfach zu Fuss erkundet werden. Es gibt aber auch eine Dampfeisenbahn, die im Halbstundentakt für die Besucher bereit steht.

Das Bahnhofsgebäude wirkt auf dem schwarz-weiss Foto richtig stilecht. Wir warten hier auf den Zug.

Die Fahrt mit der Dampfeisenbahn startet am Bahnhof und verläuft durch wunderschönen einheimischen Wald. Die Endstation ist die Holz-Sägemühle.

Hier steigen wir aus und schauen uns die Dampflokomotive einmal aus nächster Nähe an. Im Führerstand ist es sehr heiss. Kein Wunder, denn hier wird ja auch richtig eingeheizt, damit es später dampft.

Die Lokomotivführerin überprüft nochmals alles genau, bevor sie die nächsten Passagiere am Bahnhof abholt.

Bevor die Fahrt mit den nächsten Passagieren losgeht, überprüft die Lokomotivführerin den Wassertank und füllt entsprechend Wasser nach. Auch dies wird so wie früher gemacht.

Wir schauen uns zuerst die Waldsägemühle an. Diese wurde 2008 eröffnet und wir erhalten einen Eindruck davon, wie die Arbeit einer der ersten Waldsägemühlen an der Westküste Neuseelands ausgesehen hat.

Danach gehen wir Goldschürfen. Ein Experte führt uns die richtige Technik vor und wir machen es ihm nach. Das ist für uns die Hauptattraktion, denn wir finden tatsächlich ein Hauch von Gold. Das geschürfte Gold dürfen wir mit nach Hause nehmen. Zum einschmelzen ist es leider etwas zu wenig.

Der Weg führt uns weiter ins Chinatown. Der originalgetreue Nachbau entstand nach intensiven Recherchen und erinnert an die wichtige Rolle, welche die chinesischen Goldsucher beim Goldrausch an der Westküste spielten.

Was hat Marcel wohl angestellt?

Da übernachte ich lieber im Golden Nugget Hotel als im Gefängnis.

Nachdem ich Marcel gegen ein Lösegeld aus der misslichen Lage befreit habe, machen wir noch einen kurzen Spaziergang zum Aussichtspunkt, von wo wir das gesamte Shanty Town von oben betrachten können.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, denn für den heutigen Tag stehen zwei Gletscher Besichtigungen auf dem Programm. Auf der Fahrt stoppen wir kurz bei einem See. Der Nebel an der Hügelkette entlang gibt eine sehr schöne Stimmung.

Diese Brücke wirkt wie ein Käfig der von Autos wie auch von der Eisenbahn genutzt wird. Ausweichen ausgeschlossen. Wenn hier ein Zug entgegenkommt gibt es nur noch eine Möglichkeit: Rückwärts wegfahren. Ausweichen zwecklos!

Gebäude und Häuser werden in Neuseeland sehr fantasievoll und hübsch gestrichen.

Hokitika war im Goldrausch einst ein wichtiger und boomender Hafen. Heute ist es mit 4'000 Einwohnern ein eher verschlafenes Nest. Wir holen uns im Visitor Center die Broschüre für den Hokitika Heritage Walk. Hier eines der schönen Gebäude, das wir auf unserem Spaziergang bewundern.

Als Schweizer wollen wir die bekannten Gletscher, den Franz Josef und den Fox, unbedingt sehen. Obwohl Gletscher für uns ja nichts neues sind, ist es faszinierend zu wissen, dass nirgendwo sonst in diesen Breitengraden Gletscher und Meer so nahe zusammen sind. Rund 300'000 Besucher pro Jahr machen den Franz Josef Gletscher zur Touristenhochburg der Westküste. Ein Spazierweg führt bis rund 200 Meter nahe ran. Da die Gegend als niederschlagsreichstes Gebiet gilt, wächst der Gletscher seit einigen Jahren wieder.

Die früheren Maori kennen den Franz Josef als Ka Roimata o Hine Hukatere - Tränen von der Lawinenfrau. Eine Legende besagt, dass eine junge Frau ihren Liebsten in den Bergen verloren hat. Ihr unaufhörlicher Bach an Tränen sind zum Gletscher eingefroren.

Schon erstaunlich, vor einer Stunde waren noch am Meer und jetzt schauen wir aufs Gletschereis.

Der Fox Gletscher ist rund 25 km vom Franz Josef entfernt. Vom Parkplatz aus erreichen wir nach einem rund 10-minütigem Spaziergang die Aussichtsplattform. Von hier aus sind wir etwa 80 Meter vom Gletscher entfernt.

Seit 1985 wächst der Fox Gletscher durch stetigen Schneefall und Schmelze im Fussbereich. Es heisst, dass der Fox und Franz Josef Gletscher zehnmal schneller wachsen, als andere Gletscher auf dieser Welt.

Im Jahre 1928 wurden die ersten geführten Gletschertouren angeboten. Uns reicht es die Gletscherspalten aus Entfernung zu sehen.

Nach der Gletscherbesichtigung machen wir Mittagspause am Lake Matheson. Der Spaziergang rund um den See dauert rund eine Stunde. Schön, wie hier die schneebedeckten Berggipfel sich im See spiegeln.

Das ist vermutlich das letzte Mal, dass wir während unseres Neuseeland Aufenthaltes Schnee sehen.

Rund um den See ist Urwald und Dickicht. Unglaublich wie viel Moos an den Bäumen hängt. Das gibt dem Wald einen verwunschenen Touch.

Bevor wir wieder an die Küste fahren, machen wir einen Abstecher über Schotterstrassen am Cascade Fluss entlang. Die 20 Kilometer auf Schotterpisten geben uns so richtig das Gefühl am Ende der Welt zu sein. Hier geniessen wir die herrliche Aussicht, Ruhe und Abgeschiedenheit.

Der Tag geht schon wieder dem Ende entgegen, drum fahren wir weiter zur Jackson Bay. Das verschlafene Fischerdorf ist wie es scheint im Ausverkauf. Jedes Haus wird zum Verkauf angeboten. Kein Wunder, denn auch hier fühlt es sich an wie das Ende der Welt.

Trotz der Ende der Welt Stimmung gefällt uns dieses Dorf. Hier gibt es nämlich die weltbesten Fish and Chips. The Cray Pot ist ein mobiles Restaurant mit der Spezialität Fish and Chips. Da The Cray Pot keine Lizenz zum Alkoholverkauf hat, gilt BYO - Bring Your Own. Da holen wir doch gleich ein Bier aus unserer Kühlbox und geniessen ein superleckeres, fettiges, ungesundes Abendessen.

Nach dem Abendessen haben wir tatsächlich das Glück, zwei Pinguine zu beobachten. Es dauert eine Weile bis die zwei es schaffen aus dem kühlen nass aufzustehen. Die beiden sehen recht unbeholfen aus, bis sie einmal richtigen Stand haben. Sobald sie stehen, watscheln sie stolz von Dannen und verkriechen sich zum schlafen ins Gebüsch.

Ja, jetzt glauben wir es. Es gibt Pinguine auf der Fahrbahn.

Von der Jackson Bay fahren wir zurück in die Zivilisation.

Leider lässt sich die Sonne heute nicht blicken. Ist ausnahmsweise nicht weiter tragisch, da wir heute viel Zeit im Auto verbringen. Über den Haast Pass fahren wir nach Wanaka und weiter durch das Cardrona Valley.

Das Cardrona Hotel war 1863 das erste Mal in Betrieb. Nach kurzem Boxenstopp in Cardrona geht es weiter nach Arrowtown.

Die ehemalige Goldgräberstadt Arrowtown erlebte in den 1860er Jahren ihren Höhepunkt. Während dieser Zeit lebten über 7'000 Einwohner in der Stadt. Heute sind es noch rund 1'700 Einwohner. Arrowtown lebt heutzutage hauptsächlich vom Tourismus. Viele alte Bergmannshäuser, Geschäfte und Restaurants sind in den letzten Jahren für den Tourismus restauriert worden.

Am späten Nachmittag erreichen wir Queenstown. Da in Stadtnähe die Übernachtungsmöglichkeiten mit einem Camperbus eher schwierig sind, fahren wir am Wakatipu See entlang. Rund 10 km von Queenstown entfernt finden wir am See einen Spitzenplatz zum übernachten.

Da es auf diesem Zeltplatz keine Duschen gibt, heisst es ab in den eiskalten See für die Morgentoilette. Marcel ist mutig, ich war ein Feigling. Das Wasser ist nämlich wirklich eiskalt.

Queenstown ist supertouristisch und ideal für hyperaktive Leute, die gerne ein actiongeladenes Programm haben. Von Shotover Jet bis Bungy Jumping ist hier alles im Angebot. Nicht gerade das was wir suchen, deshalb beschränkt sich unser Besuch in Queenstown auf den einen Tag. Die Stadt selber ist hübsch und sehr überschaubar. Das Angebot an gemütlichen Cafes und Restaurants ist riesig und die Kulisse ist atemberaubend. Es hat hier alles was das Herz begehrt, aber ursprünglich ist es nicht, denn die Stadt ist voll mit Touristen.

Nach der Touristenstadt Queenstown entfliehen wir dem Rummel und fahren weiter nach Kingston. Wir kommen an der Hügelkette der Remarkables entlang und geniessen die Bergkulisse. Am frühen Nachmittag erreichen wir bereits einen gemütlichen Campingplatz, wo wir es uns auf der Wiese gemütlich machen. Die Sonne scheint herrlich und wir geniessen die warmen Sonnenstrahlen, solange diese da sind. Sobald nämlich die Sonne untergeht, wird es hier unangenehm kühl.

Leider hat sich das schöne, warme Wetter wieder verabschiedet. Nach einer sehr kalten Nacht erwachen wir etwas früher als sonst. So reicht es pünktlich auf die Abfahrt des Kingston Flyers. Um 10:15 Uhr fährt nämlich im Dorf die Dampflokomotive Kingston Flyer ab. Wenn wir schon hier sind, sehen wir uns doch die Abfahrt der Dampflok an.

Der Kingston Flyer verkehrte von 1878 bis Mitte der 1950er Jahre für Passagiere auf der Haupt Süd Linie zwischen Kingston und Gore. Am Hafen von Kingston stiegen die Passagiere dann auf das Dampfschiff um, um den Lake Wakatipu zu überqueren. Die Strasse um den See wurde erst im Jahre 1936 eröffnet.

Heute ist die Kingston Flyer für Touristen und Eisenbahnfreunde unterwegs. Die 14 km lange Zugfahrt von Kingston nach Fairlight ist sehr beliebt, denn sie führt durch spektakuläre Berglandschaft.

Auf der Weiterfahrt fangen wir die Dampflokomotive ab und schiessen noch ein Foto in der Natur.

So, das wär's wieder einmal. Jetzt gönnen wir uns eine kurze Pause vom anstrengenden Camperleben.

Wir hoffen euch mit unserem Bericht einen Einblick in das Kiwi-Land zu geben. Einiges haben wir nun bereits gesehen, viele Erlebnisse haben wir noch vor uns. Ihr hört bald wieder von uns.

Unter Ganz im Süden von Neuseeland findet ihr den nächsten Reisebericht.

Vielen Dank für euer Interesse.

Bis bald,

Reni und Marcel


Folgende Bücher haben uns bei der Vorbereitung und auf der Reise durch Neuseeland weitergeholfen und können wir empfehlen:

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