Namibia 2011 – Reisebericht 2

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Der Norden von Namibia

Als nächstes steht wieder ein Highlight von Namibia auf unserem Plan. Jeder der Bilder von Namibia gesehen hat, kennt bestimmt auch Bilder der roten Sanddünen der Namib Wüste, der ältesten Wüste der Welt. Die Namib Wüste gehört zum Namib Naukluft Park und ist mit einer Gesamtfläche von rund 50'000 Quadratkilometern das grösste Naturschutzgebiet von Namibia. Das Naturschutzgebiet umfasst einen rund 100 bis 150 Kilometer breiten Gürtel entlang der namibischen Küsten. Ein grosser Teil dieses Gebietes ist für Menschen nicht zugänglich. Lediglich ein kleines Gebiet nördlich des Kuiseb Flusses, das Naukluft Gebirge sowie das Sossusvlei in den Dünenfeldern kann man besuchen. Unser Ziel ist natürlich eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Namibia, das Sossusvlei. Hier finden wir unglaublich farbintensive Sanddünen. Je nach Sonnenstand, Sand- und Luftfeuchtigkeit leuchten die Dünen in verschiedenen Farben. Mal knallrot, mal eher braun. Im Reiseführer lesen wir, dass sich das Klima in rund 80 Millionen Jahren nur marginal verändert hat. Normalerweise herrscht in diesem Gebiet absolute Trockenheit. Die Lehmpfannen in den roten Dünen wirken mit ihrer weissen Farbe in starkem Kontrast zu den roten Dünen und dem stahlblauen Himmel sehr kitschig. Dieses Jahr ist hier aber alles anders. Wir erreichen gegen Abend des 6. Mai den Parkeingang und registrieren uns. Dabei erfahren wir, dass die Strasse zu den Dünen leider zur Zeit vom Tsauchab Fluss überflutet ist und somit unpassierbar für Fahrzeuge ist. Nur gerade die rund 5 Kilometer vom Camp gelegene erste Düne, die Elimdüne, kann besichtigt werden. Das enttäuscht uns natürlich sehr. Aber was will man gegen die Naturgewalten schon ausrichten? So hoffen wir, dass sich das Wasser bis morgen etwas gesenkt hat und wir doch noch zur berühmten Düne 45 und zum Sossusvlei fahren können.

NEU: Im Beitrag auf unserem Reiseblog SwissNomads verraten wir dir, was uns am Namibia Roadtrip so begeistert hat und wieso wir unbedingt nochmals nach Namibia wollen.

Wir sind gespannt auf die Dünenlandschaft und fahren zur Elimdüne, die sich ca. 15 Autominuten vom Sesriem Campingplatz befindet.

Die Elimdüne ist eine Sterndüne, das heisst sie hat eine pyramidale Spitze und drei ausfallende Arme. Von oben hat man eine super Sicht in die Umgebung. Wir sind zwar nur wenige Meter höher oben und doch sehen wir Dank klarer Luft und der flachen Landschaft recht weit.

Im Sand sind noch die Spuren vom letzten Regen und dem starken Wind zu sehen.

Es ist bereits wieder später Nachmittag und die Sonne nähert sich langsam dem Horizont. Die untergehende Sonne lässt den roten Sand und die Farben der Umgebung immer mehr leuchten. Das Gras in der Entfernung leuchtet golden.

Eigentlich könnte man meinen, dass im Sand nichts wächst und es auch sonst kein Leben gibt. Das stimmt aber nicht. Wir sehen auf unserer kurzen Wanderung viele Käfer, die sich schnell in den Sand einbuddeln. Die Käfer sind ganz schwarz und sehen aus wie der Helm von Darth Vader. Die Schwarzkäfer werden auch Tok-Tokkie-Käfer genannt. Aber auch Gekkos und Eidechsen scheinen den warmen Sand zu mögen. Welches Tier ist wohl hier im Sand rumgekrochen? Den Spuren nach ist ein grösseres Exemplar einer Echse vorbei spaziert.

Wir rutschen langsam die Düne runter. Schliesslich müssen wir bei Sonnenuntergang den Park verlassen haben. Beim Abstieg geniessen wir nochmals die schöne Abendstimmung und die intensiven Farben der Umgebung.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass sich die Situation mit der gefluteten Strasse zum Glück etwas entspannt hat. Da die Farben bei Sonnenaufgang am Schönsten sind, sind wir knapp eine Stunde vor dem Sonnenaufgang aufgestanden und losgefahren. Die Parktore öffnen zurzeit um 5.15 Uhr und als wir im Camp abfahren, ist noch finstere Nacht. Heute haben wir Glück. Das Wasser im Fluss ist soweit zurückgegangen, dass wir die Flussdurchfahren gut mit unserem Fahrzeug bewältigen können. Erst auf der 65 Kilometer langen Strecke zu den Dünen kündigt sich der Sonnenaufgang langsam an.

Wir erreichen den Parkplatz noch vor den ersten Sonnenstrahlen. Von hier aus startet eigentlich der 4x4 Track und für die normalen PW's ist Schluss. Die Weiterfahrt ist nur noch mit einem 4x4 tauglichen Fahrzeug möglich. Mit unserem Fahrzeug wären wir ja gewappnet für die letzten 5 Kilometer, die durch tiefen Sand führen. Im Moment ist hier allerdings für alle Fahrzeuge Schluss. Denn dort wo sich im Normalfall die Sandpiste befindet, ist ein reissender Fluss, der sich den Weg durch den Sand sucht. Das heisst von hier gehen wir zu Fuss.

Die Stimmung mit dem vielen Wasser ist sehr speziell. Eigentlich sollte es hier ja total trocken sein, denn die Namib-Wüste gilt als eine der trockendsten der Welt. Nur nicht im Moment. Wir erleben ein seltenes Naturschauspiel. Durch langanhaltende Regenfälle hat der Tsauchab Fluss Wasser bis zum Sossusvlei gebracht.

Wir sind ja gespannt, was uns auf der Wanderung über die Dünen erwartet. Wir starten also die letzten fünf Kilometer bis zum Sossusvlei.

Die Stimmung so früh am Morgen ist genial. Die Luft ist noch kühl und die Farben sind sehr intensiv mit der aufgehenden Sonne. Wir können uns kaum satt sehen und Marcel hat jede Menge zu tun mit Fotografieren.

Die Kombination mit Sonne und dem glitzernden Wasser in der Senke ist genial. Wir kommen uns vor wie in einer Märchenwelt.

Im Wasser spiegeln sich die Dünen. Wunderschön zum fotografieren.

Den ersten Kilometer kommen wir gut voran. Als Orientierung gehen wir immer dem Fluss entlang, dort wo eigentlich die Sandpiste für 4x4 Fahrzeuge durchgeht. Bald merken wir, dass wir durch den Fluss waten müssen, wenn wir bis zum Sossusvlei wollen. Hoffen wir mal, das Wasser ist nicht zu tief.

So heisst es zuerst einmal Schuhe ausziehen und rein ins kühle Nass. Kühl ist zwar nur der Vorname. Das Wasser ist eiskalt. Und das in der Wüste. Als wir im Fluss stehen, merken wir das die Strömung doch ganz stark zieht. Wir müssen uns gegenseitig festhalten und uns durch die Fluten kämpfen. Hier beginnt die Wanderung sehr schwierig und anstrengend zu werden. Immer wieder müssen wir uns einen Weg durch die überfluteten Stellen bahnen. Teilweise ist der Sand mit dem Wasser so weich und schwammig, dass wir bis zu den Knien einsinken. Nach einer anstrengenden Wanderung erreichen wir das bekannte Sossusvlei (Vlei = Lehmpfanne).

Von Fotos anderer Reisender ist uns dieser Baum bekannt. Auf allen Bildern, die wir bis anhin gesehen haben, steht dieser Baum inmitten der weissen, ausgetrockneten Lehmpfanne. Heute steht der dürre Baum knietief inmitten eines kleinen Sees. Sossus bedeutet in der Nama Sprache genau dieses Schauspiel "blinder Fluss". Die Dünen zählen mit rund 380 Meter Höhe gemessen vom Level der Lehmpfanne zu den höchsten Sanddünen der Welt.

Aber auch mit Wasser hat die Landschaft ihren Reiz. So haben wiederum Pflanzen die Mögichkeit zu wachsen.

Die Wüste lebt. Dank dem vielen Regen wachsen auch überall Blumen im Sand und auf den Dünen.

Wir machen uns wieder auf den Rückweg zum Parkplatz. Wir wandern wieder über Dünen und da die Sonne bereits recht hoch steht, sind auch die Temperaturen angestiegen. Mittlerweile ist es schön warm.

Die roten Dünen verändern sich ständig. Durch Winde wandern die Dünen oder verändern ihre Form. Für das Entstehen kleiner Dünen sind oft Pflanzen verantwortlich. Büsche binden den Sand zu einem grossen Haufen und durch Winde bleibt immer mehr Sand hängen bis der Sandhügel immer grösser wird.

Kurz nach dem Mittag erreichen wir den 2x4 Parkplatz. Gemütlich am Fluss, wo eigentlich der 4x4 Trail ist, essen wir unser Sandwich und gönnen uns eine ausgedehnte Pause. Wir plazieren unser Auto unter einem Baum, der herrlichen Schatten spendet. So machen Ferien Spass. Wir geniessen es, einfach mal Zeit zu haben.

Zum Zeitvertreib gesellt sich auch noch eine Krähe zu uns. Zuerste denken wir, was kuckt die denn so komisch. Hat die Krähe einen Vogel? Ah, nein. Sie kratzt sich bloss am Ohr.

Auf der Rückfahrt schiessen wir Fotos direkt aus dem Auto. Die Dünen sind Dank ihrer Form und Farbe sehr fotogen.

Vor der Düne präsentiert sich noch ein Springbock. Er ist ganz allein unterwegs. Ob er auf der Suche nach seiner Familie ist?

Auf der Fahrt zurück zum Camp halten wir noch bei der berühmten Düne 45. Die Düne 45 ist eine Kletterdüne. Da wir bereits beim Sossusvlei über verschiedene Dünen gewandert sind, geniessen wir von einem Baumstrunk aus die herrliche Aussicht auf die perfekte rote Düne.

Wir warten auf den Sonnenuntergang und bewundern die ständig wechselnden Farben des Sandes. Je tiefer die Sonne, desto röter der Sand der Düne. Und so gibt es natürlich auch wieder unzählige Fotos.

Die Farben verändern sich ständig und das orange-rot wird immer intensiver.

Mittlerweile ist die Sonne ganz tief und der Sand leuchtet inzwischen in intensivem Ziegelrot.

Da wir bei Sonnenuntergang das Parkgelände verlassen müssen, machen wir uns langsam auf die Rückfahrt. Wir müssen doch noch rund eine halbe Stunde für die Rückfahrt rechnen.

Zurück im Sesriem Camp richten wir uns ein und machen uns frisch. Nach der wohltuenden Dusche gönnen wir uns ein Bier und Chips. Dabei macht Marcel schon mal das Feuer auf der Feuerstelle, sodass wir für unser Fleisch und die Baked Potatoes eine schöne Glut haben. Nach einer erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück machen wir uns parat für die Weiterreise. Die Fahrt führt uns durch das schöne Naukluft Gebirge.

Wir machen Halt in Solitaire, wo Moose den weltberühmten Apple Pie bäckt. Hier muss man einfach anhalten und das Café besuchen. Auch wir dürfen uns das natürlich nicht entgehen lassen. Die Bäckerei ist voller Leute. Touristen wie auch Namibier, alle kaufen hier bei Moose vom super-mega-feinen Apfelkuchen. Solitaire als Ort ist sonst nichts weiter als ein paar Häuser an einer Strassenkreuzung - inmitten vom Nichts.

Hinter dem Café entdecken wir einen Raben, der ein blau-schwarz schimmerndes Federkleid trägt.

Beim Parkplatz können wir Erdhörnchen beobachten. Die kleinen, herzigen Geschöpfe sind zwar scheu, aber für Brotkrümel nehmen sie allen Mut zusammen und kommen aus ihren Verstecken hervor. Natürlich wissen auch die Erdhörnchen, dass es hier leckerste Apple Pie gibt.

Die scheuen Tiere verkriechen sich immer wieder, aber ihre Neugierde lässt sie immer wieder aus ihren Verstecken kommen. Elegant kriechen die Erdhörnchen durch den Maschendrahtzaun.

Wir fahren weiter auf der C14 und wollen eigentlich auf die D1275 über den Spreetshoogte Pass. Wir haben gelesen, dass die Fahrt spektakulär ist und die Aussicht von der Hochebene sehr sehenswert. Leider ist die Strasse wegen zu hohem Wasserstand in den Flüssen gesperrt. So fahren wir weiter auf der C14 direkt über den Gaub Pass. Die Strassenbeschilderung erstaunt uns etwas. Als Schweizer sind wir es gewohnt, dass ein Pass hinauf geht. Hier in Namibia gibt es genau das Gegenteil.

Die Beschilderung ist auf der Hochebene und dann geht es abwärts in das Tal hinunter und wieder hoch den Pass hinauf. Ganz etwas Neues für uns. Ein Pass der runter durch eine Schlucht führt.

Die Landschaft ist wirklich sehr eindrücklich. Die Strassen sind sehr kurvenreich und es geht auf und ab. Als nächstes Fahren wir durch den Kuiseb Canyon. Die Aussicht von oben ist überwältigend. Die Hügel sind überzogen mit Gras, die aus weiter Entfernung flauschig aussehen, als ob sie mit Samt überzogen wären.

Unser Ziel ist eigentlich die Farm Isabis, wo wir bereits von zu Hause aus die Übernachtung gebucht haben. Der kleine, exklusive Campingplatz Isabis 4x4 Trail Camp liegt an einem alten Viehposten. Von hier startet einer der beliebtesten 4x4 Trails Namibias. Wir kommen gegen drei Uhr nachmittags an, aber leider ist auf der Farm niemand da. Die Farm sieht sowieso recht unbewohnt aus und wir fragen uns, ob im Moment überhaupt jemand die Farm bewirtschaftet. Beim Eingang zum Haus hat es eine Mobil-Nummer, aber unser Anruf geht leider direkt auf die Combox. Wir entscheiden uns zurück zu fahren und eine andere Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. So fahren wir eine Stunde lang zurück Richtung Gamsberg und Kuiseb Canyon und finden eine Traum Campsite. Der Weg von der Hauptstrasse zur Farm ist recht spektakulär. Es geht etwa 8 Kilometer steil den Hügel hoch bis wir die Hakos Gästefarm erreichen. Wir haben Glück und nur einer von den vier Campingplätzen ist belegt. Ein anderes Schweizer Ehepaar ist da. Wir nutzen die Gelegenheit und reden mit den Schweizern. Die beiden rüstigen 70-Jährigen sind mit 4x4 und Zelt unterwegs. Wirklich beeindruckend. Hoffentlich sind wir mit 70 auch noch so fit und reisefreudig. Wir verabschieden uns für den Moment und suchen uns einen schönen Schlafplatz. Wir finden einen mit herrlicher Aussicht auf den Gamsberg.

Bevor es ganz dunkel ist, hat Marcel noch eine Idee. Er stellt die Kamera aufs Stativ und fuchtelt wild in der Luft umher. Was er bloss macht? Mücken verscheuchen?

Wow, das ist es. Das Resultat kann sich doch sehen lassen. Jetzt versteh ich, was das rumgefuchtle hat sein sollen.

Nach dem Abendessen sitzen wir noch gemütlich am Feuer und geniessen den grossartigen Sternenhimmel. Hakos hat eine eigene Sternwarte, denn von hier muss die Sicht ins Weltall umwerfend sein. Anscheinend kommen hier regelmässig Hobby-Astronomen her. Der Schweizer vom Campsite nebenan ist auch ein Hobby-Astronom und erklärt uns viele interessante Dinge übers All. Wir hören gespannt zu und es ist sehr interessant, Dinge über die verschiedenen Sternbilder zu lernen.

Am nächsten Morgen geniessen wir den traumhaften Sonnenaufgang. Herrlich, bei dieser Aussicht einen Kaffee zu geniessen. so fahren wir am frühen Morgen los, durch den Kuiseb Canyon Richtung Küste. Die Farben des Canyon wirken am Morgen ganz anders als im Abendlicht.

Auf dem Gelände begegnen wir noch einem grossen Leguan. Der nette Kerl züngelt ein wenig, lässt sich aber gerne fotografieren.

Je näher wir zur Küste kommen, desto karger wird die Landschaft. Links und rechts von der Strasse ist einfach nur steiniger oder sandiger Grund. Pflanzen sieht man je länger je weniger. So sieht es vermutlich auf dem Mond aus. Trostlos. Gegen Mittag erreichen wir die Küste, wo wir uns ein schönes Plätzchen suchen für unsere Mittagspause. Wir finden einen Platz mit Aussicht auf die riesige Bucht. Die Lagune bietet Zug- und Wasservögeln einen idealen Lebensraum. Flamingos dominieren das Bild. Zur Zeit hat es aber nicht ganz so viele Flamingos in der Bucht, vermutlich weil sich die Flamingos von Mitte April bis Mitte Juli zum Brüten ins Landesinnere verziehen. Dann sind die Flamingos zum Beispiel in der Etosha Pfanne zu finden, wenn die Pfanne nach der Regenzeit voll Wasser ist. Unsere Chancen sind also gross, später auf unserer Reise der riesigen Flamingokolonie noch zu begegnen.

Wegen den kühlen Temperaturen und dem starken Wind kürzen wir unsere Mittagspause etwas ab und fahren im warmen Auto weiter in das Küstenstädtchen Swakopmund. Swakopmund wird häufig als ein kleines Stückchen Deutschland am Rande der Wüste beschrieben. Und es hat etwas. Die Gebäude erinnern an die Kolonialzeit, als die Häuser im Jugenstil gebaut wurden.

In Swakopmund haben wir einiges vor. Zuerst tanken wir unseren Wagen auf, sodass wir wieder ein paar hundert Kilometer fahren können. Dann steht ein grosser Einkauf im Superspar an, wo wir alles finden was wir an Lebensmitteln für die nächsten Tage brauchen. Zuletzt organisieren wir noch die Erlaubnis für eine Campsite, sodass wir heute Abend wie geplant bei der Blutkuppe übernachten können. Die Permit erhalten wir beim Ministerium für Umwelt und Tourismus. Wir geben an wann und wie lange wir bei der Blutkuppe übernachten möchten und erhalten gegen eine Gebühr die Erlaubnis zum campen. Wir haben noch etwas Zeit das Städtchen anzuschauen. So spazieren wir einmal die Strasse runter und wieder rauf und machen uns auf die Weiterfahrt Richtung Blutkuppe.

Wegen der starken Regenfälle in den vergangenen Wochen ist die direkte Zufahrtsstrasse unpassierbar, so müssen wir leider wieder runter nach Walvis Bay und etwas weiter im Landesinnern dieselbe Strecke wieder hoch. Dieser Umweg kostet uns etwa 140 Kilometer. An der nächsten Abzweigung geht es nochmals etwa 100 km Richtung Osten ins Landesinnere. Da es in dieser Gegend eine Mine gibt, sind die Strassen recht breit. Dann kommen die letzten Kilometer durch einen schmalen Buschweg und wir erreichen den Campingplatz noch vor dem Sonnenuntergang. Blutkuppe befindet sich im Namib Naukluft Park und die Campingplätze sind wirklich sehr schön und weit voneinander entfernt.

Wir finden unseren Traumplatz. Die Umgebung ist zwar recht karg, aber wunderschön. Bei einem kurzen Spaziergang entdecken wir riesige Kakteen, Eidechsen und viele andere Insekten. Leider haben wir beim Abendessen vorbereiten noch mehr Insekten die uns um die Ohren fliegen. Wenn die Biester nur nicht noch stechen würden. Wir essen im Schnellzugstempo und weil es irgendwann unterträglich wird, verkriechen wir uns für die letzten Bissen ins Auto.

Nach einer absolut ruhigen Nacht in der Einsamkeit an der Blutkuppe werden wir vom ersten Licht geweckt. Marcel fängt die faszinierende Morgenstimmung mit der Kamera auf. Die trockenen Grasfelder und die feuchte Luft wirken am Morgen sehr mystisch. Wir geniessen bei der tollen Stimmung unser Frühstück und machen uns auf den Weg zum Rock Arch.

Weiter geht es mitten durch Gras- und Wüstenlandschaft bis wir die Rock Arch erreichen. Der Name sagt ja bereits was uns erwartet. Eigentlich wollen wir ein gemeinsames Foto auf dem Rock Arch machen, aber leider klappt es mit dem Selbstauslöser nicht. Wir sind wohl zu weit weg. Nachdem Marcel zweimal auf den Fels und wieder runter geklettert ist, gibt es eben kein Foto zu zweit. Als Grössenvergleich bleibt Reni aber in luftiger Höhe und geniesst noch ein wenig die herrliche Aussicht über die einsame Landschaft.

Auf der Weiterfahrt erwartet uns bereits das nächste Abenteuer. Ein breiter, sandiger Fluss mit Wasser. Oft sind die Flussbetten hier ausgetrocknet, zur Zeit führen jedoch viele der sonst trockenen Flüsse recht viel Wasser. Reni will auf Nummer sicher gehen und läuft den Fluss zu Fuss ab. Marcel fährt durch und oh, je. Gleich als er die ersten Meter durchs Wasser fährt, ertönt ein bekanntes Geräusch. Flop-flop-flop.

Ups, ein platter Reifen. Gute Übung. Wir holen alle nötigen Werkzeuge aus dem Wagen und wechseln das Rad. Es dauert nicht mal so lange und wir können bereits wieder losfahren. Wir sind wohl noch in Übung mit Rad wechseln von unserem Australien Tripp. In Karibib finden wir bei einer Tankstelle einen Tyre Repair und lassen unseren Plattfuss reparieren. Eine halbe Stunde später haben wir für umgerechnete 13 Franken einen sauber geflickten Reifen, der von aussen wieder wie neu aussieht.

Unser nächstes Ziel ist die Spitzkoppe, ein sehr markant aussehender Inselberg. Die grosse Spitzkoppe ist ein Granit-Inselberg der etwa 1730 Meter über die Ebene hinaus ragt. Wegen seiner markanten Form wird er auch oft als das "Matterhorn Namibias" bezeichnet.

Die Spitzkoppe liegt auf dem Gelände, das von der lokalen Community verwaltet wird. Am Eingang müssen wir uns registrieren und die Übernachtung sowie den Eintritt bezahlen. Ausserdem werden wir angehalten uns für eine geführte Tour einzuschreiben, da es weder Beschilderung noch einen Plan des Geländes und der darauf befindlichen Sehenswürdigkeiten gibt. Zudem werden wir darüber informiert, dass wir einen Teil der Attraktionen nicht ohne Führer finden werden oder selber anschauen dürfen. Wir verzichten trotzdem auf eine Tour und suchen uns erst Mal einen schönen Platz zum Übernachten. Den Platz den wir finden ist superschön. Wir haben eine wunderbare Sicht auf die Spitzkoppe und sind von einem anderen Felsen vom Wind geschützt.

Dann machen wir uns auf die Suche nach der Arch. Zum Glück haben wir uns die Karte am Eingang ungefähr eingeprägt und so finden wir auch ohne Führer die Hauptattraktion des Parks. Der Felsbogen ist wirklich sehr fotogen. Im Hintergrund sieht man die umliegenden Berge.

Hier klappt es mit einem gemeinsamen Foto. Wir benutzen die Arch als Bilderrahmen. Die Aussicht von oben ist herrlich und so geniessen wir es, bis kurz vor den Sonnenuntergang auf den warmen Felsen zu sitzen.

Heute folgt ein eher ruiger Tag. Den Vormittag verbringen wir mit Autofahren, kommen aber recht gut voran. Wir fahren am Wegweiser Richtung Twyfelfontein vorbei und erreichen den Campingplatz am frühen Nachmittag. So haben wir noch schön Zeit unsere Wäsche zu waschen und den Nachmittag zu geniessen.

Am nächsten Tag stehen nun also die Felsgravuren von Twyfelfontein auf dem Programm. Die Open Air Kunstausstellung gehört zu den grössten in Afrika. Es heisst, dass hier über 2500 Steingravuren und Malereien vorhanden sind. Über das Alter der Gravuren und Malereien ist man sich nicht ganz einig. Schätzungen zufolge sind die Kunstwerke zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Jahren alt.

Die Besichtigung muss mit einem Guide gemacht werden, obwohl der Park recht gut beschildert ist und jeder selber auf Entdeckunstour gehen könnte. Wir sind mit einem englischen Pärchen in der Gruppe und wählen die grosse Tour. Leider ist unser Tourguide nicht allzu motiviert und die Tour dauert gerade mal knappe 40 Minuten. So bleibt uns leider gar nicht soviel Zeit, bei den einen oder anderen Zeichnungen etwas genauer hinzuschauen und zu fotografieren.

Zum Glück präsentiert sich hier und da eine schöne, farbige Eidechse die wir vor die Linse kriegen.

Nach dem eher kurzen Besuch von Twyfelfontein fahren wir noch zum verbrannten Berg, einer Erhebung die aussieht als ob sie verkohlt wäre. Nicht weit davon entfernt gibt es noch die Orgelpfeifen, das sind Gesteinsformationen die tatsächtlich Orgelpfeifen gleichen. Die vieleckigen Basaltsäulen sind etwa vor 125 Millionen Jahren entstanden. Dann machen wir uns auf den Weg zu den Ugab Terrassen. Die Landschaft ist wunderschön und erinnert uns ein bisschen an das Monument Valley in den USA.

Von weiterm sehen wir diesen Pillar namens Vingerklip. Wir wollen näher ran, finden aber den Abzweiger nicht. So fahren wir zur Vingerklip Lodge und fragen nach dem Weg. Der freundliche Receptionist erklärt uns den Weg. Wir fahren wieder ein Stück retour und finden den kaum sichtbaren Abzweiger. Gegen 1 Franken öffnet uns ein Mädchen das Tor und gewährt uns offiziell Einlass. Wir fahren noch ein Stück und parkieren auf dem Parkplatz. Dann gehen wir zu Fuss hoch zum Pillar. Von ganz nah sieht der Konglomerathügel recht imposant aus. Der Vingerklip ist ein Überbleibsel der Ugab Terrassen. Heute hat der Pillar eine Höhe von etwa 35 Meter, einen Umfang von 44 Meter und wird auf rund 15 Millionen Jahre geschäzt.

Es ist bereits wieder Zeit uns einen Campingplatz zu suchen. Wir haben die Gästefarm Bambatsi im Visier und hoffen auch ohne Vorreservierung einen Platz zu kriegen. An der C39 sehen wir das Schild, das zur Bambatsi Gästefarm zeigt. Auf einem kleinen, steinigen Farmpfad fahren wir rund 5 Kilometer bis zur Farm. Dort werden wir von Inge und Gerald herzlich empfangen. Als erstes bieten sie uns gleich mal ein Getränk an. Dazu gibt es frischgebackenen Kuchen. Die Gästefarm Bambatsi ist eine der ersten und ältesten Gästefarmen in Namibia. Die Gästefarm liegt etwa 1234 Meter hoch auf einer Anhöhe mit atemberaubendem Blick über den umgebenden Mopane Busch.

Wir haben Glück und wir können sogar unsere Campsite auswählen. Auf dem Farmgelände betreiben Inge und Gerald zwei Plätze für Camper. Der Platz Biro liegt hoch über der Farm auf einer Anhöhe und ist sehr beliebt, da die Aussicht einfach wunderbar ist. Der Platz ist frei und so können wir heute Nacht dieses wunderbare Erlebnis geniessen. Gerald fährt uns mit seinem kleinen Willys Jeep auf der steilen Strasse zum Camp. Der Wahnsinn - ein totaler Glücksfall, dass wir hier oben sein dürfen.

Zuerst heizen wir gleich den Ofen fürs Heisswasser ein. Auf diesem Platz fehlt es uns an nichts. Es gibt ein WC und eine Eimerdusche unter freiem Himmel und mit grandioser Aussicht. Das Wasser ist in der Zwischenzeit vom Feuer aufgeheizt und auch das Feuer für unser Abendessen haben wir entfacht.

So müssen wir nur noch das heisse Wasser in den Eimer füllen und los gehts. Herrlich, eine warme Dusche unter freiem Himmel.

Juhuuuuiiii... Wir sehen unsere ersten wilden Giraffen von unserem Camp aus und erst noch drei junge Bullen auf einmal. Einen erwischen wir gerade noch mit der Kamera bevor er wieder in den Busch verschwindet. Was gibt es schöneres als drei junge Giraffenbullen zu beobachten während man eine erfrischende Dusche unter freiem Himmel geniesst?

Herzlichen Dank für Euren Besuch auf unserer Homepage. Das war der zweite Bericht unserer Namibia-Reise. Unter Namibia Teil 3: Der Etosha Nationalpark in Namibia geht es weiter.

Auf bald.

Reni und Marcel


Folgende Bücher haben uns bei der Vorbereitung und auf der Reise durch Namibia weitergeholfen und können wir empfehlen:

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