Namibia 2011 – Reisebericht 1

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Der Süden von Namibia

Dieses Jahr verwirklichen wir uns einen weiteren unserer grossen Träume. Wir reisen für drei Wochen nach Namibia und erkunden vom 29. April bis zum 21. Mai dieses traumhafte Land mit den vielen Tieren, welche wir bis anhin nur von Zoobesuchen kennen.

NEU: Im Beitrag auf unserem Reiseblog SwissNomads verraten wir dir, was uns am Namibia Roadtrip so begeistert hat und wieso wir unbedingt nochmals nach Namibia wollen.

Am 29. April nach der Arbeit fliegen wir von Zürich über Johannesburg in Südafrika nach Windhoek, der Hauptstadt von Namibia.

Vor der Landung in Windhoek können wir schon die ersten Eindrücke der kargen und trockenen Landschaft Namibias bestaunen.

Allerdings sehen wir nicht nur trockene Landschaft sondern auch viel Wasser. Wir sind erstaunt über die vielen Flüsse die Wasser führen.

Die Einreiseformalitäten ziehen sich ganz schön in die Länge. Die Beamten nehmen es heute sehr genau und so stehen wir über eine Stunde in der Schlange.
In Windhoek übernehmen wir unseren Mietwagen. Damit wir frei und flexibel reisen können haben wir uns einen Toyota Hilux mit Dachzelt gemietet. Mit diesem Allradfahrzeug mit hoher Bodenfreiheit sind die Fahrten auf den Schotterpisten erträglich und auch schwierigeres Gelände ist mit diesem Fahrzeug zu meistern. Ausserdem sind wir mit dem Dachzelt, dem Kühlschrank, dem Gaskocher und der Campingausrüstung unabhängig und können auch für mehrere Tage ohne Fremdversorgung auskommen.

Bis wir dann unseren ersten Campingplatz im Monteiro Rest Camp 12 km südlich von Windhoek erreichen, ist es bereits dunkel. Wir werden vom sehr frühen Sonnenuntergang um 17:15 ganz schön überrascht und so heisst es das Dachzelt das erste Mal mit Stirnlampe aufzubauen. Etwas erschöpft von der Reise gibt es nur ein abgespecktes Abendessen und dann verziehen wir uns in unser Dachzelt.

Bereits bei der Fahrzeugübergabe haben wir erfahren, dass die Regensaison dieses Jahr ausserordentlich heftig und lange ist. Meteorologen hätten vorausgesagt, dass der Regen noch bis im Juni anhalten könnte. Am 1. Mai, unserem ersten Morgen in Namibia ist dann der Himmel auch grau und es ist stark bewölkt.

Hoffentlich sind die Aussagen der Meteorologen falsch und wir werden nicht nur Regen haben. Wir packen unser Dachzelt zusammen und fahren zuerst zurück nach Windhoek. In der Hauptstadt Namibias leben nur rund 200'000 Menschen, was für eine Hauptstadt eines Landes das doppelt so gross ist wie Deutschland doch sehr klein ist. Wir müssen einkaufen und uns mit Lebensmitteln eindecken, damit wir unseren Trip in den Busch beginnen können. In Windhoek gibt es einen Superspar. Dort finden wir alles was unsere Herzen begehren. Sonst sehen wir von Windhoek nicht sehr viel. Wir wollen so schnell wie möglich in die Natur. Wenn wir am Ende unserer Ferien noch Zeit haben werden wir uns die Stadt noch ansehen. Priorität hat das aber nicht, wir sind ja schliesslich für die Natur hier. Mit genügend Lebensmitteln fahren wir los Richtung Süden.

Auf dem Weg treffen wir immer wieder auf Pferdekarren. Dieses Transportmittel ist hier in Namibia noch sehr verbreitet.

Heute Nacht haben wir einen ganz speziellen, einsamen und wunderschönen Campingplatz. Wir übernachten im Red Dune Camp auf einer der roten Dünen der Kalahari Wüste. Die Plätze gehören zu einer Farm, sind aber einige Kilometer vom Farmgebäude entfernt. Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir den Platz.

Es gibt nur zwei Plätze. Unser Platz hat eine Aussichtsplattform, ein Freiluftbad mit WC und Dusche, eine Feuerstelle und Licht, das von einem Solarpanel gespiesen wird.

Von der Plattform aus geniessen wir den wunderschönen Sonnenuntergang über den roten Dünen der Kalahari.

Dann bauen wir unser Dachzelt auf, zünden ein Feuer an und bereiten unser Abendessen zu.

Am nächsten Morgen erwachen wir genau rechtzeitig mit dem Sonnenaufgang inmitten der Dünen der Kalahari. Die Morgenstimmung ist wunderbar.

Ich stehe auf und klettern auf unsere private Aussichtsplattform während Reni noch in unserem Dachzelt bleibt.

Der gelbe Webervogel kommt bei unserem Waschtrog vorbei um seine morgendliche Ration Wasser zu trinken.

Zur Zeit ist Käfersaison. Überall sehen wir diese etwa 5 cm grossen Käfer. Vor allem auf der warmen Strasse sonnen sich diese Käfer sehr gerne, was natürlich zu einem kleineren Schlachtfeld führt.

Nach dem traumhaften Sonnenaufgang und einem gemütlichen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Noch ein letzter Gang zur Toilette, die bei unserem Camp sehr luftig gebaut ist. Es gibt aber alles was wir brauchen. Das fliessende Wasser für die Dusche, das WC und das Lavabo wird per Hangdruck aus einem Tank eingeleitet. Auf dieser Toilette könnten wir stundenlang sitzen und die Aussicht in die Kalahari geniessen

In der Farm kaufen wir noch einen Sixpack Bier. Das haben wir nämlich am Sonntag in Windhoek nicht bekommen. Der Verkauf von Alkohol unterliegt in Namibia strengen Auflagen und ist zeitlich eingeschränkt. Dann fahren wir los durch das schöne Tal Richtung Süden.

Auf dem Weg wird es immer düsterer und die Sonne wird von dunklen Wolken verdeckt. Den ganzen Tag ist es recht bewölkt und die Sonne drückt nur zwischendurch durch die Wolkendecke. Zum Glück sind die dunklen Wolken hinter uns. Wir fahren weiter und können für dieses Mal den Regen abhängen.

Unser nächstes Ziel ist Keetmanshoop. Die Stadt selbst lassen wir hinter uns und suchen uns zuerst einen Campingplatz. Auf der Gästefarm mit dem Quiver Tree Forest Camp gefällt es uns sehr gut. Hier ist auch der bekannte Köcherbaumwald. Wald ist zwar für unser Verständnis ein bisschen übertrieben. Es gibt eine Ansammlung von vielen Köcherbäumen auf einem Gelände. Solch grosse Bestände von Köcherbäumen gibt es aber eben nur hier. Die Köcherbäume sind wirklich sehenswert.

Um vier Uhr ist die Gepardenfütterung. Die Farmbesitzer Coenie und Ingrid Nolte haben einen riesigen Teil ihrer Farm eingezäunt und in diesem Areal leben mehrere Geparden. Wir sehen mehrere ausgewachsene Tiere und auch kleinere Geparden tollen herum und geniessen die abendlichen Sonnenstrahlen.

Die Geparden wissen, dass es zu Fressen gibt und warten ungeduldig und voller Erwartung auf die Fleischbrocken hinter dem Zaun.

Coenie öffnet die Gittertür einen Spalt und wirft die ersten Stücke in das Gehege. Dann macht er etwas, dass ich zuerst kaum fassen kann. Er öffnet das Tor, geht in das Gehege und fordert uns auf ihm zu folgen. Sollen wir wirklich mit dem Farmer zu den Geparden in das Gehege? Nach kurzem Zögern folgen wir ihm vorsichtig. Wir können die Geparden aus nächster Nähe beobachten und der Farmer erklärt uns dabei sehr viel über die unglaublich eleganten Tiere.

Geparden sind die einzigen Grosskatzen, die relativ einfach und rasch an Menschen gewöhnt werden können und so auch relativ zutraulich werden. Bei jeder anderen Grosskatze wären unsere Überlebenschancen im Gehege sehr klein.

Einen grossen aber schon älteren und sehr friedlichen Geparden kann ich sogar streicheln. Das Fell ist recht grob und nicht zu vergleichen mit dem Fell einer Hauskatze in der Schweiz. Nach dem Fressen verschwinden die Geparden wieder in dem weitläufigen Gehege und wir verlieren sie in dem hohen Gras schnell aus den Augen.

Nach diesem Nervenkitzel gehen wir nochmals zu den Köcherbäumen. In der Zwischenzeit ist die Sonne ganz nahe am Horizont und geht bald unter.

Die Tiere, die sich hier rumtreiben sind einiges harmloser als die Geparden. Auf den Felsen zwischen den Bäumen sonnen sich die putzigen Klippschliefer.

Diese etwa kaninchengrossen Tiere leben gerne in trockenen und felsigen Gebieten. Klippschliefer leben in Kolonien von bis zu 50 Tieren in zerklüfteten Landstrichen. Hier sind sie bei Tage aktiv und bewegen sich flink auf den Felsen. Bei Gefahr fliehen sie rasch in Felsspalten oder andere Unterschlupfe.

Am Morgen des 3. Mai fahren wir weiter Richtung Süden. Unser heutiges Ziel ist der Fisch River Canyon. In Keetmannshoop gehen wir noch kurz einkaufen und fahren dann weiter auf der B4 Richtung Lüderitz. Bei Seeheim biegen wir von der Teerstrasse auf die Schotterstrasse C12 Richtung Fisch River Canyon.

Wir kommen gut voran und erreichen das Fish River Canyon Roadhouse bereits gegen Mittag.

Das Fish River Canyon Roadhouse ist wie eine kleine Oase. Auf dem sehr gepfelgten Grundstück befindet sich das Roadhouse mit Restaurant, Zimmern, Shop und Bar. Hinter dem Roadhouse befindet sich der Campingplatz wo wir heute übernachten werden. Auf dem Grundstück stehen überall alte, verrostete Maschinen und Fahrzeuge. Für Liebhaber von Oldtimern ist dies ein kleines Paradies.

Da wir genug früh dran sind, entscheiden wir uns gleich heute zum Canyon zu fahren. Auf dem Weg zum Canyon treffen wir auf eine Herde Springböcke.

Der erste Anblick des Canyons ist atemberaubend. Wir fahren durch steinige Landschaft und plötzlich bricht die Welt weg. Von der Aussichtsplattform beim Hobas Aussichtspunkt geniessen wir den Anblick dieses riesigen Canyons.

Der Fish River Canyon im Ai-Ais Richtersveld Transfrontier Park ist mit etwa 160 km Länge, bis zu 27 km Breite und bis zu 550 Meter Tiefe vom Fischfluss ausgewaschenen Flussbett der grösste Canyon Afrikas und gilt nach dem Grand Canyon in Amerika als zweitgrösster Canyon der Erde. Laut dem namibischen Wetteramt wurden hier Rekordtemperaturen von mehr als 50° C gemessen.

Der Fischfluss ist mit einer Länge von über 650 km der längste Fluss Namibias. Er entspringt im östlichen Naukluftgebirge, führt aber ausschliesslich in sehr regenstarken Zeiten unterhalb seiner Stauung am Hardap-Damm Wasser. Der Fish River Canyon beginnt bei Seeheim im Norden und endet im Süden bei Ai-Ais, während der Fluss erst einige Kilometer danach in den Oranje mündet, den Grenzfluss zur Republik Südafrika. Aufgrund der reduzierten Wasserführung unterhalb des Hardap-Damms ist nicht nur die zukünftige Auswaschung des Flussbettes minimiert, sondern es wird sich im Laufe der Zeit auch die Vegetation am Flusslauf verändern. Trotzdem lassen sich im Flussbett selbst in regenarmen Zeiten einzelne Tümpel finden, die wahrscheinlich von Grundwasser das ganze Jahr gespeist werden. Die Wasserstellen werden sowohl von einigen Antilopenarten als auch von Leoparden genutzt.

Der Abstieg in den Canyon ist lebensgefährlich und nur mit einem Führer, im Rahmen eines mehrtägigen Trekkings erlaubt. So beschränken wir uns auf die atemberaubenden Ausblicke die wir von den verschiedenen Aussichtspunkten entlang des Canyons haben. Unter anderem treffen wir am Rand des Canyons auch auf diesen einsamen Köcherbaum, der ein traumhaftes Fotomotiv ergibt.

Wir können uns kaum von den imposanten Blicken in den Fish River Canyon losreissen und so dunkelt es bereits wieder ein bis wir zurück beim Roadhouse sind. Wir geniessen zuerst eine erfrischende Dusche und gönnen uns dann ein kühles Bier an der Bar um die Kehle vom Staub freizuspühlen.

Im Restaurant mit der sehr netten Bedienung essen wir unser erstes Afrikanisches Wildfleisch. Das Fleisch der Oryx-Antilope und des Springbocks schmeckt vorzüglich und ist sehr zart. Auch fürs Auge wird etwas geboten, denn auch hier im Restaurant sind viele alte Dinge ausgestellt.

Vom Fish River Canyon wollen wir eigentlich über sehr abgelegene und wenig befahre Strassen über Ai-Ais und Rosh Pinah nach Aus und weiter nach Lüderitz fahren. Leider sind aber genau diese Strassen zurzeit wegen der heftigen Regenfälle nicht passierbar. So müssen wir leider ein Stück weit bis nach Seeheim wieder denselben Weg zurück, wie wir gekommen sind. Von Seeheim fahren wir dann auf der gut ausgebauten B4 Richtung Westen der Küste entgegen.

Im Camp Klein Aus Vista kommen wir recht früh am Nachmittag an und so haben wir noch genügend Zeit eine ausgedehnte Wanderung in die nahe gelegenen Hügel zu unternehmen und die Gegend zu erkunden.

Immer wieder sehen wir hier in Namibia grosse Vogelnester auf Bäumen und Telefonstangen. Am Baum, der auf unserer Campsite steht, hat es ein solches Nest das von den Siedelwebern bewohnt wird. Die Siedelweber sind sperlingsähnliche, bis zu 14 cm grosse Webervögel.

Die Siedelweber sind lebhafte und lautstarke Koloniebrüter, die ihre Gemeinschaftsnester aus Gras in Bäumen und an Telefonmasten bauen. Der Nestbau wird von einigen Vögeln durch den Bau des Daches an einem kräftigen Ast begonnen. Danach bauen die an der Kolonie beteiligten Paare ihre Einzelnester mit den Eingängen nach unten. Die Nester werden jahrelang genutzt und mit der Zeit immer grösser und erreichen so über 4m in der Breite mit weit über 100 Nestern.

Der Himmel ist leicht bewölkt und so sind die Bedingungen für eine Wanderung ausgezeichnet, da es nicht ganz so heiss ist.

Das Abendessen, das wir wieder auf dem offenen Feuer zubereiten, können wir noch gemütlich verspeisen. Beim anschliessenden Tee beginnt es aber zu regnen. Rasch rennen wir noch zur Toilette um die Zähne zu Putzen. Der anfänglich leichte Regen verwandelt sich sehr schnell in einen sehr starken Regen. Wir schaffen es noch halbwegs trocken in unser Dachzelt bevor das heftige Gewitter niedergeht. Die ganze Nacht gewittert es ununterbrochen. Es regnet wie aus Kübeln. Dazu blitzt und donnert es sehr heftig. Manchmal ist der Donner etwas weiter weg, dann kommt er wieder näher und wird ohrenbetäubend laut. Das Schlafen fällt uns nicht leicht und wir hoffen, dass das Unwetter endlich nachlässt. Auch am Morgen schüttet es weiter. Wir bleiben etwas länger liegen und gegen 9 Uhr lässt der Regen dann endlich etwas nach. Zum Glück hat unser Dachzelt dem Sturm Stand gehalten. Draussen ist alles nass und der Himmel nach wie vor mit dunklen, grauen Wolken verhangen. Nach dem Frühstück packen wir unser durchnässtes Dachzelt ein und machen uns auf den Weg. Die Piste zum Camp, die wir gestern gefahren sind gleicht heute Morgen eher einem Flussbett.

Auf dem Weg von Aus Richtung Lüderitz, das an der Westküste liegt, fahren wir der stillgelegten Bahnline entlang. Das alte Bahnhofsgebäude von Garub sieht mit dem von dunklen Wolken bedeckten Himmel sehr trostlos aus.

Auf der B4 geht es weiter Richtung Küste. Zwischendurch lösen sich die Wolken etwas auf. Sobald wir aber in die Nähe der Küste kommen, wird die Wolkendecke wieder dichter.

Etwa 10 Kilometer vor Lüderitz liegt die Geisterstadt Kolmanskop inmitten einer der unwirtlichsten und trostlosesten Gegen die wir je gesehen haben. Die Gegend erinnert uns ein an eine trostlose, pflanzenlose Mondlandschaft.

Die Lüderitz-Eisenbahn erreichte den Ort auf ihrem Weg nach Aus im Jahre 1905. Er verdankt seine Entstehung den Eisenbahnarbeitern August Stauch und Zacharias Lewala, welche am benachbarten Bahnhof Grasplatz 1908 zufällig die ersten Diamanten fanden. Der dadurch ausgelöste Boom sorgte für ein schnelles Wachstum dieser zunächst nur als Diamantsucher-Camp gedachten Siedlung an der Nordgrenze des Diamantensperrgebiets.

Das Haus des Quartiermeisters

Der auf Diamanten gründende Reichtum der Bewohner liess einen Ort entstehen, in dem aller Luxus vorhanden war, der damals für Geld zu bekommen war - und das in einer Umgebung, die trostloser und lebensfeindlicher wohl kaum gedacht werden kann. Es gab kein Wasser, keinen Regen, keine Erde, in der auch nur das Geringste hätte wachsen können, keinerlei Infrastruktur - nur Sand, regelmässig heftige Sandstürme und eine unbarmherzige Hitze. Trotz der lebensfeindlichen Umgebung lebten hier bis zu 400 Menschen und es entstanden hochherrschaftliche Steinhäuser nach deutschem Vorbild. Neben Unterkünften für die Arbeiter gab es Verwaltungs- und Dienstgebäude. Zur Infrastruktur gehörte ein Elektrizitätswerk, ein Krankenhaus (mit der ersten Röntgenstation Afrikas, bzw. auf der ganzen Südhalbkugel), eine Eisfabrik zur Herstellung von Blockeis für die Eisschränke der Bewohner, einen Tante-Emma-Laden, eine Metzgerei, ein Ballsaal genanntes Gebäude mit Theater, Turnhalle und Grossküche, eine Kegelbahn und eine Schule. Sogar ein Salzwasser-Schwimmbad und eine Schmalspurbahn für den Transport von Waren und Personen innerhalb des Ortes waren hier zu finden. Das Wasser dafür und alles, was sonst noch zum täglichen Leben nötig war, musste aus dem rund 1000 km entfernten Kapstadt herantransportiert werden. Das Baumaterial für die Häuser, deren Einrichtungen, die Maschinen und alles, was man damals in Europa unter Luxus verstand, wurde aus Deutschland mit dem Schiff meistens in Lüderitz angeliefert.

In der Eisfabrik wurde das Eis für die Bevölkerung von Kolmanskop hergestellt. Der grüne Kasten rechts ist ein Eisschrank, in welchem die Einwohner die Lebensmittel mit dem Eis gekühlt haben. Jeden Tag wurde jeder Familie eine bestimmte Menge Eis vor die Haustüre geliefert.

Kolmanskop galt damals als die reichste Stadt Afrikas. Dennoch war Kolmanskop nur ein Paradies auf Zeit. Die naheliegenden Diamantenfelder waren bald abgebaut und so verlagerte sich die Diamantenförderung immer weiter nach Süden. 1930 wurde der Diamantenabbau bei Kolmanskop ganz eingestellt, die Bewohner verliessen nach und nach den Ort und überliessen ihn der Wüste. Die letzte Person lebte hier bis in die 1960er Jahre. Viele Wohnungseinrichtungen, Sportgeräte, Werkzeug usw. wurden erst gar nicht mitgenommen.

Die Wüste holte sich im Laufe der Jahrzehnte zurück, was der Mensch ihr abgerungen hatte. Die Häuser verfielen zusehends und in den Ruinen häufte sich der Sand meterhoch. Die Inneneinrichtung wurde teilweise zerstört oder mitgenommen. Kolmanskop war endgültig eine Geisterstadt. Nur ein zaghafter, zunächst auf Privatinitiative beruhender Museumsverkehr brachte gelegentlich ein bisschen Leben zurück. Erst als in den 1990er Jahren auch Lüderitz einen wirtschaftlichen Aufstieg erlebte, widmete man Kolmanskop wieder mehr Aufmerksamkeit. Man begann, einige erhaltenswerte Gebäude zu restaurieren, Räume wieder originalgetreu zu möblieren und nach und nach einen geordneten Museumsbetrieb einzurichten.

Nach der Führung mit vielen Detailinformationen dürfen wir alleine durch die Häuser schlendern und die Gegend erkunden.

Das Haus des Arztes

Nach der interessanten Besichtigung dieser Geisterstadt fahren wir weiter Richtung Küste. Die Strasse geht durch die Mondlandschaft stetig bergab, bis wir schliesslich die Küste erreichen. In Lüderitz schauen wir uns die Felsenkirche an die auf einer felsigen Anhöhe über der Stadt thront.

Auch die farbenfrohen Häuser gefallen uns sehr gut. Witzig ist der Kontrast zwischen den schön farbig bemalten und herausgeputzten Häusern und der sandigen braunen Strasse.

Nach einem stärkenden Mittagessen fahren wir wieder von der Küste ins Landesinnere. Der Himmel ist immer noch verhangen und die Landschaft wirkt immer noch sehr lebensfeindlich und nicht gerade einladend. Da Lüderitz sonst nicht viel bietet und uns die Landschaft hier überhaupt nicht gefällt, wollen wir so schnell wie möglich weiter.

Auf dem Weg bestaunen wir den schleppenden Fortschritt des Eisenbahnbaus von Aus nach Lüderitz. Diese Strecke wurde das erste Mal durch die Deutsche Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft sowie dem Eisenbahnbataillon der Schutztruppe gebaut. Ende 1905 wurde mit dem Bau begonnen und bereits am 1. November 1906 wurde der Betrieb bis Aus aufgenommen. Im Jahre 1997 wurde der Betrieb wegen Unrentabilität komplett eingestellt und die Linie wurde von der Natur zurückerobert. Seit August 2001 wird der Streckenabschnitt zwischen Aus und Lüderitz vollständig neu gebaut, um die Anbindung des Hafens Lüderitz zu verbessern. Die Sanierung der über 100 Jahre alten Eisenbahnstrecke zwischen Aus und Lüderitzbucht dauert wegen konstruktionstechnischer Modifikationen, zusätzlicher Aufgaben sowie einem Mangel an Schienen deutlich länger als geplant. Im Jahr 2012 soll alles fertig sein. Nach Überschreitung des Budgets um das Vierfache sowie der Verzögerung der Bauzeit um fünf Jahre soll die Wiederinbetriebnahme der Südbahn nun zum Jahresende 2012 erfolgen. Die lokale Bevölkerung glaubt aber nicht an die Fertigstellung in diesem Jahr. Als wir den Fortschritt sehen, verstehen wir die Bedenken. Tragisch ist eigentlich, dass vor Hundert Jahren in Handarbeit die Strecke in weniger als einem Jahr ausgebaut wurde und heute auch mit modernsten Maschinen seit Jahren gebaut und trotzdem die Linie auch nach einem Jahrzehnt nicht fertig gestellt werden konnte.

Leider kommen auch wir nicht ganz so zügig voran wie wir erwartet haben, weil wir uns mit der Distanz durch eine falsche Angabe in unserem Reiseführer etwas verrechnet haben.
Ausserdem sind die Strassen in einem sehr schlechten Zustand und der Regen hat die Oberfläche der Strassen soweit aufgeweicht, dass sich das Fahren auf den schlammigen Strassen anfühlt wie das Fahren auf Glatteis.

Wir fahren durch weite Ebenen und obwohl es eigentlich nichts hat, sehen wir immer wieder Tiere.

So erreichen wir erst bei Einbruch der Dunkelheit die Gästefarm Namtib. Vor der Farm liegt noch ein kleines Hindernis. Wo sonst die Strasse durchgeht, schneidet uns ein Fluss den Weg ab. Auch hier hat es sehr stark geregnet und von den Bergen in der Umgebung fliesst sehr viel Wasser durch Bachbette, die sonst das ganze Jahr ausgetrocknet sind und nur selten Wasser führen. Das Camp liegt einige Kilometer von der Farm weg. Leider ist es schon fast dunkel. Wir finden aber trotzdem einen traumhaft schönen Platz unter einem grossen Akazienbaum.

Heute haben wir den Wecker gestellt. Wir wollen nicht wieder so ein Gehetze haben wie gestern. Beim Aufstehen verbirgt sich die Sonne noch hinter einem Hügel und einer dicken Nebelschicht.

Die morgendliche Nebelstimmung verzaubert das Farmgelände mit den grossen Bäumen in eine Märchenwelt. Wir geniessen die Stimmung und freuen uns auf den bevorstehenden Tag.

Langsam erwacht der Tag. Der Nebel verzieht sich und die ersten Sonnenstrahlen dringen durch den Nebel.

Dann kommt die Sonne über dem Hügel immer mehr zum Vorschein und beleuchtet die umliegenden Hügelzüge.

Zum Glück wird es nun auch wärmer, denn mit dem Nebel und dem feuchten Tau war es ganz schön frisch. Wir bereiten uns ein feines Frühstück und stärken uns für den Tag der vor uns liegt. In der Zwischenzeit hat sich der Nebel komplett aufgelöst und die Umgebung erstrahlt in frischen Farben.

Ein letztes Foto von unserem traumhaften Campplatz. Wir packen unser Dachzelt zusammen und fahren los.

Die Strassen auf dem Farmgelände sind von dem starken Regen stark ausgewaschen und erinnern uns eher an ein Bachbett.

Wir fahren vom Farmgelände auf die D707 und dann weiter auf der C27 Richtung Norden. Auf der Strecke durch die traumhaft schöne Landschaft der Tirasberge sehen wir auch die ersten Sanddünen der Namib Wüste.

Heute sehen wir sehr viele Tiere. Diese Oryx Antilope steht ganz alleine auf der einen Seite der Strasse, während auf der anderen Seite eine ganze Herde steht. Die Antilope steht recht nahe an der Strasse und wir haben genügend Zeit sie aus dem Auto zu bestaunen.

Sobald wir aber aus dem Auto aussteigen wollen erschreckt sie und springt davon.

Wir kommen immer näher an die Sanddünen der Namib heran.

Obwohl Namibia sehr flach ist, ist es uns auf der Fahrt nie langweilig. Ständig verändert sich die Landschaft und immer wieder sind wir aufs neue überrascht.

Immer wieder sehen wir Felsformationen, bei denen wir uns die Frage stellen, wie diese wohl entstanden sind.

Auch die Tiere tragen natürlich zur Abwechslung bei. Es fasziniert uns immer wieder aufs Neue wie die Tiere nahe an der Strasse stehen und uns kaum beachten solange wir gleichmässig fahren. Sobald wir aber für ein Foto langsamer werden oder gar anhalten wollen, werden die Tiere nervös und rennen weg.

Die Springböcke sehen wir sehr oft hier in Namibia. Der Springbock ist hinter dem Gepard eines der schnellsten Tiere und erreicht fast 90 km/h. Im Spurt aus dem Stand hängt er jedes andere Tier ab. In nur 2 Sekunden erreicht der Springbock 62 km/h.

Der Strauss ist nicht ganz so schnell aber dafür noch scheuer als der Springbock. Er ist der grösste lebende Vogel unserer Erde und kann bis zu 2.5 Meter gross und bis zu 135 Kilogramm schwer werden.

Der Schabrackenschakal ist ein Wildhund den wir in Namibia immer wieder antreffen. Die Schakale ernähren sich vor allem von kleinen Tieren wie Käfern, Insekten, aber auch Mäusen, Eidechsen und sogar Pflanzen. Sie sind extrem anpassungsfähig und können auch in unfruchtbaren Gegenden überleben.

Das ist der erste Bericht unserer Reise nach Namibia. Der zweite Bericht handelt vom Norden Namibias.

Wir hoffen der Bericht gefällt euch.

Im zweiten Bericht erzählen wir über den Norden Namibias. Namibia Teil 2: Der Norden von Namibia

Reni und Marcel


Folgende Bücher haben uns bei der Vorbereitung und auf der Reise durch Namibia weitergeholfen und können wir empfehlen:

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