Laos 2007 – Reisebericht 4

Bannerbild

Der unberührte Urwald im Norden von Laos

Da die Natur im Norden von Laos so schön ist und wir zwei superschöne dreitägige Touren im Urwald erleben durften, haben wir uns entschieden einen separaten Reisebericht dazu zu erstellen.

NEU: Auf unserem Reiseblog SwissNomads verraten wir dir im Beitrag zur Gibbon Experoence in Laos, wie es sich anfühlt auf 40 Meter Höhe in einem Baumhaus zu schlafen.

Am 18. April starten wir von Luang Namtha aus zu einem dreitägigen Treck in den Urwald des Gebietes Phou Sam Yord. Unsere internationale Gruppe besteht aus zwei Führern und sieben Leuten aus USA, England, Irland und der Schweiz.

Mit dem Pickup werden wir in das Dorf Ban Kokmee gefahren, wo wir unsere Wanderung beginnen. Gleich zum Start geht es auf kleinen Pfaden, die von den Bauern benutzt werden, sehr steil aufwärts. Durch Felder und secondary forest geht es bis zu unserem ersten Stopp nur aufwärts.

Zur Mittagszeit sind wir schon ganz schön geschafft und wir freuen uns umso mehr auf das leckere Mittagessen, dass von den Führern auf grossen Bananenbaumblättern angerichtet wird. Es gibt sticky rice mit verschiedenem Gemüse und Chicken.

Nach gut drei Stunden erreichen wir bereits das Dorf Ban Sam Yord, wo wir die erste Nacht verbringen werden. Das Dorf wird von Khmu bewohnt und es leben etwa 20 Familien in dieser abgelegenen Gemeinschaft.

Die Häuser sind meist aus Holz gebaut und stehen auf dem Boden. Es gibt sehr viele Tiere die im ganzen Dorf frei herumlaufen. Die Dorfbevölkerung züchtet Kühe, Schweine, Ziegen, Hühner und Tauben.

Es gibt sehr viele Jungtiere, die wie diese Schweinchen die Freiheit haben überall herumzutollen und zu spielen.

Vor dem Abendessen pflegen wir den Kontakt mit der Dorfbevölkerung und mischen uns unter die spielenden Jungen. Wir werden eingeladen mitzuspielen. Wir werden mit grossen Augen bestaunt, denn alltäglich ist es nicht, dass hier Touristen übernachten. Es wird darauf geachtet, dass maximal zwei- bis dreimal im Monat Touristen in den entlegenen Dörfern übernachten.

Das Abendessen wird von Frauen aus dem Dorf zubereitet und schmeckt lecker. Es gibt Reis mit Schweinefleisch. Das Schwein rannte heute Nachmittag noch quickfidel im Dorf umher. Frischer kann das Fleisch nicht mehr sein. Nach dem Abendessen besucht uns der Chef des Dorfes und wir haben die Möglichkeit vieles über die Bewohner und ihr Leben zu erfahren. Damit der Kulturaustausch nicht nur einseitig ist, stellt auch er uns einige Fragen.
In der Nacht hört man immer wieder neue Geräusche und wir sind froh, dass wir eine richtige Decke haben, denn es wird recht kühl. Am Morgen sind die Hügel im Nebel eingehüllt. Sobald die Sonne stark genug ist löst sich der Nebel auf. Nach dem köstlichen gebratenen Reis machen wir uns wieder auf die Socken.

Auf dem ersten Stück des Weges werden wir von einem Führer aus dem Dorf begleitet. Dieser Führer hat ein Gewehr dabei und soll uns vor Bären beschützen. An einem Baum finden wir dann den Beweis, dass es hier wirklich wildlebende Bären gibt. Auch auf den Baum klettern würde hier nicht helfen, denn diese Bären sind anscheinend sehr gute Kletterer.

Die Wanderung geht grösstenteils durch primary forest und ist sehr anstrengend. Wir überqueren mehrere Hügelketten und Täler und laufen ständig auf schmalen, zum Teil rutschigen Pfaden steil auf- oder abwärts. Das Mittagessen, welches von dem Führer aus dem Dorf getragen wird, wird wiederum auf Bananenbaumblättern angerichtet und schmeckt herrlich.

Nach etwa sechst Stunden Marsch erreichen wir eine kleine Ebene mit einem Fluss und Reisfeldern. Hier liegt das Dorf Ban Nam Talan wo wir die zweite Nacht verbringen. Wiederum haben wir ein eigenes Haus mit Küche.

Die Bevölkerung dieses Dorfes besteht aus etwa 40 Familien der Khmu und Lanten. Unsere Unterkunft befindet sich im Teil der Lanten, die Ihre Häuser auf Stelzen bauen. Vom Balkon unseres Hauses haben wir eine herrliche Aussicht auf die Ebene, die Häuser und Reisfelder.

Jede Familie besitzt eines dieser Vorratshäuser in denen der Reis gelagert wird.

Auch hier wird das Abendessen von den Dorfbewohnern für uns zubereitet. Nach dem Abendessen kommt der Dorfchef bei uns vorbei und wir können ihm Fragen stellen. In diesem Dorf leben etwa 40 Familien und es gibt eine eigene Schule in der die Kinder sechs Jahre lang unterrichtet werden. Wenn die Kinder länger als sechs Jahre in die Schule gehen wollen, müssen sie nach Luang Namtha gehen.

Der heutige Tag war sehr anstrengend und wir alle sind ziemlich geschafft und haben müde Knochen. Zum Glück sind die Betten schon vorbereitet und wir können nur noch unter die Moskitonetze schlüpfen.

Am letzten Tag geht es dann nochmals durch schönen Urwald. Am Anfang wechseln sich Aufstiege und Abstiege ab. Dann geht es tendenziell mehr abwärts durch Plantagen und Felder, bis wir nach ca. vier Stunden das Dorf Ban Sop Simn erreichen.

Nach einer kurzen Wartezeit werden wir von einem Pickup abgeholt, der uns zurück nach Luang Namtha fährt. Zum Abschied gibt es noch ein ganz bezauberndes Lachen der Kinder die uns beim Warten beobachten.

Während der Reise erfahren wir von zwei Schweizern, dass es an der Grenze von Laos zu Thailand ein Abenteuer ganz besonderer Art gibt. Das Ganze nennt sich Gibbon Experience und wird im Bokeo Natural Reserve durchgeführt. Diese Abenteuer ist so einzigartig, dass es mit ein paar Fotos und Text unmöglich beschrieben werden kann. Immerhin können wir euch aber einen kleinen Einblick über dieses Erlebnis geben.

Eigentlich glauben wir schon nicht mehr daran, dass es noch klappt und wir haben uns schon damit abgefunden, dass wir heute den 23. April von Laos nach Thailand reisen werden. In letzter Minute kommt dann doch noch ein Telefonanruf in unser Guesthaus. Wir müssen in 30 Minuten bereit sein und dürfen teilnehmen.

Natürlich stehen wir voller Erwartungen bereit und werden mit dem Pickup zum Büro in Houay Xay gebracht. Dort lernen wir die anderen Leute der Gruppe kennen und erhalten eine kurze Einführung in die Sicherheitsmassnahmen.

Mit dem Pickup fahren wir los und erreichen nach ca. drei Stunden das Dorf Bann Toup. Dort werden wir von einem lokalen Führer in Empfang genommen. Zuerst heisst es einmal laufen. Recht steil geht es für die nächste Stunde durch den Dschungel aufwärts. Nach etwa einer Stunde erreichen wir mitten im Wald die Küche und das Lager. Dort erhält jeder von uns ein Klettergestältli welches in den nächsten drei Tagen unser ständiger Begleiter sein wird.

Nun geht es aber wirklich los. Der Führer macht es einmal vor und schon sausen wir an dem etwa 50 m langen Stahlseil zum ersten Baumhaus.

Das erste Mal durch die Baumkronen gleiten ist schon etwas unheimlich, aber es macht unheimlich Spass. Hier ist Reni auf dem Weg in das Baumhaus 1.

Dies ist das grösste der fünf Baumhäuser. Es besteht aus drei Etagen und ist auf etwa 35 m Höhe. Sieben Leute finden in diesem Baumhaus platz zum schlafen.

Die Infrastruktur ist unglaublich. Es gibt einen Abwaschtrog mit fliessendem Wasser (ab dem Hahnen trinken möglich, juhuii), eine Dusche, ein WC und die Schlafstellen sind mit Moskitonetzen geschützt.

Wir haben sozusagen das Turmzimmer im Baumhaus 1. Auf der obersten Etage auf rund 40 m Höhe schlafen wir die nächsten zwei Nächte.

Die Aussicht aus dem Baumhaus ist atemberaubend. Normalerweise ist man ja mitten im Dschungel am Fusse der Bäume. Plötzlich befinden wir uns nun mitten in den Baumwipfeln und entdecken so eine ganz neue Welt. Es gibt die verschiedensten Pflanzen und Tiere auf den Bäumen.

Nun erhalten wir aber erst einmal eine detaillierte Einführung über die Organisation, den Ablauf der nächsten Tage und der Natur in der wir uns befinden. Wir sind hier komplett frei. Wir können jederzeit die Seile benutzen, durch den Dschungel wandern und uns mit den vorhandenen Lebensmitteln verköstigen. Das Essen wird uns jeweils morgens, mittags und abends direkt ins Baumhaus geliefert und wenn wir wollen, stehen jederzeit Führer für Touren zur Verfügung.

Nach dieser Einführung gehen wir zuerst einmal auf Erkundungstour. Dies ist die Rampe ins nichts. Es braucht schon etwas Überwindung nur am Stahlseil hängend ins nichts zu springen. Adrenalin hat jeder von uns genügend in der Blutlaufbahn.

Reni geniesst sichtlich den Ritt durch die Baumkronen. Die längsten Seile sind etwa 400 m lang und führen über ganze Täler. So gleitet man auf mehreren hundert Meter Höhe einfach und rasch durch den Dschungel.

Unterwegs besuchen wir noch das Baumhaus 2. Dies ist das kleinste Baumhaus und es bietet zwei Personen Platz. Wir nannten es die Honeymoon-Suite.

Leider geht der Tag schon wieder dem Ende zu und wir müssen wieder zurück in unser Baumhaus. In der Nacht ist das Gleiten an den Seilen zu gefährlich.

Elektrizität gibt es keine im Baumhaus, so geniessen wir ein romantisches Dinner bei Kerzenlicht auf 35 m Höhe in einem Baumhaus. Es ist unglaublich schön das Eindunkeln mitten im Dschungel miterleben zu dürfen. All die Tiere die man sehen oder eben nur hören kann sind sehr faszinierend.

Wir schlafen ausgezeichnet in unserem Turmzimmer.

Am Morgen stehen wir vor Sonnenaufgang auf, denn wir wollen heute Gibbons sehen. Diese scheuen Tiere sind am besten beim Sonnenaufgang zu beobachten.

Es ist ein herrliches Erlebnis das Erwachen der Natur mitzuerleben. Wie bei einem Chor gesellt sich ein Geräusch zum anderen. Alle Lebewesen zusammen singen das Lied des Urwaldes.

Wir haben unheimliches Glück. Zuerst können wir den Gibbons bei ihrem unglaublich lauten und schrillen Gesängen zuhören. Dann führt uns der Guide durch den Dschungel und wir können die Gibbons aus nächster Nähe aus sehen. Es ist unglaublich, wie schnell und wendig sich diese Tiere durch die Bäume und Äste bewegen.

Für mich sind die Gibbons auch viel zu schnell und es ist sehr schwierig ein Bild von ihnen zu knipsen. Hier ist ein Bild auf dem ein Gibbon in freier Wildbahn erkennbar ist.

Wir haben die Bilder und Eindrücke im Herzen festgehalten.

Sichtlich zufrieden und glücklich kehren wir erst einmal zurück zum Baumhaus um zu frühstücken.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf eine Wanderung die uns zum Baumhaus 3 und Baumhaus 5 führt. Zwischendurch gibt es immer wieder Seile, um Täler zu überqueren. Trotzdem ist die Wanderung sehr anstrengend und wir sind etwa drei Stunden unterwegs. Am Nachmittag kehren wir zum Baumhaus 1 zurück und geniessen einfach die Aussicht und beobachten die Tiere in der freien Wildbahn. Wir sehen gelbe, rote und grüne Vögel, zwei Zivet Katzen, die über die Äste springen und Eichhörnchen.

Nach dem langen und anstrengenden Tag sind wir alle müde und verziehen uns nach dem Abendessen recht schnell unter die Moskitonetze.

Leider neigt sich dieses wundervolle Erlebnis bereits wieder dem Ende zu und wir müssen das Baumhaus für die nächsten Gäste räumen. Wir haben sehr viel erlebt und gesehen und können dieses geniale Erlebnis jedem weiterempfehlen.

Bei der Küche stossen wir dann noch auf den zweiten Beweis, dass es in den Wäldern von Laos Bären gibt. Dieses kleine Kerlchen wird von der Küchenmannschaft aufgezogen, weil die Mutter von Wilderern getötet wurde.

Teilen macht Spass... Facebook Twitter Google Pinterest StumbleUpon Email