Kambodscha 2007 – Reisebericht 3

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Von Phnom Penh Richtung Norden nach Laos

Eigentlich wären wir gerne von Phnom Penh aus ein Stück mit der Eisenbahn Richtung Norden gefahren. Doch leider war der Zug gerade defekt und so mussten wir auf den Bus ausweichen. Die einzige Bahnlinie Kambodschas stammt aus dem Jahre 1932 und hat in der Vergangenheit schwer unter Vernachlässigung und Terrorismus gelitten. Es gibt noch genau einen Passagierzug der an ungeraden Tagen von Phnom Penh und an geraden Tagen nach Phnom Penh fährt.

In Battambang haben wir dann doch noch einen Weg gefunden ein Stück weit das Schienennetz zu benutzen. Auf den nächsten Bildern könnt Ihr sehen, wie man ein vorhandenes Schienennetz noch anderweitig benutzen kann.

Der Bamboo-Train ist ein ganz einfacher Do-it-yourself Zug, der in wenigen Sekunden startklar ist. Man nehme zuerst zwei Achsen mit Rädern.

Auf diese beiden Achsen legt man einen Metallrahmen mit Bambusgeflecht.

Montiert einen Rasenmähermotor.

Verlädt die Motorräder und Passagiere auf den Bambusrost und die abenteuerliche Fahrt kann beginnen.

Unterwegs muss man allerdings gefasst sein, dass sich allerlei Rindvieh und anderes auf den Schienen befindet. Die Fahrt auf dem Bamboo-Train ist wirklich ein cooles Erlebnis und lässt einem das Gerüttel und Geschüttel auf den wirklich schlechten Schienen rasch vergessen.

Obwohl Battambang die zweitgrösste Stadt von Kambodscha ist, merkt man hier nichts von Grossstadt. Es ist eine sehr ländliche, ruhige Stadt ohne grossen Tourismus. Das Strassenbild ist von französischer Kolonialarchitektur und traditionellem kambodschanischem Stil geprägt. Nur die wenigsten Gebäude sind mehr als drei Stockwerke hoch.

Sobald man die Stadt verlässt, befindet man sich sofort wieder mitten auf dem Lande und ist von Reis- und Gemüsefeldern umgeben. Die Wohnhäuser sind mehrheitlich aus Holz, Bambus und Schilf gefertigt und sehr einfach.

Auf dem Lande sehen auch die Tankstellen ganz anders aus. Das Benzin wird entweder direkt aus Fässern oder aus Getränkeflaschen getankt.

Und zum Glück gibt es überall an den Strassen diese open-air Motorrad- werkstätten, denn durch den schlechten Strassenzustand fängt man immer wieder mal einen Plattfuss ein. Im Nu ist aber das Loch im Reifen gefunden und geflickt oder es wird ganz einfach der Schlauch gewechselt.

Die Nationalstrasse Nr. 6, die etwa 100 km der Strecke von Battambang nach Siem Reap ausmacht, ist in einem fürchterlichen Zustand. Die Strasse ist ungeteert, an vielen Stellen gibt es grosse Schlaglöcher, die Brücken müssen wegen Unterhaltsarbeiten umfahren werden und überall gibt es Baustellen.

Der Staub kriecht in jede Ritze und am Strassenrand ist alles mit einer feinen roten Staubschicht überzogen. Natürlich gibt es auch hier entlang der Strasse genügend Verpflegung, sodass die verstaubte Kehle nie austrocknet.

In Siem Reap stand natürlich die Besichtigung der Tempel von Angkor im Mittelpunkt. Darum haben wir dazu auch den separaten Reisebericht Die Tempel von Angkor verfasst. Siem Reap hat aber noch mehr als die Tempel zu bieten. Obwohl an jeder Ecke der Stadt gerade ein neues Hotel entsteht, hat Siem Reap den charmanten Charakter einer gemütlichen Kleinstadt nicht verloren. Gerade tagsüber, wenn alle Touristen die Tempel besichtigen, ist es im Stadtzentrum gemütlich ruhig. Ausserhalb der Stadtgrenze ist das Land von Reisfeldern und Landwirtschaft geprägt. Auf unserer Erkundungstour lernten wir auch noch das eine oder andere über die lokale Landwirtschaft kennen.

Wir haben gelernt wie Palmzucker gewonnen wird und daraus natürlicher Süsstoff herstellt wird.

In schwindelnder Höhe wird der Saft der Palme in Bambuskelchen eingefangen. Pro Palmblüte kann jeden Tag bis zu ein Liter dieses süsslichen Saftes gewonnen werden. Danach wird der Saft eingekocht und geformt. So entsteht eine Art Würfelzucker.

Wer hat schon mal eine Cashew Nuss an einem Baum hängen sehen? Jede einzelne Nuss ist an einer Frucht befestigt die sehr süss schmeckt.

Aber auch die Märkte sind immer wieder interessant und man entdeckt immer wieder neues und aussergewöhnliches. Den erstandenen Stoff kann man direkt bei den Näherinnen verarbeiten lassen. Genäht wird mit Tretmaschinen.

Auch die Gourmetfreunde kommen nie zu kurz bei der riesigen Auswahl an Esswaren an den Märkten. Möglicherweise entsprechen die angebotenen Delikatessen jedoch nicht ganz dem europäischen Gaumen.

Frittierte Insekten gehören hier jedenfalls zu den Leckerbissen.

Ein weiteres Tier, dass einem in Südostasien ständig begleitet sind Gekkos und andere Echsenarten.

Dieser Kerl hier war besonders scheu aber ganz schön gross und farbig

Nach den Tempeln von Angkor geht es weiter nach Kompong Thom und Kompong Cham, zwei sehr beschaulichen Provinzstädten mit wenig Tourismus.

In Kompong Thom ist die Prä-angkorianische Tempelanlage aus dem 6. Jahrhundert die Hauptattraktion. Die Tempel sind aus Ziegelsteinen gefertigt und noch heute sind trotz starkem Zerfall sehr schöne Steinmetzarbeiten zu erkennen.

In Kompong Cham gibt es eigentlich keine grosse Attraktion, dennoch gibt es ein paar Dinge anzuschauen. Wir haben uns ein Tuk-Tuk gechartert und einen Tag lang herumchauffieren lassen.

Dabei haben wir eine vietnamesische Gemeinschaft gesehen die auf dem Fluss wohnt und vom Fischfang lebt.

Auch eine islamische Gemeinschaft gibt es hier und der Junge auf dem Bild heisst Arafat.

Wir haben den Tempel Wat Nokor besucht. Ein Tempel aus dem 11. Jahrhundert in den ein Moderner Tempel integriert ist.

Auf einem Lotusfeld können wir bei der Ernte der Blumen und der Früchte zuschauen.

Viele der Landhäuser stehen auf hohen Stelzen, da in der Regenzeit die ganzen Felder geflutet werden.

Zum Abschluss haben wir dann noch die Bamboo Bridge überquert. Eine Brücke die jedes Jahr nach der Regenzeit neu aufgebaut werden muss, da sie in der Regenzeit zerstört wird.

Den nächsten Stopp machen wir in Kratie. Kratie liegt am Mekong und ist vor allem wegen der seltenen und vom Aussterben bedrohten Irrawaddy Delfine bekannt.

Kratie ist eine kleine Stadt die wiederum vom Kolonialbaustil geprägt ist und mit dem Mekong eine gute Lebensgrundlage für die Landwirtschaft bietet.

Auf unserem Bootsausflug gegen Abend hatten wir das Glück, viele der kleinen Irrawaddy Delfine zu sehen. Hier können wir euch wenigstens eine Rückenflosse präsentieren.

Der Ausflug auf dem Boot gibt uns auch einen Einblick in die Arbeitsweise der Fischer.

Auf der Strecke von Kratie nach Stung Treng machen wir dann eine ungewollte Pause. Unser Bus hat einen Plattfuss eingefangen und das Rad muss gewechselt werden. Da es hier am Strassenrand aber immer wieder Werkstätten gibt, ist das ein kleines Problem und rasch behoben.

Ein Tag später fahren wir von Stung Treng in das sehr abgelegene Provinznest Banlung. Transportmittel von Stung Treng nach Banlung und zurück ist ein Sammeltaxi. Da wird ein normales Auto, in unserem Falle ein Toyota Camry, mit möglichst vielen Personen und Waren gefüllt. Wir fuhren mit acht Leuten, viel Gepäck und unzähligen Benzinkanistern - jede Ritze des Autos wurde ausgenutzt. Ja, es waren wirklich acht Leute. Geht doch problemlos: Vier vorne und vier hinten!

Die Transportmittel sind hier immer wieder ein Foto wert. Es gibt auf den Strassen noch Ochsenkarren.

Oder Open-air Lastwagen.

Aber auch ganz moderne Lastwagen, die jedoch meistens völlig überladen werden. Auf der Ladefläche und der Ladung fahren natürlich auch noch Leute mit.

In Banlung gibt es vor allem die Möglichkeit für Wanderungen und Spaziergänge durch die Natur und zu Wasserfällen. Es gibt sehr viele Kautschukplantagen. Hier werden Kerben in die Bäume geschnitten und der Saft in Behältern aufgefangen.

Nach knapp vier Wochen sind wir nun am Ende unserer Reise durch Kambodscha. Wir haben sehr viel gesehen und erlebt und konnten in diesen vier Wochen eine kleinen Einblick in die Kultur und die Lebensweise der Leute gewinnen.

Nun bleibt uns nur noch der Abschied und die Weiterreise nach Laos - unserem nächsten Ziel. So ist das eben mit dem Reisen. Immer wieder muss man Abschied nehmen und man stösst in Ungewisses vor.

Nun legen wir erst mal die Füsse hoch und geniessen den Sonnenuntergang.

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