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Italien Teil 1: Cappuccino und Knödel in Bozen

Am Abend des 12. Mai fahren wir gleich nach der Arbeit los Richtung Süden. Zum Glück fahren wir aber nicht wie so viele andere ins Tessin, denn vor dem Gotthard wird die Autoschlange von Stunde zu Stunde länger, wie wir im Radio hören. Unser Ziel ist das Südtirol oder genauer die Stadt Bozen, wo wir das lange Auffahrtswochenende verbringen werden.

Über das Toggenburg fahren wir nach Feldkirch in Österreich und dann weiter Richtung Osten nach Landeck. Ab Landeck geht es über den Reschenpass Richtung Süden. 

Auf dem Weg stoppen wir kurz beim Reschensee, der mit dem mitten im Wasser stehenden Kirchturm weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden ist. Im Jahre 1950 wurden die Dörfer Graun und Reschen unter Wasser gesetzt. Es entstand ein Stausee mit 677 ha Fläche, der für die Stromerzeugung genutzt wird.

Die Gebäude wurden vor der Überflutung gesprengt. Nur der romanische Turm aus dem 14. Jahrhundert wurde aus Gründen des Denkmalschutzes stehen gelassen. Die Einwohner wurden im „nationalen Interesse zur Stärkung der nationalen Industrie“ zwangsenteignet und zur Aus- oder Umsiedlung gezwungen. Ein Recht auf Realersatz gab es nicht. 

Der Himmel ist Wolkenverhangen und die Nacht bricht herein. Die perfekten Bedingungen für ein mystisches Foto des Kirchturms im Reschensee.

Gegen 22 Uhr erreichen wir dann Bozen ohne Zwischenfälle und ohne viel Verkehr. Am nächsten Morgen machen wir uns dann zu Fuss auf um Bozen zu erkunden. Bereits vor Jahrtausenden war das Gebiet des heutigen Bozen besiedelt. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde dann die Stadt erbaut, wobei die mittelalterliche Stadtanlage bis ins 19. Jahrhundert unverändert blieb.

Die engen Kopfsteinpflastergassen faszinieren uns. 

Die Häuser sind alt und zum Teil mit Ornamenten und Malereien geschmückt. Die Lauben mit den herausgeputzten Boutiquen laden zum Einkaufsbummel ein.  

Auf dem Piazza delle Erbe (Obstplatz) wurden bereits im 12. Jahrhundert von den Bäuerinnen frische Waren verkauft. Diese Tradition hat sich gehalten und auch heute decken sich die Bozner auf dem Markt mit Frischwaren ein. 

Die Marktstände, welche am Abend einfach zugeklappt werden, befinden sich teilweise schon seit Generationen im Besitz derselben Familie.

Ob lokale Erzeugnisse wie Käse, Brot, Würste, Früchte, Gemüse oder exotisches wie Datteln, Nüsse, Bananen oder Blumen. Hier findet man die frischesten Waren der Saison.

Der Waltherplatz ist das Zentrum Bozens. Der Platz wurde nach dem Brunnen mit der Statue des berühmten Minnesängers Walther von der Vogelweide benannt. Wir gönnen uns einen feinen Cappuccino mit Blick über den Walther Platz und auf den Dom. 

Am Nachmittag nutzen wir das schöne und sonnige Wetter zur Besichtigung des Schloss Sigmundskron, welches oberhalb des kleinen Dorfes Frangart thront und auch eine herrliche Aussicht über Bozen bietet.

Das Schloss zählt zu den grössten Burganlagen Südtirols und der ursprüngliche Name “Formigar” stammt aus dem lateinischen “formicaria” und ist einer der ältesten bekannten Namen einer Burg im Südtirol. Unter diesem Namen wurde das Schloss um 945 n.Chr. zum ersten Mal erwähnt, später wurde dieser in “Firmian” geändert. 

Seit 1027 im Besitz vom Bischof von Trient, ging die Burg im Jahre 1473 in den Besitz von Sigmund des Münzreichen über, dem Landesfürsten von Tirol. Erst zu dieser Zeit erhielt das Schloss seinen heutigen Namen “Schloss Sigmundskron”. Den Namen verdankt das Schloss auch seiner Form, da die breit angelegte Anlage an eine Krone erinnert (Sigmunds Krone).

Seit 1996 ist Schloss Sigmundskron im Besitz der Provinz Bozen. 10 Jahre darauf, im Juni 2006, eröffnete der Extrembergsteiger Reinhold Messner das Messner Mountain Museum, kurz MMM. Das Schloss beherbergt nun das vierte und zentrale Haus des Museumskonzeptes von Messner. Nach Abschluss aufwendiger Renovierungsarbeiten erzählt das Museum nun in den alten Mauern des Schlosses von der Bedeutung der Berge für den Menschen. Der sogenannte “weisse Turm” ist ausserdem der Geschichte der Burg und dem Kampf um die Autonomie des Landes gewidmet

In den alten Mauern von Sigmundskron, ergänzt mit einer modernen Struktur aus Glas und Stahl, erzählt Reinhold Messner von der Bedeutung der Berge für die Menschen.

Die Burg ist um den zentralen Burgfelsen angeordnet und von einer hohen Schutzmauer umgeben. Unerwünschte Besucher hatten so kaum eine Chance die Burg zu stürmen.

Auf dem Rundgang treffen wir auf Bilder, Skulpturen, symbolische Gegenstände und Reliquien aus fernen Ländern. 

Am Freitag verbringen wir wieder viel Zeit um die schöne Stadt Bozen zu erkunden. Vor allem die kunstvollen Hausfassaden haben es uns angetan.

Die Gebäude sind sehr gepflegt und in einem ausgezeichneten Zustand.

Die farbenfrohen Fassaden sind tolle Fotomotive.  

Nun steht ein Stück Weltgeschichte auf dem Programm. Wir besuchen Ötzi, den 5300 Jahre alten Mann aus dem Eis. Im Jahre 1991 wurden auf dem Gletscher des Hauslabjochs in den Ötztaler Alpen die Überreste des Mannes aus dem Eis geborgen.

Die gefrorenen und mumifizierten Überreste dieses Menschen aus der Kupferzeit, stellen zusammen mit seiner Kleidung und Ausrüstung ein zentrales Puzzleteil unserer Vergangenheit dar. Die Untersuchungen haben einen bisher einmaligen Einblick in das Alltagsleben eines steinzeitlichen Menschen zu Tage gebracht. Der Mann wurde rund 45 Jahre alt, hatte dunkles längeres Haar, blaue Augen, war 1.60 m gross, rund 50 kg schwer und lebte vor 5300 Jahren. Über die letzten Stunden des Mannes aus dem Eis kursieren die verschiedensten Theorien. Was er ein paar Stunden vor seinem Tod gegessen hat, weiss man im Detail, ebenso woran er im Laufe seines Lebens erkrankte. Trotzdem werden wir wohl nie wissen, welche dramatischen Momente sich in den letzten Stunden im Leben dieses Mannes abgespielt haben.  

Nach dem Besuch des Südtiroler Archäologiemuseums ist bereits wieder Zeit für ein Apéro und wir finden einen schönen, sonnigen Platz.

800 Jahre Geschichte prägen das heutige Hopfen & Co Wirtshaus. Im Mittelalter war das Gebäude ein Turm der Stadtmauer. Ab 1600 war es unter dem Namen Goldene Glocke bekannt, dann übte ein Schmid im Gebäude sein Handwerk aus bevor es zum Kaffeehaus umfunktioniert wurde. Seit 1998 wird im Gebäude das eigene Bier gebraut und ausgeschenkt. Zum Wohl.  

Nach der Stärkung schauen wir noch das Schloss Maretsch an. Nur wenige Gehminuten vom Zentrum der Altstadt mitten in einem Rebberg liegt das Schloss Maretsch. Die ursprünglich romanische Burganlage stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde in der Renaissance umgebaut. Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten in den 80er Jahren ist es zu einem exklusiven Kongress- und Ausstellungszentrum geworden.

Zum Abschluss des ereignisreichen Tages schlendern wir noch einmal durch die Gassen der Altstadt und suchen uns ein hübsches Restaurant fürs Abendessen. 

Am Samstag schauen wir uns Schloss Runkelstein, auch als die Bilderburg bekannt, an. Die mittelalterliche Burg liegt unweit von Bozen auf einem geschützten Felsen hoch über der Talfer, am Eingang zum Sarntal.

 

Schloss Runkelstein ist vorallem wegen seinen umfangreichen Fresken aus dem Mittelalter bekannt, die von authentischen Rittersagen, von Hofdamen, von Szenen aus der Literatur und vom Leben am Hof und bei der Jagd erzählen.

Vor allem die Darstellung der mittelalterlichen Liebesgeschichte von Tristan und Isolde hat uns beeindruckt. 

1237 wurde die ursprüngliche Wehranlage von den Herren von Wangen errichtet. Zu dieser Zeit gehörte die Burg und ihre Herren Friedrich und Beral von Wangen zum Bistum von Trient.

1385 erwarben die reichen Bozner Kaufleute Franz und Niklaus Vintler das Schloss. Diese Familie liess die Burg mit Fresken schmücken um ihren Wohlstand auszudrücken. Heute stellen diesen Fresken wohl den grössten erhaltenen profanen Freskenzyklus des Mittelalters dar. Ausserdem wurde Schloss Runkelstein mit Bauelementen ausgestattet, die das Leben in ihr nach den damaligen Masstäben angenehmer machten. So finden wir z. B. eine Abortanlage und eine Zisterne zum Speichern von Wasser.

Eine Schiesspulverexplosion im Südteil der Burg im Jahre 1520 zerstörte Teile der Burg, unter anderem die Ringmauer und den Bergfried, welche erneuert werden mussten. Im Jahr 1672 brannte dann der Ostteil der Burganlage durch einen Blitzeinschlag aus. Dieser wurde jedoch nicht wieder erneuert. Ab dem 18. Jahrhundert wurde der Bau sich selbst überlassen und verfiel zusehends. 

Im Jahre 1883 erhielt Kaiser Franz Joseph das Schloss, welcher 1893 dann Schloss Runkelstein feierlich an die Bürger der Stadt Bozen übergab.

 

Nach der Besichtigung der Schlossanlage sind wir erst einmal hungrig und brauchen eine Stärkung. In der Burgschänke des Schloss Runkelstein trinken wir ein feines Bier und stärken uns mit einem traditionellen Südtiroler Gericht.  Für mich gibts Käsenocken und für Reni eine Knödelsuppe.

Die Haselburg liegt hoch über der Altstadt von Bozen und ist über eine sehr enge und steile Strasse zu erreichen. Die Burganlage wurde in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts von den Herren Haselberg errichtet. Nach vielen Umbauten und Neugestaltungen wird die Burg heute als Kongresszentrum und Ausflugsrestaurant genutzt. 

Einige Teile der alten Bausubstanz blieben erhalten.

Das milde Klima wirkt sich auch auf die Pflanzen aus und so haben wir den Eindruck, dass die Pflanzen hier weiter sind als in der Schweiz. Der Frühling in seiner Pracht und der Sommer steht bereits vor der Tür.

Leider vergeht die Zeit wie immer viel zu schnell wenn wir am reisen sind. Es ist bereits wieder Sonntag und wir müssen packen. Bevor wir uns von Bozen verabschieden, geniessen noch einen letzten Cappuccino. Schade schaffen es unsere Schweizer Gastwirte nicht einen solchen Cappuccino zu zaubern.  

Auf dem Heimweg stoppen wir noch in Meran. Die Laubengasse von Meran ist sehr ähnlich wie die in Bozen, ausser dass die Gasse noch schmaler ist.

Auch hier in Meran gibt es sehr schöne Gebäude mit herrlichen Fassaden.

Wer wohl einst hinter diesen Fenstern gewohnt haben mag? 

Seit 1840 wurden in Meran Versuche unternommen, ein Kurhaus zu bauen. Die offizielle Eröffnung des ersten Teils des Kurhauses fand 1874 statt. Friedrich Ohmann plante den grossen Kursaal und die Rotunde, die das Meraner Kurhaus zum schönsten Jugendstilbau des Alpenraumes werden liess. Die Bauarbeiten wurden im Jahre 1913 begonnen und zu Silvester 1914 fand die feierliche Eröffnung statt. 

In den letzten Jahren wurde der gesamte Komplex vollständig renoviert und steht nun für Konzerte, Bankette, Kongresse, Präsentationen, Bälle u.v.m. zur Verfügung. 

Auf einem Spaziergang treffen wir auf den Pulverturm. Von der Burg Ortenstein, die ursprünglich Meran überragte, ist nur mehr der zinnenbewehrte Pulverturm übrig geblieben. Dieser wurde im 18. Jahrhundert als Lager für Schiesspulver genutzt, wovon er auch seinen Namen erhalten hat.

Heute ist der Pulverturm ein Aussichtsturm, von wo aus wir einen schönen Überblick über die Meraner Altstadt mit dem mächtigen Pfarrturm haben.

Nun müssen wir aber wirklich los. Zwischen Meran und dem Reschenpass liegt das herrschaftliche Schloss Churburg. Erbaut wurde die Burg in der Zeit um das Jahr 1250 durch den Fürstbischof von Chur, Heinrich von Montfort. Bereits im Jahr 1297 war die Anlage im Besitz der Herren von Matsch, mit denen das Fürstbistum Chur in ständiger Fehde lag. 1504, nach dem Tod des letzten Vertreters derer von Matsch, gelangte die mittlerweile stark ausgebaute Anlage in den Besitz der Familie Trapp über, welche sie noch heute besitzen.

Noch ein kurzer Stopp beim Reschensee und dann fahren wir via Landeck und Feldkirch zurück in die Schweiz.

Vielen Dank für euren Besuch auf www.sunandstar.ch. Wir hoffen unser Bericht gefällt euch. 

Reni und Marcel