Indonesien 2007 – Reisebericht 4

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Der Norden der Götterinsel Bali

Unserer Meinung passt der Name Götterinsel zu Bali sehr gut. Denn praktisch jedes Dorf hat mindestens drei Tempel. Einer ist dem Dorfgründer gewidmet, einer soll die Dorfgemeinschaft in ihrem täglichen Leben beschützen und der Dritte ist der Tempel der Toten. Beim Letzten befindet sich auch der Friedhof. Neben den öffentlichen Tempeln hat aber auch fast jede Familie den eigenen Familientempel im Garten. So hat Bali vermutlich ebenso viele - oder sogar mehr - Tempel wie Wohnhäuser.

Bali hat 3.2 Millionen Einwohner die auf einer Landfläche von 5632 Quadratkilometer leben. Trotz der kleinen Landfläche ist Bali im Mittelland recht gebirgig und der höchste der Vulkanberge erhebt sich auf 3142 Meter über der Meeresoberfläche.

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Die geringe Grösse Balis heisst aber keinesfalls, dass die Insel langweilig ist. Im Gegenteil, Bali ist wohl eine der abwechslungsreichsten und vielseitigsten Inseln Indonesiens. Im Süden gibt es sehr viel Touristeninfrastruktur mit herrlichen Stränden, sehr guten Wellen für Surfer und allem was das Touristenherz begehrt. Im Zentralland ist die Insel sehr hügelig und gebirgig und bietet den nährstoffreichen Boden für eine Vielzahl von Agrarprodukten. Im Norden gibt es kleine Fischerdörfer, die mit abgelegenen und ruhigen Stränden den Charme dieser Küste widerspiegeln und mitunter sehr gute Tauchplätze bietet. Auch kulturell hat Bali nebst historischen Tempel- und Palastbauten sehr viel zu bieten. In ganz Bali verkaufen lokale Künstler ihre Kunstwerke und die lokale Musik- und Tanzkunst ist überall präsent.

Nach spannenden zwölf Tagen in Java schippern wir auf die Götterinsel Bali. Im javanesischen Banyuwangi gehen wir auf die Fähre, die uns in rund 30 Minuten nach Gillimanuk bringt. Gilimanuk liegt im Westen von Bali. Von da aus fahren wir mit dem lokalen Bus zur Lovina Beach (Nordküste), wo wir uns zehn Tage Verschnaufpause gönnen.

Lovina ist ein Touristenort, der sich über 8 km erstreckt. Lovina ist ideal zum relaxen, lesen, den Swimmingpool oder das Meer geniessen. Die Infrastruktur ist ideal, denn es fehlt an nichts und trotzdem hat das Dorf den gemütlichen Charme nicht verloren. Lovina liegt aber auch ideal für Töffliausflüge der Küste entlang oder ins gebirgige Mittelland.

Der dunkle Sandstrand ist typisch für die Nordküste, denn der Sand stammt hier nicht von Korallen sondern von Vulkangestein. Diesen zwei Jungs können wir bei der Lieblingsbeschäftigung der Indonesier zusehen. In Java und Bali sehen wir immer wieder Gross und Klein beim Drachensteigen lassen.

Mit diesen Booten sind die Fisher einst auf das Meer hinaus gefahren mit der Hoffnung auf einen guten Fang. Wir haben jedoch den Eindruck, dass in Lovina heute die Boote nur noch für Touristen benutzt werden. Zum Beispiel für Schnorcheltouren, Sunsetausfahrten oder sonstige Bootsfahrten.

Wir könnten hunderte Fotos von diesen Booten machen. Die einen sind witzig, die andern sehr farbig. Jedes Boot hat etwas ganz besonderes an sich.

Bei Sonnenuntergang gehen viele Fischer weit ins Meer hinaus und hoffen, dass ein dicker, fetter Fisch anbeisst. Da Ebbe ist, können die Fischer sehr weit hinaus waten.

Da die Touristenströme wegen der Bombenanschläge im 2002 und 2005 noch immer ausbleiben, hat es an der Strandpromenade pro Tourist mindestens fünf Souvenirverkäufer. Der meistgehörte Spruch war "Watches, Rolex, yes?", "Transport, yes?" oder "Sarong, yes. Maybe later. OK tomorrow?". Am besten hat uns jedoch der "Sunset price, you buy, yes?" gefallen.

Geniessen...

In den ersten paar Tagen in Lovina geniessen wir das Süsse Nichtstun. Irgendwann fehlt uns dann jedoch die Abwechslung. So mieten wir ein Töffli und fahren los. Da wir keine detaillierte Strassenkarte dabei haben, finden wir das Kloster zu dem wir wollen nicht auf Anhieb. Dafür kommen wir an anderen schönen Klöstern und Tempeln vorbei. Dieser hier ist noch in Arbeit.

Dieser Maler macht aus der grauen Figur ein farbiges Fabelwesen.

Diese Tore, die wie Himmelstore aussehen, sind auf ganz Bali zu finden. Ob an Dorf-, Tempel- oder Hauseingängen, überall sieht man sie.

Diese Blume erinnert uns sehr an Edelweiss.

Die Fahrt mitten durch die Insel führt uns über Hügel und Täler. Viele der Dörfer sind sehr schön mit Girlanden geschmückt. Da in Bali regelmässig religiöse Zeremonien stattfinden, sehen sehr viele balinesische Strassen so aus.

Immer wieder steigt uns ein bekannter Geruch in die Nase. Nägeli! Es riecht so intensiv, das kann man sich kaum vorstellen. Schade können wir den Geruch nicht über's Internet zu euch schicken. Getrocknet werden sie am Strassenrand.

Nägeli wachsen auf Bäumen und werden von Hand gepflückt. Danach werden die Knospen oder Früchtchen auf eine Plache zum Trocknen gelegt.

Diese hier liegen schon länger am Strassenrand und sind fertig für den Verkauf.

Wenn es der Platz erlaubt, werden die Nägeli auch auf grossen Feldern getrocknet.

Wer auf Bali ist, muss durch diesen Baum fahren. Der Ideenreichtum der Balinesen erstaunt uns immer wieder. Wenn der Baum breit genug ist, baut man die Strasse halt mitten durch. Erkennt ihr übrigens den Tourist auf dem Töffli?

Geschafft! Wir haben die Insel überquert und erreichen die wellenreiche Südwestküste. Ganz in der Nähe ist die Medewi Surf Break, bei Wellenreitern sehr bekannt. Ansonsten ist dieser Teil der Küste kaum touristisch erschlossen und wir finden kilometerlange Strände ohne eine Menschenseele.

Bei einem zweiten Töffliausflug von Lovina aus fahren wir wieder in die Berge. Unser erstes Ziel ist der Tamblingan See, einer von drei Vulkanseen in der sogenannten Danau Bratan Area. Zum Glück haben wir langärmlige Pullover dabei, denn hier oben auf über 1000 Meter ist es doch ziemlich kalt. Wir sind uns halt nicht mehr an Temperaturen unter 20 Grad gewöhnt.

Der Buyan See befindet sich gleich nebenan. Die Aussicht ist herrlich und erinnert uns fast ein bisschen an die Schweiz. Dank fruchtbarem Boden und der Nähe zum Wasser wird am Seeufer Gemüse angepflanzt.

Aber auch der See selbst dient als Gemüsebeet oder besser Gemüsewanne.

Ein paar Kilometer weiter erreichen wir den dritten Vulkansee, den Danau Bratan. Hier befindet sich der meist fotografierteste Tempel Balis - Pura Ulun Danu Bratan. Pura heisst übrigens Tempel auf indonesisch.

Pura Ulun Danu Bratan ist ein sehr wichtiger Hindu-Buddhist Tempel aus dem 17. Jahrhundert. Pura Ulun ist der Gottheit des Wassers, Dewi Danu, gewidmet.

Es lohnt sich morgens hierher zu fahren, denn gegen Mittag kommen immer mehr Wolken auf. Der Tempel wird übrigens als Sujet für die 50'000 Rupiah Note (7 Franken) verwendet.

Unsere Mägen knurren. Wir suchen ein kleines Restaurant und finden eins mit herrlicher Aussicht. So schmeckt uns das Nasi Goreng noch viel besser als sonst.

Auf dem Rückweg fahren wir noch an einer Cacao Plantage vorbei. In Zentralbali wird neben Kaffee auch Cacao angepflanzt.

Dieses kleine traditionelle Holzhaus erinnert uns an ein Hexenhäuschen.

Wir fahren wieder zurück an die Nordküste und freuen uns auf die höheren Temperaturen um die 30 Grad. Bevor wir zurück zur Lovina Beach fahren, besichtigen wir noch drei Tempel die auf unserem Heimweg liegen. Der erste ist Pura Beji, dieser ist der Gottheit Dewi Sri gewidmet. Die Architektur ist typisch nordbalinesischer Stil.

Im Innern erwartet uns ein schöner Tempel mit feinen Stukaturarbeiten. Die vielen Francipani-Bäume im Innenhof spenden uns Schatten.

Keine 500 Meter weit entfernt, finden wir inmitten eines Reisfeldes den Pura Dalem.

Zum Abschluss des zweiten Töffliausfluges besuchen wir noch den Pura Maduwe Karang. Der Name des Tempels bedeutet: Tempel des Landbesitzers. Der Mond im Himmelstor.

Pura Maduwe Karang gilt als der schönste Tempel von Nordbali.

Etwas ganz spezielles finden wir auf der linken Tempelwand, das berühmte Steinbild mit dem Mann auf dem Velo. Speziell ist vorallem das Hinterrad in Form einer Blume. Die Kinder die uns bei der Tempelbesichtigung begleiten nennen es "The bicycle from Holland".

Nach zehn Tagen in Lovina sind wir wieder motiviert zum weiterreisen. Mit dem Bemo (lokaler Minibus) fahren wir Richtung Osten, nach Amed. Wir müssen zwar zweimal umsteigen, das klappt aber problemlos. Die Balinesen sind sehr hilfsbereit und würden einem nie im Stich lassen.

Auf der Fahrt der Küste entlang erhaschen wir noch einen Blick des Vulkanberges Gunung Agung. Mit 3142 Meter ist Gunung Agung der höchste Berg auf Bali. Damit wir ein Foto schiessen können, macht unser Bemo-Fahrer kurz Halt.

Amed ist der aufstrebende Teil der Ostküste von Bali. Rund um die kleinen Fischerdörfer in der Region entstehen immer mehr Guesthouses und Resorts für Touristen. Viele kommen hierher zum tauchen oder schnorcheln. Das Wasser ist sehr klar und es hat einige schöne Tauchplätze in der Gegend.

In Amed finden wir unsere Oase für die nächsten Tage. Hier die Aussicht von der Terrasse unseres Bungalows. Herrlich, nicht?

In Amed geniessen wir das Strandleben und gehen auch tauchen. Mit dem Minibus fahren wir ins rund 4 km entfernte Tulamben. Dort liegt die versunkene USS Liberty. Das Wrack ist rund 30 Meter vom Strand entfernt. Das Schiff ist am 11. Januar 1942 von Torpedos der Japaner getroffen worden und lag dann rund 20 Jahre am Strand. Nach der Eruption des Vulkanes Agung im Jahre 1963 wurde das Schiff dann an seine jetzige Position geschwemmt. Für Taucher liegt das Wrack ideal, denn der tiefste Punkt ist auf 30 Metern Tiefe. Das Wrack ist total mit Korallen bewachsen und der Fischreichtum ist gewaltig. Zum Glück ist das Gebiet um Tulamben geschützt, ansonsten wäre wohl dieser Tauchplatz bereits leer gefischt.

Amed ist ein typisches Fischerdorf und fischen hat hier lange Tradition. Die Segelboote werden Jukungs genannt. Die meisten Fischer der ganzen Küste entlang fahren zweimal im Tag zum Fischen hinaus. So können wir täglich morgens und abends hunderten von Segelbooten zusehen, wie sie aufs Meer hinaus fahren. Ein geniales Schauspiel.

Die Segelboote sehen mit den Bambusarmen fast wie spinnen auf dem Wasser aus.

Wir fahren der Küste des östlichsten Zipfels von Bali entlang. Dabei brausen wir an viele Fischerdörfer vorbei. Dass es Fischerdörfer sind, erkennen wir an zwei Dingen. Erstens sind die Strandabschnitte total überfüllt mit Fischerbooten und auf der Küstenstrasse sitzen überall Frauen und Männer mit ihrem Fischfang und verkaufen den Frischfisch.

Schön parkierte Fischerboote.

In den Dörfern werden aber nicht nur Fische gefangen, sondern auch Boote gebaut. Aus riesigen Baumstämmen entsteht ein Holzboot.

Den östlichsten Zipfel von Bali haben wir umfahren und erreichen unser nächstes Ziel, den Wasserpalast Ujung. Der Palast liegt in einem kleinen Fischerdorf und ist umgeben von Wasserpools, Kanälen und Springbrunnen. Auch die herrliche Aussicht auf das Meer mit Blick Richtung Lombok ist nicht zu verachten.

Der letzte Raja von Karangasem, Anak Agung Anglurah Ketut, hat sich in der Gegend drei Wasserpaläste gebaut. Tirta Gangga, Jungutan und Ujung. Gebaut wurde der Wasserpalast Ujung 1919 und wurde 1921 vom letzten Raja bewohnt. 1963 wurde der Palast durch die Eruption des Vulkanberges Agung total zerstört. Nur wenige Statuen und Eingänge blieben erhalten. Das Geld für die Totalrenovation wurde von der Worldbank gesponsert und so sieht der Palast heute aus.

Von oben blicken wir auf die schöne Anlage mit Pavillon, Wasserpools, Kanälen und Springbrunnen.

Hier ist das Wohnhaus. Wunderschön umgeben von Wasser mit Seerosen.

Der Wasserpalast Tirta Gangga liegt 6 km nördlich von Amalapura und wurde 1948 vom letzten König von Karangasem, Ngurah Ketut als Ruheplatz bewohnt. Der Wasserpalast ist eine Kombination aus chinesischer, europäischer und traditionell balinesischer Architektur. Hier kann in öffentlich zugänglichen Swimmingpools gebadet werden. Die Anlage ist wunderschön mit Blumen bepflanzt und um die Anlage sind Reisterrassen in saftigem grün.

Auf der Rückfahrt sehen wir zufällig den Wegweiser zum Pura Lempuyang und machen zum Abschluss noch einen kurzen Abstecher dahin. Der Tempel liegt auf 768m. Die riesigen Eingangstreppen scheinen etwas wichtiges hinter den Toren zu verbergen.

Der Hund will unbedingt auch aufs Foto. Oder ist er der Bewacher?

Da sind wir natürlich neugierig was er denn bewacht. Hinter dem riesigen Eingangstor sind die Heiligtümer. Von den Bergen her kommt der Nebel und gibt dem ganzen einen mystischen Touch.

Zum Glück ist dieser Drachen aus Stein, ansonsten hätten wir vor seinen grossen, scharfen Zähnen schon recht Respekt.

Zurück in Amed geniessen wir noch einen schönen Sonnenuntergang.

Die Sonne ist untergegangen und er Himmel verfärbt sich immer röter. Wir geniessen es und möchten euch diese wunderbare Aussicht natürlich nicht vorenthalten.

Ein weiterer Reisebericht geht zu Ende, ebenso unsere lange Reise. Wir freuen uns, dass ihr immer wieder bei uns auf www.sunandstar.ch vorbeischaut. Danke und bis bald.

Unter Das Zentralland und der Süden von Bali findet ihr den nächsten Reisebericht.

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