Indonesien 2007 – Reisebericht 3

Bannerbild

Die Vulkangebirge im Osten Javas

Das war eine kurze Nacht. Der Wecker geht um 1:00 Uhr los und wir werden um 1:30 Uhr nachts abgeholt. Eine spannende Zwei-Tages-Tour beginnt. Los geht es in Malang und nach rund zwei Stunden Autofahrt erreichen wir unser erstes Ziel. Noch ist es bitterkalt und dunkelste Nacht. Zum Aufwärmen gönnen wir uns zuallererst einen feinen frisch gebrauten Java Kaffe. Kurz vor halb fünf brechen wir auf und ein kurzer Fussmarsch bringt uns zur Aussichtsplattform des Mt. Penanjakan. Mt. Penanjakan ist 2770 m hoch und wir haben von hier aus eine herrliche Aussicht auf den Mt. Semeru (3676 m), den Mt. Bromo (2392 m), den Mt. Batok (2440 m), den Sandsee und die umliegende Landschaft. Gespannt warten wir auf den bevorstehenden Sonnenaufgang. Ganz langsam werden die ersten Anzeichen der aufgehenden Sonne sichtbar. Der Himmel verfärbt sich langsam rot und gelb. Die Stimmung ist wunderschön und wir können beobachten wie der Tag erwacht.

Von unserem Standort auf der Aussichtsplattform haben wir eine herrliche Sicht gegen Osten, wo die Sonne aufgeht und gegen Süden, wo die Vulkanberge stehen. Wir wissen fast nicht, in welche Richtung wir schauen sollen. Im Osten erscheint das erste Licht der Sonne und der Tag beginnt.

Wenn wir unseren Blick gegen Süden wandern lassen, sehen wir zuerst den Sandsee, der noch von einem dichten Wolkenmeer überdeckt ist.

Gegen Süden sehen wir den mächtigen 3676 Meter hohen Mt. Semeru im Hintergrund, den rauchenden Mt. Bromo und den Mt. Batok im Vordergrund.

Die Vulkane hier sind nach wie vor aktiv und immer wieder gibt es grössere Eruptionen. Der Mt. Semeru ist einer der aktivsten Vulkane Javas und speit in regelmässigen Abständen von etwa 15 Minuten Asche.

Nun ist es soweit und die Sonne erscheint am Horizont. Dies ist ein wirklich magischer Moment in dieser atemberaubenden Landschaft. Mit dem Sonnenaufgang erhalten wir auch die ersehnten wärmenden Sonnenstrahlen die unseren durchgefrorenen Körpern schmeicheln.

Wenn wir unseren Blick wieder Richtung Süden gleiten lassen, können wir auch hier die herrliche Veränderung des Lichtes sehen.

Je heller es wird, desto detaillierter erkennen wir die Schönheit der Landschaft.

Das Sonnenlicht wird immer intensiver und nun erreichen die Strahlen auch die etwas verborgenen Ecken der Landschaft.

Mit dem Licht der Sonne verwandeln sich die Farben der Landschaft. Das dominierende Grau wird zusehends durch Braun-, Gelb- und Grüntöne abgelöst. Die ganze Welt wirkt nun viel freundlicher und noch imposanter.

Dick in Kleider eingepackt wärmen uns die Sonnenstrahlen nun wieder etwas auf. Über die Kapuzen an unseren dicken Sweatern waren wir sehr froh.

Nun ist die Sonne schon recht hoch und zum krönenden Abschluss lässt der Mt. Semeru auch nochmals seine Muskeln spielen. Weit im Hintergrund zeigt er mit einer Aschenwolke, dass jederzeit mit Aktivität zu rechnen ist.

Solange nur diese regelmässige Aschenwolke ausgestossen wird, besteht kein Grund zur Unruhe. Die Aktivitäten der Vulkane wird durch internationale Teams ständig minutiös überwacht.

Zum Abschluss nochmals ein Bild der herrlichen Vulkanlandschaft mit dem rauchendem Mt. Semeru.

Nach dem Sonnenaufgang geniessen wir die wärmende Sonne, einen weiteren Java Kaffe und unser wohlverdientes Frühstück. Als wir mit unserem Minibus losfahren wollen, stellen wir mit Schrecken fest, dass wir einen Plattfuss eingefangen haben. Somit heisst es erst einmal Rad wechseln. Mit vereinten Kräften ist das Rad rasch gewechselt und unsere Fahrt kann los gehen. Auf der Fahrt geniessen wir die herrliche Aussicht. Hier weit entfernt ein Vulkanberg im Nebelmeer.

Die Strasse, die vom Mt. Penanjakan hinunter zum Fusse des Berges direkt in den Sandsee führt, ist unheimlich steil und sehr eng. Auf dem Weg ins Tal überholen wir eine asiatische Reisegruppe die mit Fahrrädern unterwegs ist. Wie immer ist die Ausrüstung vom Feinsten. Alle sind topmodern gekleidet und fahren auf hochklassigen Mountainbikes. Oder besser gesagt sie schieben sie, denn für die meisten Mountainbiker ist die Strasse zu steil. Dass man das Fahrrad schieben muss, weil die Fahrt zu steil aufwärts geht kennen wir ja, dass es aber zu steil abwärts gehen kann ist für uns neu.

Kurz bevor wir das Nebelmeer erreichen, stoppen wir noch kurz um den herrlichen Ausblick auf den Mt. Batok zu geniessen.

Nun tauchen wir in das Nebelmeer ein, das über dem Sandsee liegt. Alles wird in einen dichten Schleier eingehüllt und es wird wieder dunkel.
Die Fahrt durch den Sandsee ist ein märchenhaftes, fast schon unheimliches Erlebnis. Die Landschaft wirkt wie eine Mondlandschaft und der Nebel der darüber liegt, lässt das Ganze wie eine Märchenlandschaft wirken. Unser Fahrer muss unheimlich aufpassen, denn die Sichtweite ist nur ein paar Meter und wir fahren auf sandigem Untergrund. Eine Strasse gibt es nicht und wir folgen einfach den Fahrspuren die bereits vorhanden sind. Zur Orientierung gibt es im Nebel nur ein paar Büsche und Steine. Plötzlich tauchen aus dem Nichts die Umrisse eines Tempels auf.

Nun lichtet sich der Nebel auch ein wenig und wir merken, dass wir nicht die ersten sind. Irgendwie fühlt sich das ganze hier ein bisschen wie eine Rallye in einer Wüste durch dichten Nebel an.

Zu Fuss geht es nun weiter auf den Mt. Bromo. Für die Leute, denen der Aufstieg auf den Vulkan zu anstrengend ist, stehen Pferde bereit. Geführt werden die Pferde von der einheimischen Bevölkerung die hier im Vulkangebirge lebt. Die Menschen sind sehr kleinwüchsig und in warme Kleidung eingehüllt. Sie tragen Wollpullover, Wollkappen und dicke Jacken.

Der Aufstieg auf dem losen, zum Teil sandigen Untergrund ist recht anstrengend und der letzte Stück führt über steile 253 Stufen zum Kraterrand.

Dick eingehüllte Verkäuferin mit ihrem kleinen improvisierten Kiosk mitten in der wie eine Mondlandschaft wirkenden Einöde.

Vom Kraterrand geniessen wir die herrliche Aussicht auf den Sandsee. Ob wir das was sich darunter verbirgt wohl noch zu Gesicht bekommen?

Bereits wenige Minuten später verzieht sich der Nebel langsam und der Sandsee mit dem Tempel kommt zum Vorschein.

Auf der anderen Seite des Kraterrandes geht es tief in den Vulkankrater. Aus dem Krater steigt ein ständiger Dampf aus dem Innern der Erde auf. Der Dampf hat einen sehr intensiven Geruch nach faulen Eiern. Mhh...

Der Vulkankegel des Mt. Batok ist nicht mehr aktiv. Auf den Flanken sind mit der Zeit Pflanzen gewachsen.

Ein weiterer improvisierter Kiosk mit Getränken und Nudelsuppe.

Der Mt. Batok, im Hintergrund des Tempels, scheint wie mit einem Teppich überzogen zu sein.

Nun geht es weiter durch den Sandsee Richtung Ijen Plateau. Hier ein Blick zurück über den Sandsee zum dampfenden Mt. Bromo.

Der Sandsee hat seine Tücken und wir müssen erstmal kräftig mithelfen, dass wir mit dem Minibus durch den tiefen Sand kommen. Erst nach einigen missratenen Anläufen und mehrmaligem freischaufeln des Minibusses schaffen wir es mit vereinten Kräften durch den Sand.

Mitten durch den Dschungel fahren wir auf sehr engen, steilen und zum Teil schlechten Strassen über Probolinggo, Bondowoso nach Sempol. Wir geniessen die herrliche Landschaft und die wunderbare Aussicht in die Landschaft. Im letzten Abschnitt der Strecke ist der Dschungel sehr dicht und aus dem Minibus sehen wir sogar noch zwei Affen auf den Bäumen sitzen.

In Sempol beziehen wir im Guesthouse Catimor unser Zimmer. Das Guesthouse liegt inmitten der staatlichen, 4000 Hektaren grossen Kaffeeplantage, welche durch die Holländer aufgebaut wurde. Die Plantage befindet sich auf einer Höhe von 1100 bis 1500 Meter. Gleich vor dem Zimmer haben wir einen kleinen Pool, der mit Wasser von einer heissen Quelle gespiesen wird.

Das Ijen-Plateau ist der östlichste Vulkan-Komplex auf der Insel Java und hat gigantische Ausmasse. Auf dem Plateau leben tausende von Menschen, die vor allem von den Kaffeeplantagen leben. Der Ijen Vulkan liegt nahe des Dorfes Sempol und ist 2386 Meter hoch. Der Krater ist mit Wasser gefüllt und wird als giftigster See der Welt bezeichnet. Aus dem Krater wird Sulfat abgebaut. Pro Monat wird von der staatlichen Abbaugesellschaft ca. 250 Tonnen Sulfat gefördert. Der Abbau und Transport ins Tal wird manuell von einigen Hundert Männern erledigt. Diese Männer schleppen eine Ladung Sulfat in Bambuskörben zwei mal pro Tag vom Krater bis ins Tal. Uns hat schon die Wanderung ohne Ladung ziemlich erschöpft. Es ist unglaublich, wie die Männer diese unheimlich anstrengende Arbeit bewältigen. Eine Ladung wiegt nämlich zwischen 70 und 80 Kilogramm. Der Weg aus dem Krater ist unheimlich steil und führt über einen sehr steinigen Trampelpfad. Vom Krater geht es dann über einen zum Teil sehr steilen Weg 3 km runter ins Tal. Unglaublich, aber die meisten Männer sind Barfuss oder tragen nur gerade Flip-Flops.

Auf dem Aufstieg zum Gipfel treffen wir auf die Wägestation der Sulfatförderer. Hier macht jeder der Träger Zwischenstopp, um seine Ladung zu wägen und etwas auszuruhen. Überall stehen die mit Sulfatstücken gefüllten Tragekörbe herum. Der Nebel hängt tief in den Bäumen und es ist recht kühl.

Dies sind die Tragekörbe, welche die Arbeiter auf ihren Schultern runter ins Tal tragen. Zwischen 70 und 80 Kilogramm wiegt eine Ladung des Sulfates.

Die Sulfatbrocken aus der Nähe betrachtet.

Nach dem teilweise sehr steilen und anstrengenden Aufstieg erreichen wir nach gut zwei Stunden den Kraterrand. Der Gipfel ist in Nebel eingehüllt und die Sonne ist nur zu erahnen. So wirkt der Ort sehr mystisch und fast schon etwas unheimlich.

Auf dem ganzen Weg begegnen wir immer wieder den Sulfatträgern. Dieser hier ist erst am Anfang des langen Abstieges ins Tal.

Da geht er stumm seinen langen qualvollen Weg ins Tal.

Der Blick in den Vulkankrater ist leider durch den Nebel und die aufsteigenden Dämpfe eingeschränkt. Der türkisfarbene See im Innern des Vulkankraters ist aber immer wieder durch Lücken in den Dampfwolken erkennbar.

Natürlich steigen wir auch in den Krater. Dies ist ein nicht ganz ungefährliches Abenteuer. Erstens handelt es sich hier um einen aktiven Vulkan und zweitens führt der Abstieg in den Vulkankrater nur über einen sehr steilen, steinigen Trampelpfad. So müssen wir uns aufs Laufen konzentrieren und jeder Schritt muss am richtigen Ort sein.

Je näher wir dem Kratersee kommen, desto intensiver wird der Sulfatgeruch. Auch die Temperatur verändert sich merklich und wir beginnen uns Schicht um Schicht von den warmen Kleidern zu entledigen.

Nun sind wir ganz nahe an der Aktivität des Vulkans. Der Geruch nach faulen Eiern ist fast unerträglich und wir binden uns ein Tuch vor die Nase.

Ganz so nahe an die dampfende Sulfatquelle wollen wir nun doch nicht und sind froh, dass wir nicht jeden Tag hier arbeiten müssen. Hier wird das Sulfat abgebaut und die Stücke von den Steinen geschlagen.

Die Träger kommen mit den leeren Bambuskörben in den Krater um sie auf ein neues mit Sulfat zu beladen.

Dann beginnt der härteste Teil des Transportes. Der Aufstieg aus dem Krater. Wir benötigen ohne Ladung etwa eine halbe Stunde für den Aufstieg und können uns überhaupt nicht vorstellen, wie die Arbeiter ihre Ladung aus dem Krater schaffen.

Der Kratersee gilt als der giftigste See der Welt und somit verzichten wir auf das heisse Bad.

Als wir diese Ablagerungen am Ufer sehen, verschwindet bei uns die Lust auf ein Bad ganz.

Unter Der Norden der Götterinsel Bali findet ihr den nächsten Reisebericht.

Vielen Dank für euren Besuch auf www.sunandstar.ch. Bis zum nächsten Mal.

Teilen macht Spass... Facebook Twitter Google Pinterest StumbleUpon Email