Indonesien 2007 – Reisebericht 1

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Borobudur und Prambanan, die kulturellen Höhepunkte Javas

Am 5. Juli 2007 verlassen wir Singapur und fliegen weiter nach Indonesien, genauer genommen Java. Während unserer Reise durch Java stehen Besuche kultureller Stätten wie Borobudur, Prambanan und die Besteigung der Vulkanberge Bromo und Ijen im Osten Javas auf dem Programm.

Java ist von den insgesamt 17'000 Inseln in Indonesien die Bevölkerungsreichste. Auf Java leben rund 120 Millionen Menschen. Von den 245,5 Millionen Menschen die in ganz Indonesien leben, bevölkern rund die Hälfte Java.

Gegen Mittag des 5. Juli landen wir in der Riesenstadt Jakarta und fliegen direkt weiter nach Jogjakarta. Gegenüber Jakarta mit 8,75 Millionen Einwohnern ist Jogjakarta mit 450'000 Einwohnern eher klein. Für uns dennoch riesig. Wir stellen bereits an unserem ersten Tag in Java fest, dass hier viel mehr Menschen auf einem km2 leben als in anderen Ländern. Die Strassen sind überfüllt und es herrscht bis weit ausserhalb der Stadt Verkehrschaos. Das ist aber auch nicht erstaunlich wenn neben Autos, Bussen, Töfflis und Velo-Rikschas auch noch Pferdekutschen auf der selben Strasse unterwegs sind. Da ist Stau und Chaos vorprogrammiert. Manchmal geht es aber auch ganz gemütlich zu und her.

In Jogjakarta ist im Moment Hochsaison und es ist nicht ganz einfach ein Zimmer zu kriegen. Wir verbringen deshalb die erste Nacht in einem eher heruntergekommenem Hotel. Umso mehr freuen wir uns auf die kommenden Nächte, denn wir finden dank Lonely Planet unser Traumzimmer. Der Besitzer und Maler hat seiner künstlerischen Ader freien Lauf gelassen. Jedes der zehn Zimmer ist in einer anderen Farbe mit anderen Motiven gemalt. Eine richtige Oase in der Grossstadt.

Auch in Indonesien haben die Banken das Geld.Uns gefällt das wunderschöne Gebäude im Kolonialstil.

Jogjakarta ist der ideale Ausgangspunkt um kulturelle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Wir buchen in unserem Guesthouse eine Sunset Tour zum Tempelkomplex Borobudur. Nach rund zwei Stunden Busfahrt erreichen wir nachmittags Borobudur.

1200 Jahre alt ist dieser Buddhistische Tempel und hat schon einiges mit- oder besser überlebt. Vom Vulkanausbruch des Mount Merapi bis hin zu terroristischen Bombenanschlägen. Auch der Besuch von Millionen von Touristen hat seine Spuren hinterlassen. Ausser dem Alter des Tempels ist nicht viel bekannt über die Geschichte von Borobudur. Man weiss, dass nach dem Machtwechsel und der Aberkennung des Buddhismus der Tempel total vergessen wurde. Im frühen 20. Jahrhundert haben dann die Holländer Borobudur restauriert. Die Restauration war äusserst aufwändig, da sich in den Steinmassen sehr viel Wasser angesammelt hat und der Tempel vom Zerfall bedroht war. Zwischen 1973 und 1983 wurde der Tempel für einen Mamutbetrag von 25 Millionen US$ restauriert. Tragischerweise wurden nur zwei Jahre später die obersten Stockwerke von Bomben zerstört. Borobudur wurde danach ein weiteres Mal restauriert. 1991 wurde Borobudur zum Weltkulturerbe anerkannt.

In Indonesien sind im Moment Sommerferien. Die Indonesier nutzen diese Zeit um Tempel und kulturelle Stätten im eigenen Land zu besichtigen. Wir treffen hauptsächlich auf lokale Touristen, Westliche sehen wir nur wenige.

Auch wir steigen über die Treppe hoch und erkunden den Tempel von näher. Borobudur wurde einst aus zwei Millionen Blöcken Stein erbaut. Die Grundfläche des Tempels ist 118m x 118m und hat die Form einer massiven symmetrischen Stupa mit insgesamt sechs Terrassen.

Auf dem Weg nach oben entdecken wir wunderschöne Steinmetzarbeiten. Erstaunlich, dass nach den Bombenanschlägen und dem Vulkanausbruch noch vieles so gut erhalten ist.

Borobudur ist umgeben von wunderschöner Landschaft. Oben auf dem Tempel hat man eine wunderbare Aussicht auf Reisfelder, Palmenwälder und Berge.

Nicht nur die Kinder sondern auch die Erwachsenen sind neugierig, wer oder was sich in den kleinen Stupas versteckt.

Und auch der Mönch will es wissen.

Hier ist des Rätels Lösung: Eine Buddhafigur. Übrigens, das Berühren eines Fingers oder des Fusses der Buddhastatue soll Glück bringen.

In jeder dieser 72 Stupas versteckt sich eine Buddhastatue.

Ein Stupa wurde abgedeckt und so präsentiert sich die Buddhastatue in einer ganzen Pracht. Diese Buddhastatue hat den idealen Platz zum meditieren gefunden.

Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang auf dem Tempel und geniessen die tolle Stimmung, bevor es wieder zurück nach Jogjakarta geht.

Nach der geführten Tour von gestern wollen wir lieber wieder auf eigene Faust auf Tempeljagd. Wir mieten uns im Guesthouse ein Töffli und düsen los. Raus aus der Stadt aufs Land. Unser Ziel sind die Tempel von Prambanan.

Prambanan sind die am besten erhaltenen Beispiele von Javas Hindu Kultur. Die Tempel wurden zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert erbaut als Java noch vom Buddhisten Sailendras (Südjava) und vom Hindu Sanjayas (Nordjava) regiert wurde. Die beiden Dynastien wurden durch die Hochzeit einer buddhistischen Prinzessin und eines Hindu zusammen geschlossen. Das erklärt auch die grosse Anzahl an buddhistischen und hinduistischen Tempeln in Java. Insgesamt wurden 244 Tempel entdeckt. Im 16. Jahrhundert wurde Prambanan durch ein Erdbeben zerstört und Jahre später haben sich Plünderer bedient und die Steinbrocken als Baumaterial verkauft. Die meisten Tempel von Prambanan wurden über Jahre restauriert. Leider wurden einige Bauwerke durch ein weiteres Erdbeben im Mai 2006 in Mitleidenschaft gezogen. Wie Borobudur sind auch die Tempel von Prambanan seit 1991 in der Unesco Weltkulturerbe Liste.

Der Haupttempel heisst Candi Shiva Mahadeva. Dieser Tempel ist Shiva gewidmet und ist der grösste Tempel im Prambanan Komplex. Der höchste Turm ist 47 Meter hoch.

Ein netter Bursche, nicht?

Das Erdbeben hat die Tempel geschwächt und in Mitleidenschaft gezogen. Leider müssen wir Abstand halten und können das Bauwerk nur von der Distanz bewundern. Auf dem Bild sieht man, dass es nicht ganz ungefährlich ist dem Tempel zu nahe zu kommen.

Aber auch von der Distanz bietet sich ein schönes Bild. Hier ist der Hindu Einfluss sehr gut zu erkennen.

Ein rechter Bierbauch. Diese Wächterfigur trinkt wohl gerne ein, zwei Bierchen.

Auch hier sind noch Renovationsarbeiten im Gange. Unvorstellbar wie viel Zeit aufgewendet werden muss, bis jeder Stein wieder am richtigen Platz ist.

In der grosszügigen Gartenanlage treffen wir auf Rehe. Dieses hier ist weder Kamera- noch Menschenscheu.

Da wir mit dem Töffli mobil sind, fahren wir noch weiter aufs Land und suchen die 3 km entfernten Plaosan Tempel auf. Schon von weitem sehen wir was inmitten der Reisfelder auf uns wartet.

In Java geht den Archäologen die Arbeit nicht so schnell aus. Auch hier sind Renovationsarbeiten im vollen Gange. Stein für Stein werden aufgereiht und die passenden Muster zusammen geführt. Einst waren die Haupttempel von 126 kleinen Schreinen umgeben. Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen, es sind leider nur noch Steinhaufen übrig.

Damit sich keine Eindringlinge in die Tempelanlage einschleichen, werden die Plaosan Tempel gleich von zwei Wächterfiguren bewacht. Da kann ja nichts mehr passieren.

In den Plaosantempeln sind hinduistische und buddhistische Symbole und Steinmetzbilder zu finden. Im Innern des einen Tempels sitzt eine unglaublich schön erhaltene Bodhisattva.

Diese Gottheit ist ein weiteres Beispiel einer sehr schönen Steinmetzarbeit.

Rasenmäher werden dank dieser Schaffamilie keine benötigt.

Auf dem Rückweg nach Jogjakarta machen wir noch Halt beim Candi Sari. Dieser Tempel befindet sich an der Hauptstrasse inmitten eines Wohnquartiers.

Am 9. Juli ziehen wir weiter Richtung Osten. Wir erreichen Solo nach einer einstündigen Zugfahrt. Solo ist eine Stadt mit über 520'000 Einwohnern und bekannt für Kleingewerbe wie Tofuherstellung, Galerien, Batik und Gamelan. Gamelan ist die traditionelle Musik von Indonesien. Ein Gamelanorchester ist zusammengesetzt aus Perkussionsinstrumenten wie Trommeln, Gong, Xylophon und Angklung (Bambusrohrinstrument). Wir treffen eine Gruppe aus Paris, die extra hierher gekommen sind um die traditionelle Technik des Gamelan zu erlernen.

Solo ist zwar eine grosse Stadt, hat jedoch den ländlichen Charakter nicht verloren. Vor allem auf den Strassen sind überall Becak in Betrieb. Becak werden in Indonesien die Fahrradtaxis genannt. Da wir gerne zu Fuss gehen, sind wir eher schlechte Kunden. Aber das ist nicht so schlimm, denn die Hauptkundschaft der Becak Fahrer sind sowieso die Einheimischen, die dieses Transportmittel sehr gerne für sich und allerlei Warentransporte benutzen.

In Solo machen wir eine geführte Mountainbike Tour. Zu viert radeln wir durch Reisfelder und besuchen verschiedenste Handwerksbetriebe. Wir lernen wie Tofu gemacht wird, besuchen eine Bäckerei, eine Gong-Mach-Firma und vieles mehr. Da uns diese Handwerksbetriebe so faszinieren, gibt es dazu einen separaten Bericht.

Am zweiten Tag in Solo mieten wir uns ein Töffli. Das ist hier zwar nicht ganz so einfach wie an anderen Orten. Grund: Too dangerous! Im Guesthouse wird uns geraten ein Töffli mit Fahrer zu nehmen, dass sie gerne organisieren können. Auf keinen Fall sollen wir alleine gehen. Die Tempel die wir besuchen wollen liegen in den Bergen. Es sei sehr steil und viel zu gefährlich für uns. Da wir trotzdem lieber auf eigene Faust gehen, mieten wir bei der Konkurrenz ein Töffli. Klappt ohne Probleme. Da sind wir ja mal gespannt, wie steil die Strassen sind. Schliesslich haben wir in der Schweiz ja auch Berge, oder? Da sind wir uns doch schon einiges gewöhnt.

Unser erstes Ziel ist der Tempel Candi Sukuh (900 Meter über Meer). Dieser Tempel gibt einige Rätsel auf. Auch wir sind erstaunt über die Pyramidenform und die Ähnlichkeit mit einem Inka-Tempel. Gebaut wurde Candi Sukuh im 15. Jahrhundert und gleicht in keiner Weise einem Javanesischen Hindu- oder Buddhist-Tempel.

Um zum nächsten Tempel zu kommen, fahren wir noch weiter bergauf. Das war das steilste Stück hoch zum Tempel Candi Ceto. Ist ja schon steil, aber gefährlich wie es im Guesthouse geheissen hat, ist es keinesfalls. Da ist es höchstens gefährlich, wenn das Töffli schlapp macht und wir rückwärts den Berg runterrollen.

Schon am Eingang zum Candi Ceto werden wir von zwei lustigen Figuren begrüsst. Da in wenigen Tagen eine Zeremonie stattfindet, ist die ganze Anlage sehr schön geschmückt. Tempel und heilige Figuren sind mit Tüchern umhüllt und überall sind schützende Schirme aufgestellt.

Hier oben wird es ganz schön kühl. Durch den Nebel der vom Berg her kommt ist die Stimmung recht mystisch.

So eine Farbenpracht. Die Tempelanlage sieht sicher ganz anders aus, wenn sie nicht so hergerichtet ist.

Auf der dritten Ebene finden wir spezielle Symbole am Boden. Und wir sind noch nicht ganz oben. So wie es aussieht geht es noch zwei weitere Ebenen hoch.

Diese Gottheit hat sich ganz schön vor uns versteckt. Vom Candi Ceto sind wir über Stock und Stein und über einen Bach gelaufen und haben schlussendlich inmitten eines Blätterwaldes zu ihr gefunden.

Dieser kleine Holztempel sieht ziemlich alt aus und ist mit Moos überzogen. Der verwitterte Eindruck steht in starkem Kontrast mit dem Glanz der Dekoration.

Wir haben das Tor zum Himmel gefunden. Marcel's Jump.

Und Reni's Jump.

Auf dem Rückweg finden wir einen schönen Aussichtspunkt und machen eine kurze Pause. Wir bewundern die schönen Teeplantagen. Für einmal nicht Reisfelder sondern Tee soweit das Auge reicht.

Und weiter geht's. Da sich der Busbahnhof in Solo etwas ausserhalb befindet, lassen wir uns von einem Becak hinfahren. Ein rechter Krampf für die Fahrer, wir zwei Schweizer mit unserm grossen Gepäck und alles zusammen auf einem Becak.

Mit dem Lokalbus ziehen wir weiter nach Blitar, im Osten von Java. Wir erreichen Blitar am 12. Juli gegen Abend. Der Grund unseres Zwischenstopps in Blitar sind einmal mehr Tempel. Zu den Tempeln von Panataran fahren wir mit Bemo, dem lokalen Bus. Und auch hier begrüsst uns eine Wächterfigur. Dieser ist ganz harmlos und er gewährt uns Einlass gegen eine kleine Spende.

Panataran ist ein Hindutempel mit wunderschönen und feinsten Verzierungen im Ost jvanesischen Stil. Mit dem Bau wurde im Jahre 1200 während der Singosari Dynastie begonnen. Die Fertigstellung des Tempelkomplexes hat jedoch rund 250 Jahre in Anspruch genommen. Die wichtigsten Strukturen datieren vom 14. Jahrhundert und sind balinesischen Tempeln ähnlich.

Vorallem auf der untersten Ebene finden wir feinste Steinmetzarbeiten, die noch erstaunlich gut erhalten sind. Auf den Bildern werden viele interessante Geschichten erzählt. Diese zu lesen ist jedoch gar nicht so einfach.

Diese Gottheit hält sich eine Riesenschlange vom Leib. Braucht bestimmt ganz schön Muskelkraft.

Auch der Garuda darf bei Hindutempeln nicht fehlen.

Wir staunen nicht schlecht. Diese Figur steht auf einem Podest umringt von Totenköpfen. Die Götter scheinen zu viele Horrorfilme gesehen zu haben. Oder ob der Bau des Tempels dermassen der Horror war?

Da die Tempelanlage kleiner ist als angenommen, sind wir gegen Mittag bereits wieder zurück in Blitar. Eigentlich wollten wir noch eine Nacht bleiben, entscheiden uns aber kurzfristig im Hotel auszuchecken und gleich weiter nach Malang zu reisen.

Mit dem Zug reisen ist in Java einfach und recht komfortabel. Da der Bahnhof in Blitar im Zentrum liegt, bietet sich die Weiterreise auf Schienen geradezu an.

Spielende Kinder auf Gleisen sind in asiatischen Ländern an der Tagesordnung. Hier ist der Zugsverkehr einerseits nicht so dicht wie in der Schweiz und meist sind die Züge auch nicht so schnell unterwegs.

Wir erreichen Malang nach einer rund dreistündigen Zugfahrt. Malang hat Charme, vorallem dem Fluss entlang.

Die "Gereja Kathedral Kuno" ist die alte reformierte Kirche der Holländer. Ein Überbleibsel aus früheren Zeiten.

Die Hauptattraktionen liegen in der Umgebung von Malang, deshalb mieten wir uns wieder einmal ein Töffli. Wir fahren in ländliche Gegenden, wo wir neben Tempeln auch die Natur und die kleinen Dörfer bewundern. Die Suche der einzelnen Tempel ist ohne genaue Landkarte nicht ganz so einfach. Aber zum Glück sind die Javanesen sehr hilfsbereit und mit durchfragen finden wir zu den Tempeln.

Zum Abschluss des Tages fahren wir noch zum Singosari Tempel. Erbaut wurde dieser 1304 zu Ehren von König Kertanegara, den fünften und letzten Singosari König. Die Hauptstruktur des Tempels wurde zwar erbaut, aber die Feinarbeiten nie fertiggestellt.Wieso auch immer.

One - Two - Three - Cheese... Ich bin der "Guardian Against Evil Spirits".

Auf Töfflifahrten begegnen wir immer wieder Neuem. Mitten auf dem Land an einer Kreuzung entdecken wir dieses Flugzeug.

Unter Die traditionellen Handwerksbetriebe Javas findet ihr den nächsten Reisebericht.

Vielen Dank für euren Besuch auf www.sunandstar.ch. Bis zum nächsten Mal.

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