Burma 2007 – Reisebericht 4

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Mit dem Zug und der Pferdekutsche nach Hsipaw

Auf dem Weg von Pyay nach Mandalay stoppen wir in Bagan, um das Tempelfeld mit den über 4'000 Bauwerken zu besichtigen. Da diese Tempelanlagen so eindrücklich sind, haben wir den Tempeln von Bagan den separaten Reisebericht Bagan - Tempel soweit das Auge reicht gewidmet. Um die Tempel von Bagan gibt es verschiedene Orte in denen man absteigen kann. Wir haben uns für ein Guesthouse in Nyaung U entschieden. Nyaung U ist ein kleines Dorf, das aus einigen wenigen Strassenzügen besteht. Nur wenige Strassen sind geteert, der Rest ist naturbelassen.

Der heftige Regen der zwischendurch runterprasselt, verwandelt die Strassen in Bäche die zum Teil regelrecht überflutet werden.

In den Wasserlachen die übrig bleiben gefällt es anscheinend Skorpionen. Wir haben das erste Mal Skorpione in freier Wildbahn gesehen. Als beim Abendessen im Gartenrestaurant plötzlich aus dem Dunkeln ein solches Tier auftaucht und auf direktem Weg zu unserem Tisch spaziert, wird uns schon etwas mulmig. Anscheinend sind die Stiche dieser Skorpione nicht gefährlich sein und lassen sich mit Stiche von Hornissen vergleichen. Wir sind jedoch froh, dass sich der Skorpion durch unsere Taschenlampe geblendet wieder aus dem Staub macht.

Natürlich gibt es auch hier Elektrizität, aber wie überall in Burma ist das Verteilnetz in einem absolut schlechten Zustand. Wenn dann noch Regen einsetzt lassen die Stromausfälle auch nicht lange auf sich warten. Somit wird dann auch die bei rund 40°C willkommene Klimaanlage wertlos.

Zur Abwechslung zu den Tempelbesuchen in Bagan unternehmen wir einen Ausflug zum Mt. Popa.Der Berg Mt. Popa ist ein 737 m hoher erloschener Vulkankegel. Dieser markante Vulkankegel ist eines der wichtigsten burmesischen Wallfahrtsorte und beherbergt auf dem Gipfel ein Kloster.
Die Anfahrt ist sehr eindrücklich. Lange führt die Fahrt durch eine karge Ebene und plötzlich taucht der markante, sehr üppig bewachsene Berg aus dem Nebel auf.

Vom Ausgangspunkt aus erkennen wir den Gipfel des Berges nur ab und zu durch die Nebelschleier. Wenigstens hat aber der Regen aufgehört und wir können mit den Aufstieg beginnen.
Der Aufstieg über die 777 Stufen ist nicht gerade sehr "amächelig". Wie bei allen heiligen Stätten müssen wir auch hier die Schuhe ausziehen und Barfuss gehen. Entlang der Treppe leben unzählige Affen und die gesamte Treppe ist mit ihren Exkrementen übersäht. Der Regen hat auch nicht gerade zur Verbesserung der Lage geführt und so ist der Aufstieg ziemlich eklig.
Oben angelangt können wir aber eine wunderschöne Aussicht über die weite Ebene und die umliegenden Berge geniessen. Hätten wir einen sonnigen Tag erwischt, wäre die Aussicht bestimmt noch fantastischer.

Leider müssen wir auch beim Abstieg wieder über die verschmutzte Treppe gehen. Unten angekommen sind wir sehr froh das wir erst einmal unser Füsse unter dem Wasserhahn gründlich waschen können.

Von Bagan fahren wir mit dem Bus Richtung Mandaly weiter. Die Busreise dauert rund 11 Stunden und wir fahren mit einem recht kleinen, alten aber ganz bequemen Bus.

Wie immer wird Jeder Platz ausgenutzt. Im Mittelgang, wo es keine Sitze gibt, werden kleine Plastikstühle aufgestellt und auf dem Dach fährt eine ganze Gruppe Militärangehöriger mit.

Nach dieser 11-stündigen Busfahrt sind wir froh in Mandalay ein gemütliches Guesthouse gefunden zu haben. Für die Tage in Mandalay haben wir den separaten Reisebericht Mandalay - Die heimliche Hauptstadt verfasst. Nach ein paar schönen Tagen in Mandalay machen wir uns auf den Weg Richtung Norden. Mit dem Bus geht es erst mal in das kleine, beschauliche Städtchen Pin U Lwin. Pin U Lwin ist fast 1'100 m hoch gelegen. Dadurch herrscht ein sehr angenehmes, mildes Klima und die Umgebung ist sehr fruchtbar. Das angenehme Klima hat auch die Briten dazu bewogen hier eine "Hill Station" zu gründen. Aus der Kolonialzeit hat die kleine Stadt auch ihren Charme bewahren können. Der Purcell Tower auf dem Bild wurde im Jahre 1907 als Geschenk von Königin Victoria errichtet und schlägt jede Stunde mit dem gleichen Klang wie Big Ben.

Nebst den Kolonialbauten prägen die Pferdekutschen das Strassenbild und sind das Hauptfortbewegungsmittel für kurze Strecken innerhalb des Ortes. Im Gegensatz zu anderen Pferdekutschen, welche wir in Burma schon gesehen und gefahren sind, sind diese hier richtig edel und recht gut gefedert.

Am Nachmittag machen wir uns auf um das kleine Städtchen mit dem Fahrrad zu erkunden. Vom sympathischen, hilfsbereiten Guesthouse-Besitzer mieten wir zwei uralte, geschichtsträchtige Fahrräder. Zuerst muss aber das eine in der Open air Werkstadt unter einem Baum noch geflickt werden.
Die Fahrräder hat er Engländern abgekauft, als diese während dem zweiten Weltkrieg Burma verlassen mussten.

Am nächsten Morgen geht es dann mit der Pferdekutsche zum Bahnhof, denn die Strecke von Pin U Lwin nach Hsipaw wollen wir mit der Eisenbahn zurücklegen.

Hier werden die Stars noch mit der Pferdekutsche vorgefahren. Wo ist denn der rote Teppich?
Das Gebäude im Hintergrund ist der Bahnhof wo wir uns erst wieder mit Name und Passnummer registrieren müssen, damit wir eine Fahrkarte kaufen können.

Auf dem Bahnhof herrscht reges Treiben. Der grösste Teil der Leute die auf den Zug warten sind Bauern und Hausfrauen, die ihre Waren mit dem Zug transportieren wollen. Wir können uns fast nicht vorstellen, wie all die Waren die auf dem Bahnsteig bereit stehen in den Zug passen sollen. Da stehen Körbe voller Gemüse und Früchte, Säcke voller Lebensmittel, Holzmöbel, riesige Blümenbüschel und vieles mehr bereit.

Sobald der Zug auftaucht wird das Treiben hektisch und jeder möchte zuvorderst stehen, um als erster im Zug zu sein. Der Zug wird von einer Diesellok angetrieben und besteht aus etwa 4 Passagierwagen und einem Güterwagen. Auf diesem Zug gibt es zwei Klassen. Wir haben sogar nummerierte Sitze in der ersten Klasse, in der Touristen aufgefordert werden zu reisen. Erste Klasse heisst hier, dass es auf den Holzbänke ein Kissen hat.

Auf dem Weg können die langsam an uns vorüberziehende Landschaft geniessen und haben auch Zeit uns mit den Banknachbarn zu unterhalten. Wir sind eine richtige Attraktion. Immer mal wieder kommt jemand vorbei der ein paar brocken Englisch spricht und von uns wissen möchte wie wir heissen, woher wir kommen, ob wir verheiratet sind, und ob die Schweiz wirklich so reich ist. Im Abteil neben uns fährt sogar eine Gefangene mit. Sie ist ganz in weiss gekleidet, trägt Handschellen an einer langen Kette und wird von zwei Polizisten bewacht. Fast schon ein bisschen unheimlich. Was hat sie wohl ausgefressen?
An jedem Bahnübergang mit Schranken und jeder Baustelle stehen Leute und signalisieren mit Fahnen den Verkehr.

An den Haltestellen wird allerlei leckeres Essen angeboten. Viele der fliegenden Händler besteigen den Zug, fahren eine Station mit und versuchen ihre Waren im Zug an den Mann zu bringen. Im Angebot gibt es heute Frösche, Käfer, Betelnuss, wunderwirkende Medizin aus Wurzeln und Pilzen, wohlriechendes Holz mit magischer Wirkung, Pudding, Früchte, Feuerzeuge mit Taschenlampe und noch vieles mehr.
Ein riesiger Glücksfall ist es natürlich für die Händler, wenn gleich zwei Züge zusammentreffen. Dies geschieht nur einmal pro Tag, da es nur einen Zug pro Tag in jede Richtung gibt.

Das berühmteste Eisenbahnviadukt (Goktiek-Viadukt) von Burma überqueren wir im Schritttempo. Ist vielleicht auch besser, denn die Brücke wurde bereits im Jahre 1899 von den Briten in Auftrag gegeben und von Amerikanern gebaut.

Da wir in Hsipaw heftige Regenschauer antreffen, reisen wir nach einem relaxten Lesetag wieder ab. Wir fahren mit einem mit Gemüse voll gestopften Bus wieder Richtung Mandalay. Auf dem Busbahnhof von Mandalay steigen wir um und fahren durch die Nacht nach Nyaungshwe beim Inle See.
Nach einem Tag und einer Nacht Marathon-Bus fahren, werden wir in übermüdeten Zustand um vier Uhr morgens an einer Kreuzung, 12 km ausserhalb von Nyaungshwe, ausgeladen. Zum Glück sind wir nicht die einzigen Gestrandeten. Wir teilen unser Schicksal mit zwei Jungs aus Kanada. Nach harten Verhandlungen und einer kleinen Pause finden wir dann ein Taxi das uns bis nach Nyaungshwe fährt. Auf der Fahrt haben wir dann allerdings noch eine Reifenpanne und müssen im dunkeln Rad wechseln.
Um fünf Uhr früh müssen wir dann im Guesthouse erst noch den Besitzer aus dem Bett klingeln bevor wir endlich in unser wohlverdientes Bett fallen können.

Nyaungshwe ist eine alte Fürstenstadt und über einem Kanal mit dem Inle See verbunden. Durch die gute Lage nahe dem See und der beschaulichen Atmosphäre, wurde in den letzten Jahren viel in die touristische Infrastruktur investiert. Da aber zur Zeit Nebensaison ist, haben sich nicht viele Touristen hierher verirrt und wir können die Annehmlichkeiten mit wenigen Gleichgesinnten umso mehr geniessen. Wie überall auf dem Lande wird das Strassenbild auch hier von allerlei Altertum und Kuriositäten geprägt.

Der Grossteil des Lebens findet hier allerdings auf dem Wasser statt. Einige Flüsse münden in den auf rund 900 m gelegenen See. Ausserdem verbindet ein gewaltiges System von Kanälen die Umgebung mit dem See. Auf einem Tagesausflug zu viert auf einem Boot erfahren wir sehr viel über Land und Leute. Der Inle See ist der zweitgrösste See Burmas. Er ist 22 km lang und 11 km breit. 1985 wurde der See und das umliegende Feuchtgebiet unter Naturschutz gestellt und bietet zahlreichen Vogelarten ein Zuhause.

Ein Markenzeichen der Fischer auf dem See ist das Rudern. Hier wird nicht mit den Armen sondern mit den Beinen gerudert. Stehend auf einem Bein wird mit dem anderen Bein gerudert. Als ob das noch nicht genügend Balance abverlangen würde, wird mit der freien Hand auch noch das Fischernetz gehalten. Es ist unglaublich entspannend diesen Balancekünstlern bei ihrer Arbeit zuzuschauen.

Gefischt wir entweder mit einer Angelrute, einem Fischernetz oder einer Art Reusen. Hier eine Nahaufnahme von zwei Fischern, die gerade ihren Fang mit einem Fischernetz aus dem See ziehen.

Ein Fischer beim Einbeinrudern mit einer grossen Reuse der Ausschau nach Fischen hält.

Mit den wolkenverhangenen, bis zu 2'000 m hohen Shan-Bergen im Hintergrund hat diese Aufnahme schon fast etwas mystisches. Auf dem See scheint die Zeit stehen zu bleiben. Geduldig wartet der Fischer bis seine Gelegenheit kommt.

Eine letzte Aufnahme dieses anmutigen Balanceaktes.

Das Ufer ist gesäumt von Dörfern. Aber auch mitten auf dem See gibt es immer wieder einzelne Häuser oder ganze Dörfer. Die Häuser und Hütten sind entweder aus Holz oder Bambus und immer auf hohen Stelzen gebaut.

Ein Stück flussaufwärts erreichen wir den Markt von Indein. Hier findet in einer grossen Markthalle ein reger Handel verschiedenster Lebensmittel und Alltagswaren statt.

Getrocknete Fische, Zwiebeln, Chillies und vieles mehr bietet diese Marktfrau an. Ob sie wohl bis am Abend alles verkauft hat?

Mit Ochsenkarren bringen die Bauern der Umgebung ihre Waren zum Markt. Oder sie transportieren ihren grossen Familieneinkauf nach Hause.

Marktfrauen transportieren ihre Waren in grossen Körben auf dem Kopf zum Markt.

Und auch mit dem Boot werden die verschiedensten Gemüse zum Markt gebracht.

Nach diesem regen Treiben haben wir erst mal Hunger und gönnen uns eine Mittagspause in einem Restaurant. Wie alle Gebäude hier befindet sich natürlich auch unser Restaurant auf Stelzen mitten auf dem Wasser.

Frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. In einer Bootswerft können wir mitverfolgen, wie ein kleines Fischerboot, oder ein grosses Transportboot entsteht. Etwa vier Wochen benötigen vier Arbeiter um ein etwa 10 m langes Transportboot zu fertigen. Knapp drei Wochen dauert es ein kleines Fischerboot fertig zu stellen.

Eine weitere Besonderheit sind die schwimmenden Gärten. Im seichten, meist etwa 3 m tiefen, Wasser werden mit Seegras auf dem Wasser Gartenbeete erstellt.

Auf diesen schwimmenden Beeten werden dann verschiedene Gemüse angepflanzt. Einen grossen Teil stellen dabei die Tomatenpflanzen dar. Diese werden bis nach Yangon verkauft und geniessen den Ruf sehr schmackhaft zu sein.

Eine Bäuerin beim Pflegen der Tomatenpflanzen auf den schwimmenden Beeten. Das milde Klima ermöglicht mehrmalige Ernten verteilt über das gesamte Jahr.

Unter Mit dem Ochsenkarren zu uralten, heiligen Stätten findest du den nächsten Reisebericht.

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