Burma 2007 – Reisebericht 2

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Das Tempelfeld von Bagan ist ein Höhepunkt Burmas

Zum "gluschtig mache" zuerst gleich eine Impression vom Tempelfeld von Bagan.

Bagan ist neben Angkor in Kambodscha einer der kulturellen Höhepunkte unserer Reise. Auf einer Fläche von 40 km2 stehen über 4400 Monumente.
Wenn man alle mittelalterlichen Kathedralen von Europa auf Manhatten platzieren würde, ergäbe dies eine sehr gute Darstellung der Grössenordnung von Bagan.

Die Bauwerke der alten Königsstadt wurden innerhalb von 250 Jahren zu Beginn des 10. Jahrhunderts erbaut. Die Landschaft rund um die Monumente hat einen savannenähnlichen Charakter und liegt in einer Trockenzone. Nicht ganz zu unrecht wurde dieser Teil von Burma in alten Zeiten "verdorrtes Land" genannt. Zum Glück sorgen während unserer Besichtigung zwischendurch ein paar Regentropfen für Abkühlung. Sonst wären die 42-45° unerträglich.

Nach der langen, nächtlichen Busfahrt von Pyay nach Bagan brauchen wir erst mal ein paar Stunden Schlaf um uns zu erholen. Danach geht es mit dem Fahrrad auf Erkundungstour. Mitten im Dorf Nyang U, wo wir wohnen, stehen zwischen den Häusern vereinzelt kleine Ruinen.

Den ersten Halt machen wir bei der Schwezigon Pagode. Das im Jahre 1090 vollendete Bauwerk hat eine sehr grosse Bedeutung. Die Schwezigon Pagode ist die erste Pagode, die in einem eigenständigen burmesischen Stil erbaut wurde. Sie gilt somit als Vorlage für viele andere Pagoden.

Die Kantenlänge und die Höhe des zentralen, quadratischen und golden glänzenden Stupas beträgt 49 m.

Rund um den Stupa befinden sich weiter interessante und schöne Gebäude mit vielen Buddhastatuen. Die goldenen Dachverzierungen sind faszinierend filigran gefertigt und ergeben einen wundervollen Kontrast mit dem dunkelrot gestrichenen Holz.

Auf der kurzen etwa 4 km langen Strecke die wir zurücklegen, gewinnen wir bereits einen schönen Einblick in die Vielfältigkeit der Architektur von Bagan. Obwohl wir noch keines der grossen Monumente besichtigen, sind wir von der Vielfalt beeindruckt. Alle paar Meter könnte man von der geteerten Strasse abbiegen und auf Trampelpfaden weitere Bauwerke anschauen. Bei über 4000 Bauwerken muss man sich allerdings auf eine Auswahl beschränken.

Als Baumaterial wurde fast ausschliesslich Ziegelstein verwendet, der nördlich von Bagan an den Flussufern gebrannt und dann mit Booten in die Königsstadt geschifft wurde. Ursprünglich waren alle Bauten mit feinem Stuck überzogen und verziert. Mancherorts kann man noch Überreste dieses Überzuges finden und erahnen, wie eindrucksvoll die Bauten gewirkt haben müssen.

Leider sind nur noch wenige der schön erhaltenen Stuckarbeiten vorhanden und der Zerfall geht durch den Umwelteinfluss weiter.

Die meisten Tempel können wir auch von innen besichtigen. Einige haben verschlossene Gittertore, dann müssen wir uns auf die Suche nach dem Schlüssel machen. Normalerweise lebt jemand in unmittelbarer Nähe der den Schlüssel des Tempels verwaltet und das Tor für Interessierte aufschliesst.

UNESCO hat die Wandmalereien in den Bauwerken untersucht und dabei 347 Tempel mit Wandmalereien gezählt. Anhand der Untersuchungen konnten die Wandmalereien auf das 11./12. Jahrhundert datiert werden. Leider wurden aber viele der Originalmalereien durch späteres übermalen unwiderruflich zerstört.

Am zweiten Besichtigungstag machen wir uns mit unseren Fahrrädern nun auf um eine erste Auswahl der Monumente zu besichtigen. Der erste Tempel ist eher klein und unscheinbar aber im Innern gibt es schöne Wandmalereien und eine grosse Buddhastatue.

Die Buddhastaue ist so gross, dass sie fast den gesamten Raum ausfüllt und man sich dünn machen muss um an ihr vorbeizukommen.

Hinter der Buddhastatue erblicken wir einen schmalen Treppenaufgang. Der Treppenaufgang ist sehr eng und nicht gerade für uns Westler konstruiert. Ohne Licht wirkt der Aufstieg über diese schmale Treppe schon fast ein bisschen spukig.

Der Aufstieg lohnt sich aber sehr und wir können eine herrliche Aussicht auf einen Teil des Tempelfeldes geniessen. In eine Richtung sehen wir soweit das Auge reicht Tempel zwischen den Bäumen und Büschen.

Wenn wir in die andere Richtung schauen sehen wir hinter ein paar Bäumen den Ayeyarwady gemächlich dahinfliessen.

Auch der Tempel Htilomino ist von seiner Grösse her eher unscheinbar. An den Aussenwänden können wir jedoch sehr schöne, gut erhaltene Stuckaturarbeiten bewundern.

Im Inneren steht eine wunderschöne, goldene Buddhastatue vor einer reich mit Stuck verzierten Wand.

Ananda ist einer der bekanntesten und eindrücklichsten Sehenswürdigkeiten von Bagan. Durch die Eingangshallen auf allen vier Seiten erhält dieser Tempel mit einer Seitenlänge von 91 m die Form eines griechischen Kreuzes. Im Innern des Tempels befinden sich vier etwa 10 m hohe stehende Buddhafiguren, welche jeweils in alle vier Richtungen schauen.

Als nächstes besichtigen wir den Tempel Thatbyinnyu. Der Thatbyinnyu ist mit 61 m das Höchsten Bauwerk von Bagan und stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert.

Danach gönnen wir uns erst mal eine Pause. So tricksen wir auch gleich den heftigen Regen aus, der genau während unserer Mittagspause niederprasselt und uns dazu veranlasst, die Mittagspause um eine Tasse Tee zu verlängern.

Nach dem Mittagessen ist bereits wieder schönes Wetter. Die Wolken haben sich verzogen und die Sonne begleitet uns auf unserer Besichtigungstour - Wenn Engel reisen.

Der Gwadawpalin ist eines der elegantesten Bauwerke von Bagan. Anfang 12. Jahrhundert wurde dieses 55 m hohe Bauwerk von König Nadaungmya fertig gestellt.

Der Manuha ist ein sehr aussergewöhnlicher Tempel. Von aussen wirkt der Tempel sehr klobig und gefällt uns nicht sehr gut. Im Innern gibt es aber drei riesige, sitzende Buddhastatuen, die richtig hineingewürgt aussehen und uns sehr beeindrucken. Die zentrale Statue erreichen wir einfach. Für die beiden anderen müssen wir uns aber an der zentralen Statue richtig vorbeizwängen. Füllige Personen haben keine Chance die beiden Statuen zu erreichen. Der Erbauer Manuha soll mit dem Bau des Tempels seiner beengten Situation als Gefangener Ausdruck verliehen haben.

Der Mya Zedi ist ein golden glänzender Stupa der inmitten der roten Backsteinbauten besonders schön zur Geltung kommt.

Die Fassaden des angrenzenden Tempels sind noch schön mit herrlichen Stuckverzierungen überzogen und lassen uns einmal mehr erahnen, wie die Bauwerke vor langer Zeit ausgesehen haben.

In einem kleinen Park befinden sich diese Tempelbauten.

Zum Abschluss des heutigen Tages machen wir uns auf zur Shwesandaw Pagode.

Die Shwesandaw Pagode ist ein beliebter Platz für den Sonnenuntergang. Da man auf die oberen Terrassen dieses Bauwerks steigen kann, hat man eine sehr schöne Aussicht über das Tempelfeld. Besonders mit den Lichtverhältnissen am Abend ergibt dies herrliche Momente und wir lassen uns von den wunderbaren Eindrücken verzaubern.

Die Aussicht über das Tempelfeld ist genial. Unvorstellbar die Arbeit, die in all den Bauwerken steckt.

In der Ferne ist der Ananda Tempel zu sehen.

Der elegante Gwadawpalin ragt aus den Bäumen empor.

Den Mingala Zedi können wir so wenigstens von der Ferne sehen. Als wir dieses Bauwerk von der Nähe anschauen wollten, standen wir leider vor verschlossenem Tor. Es war auch niemand auffindbar der uns das Tor öffnen konnte.

Der riesige pyramidenförmige Dhammayangyi wirkt im Vergleich zu den umliegenden Bauwerken gigantisch gross.

Zwischendurch darf auch unser Schutzengelbär die herrliche Aussicht geniessen. Bis jetzt hat uns der kleine Kerl sehr gut beschützt und immer gut auf uns aufgepasst.

Nun machen wir uns aber langsam auf den Heimweg. Wir müssen nämlich noch etwa 4 km zurückpedalen und unsere Fahrräder haben kein Licht. Und zum Schluss hat Renis Fahrrad auch noch einen Platten am Vorderrad. Aber auch auf den Felgen fahren geht.

Da viele der Pfade zu den Tempeln sehr sandig und nach dem Regen schlammig sind, machen wir uns heute mit der Pferdekutsche auf den Weg zu den etwas abgelegeneren Tempeln.

Die Pferdekutsche ist wie in anderen Orten Burmas auch hier in Bagan das Hauptverkehrsmittel für kürzere Strecken. Da hier viele Touristen sind, sind die Pferdekutschen aber erstaunlich bequem und haben sogar Kissen. Eine Wohltat für unsere Hintern.

Der erste Stopp des heutigen Tages machen wir beim Tempel Tayokpye.

Tayokpye ist eines der wenigen Bauwerke das noch bestiegen werden darf. Von oben haben wir eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Bauwerke die in Agrarland eingebettet sind. Da die Trockenzeit langsam zu Ende geht und die fruchtbare Regenzeit bevorsteht, kann man überall die Bauern bei der Feldarbeit beobachten. Traktoren sucht man hier vergebens. Die Felder werden mit von Ochsen gezogenen Holzpflügen bestellt.

Auf dem Tempel entdecken wir noch ein weiteres interessantes Detail. In die Stuckarbeiten wurden glasierte Ornamente eingearbeitet die die Form einer Lotusblüte zeigen und zum Teil noch sehr gut erhalten sind.

Der Dhammayazika wurde im Jahre 1196 von König Narapatisithu errichtet. Das Aussergewöhnliche an dieser Pagode ist die Form der Terrassen. Im Gegensatz zu allen anderen Bauwerken sind die Terrassen beim Dhammayazika nicht quadratisch sondern fünfeckig. In den 90er Jahren wurde der Stupa renoviert und mit Gold überzogen.

Im Innern des Dhammayazika befindet sich unter anderem diese schöne Buddhastaue.

Der Dhammayangyi ist mit seiner massigen pyramidenförmigen Struktur eines der eindrücklichsten Bauwerke von Bagan. Der Grundriss dieses riesigen Bauwerkes folgt der Form eines griechische Kreuzes.

Die Ziegelsteine sind so genau aneinandergepasst dass kaum Platz für ein Bindemittel vorhanden ist. Wahrscheinlich wurde als Bindemittel nicht Zement sondern eine art Lack oder Klebstoff verwendet.
Das Gebäudeinnere birgt eines der grössten Rätsel von Bagan. Nur an der Ostseite führt ein Gang vom äusseren der beiden umlaufenden Gänge ein Stück weit in das Innere. Alle anderen Eingänge und der innerer umlaufende Gang wurden zugemauert.

Eine weitere Besonderheit dieses Tempels finden wir im Inneren. Zwei nebeneinander sitzende Buddhafiguren. Es ist nicht klar, was die Bedeutung der beiden nebeneinander sitzenden Buddhas ist.

Zum Abschluss unserer Besichtigungstour machen wir Halt bei Payathada. Der Tempelbau wurde nie abgeschlossen und durch das schwere Erdbeben im Jahre 1975 erheblich beschädigt. Vor kurzem wurde nun der Tempel restauriert und für Besucher zugänglich gemacht.

Das Innere des Tempels wirkt durch die Rekonstruktionsarbeiten eher neuzeitlich. Durch die einfallenden Sonnenstrahlen ergeben sich herrliche Lichtspiele.

Hier ein Beispiel einer Wandmalerei aus einem anderen Tempel den wir besichtigt haben. Allerdings wurden leider viele der Wandmalereien übermalen oder sehr laienhaft restauriert (entstellt) und die Originale sind somit für immer verloren. Jedes Mal wenn wir vor einer Malerei standen fragten wir uns, ob diese noch Original ist oder nicht.

Eine weitere Impression mit Malereien und herrlichem Lichteffekt aus dem Inneren eine Tempels.

Der Unterbau des Payathada konnte nur in groben Zügen abgeschlossen werden und somit fehlt der Aufbau auf dem massigen Bau fast komplett. Dadurch entstand eine herrlich grosse Terrasse, auf welcher wir noch unsere letzte Pause einlegen und dabei die herrliche Aussicht auf das Tempelfeld geniessen.

Alles Gute und bis zum nächsten Reisebericht.

Unter Mandalay ist die heimliche Hauptstadt Burmas findest du den nächsten Reisebericht.

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