Australien 2009 – Reisebericht 12

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Auf dem Tanami Track durch das Outback nach Alice Springs

Nach drei erlebnisreichen Tagen im Bungle Bungle Nationalpark geht unsere Reise ins Rote Zentrum los. In Halls Creek machen wir einen Zwischenstopp, stocken unsere Vorräte auf und waschen unsere Wäsche. Auch das muss sein. Nachdem wir für einen Tag die Annehmlichkeiten der Zivilisation genossen haben, sind wir bereit für das nächste Abenteuer.

Am 18. Juli starten wir eine einsame Fahrt auf dem Tanami Track nach Alice Springs. Die gesamte Strecke zieht sich über 1'040 km und ist die schnellste Verbindung von der Kimberly Region nach Alice Springs in Zentralaustralien. Gebaut wurde diese Strasse für die Minenindustrie, im speziellen für die alte Tanami Goldmine. Heute wird sie hauptsächlich für Viehtransporte benutzt und von Touristen befahren. Bevor wir uns auf die lange und einsame Fahrt machen, wollen wir in Halls Creek noch unsere beiden Dieseltanks auffüllen. Bei der Shell Tankstelle stellen wir jedoch mit Schrecken fest, dass kein Diesel mehr zu haben ist. Ausverkauft! Zum Glück gibt es noch andere Tankstellen hier. Leider werden wir auch bei der Mobil enttäuscht. Da gibt es zwar fünf Zapfsäulen, in Betrieb ist jedoch nur noch eine mit Bleifrei. Voller Hoffnung versuchen wir es bei der Caltex, der dritten und letzten Tankstelle in Halls Creek. Zwar ist Diesel hier 15 Cent teurer als bei Shell, aber wir brauchen dringend Diesel. So lassen wir unsere Tanks vom freundlichen Spanier Domingo füllen.Wir plaudern ein bisschen mit ihm und er erzählt uns, dass er als 25-jähriger nach Australien ausgewandert ist. Mittlerweile ist er gegen die 50ig und hat heute seinen Glückstag. Denn alle die Diesel brauchen, müssen bei ihm tanken. Da sind 15 Cent mehr pro Liter noch human.

Unsere beiden Dieseltanks sind gefüllt bis obenhin, somit sind wir startbereit. Bevor wir auf den Tanami Track fahren, machen wir noch einen Abstecher nach Old Halls Creek, wo Ruinen der alten Stadt zu sehen sind. Leider sind die sehenswerten Überreste hinter Gittern. Auf der Rückfahrt halten wir noch kurz bei der China Wall, einer über mehrere Kilometer langen Quarzader, die durch Erdverschiebungen an die Oberfläche gedrückt wurde. Die Steinmauer erinnert, wie der Name erahnen lässt, an die Chinesische Mauer.

So, jetzt geht's aber wirklich los. Zurück auf der Hauptstrasse finden wir den Wegweiser zum Tanami Tack. Von hier sind es nun also 1'040 km bis Alice und das auf einer breiten Kiesstrasse. Das ist eine Distanz, als würden wir von Zürich nach Budapest auf Schotterpiste fahren. Der einzige Unterschied ist hier, dass wir praktisch kein Gegenverkehr haben.

Der Tanami Track ist bekannt als Pneu Killer. Das können auch wir bestätigen. Bereits nach 80 km Fahrt haben wir uns einen platten Reifen eingefangen. Wir überlegen nicht lange und fahren nach montieren des Ersatzreifens zurück nach Halls Creek. Uns ist es zu riskant über 900 km ohne Ersatzreifen zu fahren. Als wir beim freundlichen Tankwart Domingo eintreffen, freut er sich über unseren erneuten Besuch. Erstaunt fragt er, was wir denn immer noch hier in Halls Creek machen. Wir schildern unser Problem und seine Frau repariert uns den Reifen in Windeseile. Wir hatten riesiges Glück, denn es ist Freitag und kurz vor Feierabend. Eine viertel Stunde später und wir hätten das Wochenende in Halls Creek verbringen müssen. So, dann starten wir unsern zweiten Versuch den Tanami Track zu fahren.
Der Reifen auf dem Bild ist zum Glück nicht unser. Am Strassenrand sind diese Sichtungen keine Seltenheit.

Die ersten 150 km schaffen wir diesmal unbeschadet. Unterdessen ist es bereits 17:00 Uhr und die Sonne verabschiedet sich langsam. Auf einer wellblechartigen Nebenstrasse fahren wir zum Wolfe Creek Meteorit Krater und sind erstaunt, wie viele Leute auf einem so abgelegenen Campingplatz übernachten. Nachdem wir uns eingerichtet haben, laden uns zwei richtige Aussies ans Lagerfeuer ein. Die Beiden sind sehr trinkfest, denn während wir ein einziges Bier geniessen, gehen bei ihnen glatte zehn Büchsen die Kehle runter. Sie erzählen uns interessante Geschichten über Australien und warnen uns, auf keinen Fall am Strassenrand des Tanami Tracks zu übernachten. Des Weiteren gesellt sich ein Belgier zu uns und wir sind verblüfft zu hören, dass er von Halls Creek bis hierher gelaufen ist. Wahnsinn! Da können wir nur den Kopf schütteln. Denn 150 km auf abgelegenem Gebiet ohne genügend Wasser zu Fuss zu gehen, ist schlicht und einfach nur verrückt.

Im Camper nebenan hören wir plötzlich Schreie. Was ist denn da los? Die Beiden Aussies wissen, dass die Nachbarn sich den Horrorfilm "Wolf Creek" anschauen. Wir sind hier am Ort des Geschehens. Ein Teil des Horrorfilms wurde hier im Wolfe Creek Krater Nationalpark gedreht.

Am Morgen gehen wir früh los und besteigen den Wolfe Creek Krater. Dieser Krater ist der zweitgrösste Meteoriten Krater auf der Welt. Von oben können wir gut erkennen, wie die Bäume und Büsche im Kreis wachsen. Wir spazieren rund ein Drittel auf dem Kraterrand und klettern dann runter ins Kraterbett.

Im Kraterbett staunen wir über die vielen Pflanzen und die schönen Mulla Mulla Blumen.

Zurück auf dem Campingplatz kommen wir ins Gespräch mit einer gestrandeten Familie, die mit ihren zwei Kindern für einen Tagesausflug hierher gekommen sind. Sie hatten gestern unglücklicherweise auf den letzten 10 km zwei platte Reifen eingefangen und sitzen seither hier fest. Sie wurden von anderen Campierenden mit Zelt, Decken und Essen versorgt, denn sie waren nicht eingerichtet zum übernachten. Heute konnten sie dann zum Glück über das Satellitentelefon anderer Camper eine Nachricht in Halls Creek hinterlassen. Für sie heisst es jetzt einfach nur warten. Denn einfach ist es nicht, sonntags im Nirgendwo Hilfe zu kriegen.
Da hatte wir ja Glück mit unserem Loch im Pneu, hätte ja viel schlimmer kommen können.

Auf der Weiterfahrt kommen wir alle paar Kilometer an demolierten Autos vorbei. Es scheint ein praktischer Ort zu sein Autos zu entsorgen. Die Bergung in einem so abgelegenen Gebiet ist viel zu teuer, drum ist das Motto hier: Auto kaputt - einfach stehen lassen. Wir schauen uns diesen Landcruiser etwas genauer an, könnte ja sein, dass wir das eine oder andere Ersatzteil gebrauchen können. Da ist aber nichts mehr zu holen. Andere haben es bereits bis aufs Letzte ausgeschlachtet.

Nach rund 300 km Fahrt auf wellblechartiger Schotterpiste erreichen wir am späten Nachmittag das Rabbit Flat Roadhouse, eines der abgelegensten Roadhouses in Australien. Da wir wieder die Grenze von Westaustralien ins Northern Territory überschritten haben, stellen wir unsere Uhren wieder um 90 Minuten zurück. Schön, denn so ist es abends wieder länger hell. Wir richten uns auf dem Campingplatz ein und geniessen den Abend mit einem schönen, wärmenden Campingfeuer.

Zum Glück haben wir zwei Dieseltanks, so müssen wir nämlich hier nicht tanken. Die Dieselpreise schnellen an abgelegenen Orten, wo es im Umkreis von 500 km keine Zivilisation gibt, massiv in die Höhe. Ein Liter Diesel kann gut und gerne 2.34 AU$ kosten. Die Preise können hier jedoch täglich ändern. Andere Reisende haben uns erzählt, sie hätten auf dem Tanami Track sogar 3.20 AU$ pro Liter bezahlt. So wäre fliegen definitiv preiswerter, aber nur halb so spannend.

Auch heute ist wieder fahren angesagt. Nach drei Stunden Fahrt ist bereits wieder Zeit zum Mittagessen. Wir finden einen Rastplatz mit Schatten und können dabei Zebrafinken beim trinken beobachten.

Da es auf dem Tanami Track nichts anzuschauen gibt, fahren wir soweit es geht. Wir schaffen es 466 km zurück zu legen und kommen müde und durchgeschüttelt im Tilmouth Well Roadhouse an. Nach der wohltuenden heissen Duschesind wir wieder fit.

Die dritte und letzte Nacht auf dem Tanami Track verbringen wir also im Tilmouth Well Roadhouse. Wir geniessen das bisschen Zivilisation und gönnen uns ein Bierchen auf der Gartenterrasse. Wir treffen auf zwei Australier, die irgendwo am Tanami Track Bohrungen machen und nach Uranium suchen. Für die Jungs heisst das, zwei Wochen im Nirgendwo arbeiten. Am Wochenende wird durchgearbeitet, dafür erhalten sie anschliessend zwei Wochen frei. Wegen der Abgeschiedenheit lohnt sich ein Besuch zu Hause übers Wochenende nicht.

Am nächsten morgen ist der Himmel seit Wochen wieder einmal wolkenverhangen.

Ab dem Roadhouse ist die Strasse geteert und wir geniessen die letzten 150 Kilometer bis Alice Springs auf ruhigen, holperfreien Strassen. Kurz vor der Abzweigung nach Alice Springs kriegen wir einen Vorgeschmack auf die West MacDonnell Ranges.

Am Abend fahren wir auf den Aussichtspunkt und mittlerweile sind bereits wieder alle Wolken verschwunden. So haben wir eine prächtige Rundumsicht auf die Stadt und die Hügel. Das warme Abendlicht lässt die Stadt sehr friedlich aussehen. Alice Springs hat über 26'000 Einwohner, ist aber sehr übersichtlich und wir finden uns sehr schnell zurecht. Wir bleiben nun ein paar Tage hier, um diverse Besorgungen und die Planung unserer Weiterreise zu machen.

Rund um Alice Springs gibt es sehr viel interessantes anzuschauen. Wir kehren wir am 24. Juli Alice Springs für die nächsten zwei Tage den Rücken. So klappt es dann gerade mit dem Besuch aus der Schweiz. Am 28. Juli kommen unsere Freunde Rahel und Michi nach Alice Springs.
Vor ihrer Ankunft machen wir einen Abstecher ins Rainbow Valley und den Chambers Pillar. Auf dem Weg dahin finden wir eine coole Sanddüne für ein Fotoshooting. Macht sich gut unser Troopy im roten Sand.

Wir erreichen Rainbow Valley über einen 4-WD Track. Anfangs sind die Strassen recht gut ausgebaut, gegen Ende der Strecke geht es immer wieder auf und ab und wir sind froh über die hohe Bodenfreiheit unseres Troopy.

Bei Sonnenuntergang verändern sich die Farben des Rainbow Valley im Minutentakt. Im Hintergrund werden die Felsen schön beleuchtet und strahlen in kräftigem rostrot. Die Fläche im Vordergrund ist eine Lehmpfanne, die sich während der Regenzeit mit Wasser füllt und sich zum Tierparadies verwandelt. Vögel, Dingos, Kängurus und Kühe kommen hierher und stillen ihren Durst. Leider verdunstet das Wasser hier sehr schnell, da die Fläche sehr gross aber nicht tief ist. In der Trockenzeit verdunsten drei Meter Wasser.

Zum Sonnenaufgang geht Marcel auf Fotosafari. Mit den Wolken ist die Stimmung heute morgen ganz speziell.

Auf der Weiterfahrt begegnen wir einer Gruppe Kamele. Wir haben uns noch nicht an die Sichtung von Kamelen gewöhnt. Wir haben irgendwie das Gefühl zu weit gefahren und versehentlich in Ägypten oder Tunesien gelandet zu sein.

Der nächste Abstecher ist der Chambers Pillar. Diese 50 Meter hohe Säule aus rotem und gelbem Sandstein war früher ein wichtiger Wegpunkt. In Zeiten als es noch keine Navigationssysteme wie GPS gab, war die Sichtung des Chambers Pillar eine Erleichterung für Entdecker oder Viehtreiber. So wussten sie genau wo sie waren.

Am Nachmittag spazieren wir um den Castle Rock und am späten Nachmittag zum Chambers Pillar.

Das abendliche Licht lässt den roten Sandstein richtig leuchten. Wir klettern die Treppe hoch und sehen uns die Sandsteinsäule aus der Nähe an.

Die frühen Entdecker und Viehtreiber haben ihre Namen oder Initialen im Sandstein hinterlassen. Oft wurden so auch Instruktionen oder Meldungen über ihre weitere Reise hinterlassen. Das ist so quasi die SMS Version der früheren Zeit.

Die Aussicht von oben ist wunderbar. Wir überblicken das Land und sind erstaunt, dass es trotz der Trockenheit und dem sandigen Boden so grün ausschaut.

Das Land ist zwar nicht mehr allzu fruchtbar, aber trotzdem gibt es Pflanzen, die sich in dieser Umgebung sehr wohl fühlen.

Auf der Rückfahrt wird das Land immer flacher und es wächst plötzlich nicht mehr viel.

Am 26. Juli sind wir wieder zurück in Alice Springs. So haben wir noch zwei Tage Zeit, bevor unsere Schweizer Freunde Michi und Rahel ankommen. Auf dem Programm stehen noch die Besichtigung des Royal Flying Doctors Services, der School of the Air und des Reptile Centers.

Der Besuch im Royal Flying Doctors Service (RFDS) ist sehr interessant. Viel anzuschauen gibt es hier nicht, weshalb wir auch keine Bilder im Reisebericht haben. Trotzdem wollen wir euch von unserem Besucht berichten. Wir schauen uns zuerst im Museum um, bevor wir uns den Film mit vielen interessanten Fakten ansehen. Der RFDS ist in Australien sehr wichtig, denn er bringt den Leuten, die in ländlichen, weit abgelegenen Gebieten wohnen, Grundvorsorge und medizinische Hilfe. Die erste Royal Flying Doctor Basis wurde 1928 in Cloncurry (Queensland) gegründet und ist später nach Mt. Isa verlegt worden. 1939 wurde dann die Basis in Alice Springs eröffnet. Der RFDS in Alice Springs geht über einen Radius von 600 km rund um Alice Springs. In dieser Region leben rund 36'000 Personen, von denen 90 % Aborigines sind. Sprechstunden und Diagnosen erfolgen hauptsächlich telefonisch und die Patienten werden auf Veranlassung eines Arztes mit dem Flugzeug besucht und behandelt oder zu einem Krankenhaus geflogen.
In Alice Springs werden vier einmotorige Pilatus PC-12 Flugzeuge eingesetzt und das medizinische Team besteht aus einem Ärzteteam und neun Flug-Krankenschwestern. Ein Flugzeug kann jeweils bis zu vier Personen transportieren.
Insgesamt verfügt der RFDS über 22 Basen und fünf medizinische Einrichtungen. Mit 51 Flugzeugen in Betrieb wird 80 % des australischen Kontinents abgedeckt. Im Jahr werden durchschnittlich 250'000 Patientenbesuche gemacht, das heisst alle zwei Minuten ein neuer Patient. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig der RFDS für Australier oder Reisende ist.

Interessant ist noch zu wissen, dass das Northern Territory, in dem wir uns gerade befinden, die gleiche Grösse wie Frankreich, Italien und Spanien zusammen hat. Und das mit nur 200'000 Einwohnern.

Die Alice Springs School of the Air (ASSOA) ist auch super interessant. Die ASSOA ist ein Fernsstudienprogramm für isoliert lebende Schüler. Einschreiben können sich Familien, die mindestens 50 km von städtischen Schulen entfernt wohnen. Das weltweit grösste Klassenzimmer ist 1'300'000 km2 gross, das heisst die 10fache Grösse Englands. Durchschnittlich sind 120 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben. Die nächstgelegenen wohnen 80 km entfernt und die am weitesten entfernten sind 1'009 km weit weg. Für uns als Schweizer ist das unvorstellbar.

Auf der Liste steht nun noch das Reptile Center. Das Center beherbergt über 100 Reptilien, darunter sind viele Echsen, Geckos, Goannas, giftige und harmlose Schlangen zu sehen. Unser Highlight in diesem Center ist jedoch der Thorny Devil. Ein Bild von diesem tollen Geschöpf folgt später in diesem Reisebericht. Wir finden es sehr interessant diese Tiere zu sehen. Unserer Meinung nach sind die Reptilien jedoch nicht artgerecht gehalten. Sie befinden sich in kleinen Terrarien oder Gehegen, wo sie sich kaum bewegen können. Wir können den Besuch im Reptile Center nicht empfehlen.

Dieser Kerl sonnt sich gerade und lässt sich von den Zuschauern nicht stören. Er geniesst es sogar sichtlich fotografiert zu werden.

Am 28. Juli sind sie tatsächlich da. Michi und Rahel kommen aus Cairns an und wir holen sie am Flughafen ab. Zuerst bringen wir sie zum Autovermieter und treffen sie dann im Campingplatz wieder, wo wir auf das Wiedersehen anstossen. Zusammen besprechen wir, welche Sehenswürdigkeiten wir zusammen entdecken können. Es ist nicht ganz so einfach, denn wir haben viel Zeit und sie sind nur wenige Tage in der Gegend. Wir schaffen es trotzdem, wenigstens die nächsten paar Tage zusammen zu reisen. Auf dem Bild seht ihr die zwei Schweizer oder eher Ausserirdischen am Mittagessen. Eins muss dazu gesagt werden, es hatte wirklich viele nervtötende Fliegen.

Mit diesen zwei Vermummten fahren wir den Cattlewater Pass, ein 55 km langer 4-WD Track. Hier ist anspruchsvolles fahren angesagt.

Los geht es über Stock und Stein, steile Passagen, durch Flussbetten und ausgewaschene Strassen. Drei Stunden später haben wir rund 50 km zurück gelegt und schlagen unser Zelt auf einer Kuhweide auf. Hier geniessen wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Schön hämmers!

Wir befinden uns hier in den östlichen MacDonnell Ranges, die vor 310 bis 340 Millionen Jahren durch eine massive Erdverschiebung entstanden sind. Die gleiche Erdverschiebung kreierte auch Uluru (Ayers Rock) und Kata Tjuta (die Olgas). Die Gebirgskette war einst über 3'000 Meter über Meer. Durch Erosion und Klimaveränderung sind über Jahrtausende Spalten, Schluchten und Höhlen entstanden.

Wir besichtigen Arltunga, eine alte, verlassene Goldminenstadt. Arltunga wurde 1887 aufgebaut und war die erste Stadt in Zentralaustralien. Während des Goldbooms lebten bis zu 300 Leute hier.

Wir besichtigen nicht nur die alten Ruinen, sondern steigen auch runter in die Minenschächte. Zwei Schächte sind für Besucher zugänglich. Ist ganz schön eng hier unten. Unglaublich, dass hier früher tagtäglich drin gearbeitet wurde. Leider finden wir heute kein Gold.

Dies ist ein Arbeiterhaus. Winzig, aber Hauptsache ein Dach über dem Kopf.

Nach der Besichtigung der alten Goldminenstadt Arltunga fahren wir zum Ruby Gap. Auf dem Weg dahin sehen wir wieder einmal ein altes, gestrandetes Auto. Ohne Räder sieht dieser Oldtimer wie ein Gesicht aus.

Ruby Gap erreichen wir über einen 4-WD Track. Die letzten fünf Kilometer fahren wir im sandigen Flussbett.

1886 war in Zentralaustralien der erste Minenrausch ausgebrochen. Der Entdecker David Lindsay hat angeblich Rubinen im Ruby Gap gefunden. Das hat sich herumgesprochen und es ist eine Euphorie ausgebrochen. Edelsteinsucher kamen in Massen in die Gegend. Es stellte sich bald heraus, dass die angeblichen Rubinen keine sind. Die roten Steine haben leider keinen grossen wert. So ist der Rubinen Boom sehr schnell kollabiert und übrig blieb nur noch der Name "Ruby Gap"

Wir spazieren vom Ruby Gap zum Glen Annie Gorge und auch wir lassen uns von den Steinen blenden. Überall funkeln die roten Steine und so werden wir (Reni und Rahel) zu Rubinensuchern. Wir versuchen unser Glück, aber ja, so viele rote Steine wie hier liegen, können kaum sehr wertvoll sein.

Nach zwei Kilometern Marsch erreichen wir den Glen Annie Gorge. Das Abendlicht lässt die roten Felsen richtig leuchten.

Am nächsten Tag fahren wir wieder im Flussbett zurück zur Hauptstrasse. Im Sand ist der 4-WD unerlässlich und unser Troopy muss ganz schön arbeiten, um voranzukommen.

Die gemeinsamen Reisetage mit Rahel und Michi sind leider bereits vorbei. Wir verabschieden uns von den Beiden, die jetzt weiter in die West MacDonnell Ranges fahren. Wir bleiben noch etwas hier in den östlichen MacDonnell Ranges. Wir wünschen euch, Rahel und Michi, eine schöne, erlebnisreiche Reise.

Als nächstes fahren wir zum N'dhala Gorge, wo wir die nächste Wanderung in Angriff nehmen. Die Hügelkette seiht wie eine eingestürzte Torte aus.

Im N'dhala Gorge wurden gegen die 6'000 prähistorischen Steinzeichnungen (Petroglyphs) entdeckt. Wir sehen uns ein paar an und versuchen die Geschichten zu entziffern. Gar nicht so einfach. Die Informationstafeln helfen uns da zum Glück weiter. Es heisst, die ältesten Petroglyphs datieren rund 10'000 Jahre zurück.

Am 31. Juli geht's weiter wir zum Trephina Gorge, wo wir zuerst die Wanderung an der Schlucht Kante entlang vornehmen. Der Weg führt in der sandigen Schlucht zurück. Wir spazieren im Flussbett zurück, dass während der Regenzeit Wasser führt.

Anschliessend machen wir noch den Panorama Walk. Wir erreichen nach einer knappen halben Stunde den Aussichtspunkt und geniessen die Rundumsicht. Auf der einen Seite überblicken wir die Blumen- und Spinifexflächen und auf der anderen Seite sind die Quarzklippen zu sehen.

Vom Trephina Gorge erreichen wir über einen kurzen 4-WD Track das John Hayes Rockhole. Ein kurzer Spaziergang führt uns zum Wasserloch. Wir machen gleich noch den zweiten Walk, den "Chain of Ponds". Der Weg führt uns zuerst auf das Plateau, bevor es in die tiefe und eindrückliche Schlucht geht. Wir klettern im Flussbett über ausgetrocknete Wasserfälle. Immer wieder kommen wir an stehen gebliebenen Wassertümpeln vorbei, die an eine Oase erinnern.

Am 1. August sind wir wieder zurück in Alice. Hier machen wir Boxenstopp. Schliesslich müssen wir wieder einmal unsere Vorräte aufstocken, E-Mails checken und duschen. Beim campen im Busch ist das nicht immer ganz so einfach.

Etwas ausserhalb von Alice ist der Desert Park, ein Naturpark mit vielen Tieren und Pflanzen, die in der Wüste Zentralaustraliens vorkommen. Wir hören von anderen Reisenden, dass der Park so gut ist, dass man locker einen ganzen Tag darin verweilen kann. Das überzeugt uns und wir buchen gleich noch eine weitere Nacht auf dem G'day Mate Campground in Alice Springs. Am 2. August besuchen wir den Desert Park und verbringen den ganzen Tag im Park. Wir sind hell begeistert von den Tieren, Pflanzen und den Informationen die wir hier vorfinden. Wir erhalten einen Audioguide, der uns durch den Park führt und so lernen wir viel Wissenswertes über die Entstehung der Wüste, das Verhalten verschiedener Tiere und die Pflanzenwelt in Zentralaustralien.

Eine typische Pflanze des Australischen Zentrums ist die Sturt's Desert Pea. Unglaublich, aber wir haben diese spezielle Pflanze auch schon am Strassenrand gesehen.

Wenn wir Wüste hören, denken wir normalerweise an Dürre, Einöde, Wassermangel und Hitze. Boden, wo wenn überhaupt, nur spärlich etwas wächst und nur sehr wenig Lebewesen einen Lebensraum finden. Wir werden eines besseren belehrt. Dieses Bild zeigt, wie fruchtbar und farbenfroh eine Wüste sein kann.

Im Sand wachsen hübsche, farbige Blumen. Die Blumen locken natürlich auch Tiere wie Insekten, Echsen, Ameisen, Bienen und vieles mehr an.

Im Desert Park sind einige Vögel in Volieren, sodass wir die Tiere besser entdecken können. Viele Vögel, wie diese Spinifex Taube, laufen und fliegen jedoch frei herum. Die Tiere leben hier in ihrem natürlichen Lebensraum.

Dieser Painted Finch ist sich noch nicht ganz sicher, ob er für das Foto posieren oder sich lieber aus dem Staub machen soll. Wir bewegen uns nicht, so kriegt er langsam Vertrauen und lässt sich doch noch gerne fotografieren.

Dieser Papagei ist sehr stolz und hat wohl deshalb den Namen Princess Parrot erhalten. Brust raus, Bauch rein ist sein Motto.

Der Splendid Fairy Wren ist der nervöseste Vogel im gesamten Park. Ihn zu fotografieren ist beinahe unmöglich. Marcel schafft es mit viel Geduld doch noch, einen der prächtigen blaufarbigen Schönheiten vor die Linse zu kriegen.

Im Desert Park gibt es auch Tierfütterungen und Shows. Wir möchten auf keinen Fall die Raubvogel Show verpassen. Pünktlich um 15:00 Uhr sitzen wir gespannt auf der Tribüne und lassen uns überraschen. Eine Parkwärterin führt uns vor, wie das Jagdverhalten von Raubvögeln von statten geht. Über unseren Köpfen kreist ein Adler und checkt zuerst das Gebiet ab. Ist die Luft rein oder unter Kontrolle schiesst er auf die Beute, packt diese mit den Krallen und im Flug wird gefressen. Dann kommt diese Eule namens Southern Boobook zum Zug und zeigt uns wie schön sie fliegen kann.

Zur Krönung können wir miterleben, wie ein Adler, der sogenannte Wedge Tailed Eagle, seine Beute aus einem Emu Ei heraus kriegt. Zuerst nimmt er einen Stein in den Schnabel, holt aus und wirft den Stein mit voller Kraft auf das Emu Ei. Beim ersten Versuch gibt es einen Riss ins Ei.

Bei zweiten Versuch ist er erfolgreich. Das Ei ist offen und er findet seinen Zvieri.

Nach der Raubvogel Show sehen wir uns noch im Reptilen Haus um, wo wir unseren lang ersehnten Thorny Devil sehen. Hier sehen wir sogar mehr als einen. Leider sind die zwei schönen Exemplare hinter Glas. Wir haben die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben und glauben daran, irgendwann einen dieser stacheligen Kerle in freier Natur zu sehen.

Es ist bereits fünf Uhr, so verabschieden wir uns vom Desert Park. Auch das Emu zwinkert uns zum Abschluss zu. Der Besuch hat sich überaus gelohnt. Wir haben nicht nur viele interessante Tiere gesehen, sondern auch viel über die Planzen und Tierwelt in Zentralaustralien gelernt. Wir können den Besuch im Desert Park jedem Australienreisenden wärmstens empfehlen.

Das war's wieder einmal aus Australien. Vielen Dank für deinen Besuch auf www.sunandstar.ch. Wir hoffen unser Bericht gefällt dir.

Viele Grüsse aus Down Under,

Unter Höhepunkte im Roten Zentrum von Australien findest du den nächsten Reisebericht.

Reni und Marcel

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