Australien 2009 – Reisebericht 11

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Gibb River Road, Kununurra, Kimberley, Broome und die Bungle Bungles

NEU: Auf unserem Reiseblog SwissNomads findest du einen neuen Beitrag mit detaillierte Informationen zur Gibb River Road in Westaustralien.

Am 29. Juni fahren wir von Kununurra in nordwestliche Richtung nach Wyndham. Wyndham ist für uns der Ausgangspunkt für ein weiters Highlight Australiens. Von hier aus werden wir unsere Erkundung der Kimerly Region starten. Wir werden zuerst auf der Gibb River Road von Wyndham an die Westküste nach Broome fahren und dann auf dem Great Northern Highway zurück bis nach Halls Creek. Die Gibb River Road ist eine der bekannten Offroadstrecken Australiens. Die Strasse wurde gebaut um Vieh von den entlegenen Stationen der kimberleys zum Hafen von Wyndham und Derby zu transportieren. Entlang der 705 Kilometer finden wir eine unvergessliche Landschaft. Diese atemberaubende Landschaft hat auch den Filmdirektor Baz Luhrman inspiriert und so ist in dieser Region der Film Australia mit Nicole Kidman und Hugh Jackman entstanden. Während der Filmaufnahmen waren im Jahre 2007 über 400 Mitwirkende in der Gegend stationiert.

Wyndham wurde im Jahre 1886 gegründet und hat heute rund 900 Einwohner. Vom Five Rivers Aussichtspunkt, auf dem 330 Meter hohen Mt. Bastion, können wir im schönen Abendlicht die Umgebung um Wyndham bestaunen. Von diesem Aussichtspunkt können wir sehen, wie die fünf Flüsse King, Pentecost, Durack, Forrest und Ord in den Cambridge Gulf fliessen.

Am nächsten Morgen fahren wir von Wyndham los. Zuerst wollen wir noch sehen, was ein Boab Prison Tree ist. Rund 30 Kilometer ausserhalb von Wyndham steht nämlich einer dieser alten Bäume und wir fahren dort hin. Die Strasse führt zuerst über eine der Floodplains die es rund um Wyndham gibt. Zur Zeit ist das Schwemmgebiet völlig ausgetrocknet und nur ein paar trockene Grasbüschel sind zu sehen.

An anderen Orten ist noch Wasser vorhanden und dort können wir auch immer eine Menge Tiere sehen. Hier ein Jabiru, den wir gerade beim Fische fangen gestört haben.Der Jabiru ist die einzige Storchenart Australiens.

Dies ist nun also der Boab Prison Tree. Ein riesiger Boab, der einen Stamm mit sehr grossem Umfang besitzt. Dieser Baum wurde als Gefängnisbaum genutzt. Vorbeiziehende Polizisten mit Sträflingen haben die Sträflinge während der Nacht in dieser natürlichen Zelle eingesperrt.

Es klingt zwar komisch, ist aber wenn man selber in dem Stamm sitzt sehr gut denkbar. Ich bin natürlich gleich durch das kleine Loch ins Innere des Baumes geklettert. Drinnen ist sehr viel Platz und zwei bis drei Leute könnten darin sogar liegen und schlafen. Ich bin dann allerdings doch froh, dass ich nicht die Nacht in diesem Gefängnisbaum verbringen muss.

Vom Gefängnisbaum fahren wir auf dem Karinji-Track mitten durch Viehwirtschaftsland zur Gibb River Road. Dieser kleine Offroad-Track stellt sich als eine verborgene Perle heraus. Der Weg ist sehr steinig und wir müssen durch viele Gates fahren. Diese Tore in den Viehzäunen muss der Beifahrer jeweils öffnen und nach dem Durchfahren wieder schliessen. Oft biegen Strassen ab und wir sind nicht ganz sicher, auf welchem Weg wir fahren müssen. Auf dem Weg treffen wir auf einen Australier, der das selbe Ziel hat und so können wir uns die Arbeit mit den Gates teilen. Das Vorankommen ist sehr langsam, denn oft ist die Geschwindigkeit nicht schneller als 30km/h. So haben wir umso mehr Zeit, die atemberaubende Aussicht zu geniessen.

Die Cockburn Ranges gefallen uns sehr gut. Mit dieser super Aussicht endet schliesslich auch der Track und wir erreichen die Gibb River Road.

Als erstes müssen wir auf der Gibb River Road gleich den Chamberlain River überqueren. Dies ist allerdings kein Problem, da der Fluss zur Zeit nicht viel Wasser führt. Im Hintergrund sind immer noch die Cockburn Ranges zu sehen. Da uns diese Aussicht so gut gefällt, entscheiden wir uns hier unser Mittagessen mit dem atemberaubenden Ausblick über den Chamberlain River auf die Cockburn Ranges zu geniessen.

Unser Nachtlager schlagen wir beim Ellenbrae Homestead auf. Dies ist eine sehr einsame Station inmitten der kimberleys. Die Familie, die die Station betreibt, lebt von der Viehzucht und bietet nebenbei auch Campmöglichkeiten und ein paar Erfrischungen an. Die Infrastruktur ist sehr einfach, aber es hat alles was das Herz begehrt. Es gibt ein WC, fliessend Wasser und sogar eine Dusche ist vorhanden. Um eine warme Dusche zu geniessen, müssen wir aber zuerst den Holzboiler Marke Eigenbau einfeuern. Ein bisschen Holz sammeln, Feuer im Boiler anzünden und 15 Minuten später können wir uns mit einer warmen Dusche verwöhnen.

Am nächsten Morgen brechen wir relativ früh auf, denn wir nehmen einen harten Brocken in Angriff. Nach 70 Kilometern auf der Gibb River Road zweigen wir von dieser gut ausgebauten Strasse ab und folgen der Kalumburu Road nördlich Richtung Mitchell Plateau. Die ersten 160 Kilometer auf dieser Strasse sind noch einigermassen erträglich. Dann erreichen wir jedoch die Kreuzung, wo die Strasse zu den Mitchell Falls abzweigt. Auf den folgenden 85 Kilometern verschlechtert sich der Strassenzustand drastisch. Die Wellblechpiste schüttelt uns und unseren Troopy ganz schön durch und alles springt und hüpft in unserm Wagen herum. Auf dem Weg treffen wir auch auf etliche Fahrzeuge mit Problemen. Vor allem die Leute mit Offroad Camper Trailern haben zum Teil Probleme. Die Aufhängung und Federung der Fahrzeuge wird aufs härteste beansprucht und so sind Schäden am Fahrzeug an der Tagesordnung. Wir sind glücklich, dass wir unseren Schlafplatz im Mitchell River Nationalpark ohne Schaden erreichen und geniessen die Ruhe nach der Achterbahnfahrt.

Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf die Socken, denn wir wollen in den kühleren Morgenstunden zu den Mitchell Falls wandern. Unterwegs kommen wir an einem schönen Seerosenteich vorbei, wo wir viele Vögel beobachten können.

Aber auch andere Lebewesen können wir hier am Ufer des Flusses finden. Wir müssen nur ganz gut hinschauen. Diese etwa 15 Zentimeter lange Stabheuschrecke ist kaum von den Ästen des Busches zu unterscheiden.

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Mitchell Falls. Diese Wasserfälle sind mitunter die Eindrücklichsten, die wir bis anhin in Australien gesehen haben. Über mehrere Kaskaden ergiesst sich das Wasser in einen riesigen Pool. Am Fusse des Wasserfalls ist das Baden nicht erlaubt, aber oberhalb des Wasserfalls gibt es sehr schöne Plätze, wo wir ein erfrischendes Bad geniessen können.
Der Aussichtspunkt, von welchem wir dieses Foto aufgenommen haben, ist atemberaubend. Wir müssen etwa 15 Minuten über Felsen klettern, bevor wir diesen luftigen Punkt erreichen. Die Klippe fällt senkrecht rund 150 Meter in den Pool am Fusse des Wasserfalls. Es gibt kein Zaun oder Gitter und äusserste Vorsicht ist geboten.

Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Little Mertens Falls an. Auch dieser Wasserfall ist sehr schön. Hier können wir einmal mehr bestaunen, wie kräftig Wasser sein kann. Ein paar Steine, Wasserbewegung und ein bisschen Zeit genügen, um tiefe Löcher im Fels zu formen.

Am Abend wollen wir uns erfrischen. Wir sind hier mitten in der Natur und da gibt es natürlich kein fliessendes Wasser oder Duschen. Zum Glück ist der Fluss in der Nähe und so waschen wir uns eben im Fluss. Wie man sieht macht das auch Spass.

Nach zwei Nächten geht es am 3. Juli wieder zurück zur Gibb River Road. Leider ist die Strasse über Nacht nicht besser geworden und so werden wir nochmals kräftig durchgeschüttelt. Erleichtert erreichen wir die Gibb River Road ohne Panne und das Fahren auf dieser Schotterstrasse ist eine richtige Wohltat.

Die Aborigines nennen die kimberley Region schon seit Jahrtausenden ihr Zuhause. Dies wiederspiegelt sich auch in der Rock Art, die wir in dieser Region immer wieder antreffen. Die Rock Art in den kimberleys wird grundsätzlich in vier verschiedene Richtungen eingeteilt. Die ältesten Zeichnungen sind 30'000 bis 40'000 Jahre alt. Das Bild unten zeigt den Gwion Stil. Dies ist der bekannteste Rock Art Stil aus den kimberleys und wird auch Bradshaw genannt. Diese Zeichnungen zeigen Menschen in zeremoniellen Kleidern und sind mindestens 17'000 Jahre alt. Am King Edward Fluss finden wir unter Felsvorsprüngen viele, teilweise sehr gut erhaltene, Zeichnungen der verschiedenen Stile.

Neben dem Gwion ist der Wandjina Stil sicher der bekannteste Stil der kimberleys. Diese Bilder sind weniger als 1'000 Jahre alt und haben durch die Olympischen Spiele im Jahre 2000 in Sydney Berühmtheit erlangt. An der Eröffnungszeremonie wurde ein riesiges Bild im Wandjina Stil zur Repräsentation der Aborigine Bevölkerung Australiens präsentiert.

Am 4. Juli erkunden wir den Barnett River Gorge. Dies ist ein eher unbekannter Gorge und wir treffen auf unserer Wanderung der Schlucht entlang keine anderen Leute an. Die Einzige, mit der wir die Natur teilen müssen, ist diese kleine Echse, die ein bisschen wie ein kleiner Drache ausschaut.

Auf der Weiterfahrt auf der Gibb River Road sehen wir spektakuläre Landschaft und viel Weideland. Das Wasser für die Rinder wird auch heute noch oft mit Windenergie aus den tiefen Quellen zur Oberfläche befördert. Auch Solarenergie wird heute für die Pumpen verwendet. Die Windräder gefallen uns aber viel besser als die modernen Solarpanel.

Beim Bell Gorge stoppen wir und geniessen unser Mittagessen mit herrlicher Aussicht auf den Wasserfall. Am Fusse des Wasserfalles gibt es einen riesigen Pool, der zum planschen einlädt. Natürlich können auch wir nicht widerstehen und kühlen uns in dem sehr frischen Wasser ab. Danach fahren wir noch bis zum nächsten Gorge weiter. Den Windjana Gorge erreichen wir gerade noch rechtzeitig mit den letzten Sonnenstrahlen. Wir suchen uns einen schönen Campingplatz und bereiten unser Abendessen auf dem Lagerfeuer zu.

Am Morgen des 6. Juli starten wir recht früh. Mit unseren Rucksäcken brechen wir auf zu einer Tageswanderung durch den Gorge. Im Gorge fliesst der Lennard River, der auf einer Länge von 3.5 Kilometer diese eindrückliche Schlucht in die Napier Ranges geschnitten hat. Bereits der Eingang in die Schlucht ist ungewöhnlich. Durch einen schmalen Spalt hindurch erreichen wir trockenen Fusses die Schlucht, die teilweise bis zu 100 Meter tief in den Sandstein geschnitten ist.

Der Windjana Gorge ist einer der besten Orte Australiens, um Süsswasserkrokodile in freier Wildbahn zu beobachten. Der Morgen ist noch frisch und so sehen wir nur vereinzelte Krokodile. Dieses hier schwimmt regungslos im Wasser und wartet darauf, dass es wärmer wird. Sobald die Sonne höher steht, werden die Krokodile aus dem Wasser kommen und sich auf den Felsen und am Ufer des Flusses an der Sonne aufwärmen.

Am Ende des Weges öffnet sich de Schlucht auf eine riesige, mit Bäumen bewachsene, Ebene. Der Weg ist hier zu Ende, aber wir gehen trotzdem weiter, denn wir haben von einem Australier einen Tipp bekommen. Nach weiteren 20 Minuten Marsch entlang der Range erreichen wir einen grossen Felsüberhang mit einer Höhle. Wir klettern über die Felsen und kommen zu dem Überhang, der von den Aborigines als Unterstand genutzt wurde.

An der Decke des Überhanges finden wir schöne Malereien der Aborigines.

Die Aussicht vom Überhang auf die weite Fläche ist grandios und wir kommen uns ein bisschen vor, als ob wir aus einem Schaufenster hinausschauen würden. Wir haben ja unser Mittagessen mitgebracht und da wir den Platz so genial finden, essen wir hier unsere Mittagsbrote und Früchte. Der Platz ist wirklich genial und wir haben diesen Ort für uns ganz alleine. Erst nach einer ausgiebigen Pause treten wir den Rückweg an.

Auf dem Rückweg sehen wir diesen schön bemalten Käfer auf einem sattgrünen Blatt sitzen.

Nun steht die Sonne höher und viele Krokodile sonnen sich am Ufer des Flusses. Zum Glück sind die Süsswasserkrokodile friedfertige Tiere. Wir können bis auf wenige Meter an die Krokodile heran, ohne dass uns diese auffressen. Wenn es Salzwasserkrokodile wären, wäre das ganz bestimmt keine gute Idee so nahe ranzugehen.

Dieses Krokodil hat einen ganz besonderen Platz für das Sonnenbad gefunden. Auf dem Felsen liegt es genüsslich an der Sonne und lässt sich von den wärmenden Strahlen besonnen.

Am Abend verwandelt sich die Felsenlandschaft in eine Märchenwelt. Die tief stehende Sonne wird zuerst gelb und dann orange und rot. Die Felsen verfärben sich währen dieser Zeit mit diesem Lichtwechsel, das Gras wird goldfarben und der Boab Tree gibt den nötigen Kontrast dazu.

Zur Krönung der Stimmung geht auch noch der Mond genau über der Felswand auf. Wieder geht ein schöner und erlebnisreicher Tag zu Ende.

Am 7. Juli sind wir am Ende der Gibb River Road und erreichen Derby an der Westküste Australiens. Wir sind froh, dass wir die Gibb River Road ohne Zwischenfälle überstanden haben und feiern die Rückkehr in die Zivilisation. Nun heisst es erst einmal einkaufen und planen für die Weiterreise. Zur Feier des Tages gehen wir mit Brigitte und Norbert, dem Schweizer Pärchen das wir auf der Reise kennen gelernt haben, Pizza essen. Zuerst geniessen wir aber noch den Sonnenuntergang am Anlegesteg von Derby.

Der erste Landesteg in Derby wurde im Jahre 1894 erbaut, um Wolle und Perlmuschel auf die Transportschiffe zu verladen. Im Jahre 1964 wurde der neue Anlegesteg erbaut, um die Rinder auf die Schiffe zu verladen. Der Tidenhub ist extrem hier und kann bis zu 11 Meter betragen. Zum Sonnenuntergang ist der Steg ein superschönes Fotomotiv.

Am 9. Juli ist im Zentrum der Mowanjum Aboriginal Community ein grosses Festival. Natürlich lassen wir uns das nicht entgehen und am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Festgelände, das 12 Kilometer ausserhalb von Derby liegt. Dieses Festival ist eines der grössten dieser Art, das in Westaustralien für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Wie immer in Australien nimmt jeder seine eigenen Campingstühle mit und so machen es auch wir und reservieren uns einen guten Platz vor der Bühne. Dann schauen wir uns die Bilder, die geschnitzten Boabnüsse und andere Kunstgegenstände an. Währenddessen werden die Kinder traditionell bemalt, was für diese eine sehr grosse Sache ist.
Auf dem Bild unten treffen zwei Kulturen aufeinander. Ein traditionell bemaltes Kind spielt mit einem kitschigen Windrad.

Erst nachdem die Sonne untergegangen ist und es dunkel wird, gehen die Tanzvorführungen und Corroborees los. In der Westkimberley Region leben nebst den Aborignes auch noch andere Gruppen von Urvölker von den umliegenden Inseln und der Inseln der Torres Strait. Auch diese Völkergruppen haben an diesem Anlass die Möglichkeit ihre kulturellen Tänze vorzuführen.

Das Highlight des Abends ist aber unbestritten die Vorführung der lokalen Aborigine Bevölkerung.

Die Tänzer tragen zum Teil schwere Tafeln, welche mit den typischen Symbolen der Aborigines der kimberley Region bemalt sind.

Am nächsten Morgen müssen wir einmal mehr unsere beiden Dieseltanks aufzufüllen, bevor wir uns auf den Weg machen. Im Outback sind die Tankstellen oft sehr einfach. Hier ein typisches Beispiel. Es gibt zwei grosse Dieseltanks und eine Zapfsäule, die mitten auf der weiten Ebene stehen.

Am 10. Juni erreichen wir die Küstenstadt Broome. Der erste Europäische Entdecker der in Broome landete war William Dampier in 1668. In den späten 1880ern wurde Broome von den ersten Europäern besiedelt. Schnell haben die Europäer die Perlaustern entdeckt und so wandelte sich Broome zu einem wichtigen Hafen der Perlindustrie. Rasch wurde eine grosse Flotte von Perlschiffen aufgebaut. Nach kurzer Zeit waren bis zu 400 Schiffe mit über 4'000 Arbeitern im Einsatz. Die Besitzer der Perlschiffe waren die Europäer, die Shops an Land wurden durch die Chinesen geführt und getaucht sind die Japaner und Aborigines. Noch heute werden in den glasklaren Gewässern Perlaustern gezüchtet.

Bereits im Jahre 1889 wurde von der Cable Beach ein Unterseetelegraphenkabel nach Java verlegt, um die Kommunikation zwischen Australien und dem Rest der Welt zu ermöglichen. Heute ist der Cable Beach ein sehr beliebter Badestrand für die Einwohner von Broome und die riesigen Touristenströme, die im Winter der Sonne nachreisen.

In Broome können wir auch an einem ganz speziellen Naturschauspiel teilnehmen. Das "Staircase to the Moon" genannte Spektakel ist nur während wenigen Tagen im Jahr zu beobachten. Das Phänomen ist vom Mond und vom Stand der Gezeiten abhängig. Nur wenn ein Vollmond auf Tiefwasserstand trifft, ist die Treppe zum Mond zu sehen. Die goldenen Stufen zum Mond entstehen über den Floodplains, die bei Ebbe freigelegt werden.

Vom Gantheaume Point aus geniessen wir am nächsten Abend den superschönen Sonnenuntergang. Hier versinkt die Sonne im Meer und verwandelt die Sandsteinfelsen mit wunderschönen Rot- und Gelbtönen in eine Märchenwelt.

Bevor wir von Broome wieder wegfahren, wollen wir noch ein Stück der zerklüfteten Küste Richtung Norden sehen. Die Erde ist hier knallrot und auch die unbefestigte Strasse ist rot. Die Farbe der roten Strasse steht in starkem Kontrast mit dem Grün der Bäume und Büsche.

Wir fahren bis zum James Price Point. Hier geniessen wir die Aussicht auf das türkisfarbene Meer. Im Vordergrund ist die rote Erde zu sehen, dann kommt ein Streifen von hellem Sandstrand der gespickt ist mit Felsen.
Nach diesem kurzen Abstecher Richtung Norden fahren wir los Richtung Osten und lassen die Westküste erst Mal hinter uns. Über Fitzroy Crossing und Halls Creek fahren wir auf dem Great Northern Highway zum Purnululu Nationalpark.

NEU: Auf unserem Reiseblog SwissNomads findest du einen neuen Beitrag mit detaillierte Informationen zu den Bungle Bungles im Purnululu Nationalpark in Westaustralien.

Am 14. Juli erreichen wir die Bungle Bungle Range, welche im Purnululu Nationalpark liegen. Aus der Luft haben wir bereits einen Vorgeschmack dieser atemberaubenden Landschaft erhalten. Von Kununurra aus haben wir uns am 29. Juni einen Rundflug über dieses Naturwunder geleistet (Happy Birthay Reni). Mehr zu diesem Rundflug am Ende dieses Berichtes.

Im Purnululu Nationalpark verbringen wir drei Tage. Am ersten Tag erkunden wir den nördlichen Bereich und übernachten dann auf dem Kurrajong Campground. Das erste Highlight ist der Echidna Chasm, den wir nach einem kurzen Marsch durch ein trockenes Flussbett erreichen.

Wasser hat hier einen schmalen Spalt in den Felsen gefressen. Wir kommen uns sehr klein vor als wir den engen Felsspalt entlanggehen und die 200 Meter hohen Felswände empor schauen. Auf der rechten Bildseite ist sehr gut zu erkennen, dass die Felswände aus Konglomerat bestehen.

Ganz tief im Fels wird der enge Echidna Chasm plötzlich etwas weiter. Der Felsspalt ist aber immer noch so eng, dass nur während weniger Minuten um die Mittagszeit Sonnenstrahlen den Boden der Spalte erreichen. Unser Timing stimmt perfekt und so können wir diese magischen Minuten mitverfolgen. Sonnenanbeter Marcel wird erleuchtet.

Der zweite Marsch ist ein bisschen weiter und anstrengender. Wir wandern in einem Flussbett mit losen Steinen und klettern dann über grosse Felsen in eine Schlucht. Am Ende dieser Schlucht finden wir eine Aussichtsplattform von der wir in das riesige, natürliche Amphitheater schauen können.

Der Blick in die andere Richtung, gegen den Eingang der Schlucht, ist auch eindrücklich. Bäume und Palmen wachsen aus den steilen Felswänden und schauen aus wie an die Wand geklebt.

Gegen Abend fahren wir zum Kungkalanayi Aussichtspunkt, der inmitten von Spinifexgras auf einem Hügel liegt.

Von diesem Aussichtspunkt haben wir eine Panoramaaussicht. Im Westen geht die Sonne unter und beleuchtet die westlichen Ausläufer der Bungle Bungle Range mit abendlichem Licht.

Am zweiten Tag fahren wir in den südlichen Bereich, erkunden dort während des Tages die Umgebung und übernachten dann im Walardi Campground. Wir packen unseren Rucksack und sind vorbereitet für einen Tagesmarsch. Als erstes schauen wir uns die Cathedral Gorge an. Nach rund drei Kilometer Marsch, entlang eines immer enger werdenden Bachbettes, erreichen wir dieses riesige, natürliche Amphitheater. In der Mitte ist ein kleines Wasserloch von der letzten Regenzeit übrig geblieben. Dieses Wasser und die Spuren an den Felsen lassen uns erahnen, dass hier während der Regenzeit riesige Wassermassen über die Felswände in das Bachbett stürzen.

Dann gehen wir wieder zurück und biegen auf halbem Weg in das Bachbett des Piccaninny Creeks ein. Hier kommen wir nun den Bungle Bungles sehr nahe und können die typischen Bienenkorb-Formen bestaunen. Die Farben der Bungle Bungles sind unglaublich und stehen in starken Kontrast gegeneinander. Die grauen Bänder werden durch Cyanobakterien gebildet und die orangen Bänder entstehen durch oxidierte Eisenverbindungen.

Vom Piccaninny Creek Lookout können wir eine etwas weiter entfernte typische Formation der Bungle Bungles bestaunen. Im Vordergrund sehen wir das steinerne Flussbett des Piccaninny Creeks.

Wir gehen weiter entlang des Piccaninny Creeks und sind von den Farben und Formen dieser Landschaft begeistert. Immer wieder müssen wir stehen bleiben, um die Eindrücke in unseren Köpfen festzuhalten. Sobald wir weiter gehen, verändert sich der Blickwinkel wieder und gemischt mit den Schatten entstehen neue Effekte der Formen und Farben.

Auf dem Rückweg verwandelt die Abendsonne dann die Bungle Bungles nochmals und überzieht die Umgebung mit warmen Farbtönen.

Zum Abschluss des Tages schauen wir uns den Sonnenuntergang über den Bungle Bungles von weitem an. Langsam geht die Sonne unter. Der Vordergrund ist bereits im Schatten und nur noch die Hügelkette wird von den Sonnenstrahlen beschienen. Noch wenige Minuten und auch die Bungle Bungles werden mit Schatten bedeckt. Ein weiterer, wunderschöner Tag geht zu Ende und wir geniessen unser Abendessen unter dem australischen Sternenhimmel, bevor wir müde in unser Bett fallen.

Am nächsten Morgen haben wir einen Gast. Dieser Blue Winged Kookaburra sitzt auf dem Ast und schaut uns interessiert zu. Wir frühstücken und wandern dann nochmals durch die Bungle Bungles bevor wir weiter fahren.

Nun noch ein paar Bilder, die auf unserem Rundflug vor ein paar Wochen entstanden sind. Von Kununurra aus haben wir uns am 29. Juni einen Rundflug geleistet. Da der Flug über die Bungle Bungles ging, haben wir die Bilder zu diesem Flug in diesen Reisebericht integriert.

Bereits um 5:30 Uhr werden wir auf dem Campground abgeholt und auf den Flughafen gefahren. Dort geht alles ganz rasch und die Leute werden auf die Flugzeuge aufgeteilt. Mit unserem Piloten gehen wir zu den Flugzeugen, die bereits in Reih und Glied bereitstehen.

Um sechs Uhr stehen wir auf der Piste bereit und warten auf die Starterlaubnis. Genau richtig zum Sonnenaufgang. Es hat ganz leichten Bodennebel und zusammen mit dem Boabtree ergibt das eine ganz mystische Stimmung. Nun kann es los gehen. Wir erhalten Starterlaubnis, der Motor heult auf und wir gleiten über die Piste in die Lüfte. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...

Wir fliegen nicht sehr hoch und so können wir die Landschaft umso besser geniessen. Die Sonne steht noch tief und die Bäume werfen lange Schatten. Der grösste Teil des Landes wird zur Viehzucht verwendet. Rund 60'000 Rinder werden pro Jahr mit dem Schiff von den kimberleys exportiert. Die Weiden der kimberleys sind nicht sehr ergiebig und so ist der Landbedarf für die Viehzucht riesig. Ein einzelnes Viehzuchtgrundstück hat im Durchschnitt 250'000 Hektaren (2'500 Quadratkilometer). Auf diesen riesigen Flächen verteilen sich die Rinder und im Durchschnitt weiden zwei bis drei Rinder pro Quadratkilometer. Die Dichte in der Schweiz ist bestimmt ein Vielfaches davon.
Eine der Viehzucht-Stationen ist Texas Downs. Diese Station besitzt ein Weidefläche von 163'500 Hektaren und rund 10'000 Rinder grasen auf dieser Fläche. Die Station ist so abgelegen, dass sie nicht mit LKW's erreichbar ist. Die Rinder müssen während der Trockenzeit zuerst eine beachtliche Strecke getrieben werden, bis sie auf LKW's verladen werden können. Während der Regenzeit ist die Station nur noch mit dem Flugzeug oder Helikopter erreichbar.

Der riesige Lake Argyle gehört zum Ord River Bewässerungssystem. Bereits im Jahre 1941 wurden durch die kimberley Research Station die ersten Versuche mit einem Bewässerungssystem in dieser Region durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass ein Bewässerungssystem mit Staudamm die unregelmässigen Niederschlagsmengen auf das ganze Jahr verteilen könnte. Von den 800 mm Regen der pro Jahr fällt, fallen nämlich rund 650 mm zwischen Dezember und März. Im Jahre 1961 wurde dann mit dem Bau des Bewässerungssystemes begonnen. Im Jahre 1963 wurde der Diversion Dam, der den Lake Kununurra bildet, fertiggestellt. Dieser Damm hat die Aufgabe Wasser während der regenreichen Zeit aufzustauen und während des gesamten Jahres durch verschiedene Wehre an die Bewässerungskanäle zu verteilen. Im Jahre 1971 wurde der Bau des Ord River Damms abgeschlossen und der Lake Argyle konnte aufgestaut werden. Dieser Damm liegt 55 Kilometer stromaufwärts vom Diversion Dam und versorgt das Bewässerungssystem mit einer riesigen Menge von aufgestautem Wasser aus dem Lake Argyle.
Wir fliegen eine ganze Weile dem Lake Argyle entlang, denn der See ist rund 72 Kilometer lang. Der riesige Stausee ist für eine Wassermenge von über 10'000'000 Megaliter ausgelegt. Wer sich jetzt fragt wie viel das ist - das ist etwa 23 Mal so viel Wasser wie im Hafen von Sydney platz findet. Die Fläche des Sees beträgt etwa 1'000 Quadratkilometer.
Der Stausee hat einen weiteren netten Nebeneffekt. Durch das Kraftwerk im Ord River Staudamm wird Energie produziert. Die produzierte Energie musste früher mit Dieselgeneratoren erzeugt werden und dazu wurden pro Jahr rund 60 Millionen Liter Diesel verbrannt.

Die Osmond Ranges sehen aus wie zwei gigantische Wellen, die über das Land gleiten. Diese aussergewöhnliche Formation ist das Resultat vulkanischer Plattenverschiebungen.

Nach rund 50 Minuten Flug erreichen wir die Bungle Bungle Range, auf die wir mit riesiger Spannung gewartet haben. Für die nächsten rund 20 Minuten fliegen wir in einem Pattern über diese atemberaubende Landschaft.

Die Bungle Bungle Range ist ein Gebiet, in welchem durch Erosion auf einer Fläche von 45'000 Hektaren sehr aussergewöhnliche Sandsteinformationen entstanden sind. Erst im Jahre 1983 wurden die Bungle Bungles für Touristen erschlossen und im Jahre 2003 zum Weltkulturerbe ernannt. Es wird angenommen, dass die Bungle Bungles rund 360 Millionen Jahre alt sind. Die bis zu 200 Meter hohen Dome sind durch Erosion über 20 Millionen Jahre entstanden.

Es wird angenommen, dass vor rund 300 Millionen Jahren das Gebiet der East kimberleys durch das kollidieren von Landmassen in die Höhe geschoben wurde. Eine Periode der Erosion hat riesige Mengen Gestein abgetragen und die zerklüftete Landschaft entstehen lassen.

Auf diesem Bild ist ein isolierter Teil der Bungle Bungles zu sehen. Die Dome ragen aus der Fläche empor wie Bienenkörbe. Leider sind die 20 Minuten über den Bungle Bungles bereits vorüber und wir machen uns auf den Rückweg.

Auf dem Rückweg fliegen wir noch über die Argyle Diamantenmine. Die Argyle Diamantenmine ist die grösste Diamantenmine der Welt und fördert rund einen Viertel des weltweiten Diamantenbedarfs. Die Mine ist im Besitz der Firma Rio Tinto, beschäftigt ca. 750 Mitarbeiter und fördert Diamanten seit 1985.
Auf dem Gelände der Mine ist eine betonierte Landebahn. Da die Mine sehr schwer zugänglich ist, werden die Minenarbeiter mit Flugzeugen eingeflogen. Die Landebahn ist die grösste, private Landebahn der südlichen Hemisphäre.

Kurz vor unserer Landung fliegen wir noch über das Ord River Bewässerungssystem und wir können die Felder bestaunen. Zur Zeit ist eine Fläche von 14'000 Hektaren mit dem Ord River Bewässerungssystem erschlossen. Im Jahre 2008 wurde dem Ausbau der zweiten Stufe zugestimmt. Die zweite Stufe wird zusätzlich über 40'000 Hektaren Farmland erschliessen. Die dominierenden Pflanzen sind Melonen, Mangos, Kürbis, Sandelholz und Korn. Die Pflanzung von Baumwolle, die sehr wasserintensiv ist, wurde im Jahre 1974 wieder eingestellt. Das System generiert einen Umsatz von rund 95 Millionen AUS$ pro Jahr.

Der Flug war wirklich ein ganz spezielles Erlebnis, dass wir für immer als Andenken in unseren Köpfen behalten werden.

Auf diesem Weg nochmals HAPPY BIRTHDAY RENI!

Wir bedanken uns einmal mehr für deinen Besuch auf unserer Homepage. Wir hoffen unser Bericht gefällt dir.

Bis zum nächsten Mal.

Unter Auf dem Tanami Track durch das Outback nach Alice Springs findest du den nächsten Reisebericht.

Viele Grüsse vom Roten Kontinenten,
Marcel und Reni

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