Australien 2009 – Reisebericht 7

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Mount Isa, Charters Towers, Cairns, Townsville und Port Douglas

Am 1. Mai fahren wir von Cloncurry weiter nach Mount Isa. Mount Isa ist eine der grössten Städte der Welt. Es leben zwar nur etwa 23'000 Einwohner in Mount Isa, aber die Fläche der Stadt beträgt fast 41'000 Quadratkilometer. Damit ist Mount Isa flächenmässig etwa gleich gross wie die Schweiz. Die Stadt liegt in den roten Selwyn Ranges am Leichhardt River.

Wir erreichen Mount Isa am späten Nachmittag. Zuerst suchen wir uns einen Platz zum Schlafen. Dann fahren wir zum Aussichtspunkt der auf einem Hügel inmitten der Stadt liegt. Dies ist ein beliebter Platz um den Sonnenuntergang über der Stadt zu sehen. Richtung Osten können wir die Selwyn Ranges mit den roten Felsen sehen.

Mount Isa liegt im Nordwesten von Queensland und ist stark durch den Bergbau geprägt. Die Mine ist durch den Leichhardt River von der Stadt Mount Isa getrennt. Bis zum heutigen Zeitpunkt wird diese Trennung auch untertags beibehalten und unter der Stadt finden keinerlei Minentätigkeiten statt. Ganz im Gegensatz zu anderen Minen, welche direkt unter Wohngebieten operieren.

Nun wissen wir, wieso dieser Platz so beliebt ist um den Sonnenuntergang zu sehen. Der Sonnenuntergang ist hier im Outback immer ein ganz spezielles, farbenfrohes Erlebnis. Durch die Weiten und die klare Luft sehen wir die Sonne oft direkt am Horizont untergehen und der Himmel verfärbt sich in den schönsten Farben. Dieses Schauspiel dauert oft rund eine halbe Stunde. Bei dieser Abendstimmung erscheint sogar die Schwerindustrie der Mine in einem angenehmen Licht.

Im Jahre 1923 ist John Campbell Miles in den Selwyn Ranges auf auffälliges Gestein gestossen. Das Gestein hat sich als sehr mineralienreich erwiesen und dies war der Start der Mount Isa Mine. Zu Beginn des Abbaus von Gestein war die Mine nicht sehr rentabel. Erst nach einer Durststrecke und mit einer neuen Firmenleitung wurde im Jahre 1931 der Durchbruch erreicht und das erste Mal ein Gewinn erwirtschaftet. Dies war vor allem der Verdienst des neuen General Managers aus Amerika Julius Kruttschnitt. Bis heute erwirtschaftet die Mine reichlich Profit. Die Mount Isa Mine ist zur Zeit der weltgrösste Blei und Silber Produzent und einer der grössten Kupferförderer. Die Mine ist in Schweizer Besitz der Firma Xstrata. Auf dem Bild ist im Vordergrund ein Teil der Stadt zu erkennen. In der Bildmitte ist rechts der Kamin der Blei-Schmelzanlage mit seiner Höhe von 274 m und links der Kamin der Kupfer-Schmelzanlage zu erkennen.

Die Hard Times Mine ist die grösste Touristenattraktion in Mount Isa. Für 12 Millionen Dollar wurde dieser Touristenkomplex mit verschiedenen Attraktionen erbaut. Im Mittelpunkt steht sicher die für Touristenführungen erstellte Untergrundmine. Zwar wurde in dieser Mine nie wirklich gefördert, aber die Mine ist originalgetreu einer richtigen Mine nachempfunden und es wurde ein 1,2 Kilometer langes Netz von Schächten in den Fels gesprengt. Auf einer Führung von rund zwei Stunden erfahren wir sehr viel über die harte Arbeit in den Minenschächten. Das Beste an unserer Tour ist der Führer. Black Jack wird er von seinen Kumpels genannt und er ist ein Minenarbeiter durch und durch. Er arbeitet seit jeher in der Mount Isa Mine untertags und bedient dort die riesigen Bohrmaschinen. An seinen freien Tagen wie heute kommt er in die Touristenmine und führt dort Touristen durch die Mine. Natürlich weiss er alles über das Minenleben und so ist die Führung für uns ein sehr eindrückliches Erlebnis.
Zuerst werden wir mit Overalls, Helmen und Gurten mit Lampen ausgestattet. Dann geht es mit einem ratternden Lift 12 Meter in den Minenschacht. Die 12 Meter Tiefe und die Enge im Untergrund reichen schon aus, dass zwei Leute aus unserer Gruppe die Führung abbrechen. In der richtigen Mine werden Arbeiten bis zu 2'000 Meter Tiefe in einem Netz von Schächten mit 900 Kilometer Länge durchgeführt. Im Minenschacht angekommen geht die Fahrt zu der Arbeitsstelle mit einem alten Schienenfahrzeug weiter. Es holpert und rattert, ist feucht und sehr dunkel. Nun gehen wir zu Fuss weiter. Wir besichtigen allerhand riesiger, alter ausgedienter Maschinen mit welchen bis vor kurzem in der richtigen Mine gearbeitet wurde. Wir können mit einem alten Bohrer ein Loch in die Felsen bohren und fühlen die Vibrationen, hören den Lärm und kriegen auch eine Portion Staub ab. Nun startet Black Jack den riesigen Schaufelbagger der verwendet wird um das lose Gestein zu transportieren. Das Fahrzeug rollt los und macht einen höllischen Lärm in den Mienenschächten. Zur Belohnung für die harte Arbeit gibt es nun erst mal einen stärkenden Kaffee in der unterirdischen, nachgebauten Kantine. Wir haben Zeit um fragen zu stellen und dann werden die Sprengladungen gezündet, welche wir in die gebohrten Löcher platziert haben. Dies ist natürlich nur ein Audioeffekt, aber es donnert ganz schön. Mit diesem Donnern ist auch die Untergrundführung zu Ende. Wir springen alle auf den völlig zerbeulten Toyota Landcruiser und werden so aus der Miene gefahren. Die Tour ist sehr real gestaltet und ein bisschen haben wir uns wirklich wie Minenarbeiter gefühlt. Diese Tour können wir wirklich empfehlen.

Auf dem Bild ist der Liftturm P61 und das dazugehörige Haus mit dem Liftmotor zu erkennen. Dieser Turm wird heute für die Touristenmine verwendet. Bis vor ein paar Jahren wurde dieser Liftturm noch für die richtige Mine verwendet. Über diesen Turm wurden die Arbeiter der Mine bis tief ins Erdinnere abgeseilt.

Am 3. Mai verabschieden wir uns von Mount Isa und fahren wieder Richtung Osten. Auf unserem Weg zurück an die Ostküste fahren wir durch riesige Flächen. Die Landschaft ist zwar sehr flach, aber trotzdem ist die Fahrt nicht eintönig. Das Landschaftsbild verändert sich ständig. Inmitten dieser Weiten gibt es auch immer wieder kleine Orte. Die meisten dieser Orte waren einmal grösser als sie heute sind. Früher lebten sehr viele Leute auf dem Lande, da dort die Arbeit war. Heute hat sich dieses Bild sehr stark verändert. Die Arbeit ist in den Städten und darum ziehen viele Leute vom Lande in die grossen Städte. Zurück bleiben dann Orte, die immer mehr schrumpfen und immer mehr Gebäude stehen leer. Ein solcher typischer Ort ist auch Hughenden. Das alterwürdige Grand Hotel ist heute leider geschlossen. Im Vordergrund ist Mutt zu sehen, ein Fiberglas Modell eines Muttaburrasaurus Dinosauriers. Er soll wenigstens noch ein Paar Touristen in das verschlafene Ort locken.

Über abgelegene Schotterstrassen fahren wir weiter zum Porcupine Nationalpark. Hier wollen wir heute Nacht schlafen und die Natur geniessen. Riesige Weiten und kein Baum weit und breit.

Langsam verändert sich die Landschaft wieder und die ersten Billabongs (Wasserlöcher) und Bäume sind wieder zu sehen.

Im dürren Gras leben auch viele Rinder die riesige Felder benötigen, da die Weiden nicht sehr ergiebig sind. Unterwegs treffen wir auf einen Farmer der uns erzählt, dass dieses Jahr sehr gut ist. Es hat anfangs Jahr sehr viel geregnet und darum sind die Billabongs voll. Auch das Gras ist sehr gut gewachsen und dadurch sind die Weiden dieses Jahr überaus ergiebig. Für einige Jahre war es nun überdurchschnittlich trocken und die Felder nicht sehr ergiebig. Darum haben die Farmer nicht mehr so viele Rinder ernähren können und deren Bestand reduziert. Nun ist ein sehr gutes Jahr, sehr viel Nahrung vorhanden aber nicht so viel Vieh da, wie eigentlich ernährt werden könnte. Das Leben als Farmer hier im Outback ist sehr hart und es ist ein stetiger Kampf mit den Naturgewalten.

Nach dem interessanten Gespräch fahren wir weiter und kommen bald im Porcupine Nationalpark an. hier gehen wir zuerst zum Aussichtspunkt, von welchem wir eine herrliche Aussicht auf die tiefe Schlucht haben. Nicht ganz zu unrecht wir diese Schlucht auch Little Grand Canyon genannt.

Vom zweiten Aussichtspunkt nahe unserem Schlafplatz sehen wir die Pyramide. Eine Felsformation, welche durch Erosion des Basalts und Sandsteins entstanden ist und an eine Pyramide erinnert.

Am Abend geniessen wir die Ruhe und die Abgeschiedenheit in der Wildnis. Wir bereiten unser Abendessen zu und essen unter dem Sternenhimmel. Auch der Mond ist heute unheimlich schön und klar zu sehen.

Plötzlich raschelt es und wir kriegen Besuch. Zwei ganz witzige und auch recht neugierige Kerlchen hüpfen aus dem hohen Gras. Die beiden sehen ein bisschen aus wie eine Mischung aus Wallaby (kleinem Känguru) und einer Maus. Sie beschnuppern alles und sind ganz scharf auf unsere Brotkrümel, die anscheinend auf den Boden gefallen sind.

Auf unserer Weiterfahrt am 5. Mai stoppen wir für einen Kaffe im kleinen Ort Prairie. Auch in diesem Ort ist die Bevölkerung stark geschrumpft. Von den Rund 300 Einwohnern in den frühen 1900's sind nur noch gerade 50 übrig geblieben. Das Hotel Prairie, aus dem Jahre 1860, ist aber immer noch offen und hier geniessen wir unseren Kaffe und einen Schwatz mit dem Hotelbetreiber. Das Hotel ist voll von Andenken und auch ein Geist soll hier leben.

Der alte Holden vor dem Hotel ist nicht mehr fahrtüchtig. Das Chrom der Stosstange glänzt aber immer noch. Vielleicht fährt ja der Geist aus dem Hotel jeweils mit diesem Auto herum.

Im kleinen Park in Prairie steht dieses riesige, alte Comet Windrad, welches Wasser aus dem Grund an die Oberfläche förderte. Diese Windräder sehen wir hier im Outback ständig. Viele sind noch in Betrieb und andere wurden durch elektrische Pumpen ersetzt.Die im Jahre 1879 gegründete Firma Comet produziert diese windradbetriebenen Pumpen übrigens auch heute noch.

Am Nachmittag erreichen wir Charters Towers. Dies ist ein weiteres kleines Städtchen, dass während des Goldbooms sehr stark gewachsen war. Zwischen 1872 und 1899 ist die Bevölkerung bis an die 27'000 Menschen angewachsen und Charters Towers war somit Queenslands zweitgrösste Stadt neben Brisbane. Heute leben nur noch knapp 9'000 Leute hier.Die Stadt hat eine sehr schöne Hauptstrasse mit vielen schönen Häusern.

Uns gefallen vor allem die schönen Fassaden und die schöne Bemalung der Häuser.

Dieses Gebäude war die regionale Aktienbörse. Das Gebäude wurde im Jahre 1888 erbaut und ab 1890 als Aktienbörse verwendet. Gleich nebenan schauen wir uns noch das Labor an, in welchem die Goldgräber ihr Gold auf die Reinheit untersuchen lassen konnten.

Auf der Weiterfahrt kommen wir noch an der alten Columbia Goldmine vorbei. Unter dem Liftgebäude auf der linken Bildseite ist der alte Schacht, der in eine Tiefe von 545 m führte. Mit dem Lift wurden die Minenarbeiter in den Schacht, und das abgebaute Gestein wieder aus dem Schacht, befördert. Das Gestein ist in Wagen geschüttet worden und dann zur Weiterverarbeitung auf einen Haufen auf der Rechten transportiert worden. Dieser Schacht ist nicht mehr in Betrieb, Gold wird aber um und vor allem unter Charters Towers bis heute gefördert.

In Charters Towers findet jeden Mittwoch ein grosser Viehmarkt statt. Heute ist Mittwoch und so machen wir uns auf den Weg ein paar Kühe zu kaufen.

Wir sind nicht die einzigen die heute Rinder kaufen wollen. Wie wir ja erfahren haben ist dieses Jahr ein sehr fruchtbares Jahr und es gibt viel Nahrung für die Viehzucht. Dies wird sich sicher in den Preisen des Jungviehs niederschlagen.

Die Tiere werden zuerst ganz kritisch gemustert und begutachtet. Sollen wir nun kaufen oder kommt noch was besseres?

Dann geht die Auktion der Tiere los. Die Herren auf dem Gehsteg sind die Auktionatoren und in schwindelerregender Geschwindigkeit werden die verschiedenen Gebote erkannt und die Preise in die Höhe getrieben. Schon ein kleines Kopfnicken oder der Blickkontakt wird als Gebot erkannt und nur mit Glück kommen wir nochmals ohne ersteigerte Rinder davon.

Am 6. Mai erreichen wir bei Townsville wieder die Ostküste und natürlich regnet es wieder. Ist ja klar, immer wenn wir an der Küste ankommen regnet es. Townsville gefällt uns nicht sonderlich gut und mit dem stürmischen Regenwetter haben wir auch keine Lust zum Tauchen. Von Townsville aus würden nämlich Tauchboote zum Wrack der Yongala fahren. Immerhin haben wir so wieder einmal ein wenig Zeit um an unseren Reiseberichten zu arbeiten.

Am 8. Maifahren wir von Townsville zu den Wallaman Falls, welche im Girringun Nationalpark liegen. Ganz nahe des Wasserfalls gibt es einen Campground wo wir übernachten. Zuerst schauen wir uns aber den sehr eindrücklichen Wasserfall an. Der Stony Creek stürzt 268 Meter in die Tiefe und ist der höchste Wasserfall Australiens.

Wir spazieren noch ein bisschen dem Fluss entlang durch den Regenwald. Dabei treffen wir auf diesen kleinen Frosch, der sich zwischen den Steinen sehr gut tarnen kann mit seinen Farben.

Nach einer regnerischen Nacht fahren wir am nächsten Morgen von unserem Schlafplatz nochmals kurz zu den Wallaman Falls. Leider ist es stark bewölkt und wir sind froh, dass wir gestern die Wasserfälle angeschaut haben. Heute sehen wir nämlich nur ein kleines Stück der ganzen Pracht.

Wir wollten eigentlich noch eine Wanderung durch den Regenwald machen, aber bei dem Regen und dem schlechten Wetter entscheiden wir uns weiterzufahren.

Unser nächstes Ziel ist der Paronella Park. Dies ist ein ganz spezieller Ort, der uns von einigen Australiern sehr empfohlen wurde. Der Paronella Park ist schwer mit Worten zu beschreiben. Es ist ein sehr spezieller Ort der ganz anders ist als alles, was wir bisher in Australien gesehen haben. Eine Mischung zwischen Märchenschloss, Naturpark und überwucherten Tempelruinen aus Angkor Wat. Lasst euch mit den nächsten Bildern in die märchenhafte Traumwelt des José Paronella entführen.

NEU: Auf unserem Reiseblog SwissNomads findest du einen neuen Beitrag in welchem wir dir verraten, wieso der Paronella Park für uns eine ganz spezielle Bedeutung hat.

Der Spanier José Paronella hatte den Traum ein Schloss zu bauen. Bei den Mena Creek Falls hat er auf einer Fläche von fast 53'000 Quadratmeter hat er seinen Traum verwirklicht und sein eigenes Schloss mit Picknickplätzen, Tennisplätzen, Tunnels und Brücken eingebettet in 7'000 tropischen Pflanzen und Bäumen erbaut.

Im Jahre 1913 ist José Paronella von Catalanien in Nordspanien nach Australien ausgewandert. Er wollte in Reichtum leben und für seine Verlobte Matilda einen schönen Besitztum aufbauen. So hat José 11 Jahre lang sehr hart gearbeitet. Er hat begonnen Zuckerrohrfarmen zu kaufen, diese auszubauen und mit gehörigem Profit weiterzuverkaufen. Während einer Reise durch Australien entdeckte José das Land bei den Wasserfällen und wollte daraufhin seine Verlobte in Spanien abholen. In Spanien angekommen fand José heraus, dass Matilda bereits einen anderen geheiratet hat. Kurz entschlossen heiratet José Matilda's jüngere Schwester Margarita. Er reist mit Margarita nach Australien und kauft sich im Jahre 1929 sein Traumland. Als erstes baut José die Treppe mit 47 Tritten, welche die beiden Ebenen des Landes verbindet.

Der Wasserfall war für José ein Auslöser das Grundstück zu erwerben. Auf einer schönen Plattform hat er Picknicktische und Bänke errichtet. Im grossen Becken konnten die Gäste baden gehen und an den Tischen konnte man essen und trinken. Beim Wasserfall hat José auch ein kleines Kraftwerk (das erste hydroelektrische Kraftwerk in Queensland) gebaut. Der kleine Generator hat genügend Energie geliefert für den gesamten Park. Leider war der Generator völlig verrostet und in einem sehr schlechten Zustand. Zur Zeit befindet sich der Generator gerade in Deutschland, wo er restauriert wird. In Zukunft soll der Generator wieder genügend Energie erzeugen um den Park beleuchten zu können.

Auf dem unteren Level inmitten des Parks hat José ein Gebäude erbaut, in dem Erfrischungen verkauft wurden. Vor dem Gebäude gibt es ein Wasserspiel und Tennisplätze. Heute ist das Gebäude stark verwittert und mit Moos überwachsen. Dies macht aber gerade den Charme dieses Gebäudes aus. Uns erinnert das Gebäude an die Tempel in Angkor Wat (Kambodscha).

Die Gebäude sind in einen Park eingebettet der sehr schön angelegt wurde. Es gibt eine riesige Menge verschiedenster tropischer Pflanzen und Bäume. Der Park kann über ein Wirrwarr von Wegen erkundet werden. Über die kleinen Bäche hat José Brücken mit Geländer gebaut.

Auf einer Pflanze entdecken wir diese Grüne Ameise. Auch sie ist ein Bewohner des Paronella Parks. Die Grünen Ameisen sehen wir im tropischen Australien immer wieder. Sie bauen Nester aus Blättern und wohnen in diesen Blätternestern auf den Bäumen. Die Grünen Ameisen waren eine wichtige Medizin für Aborigines, denn sie weisen eine hohe Menge an Vitamin C auf.

Die Kauri Allee ist mit einer ganzen Reihe Kauri-Bäumen gebildet. In dieser Pracht und Grösse hat José die Allee leider nie sehen könne. Die Allee ist übrigens so ausgerichtet, dass wir am Ende genau wieder auf die Wasserfälle sehen können.

Durch einen Tunnel, den José von Hand gegraben hat, erreichte man früher einen schönen, kleinen Wasserfall. Diesen Wasserfall hat José nach seiner kleinen Tochter Teresa benannt. Zur Zeit ist der Tunnel gesperrt und wir erreichen den Wasserfall indem wir um den kleinen Hügel gehen. In Zukunft soll der Tunnel mit dem Strom des Kraftwerks beleuchtet und wieder für Gäste eröffnet werden.

Da wir heute Nacht auf dem Campground der zum Paronella Park gehört übernachten, können wir an der nächtlichen Führung durch den Park teilnehmen. Der Park ist ja schon bei Tage sehr eindrücklich. In der Nacht ist er aber erst richtig atemberaubend. Die Gebäude werden für die Führung sehr schön beleuchtet und ganz speziell in Szene gesetzt. Wir können uns gut vorstellen wie früher die Gäste im grossen Ballsaal getanzt oder eine Filmvorführung genossen haben.

Der Wasserfall ist mit der Beleuchtung märchenhaft schön und ein supergeniales Fotomotiv.

Die Führung durch den nächtlichen, nur mit unseren Taschenlampen beleuchteten, Park ist ein sehr spezielles Erlebnis. Wir finden ein paar wilde Tiere und fluoreszierende Pilze, die im dunkeln leuchten. Der Erfrischungskomplex mit dem Wasserspiel im Vordergrund wird nur ganz kurz beleuchtet um Energiekosten zu sparen. Dieser Moment ist aber wirklich märchenhaft schön.

Zum Abschluss dieses sehr speziellen Erlebnisses stehen wir am nächsten Morgen recht früh auf und gehen nochmals in den Park. Vor dem grossen Touristenansturm haben wir den Park für uns ganz alleine und können uns die Schönheit nochmals ganz in Ruhe und bei Tage anschauen.

José Paronella ist im Jahre 1948 verstorben. Die Nachkommen José's haben den Park bis im Jahre 1977 betrieben. Im Jahre 1979 hat ein Feuer dem schon etwas vernachlässigten Hauptgebäude stark zugesetzt. Im Jahre 1986 hat Zyklon Winfried den Park weiter verwüstet und viele Bäume gefällt. Im Jahre 1993 haben Mark und Judy Evans den Paronella Park wiederentdeckt und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit der Hilfe der Paronella's, wurde José's Geschichte (Der spanische Träumer) niedergeschrieben.

Der Traum lebt weiter ...

Vom Paronella Park fahren wir am 10. Mai nach Cairns. Hier wollen wir Tauchen gehen und endlich das Great Barrier Reef sehen. Leider ist das Wetter nicht gerade so, wie wir es uns fürs Tauchen wünschen. Es ist regnerisch, bewölkt und kühl.
Wir lassen uns Zeit und arbeiten an unseren Reiseberichten. Dann versuchen wir eine Tauchschule zu finden mit der wir gerne tauchen gehen würden. Leider ist das hier in Cairns alles andere als einfach. Das gesamte Tauchbusiness ist extrem kommerzialisiert und supertouristisch. Es gibt grundsätzlich nur sehr grosse , superkommerzielle Anbieter. Dann gibt es eigentlich auch keine Tauchschulen. Es gibt auf der einen Seite Buchungsbüros wie Sand am Meer, bei welchen man einen Tauchausflug buchen muss und auf der anderen Seite gibt es Firmen, die riesige Schiffe besitzen, welche Tauchausflüge durchführen. Diese Firmen haben aber oft kein Büro und man hat somit nur die Möglichkeit völlig anonym in einem Buchungsbüro zu buchen. Auf den Schiffen sind immer Schnorchler, Taucher, Anfänger, Kurse und andere Ausflügler zusammen. Die Boote haben eine Kapazität für 80 bis 190 Leute. Eine andere Möglichkeit wäre noch eine Tauchsafari für mehrere Tage, aber bei dem schlechten Wetter wollen wir das auch nicht. Eine weiter Möglichkeit ist natürlich eine Privattour, aber dass ist dann schon ganz weit ausserhalb unseres Budgets. Das Ganze ist uns dann einfach ein bisschen zu doof und wir verschieben das Tauchen.

Wenn wir die Statistik anschauen ist es aber nicht verwunderlich, dass es hier superkommerziell zu und her geht. Der Tourismus am Great Barrier Reef spült pro Jahr rund 6.3 Milliarden Dollar in die Kassen der zur Zeit über 800 zugelassenen Unternehmen. Ungefähr 1.9 Millionen Besuchertage werden zu den Riffen unternommen.

Das Wetter wird dann ein bisschen besser, aber wir erhalten den Tipp in Port Douglas rumzuschauen. Dort soll es ein bisschen weniger touristisch sein. Am letzten Tag in Cairns haben wir dann doch noch ein bisschen blauen Himmel und wir können die Stadt doch noch ohne Regen erkunden.

Wenn wir schon keine Fische beim Tauchen sehen, dann wenigstens am Lande.

Am 14. Mai fahren wir von Cairns weiter Richtung Norden. Auf dem Weg nach Port Douglas stoppen wir bei Hartley's Crocodile Adventures. Hier dreht sich alles um Krokodile und andere Bewohner der Wildnis. Der Park wurde im Jahre 1989 eröffnet und bietet auf einem riesigen Gelände mit Regenwald und einer eigenen Lagune vielen Tieren Platz. Wir kaufen einen Eintritt und erhalten dafür eine geballte Ladung an Attraktionen. Der Zeitplan um alle Attraktionen, Shows und Führungen zu sehen ist recht voll gepackt. Um 9:30 geht es bereits los mit der Fütterung der Cassowarys. Die Cassowarys sind flugunfähige Vögel die in die Zeit der Dinosaurier zurückgehen. Es gibt drei verschiedene Arten von Cassowarys. Zwei Arten leben nur in Neu Guinea, wobei die hier gezeigte Art in Australien, Neu Guinea und Indonesien lebt.
Ein Cassowary Weibchen kann bis zu zwei Meter hoch wachsen und über
80 kg wiegen. Die Männchen sind kleiner und nicht ganz so farbig. Die gesamte Population in Australien wird auf rund 1'500 Tiere geschätzt und die Vögel haben eine geschätzte Lebenserwartung von 40 bis 50 Jahren. Das Horn das die Cassowarys besitzen wächst mit dem Alter mit. Je älter der Vogel ist, desto höher wird das Horn.

Wenn wir uns die Füsse der Cassowarys anschauen, können wir uns sehr gut vorstellen, dass diese Vögel bis in die Zeit der Dinosaurier zurückgehen. Während der Fütterung erfahren wir sehr viel über die Tiere und können den Cassowarys auch selbst ein paar Früchte hinstrecken.

Nach der Fütterung der Cassowarys geht es um 10:00 Uhr weiter mit der Führung durch die Krokodilfarm. Hartley's besitzt seit 1990 eine eigene Krokodilfarm und züchtet Salzwasserkrokodile, um dann die Haut und das Fleisch der Krokodile zu verkaufen.
Während der Brutzeit werden regelmässig die gelegten Eier aus den Nestern genommen und dann künstlich ausgebrütet. Das zukünftige Geschlecht der schlüpfenden Krokodile wird von der Brüttemperatur beeinflusst. Bei einer Temperatur von 32°C sind die meisten Babys männlich. Wenn die Temperatur höher oder tiefer als 32°C ist, sind die meisten Babys weiblich. Für die kommerzielle Züchtung sind männliche Krokodile bevorzugt, da diese schneller heranwachsen. Nach rund 86 Tagen künstlicher Brutzeit bei 32°C schlüpfen die jungen Krokodile und werden dann gefüttert. Nach rund sechs Monaten sind die Krokodile 70 cm gross und werden dann in Aussengehegen gehalten. Nach rund zweieinhalb Jahren sind die Krokodile rund 1.5 bis 1.8m lang und werden geschlachtet. Rund vier Kilogramm Fleisch wird pro Krokodil an lokale Restaurants verkauft und die Haut wird zur Weiterverarbeitung nach Japan gesendet.

Nach der Führung durch die Krokodilfarm fahren wir um 10:30 mit dem Boot durch die Hartley's Lagoon und können dabei Krokodile in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten.
Kaum zurück von der Bootsfahrt geht es um 11 Uhr gleich weiter mit der Krokodilfütterung.
Auge in Auge mit einer Kampfmaschine. Wenn die Salzwasserkrokodile so daliegen scheinen sie kein Wässerchen trüben zu können. Während der Fütterung können wir aber sehen, dass diese Tiere unheimlich schnell eine gigantische Kraft freisetzten können.

Dieses Riesenkrokodil hier heisst Paul. Paul ist 4.6 Meter lang, über 700 Kilogramm schwer und um die 60 Jahre alt. Paul hat früher in der Nähe von Cooktown im Annan Fluss gelebt. Im Jahre 1989 ist den anliegenden Farmern die Fressgier von Paul zu viel geworden. Nachdem das riesige Tier viele Hunde gerissen und trinkenden Kühen den Kopf abgebissen hat, wurde er eingefangen und zu Hartley's gebracht. Hier ist Paul mittlerweilen das grösste Krokodil.

Ganz im Gegensatz zu den aggressiven Kampfmaschinen sind die Koalas ganz ruhige und harmlose Lebewesen.Die meiste Zeit des Tages verbringen diese kuscheligen Zeitgenossen mit Schlafen. Wenn immer wir an diesen Schlafmützen vorbeigehen, sind diese in tiefem Schlaf versunken und scheinen überhaupt nichts von dem Geschehen im Park mitzubekommen.

Hier ist ein Koala sogar zwischendurch aufgewacht. Er hat zwar immer noch ein bisschen einen Schlafzimmerblick, aber immerhin ist er für ein paar Minuten aktiv bevor er sich wieder eine bequeme Stellung für den nächsten Schlaf sucht.

In einem der Bäume im Park sehen wir ein anders Tier, dass während des Tages nicht sehr aktiv ist und erst wenn es dunkel wird aktiv wird.

Auch Schlangen können wir im Park bestaunen. Dies hier ist eine Rotbauchige Schwarzschlange. Dies ist eine der giftigen Schlangen, die wir auch schon in freier Wildbahn gesehen haben.

Dieser Eastern Water Dragon lebt in der Nähe von Wasser und liebt es tauchen zu gehen. Er kann sehr lange tauchen und den Atem für bis zu zwei Stunden anhalten. Er wird maximal einen Meter gross und ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Früchten und Fischen.

Um 13:00 Uhr schauen wir bei der Fütterung der Quolls (Tüpfelbeutelmarder) zu. Dies ist ein ganz vorwitziges Kerlchen, dass sehr neugierig die Zuschauer beäugt und sich dann sein Futter schnappt und damit hinter einem Baumstamm verschwindet. Wie es der deutsche Name schon sagt handelt es sich bei dem Quoll um ein Beuteltier und die Tiere tragen ihre Babys wie die Kängurus in einem Beutel.

Um 14:00 Uhr steht eines der Highlights auf unserem Programm - die Schlangenvorführung. Die Schlange die sich hier gerade ganz friedlich um den Stock schlängelt ist eine der giftigsten Schlangen der Welt. Es ist eine Taipan und gegenüber dieser Schlange sollte man in der Wildnis mit gebührend Respekt begegnen. Die Taipan ist zwar eine friedliche Schlange, die sich nicht schnell reizen lässt und nur zur Abwehr angreift. Ihr Gift kann aber für den Menschen gefährlich werden.

Um 15:00 Uhr steht dann noch der Höhepunkt des heutigen Tages auf unserem Plan. Die Crocodile Attack Show zeigt uns, wie gefährlich Krokodile sein können und wie schnell diese riesigen Kampfmaschinen aus dem Wasser schiessen können. Während der Show lernen wir sehr viel über das Verhalten von Krokodilen und wie wir einen ungewollten Zusammenstoss mit diesen Tieren in freier Wildbahn verhindern können.

Nach diesem sehr lehreichen und äusserst informativen Tag bei Hartley's fühlen wir uns sehr viel vorbereiteter für die kommenden Abenteuer in der Wildnis. Denn in Zukunft werden wir uns in den Revieren der verschiedenen Tiere aufhalten und da ist es doch gut ein bisschen mehr über das Verhalten dieser Tiere zu wissen.

In Port Douglas versuchen wir es dann nochmals mit dem Tauchen. Leider ist es ein bisschen wie in Cairns. Wir entscheiden uns dann aber doch für einen Anbieter, der eines der kleineren Schiffe besitzt. Hier passen NUR maximal 80 Leute drauf und es sollen viele Taucher sein. Die Tauchgänge werden am Agincourt Ribbon Reef, 70 Kilometer nordöstlich von Port Douglas, am äusseren Rand des Great Barrier Reefs durchgeführt.

Am Morgen wurden wir um 8 Uhr vom Campground abgeholt und zum Hafen gefahren. Dort geht's auf das sehr moderne Schiff. Der technische Stand dieser Schiffe lässt wirklich keine Wünsche offen. Auf der Fahrt wird dann der Papierkram erledigt und das Material ausgehändigt. Ein bisschen chaotisch, aber am Ende haben wir eigentlich recht gutes Material. Das Briefing ist dann der erste Dämpfer. Die Tauchgänge sind maximal 18 Meter tief und 40 Minuten lang. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir unseren ersten Tauchplatz. Leider müssen wir dem Divemaster folgen. Wir sind am Ende der Gruppe und sehen ihn den gesamten Tauchgang durch nicht mehr. Die Sicht ist mässig und die sehr erfahrenen Taucher der Gruppe (wie es hiess) wirbeln so viel Sand vom Grund auf. Leider ist zwischen dem ersten und dem zweiten Tauchgang nur ein paar Minuten Zeit. Das Schiff fährt eigentlich nur von einer Boje zur nächsten.Der zweite Tauchplatz ist eigentlich wie der Erste. Sandiger Boden versetzt mit Korallenblöcken. Die Korallen sind bei diesem Platz aber sehr viel schöner.Dann gibt es eine kurze Mittagspause um das Mittagessen einzunehmen. Dann geht's schon wieder weiter und auch der dritte Tauchgang ist sehr ähnlich wie die ersten beiden. Nach den drei Tauchgängen, im doch schon ein bisschen kühlen 26°C warmen Wasser, dem zügigen kühlen Wind und wenig Sonne sind wir dann doch recht durchgefroren. Um 4:30 sind wir dann bereits wieder zurück im Hafen.

Für uns war das Taucherlebnis am Great Barrier Reef zwar schön, aber nicht so speziell wie wir es erwartet haben. Die Erwartungen waren natürlich sehr hoch und wir haben schon so viel über diese Tauchregion gelesen. Natürlich sind wir auch sehr verwöhnt nachdem wir für ein ganzes Jahr als Tauchlehrer im Paradies gearbeitet und gelebt haben.

Das Great Barrier Reef ist unheimlich gross und deckt ein Gebiet von fast 350'000 Quadratkilometer (Grössere Fläche als England) auf einer Länge von 2'000 Kilometern ab. Das Riff besteht aus über 2'500 einzelnen Riffen. Das Great Barrier Reef bietet Zuhause für 350 Arten von Korallen, 10'000 verschiedenen Schwämmen und über 1'500 Fischarten. Von diesem riesigen Gebilde haben wir natürlich nur einen ganz, ganz kleinen Ausschnitt zu Gesicht bekommen. Wir sind froh, das wir das Great Barrier Reef betaucht haben und einen kleinen Teil dieses faszinierenden Lebensraumes erleben konnten. Nun konzentrieren wir uns wieder aufs Reisen und gehen vielleicht auch an der Westküste am Ningaloo Reef tauchen.

Die Kirche von Port Douglas ist eine der beliebtesten Kirchen für Heiratszeremonien. Die Kirche ist gleich am Wasser gelegen und bietet eine herrliche Aussicht. Hinter der Kanzel befindet sich ein Fenster, durch das die Kirchenbesucher auf das Meer hinausschauen können. Ob hier die Kirchenbesucher wirklich alles mitbekommen was der Pfarrer predigt ist fraglich.

Wir hoffen dir mit unseren Bildern und Schilderungen Australien ein Stück näher gebracht zu haben.

Auf unserem Blog Swiss Nomads berichten wir auch über unseren aktuellen Roadtrip durch Australien und wir verraten dir auch was es kostet, ein Jahr durch Australien zu reisen.

Bis zum nächsten Mal.

Unter Auf dem legendären Old Telegraph Track ans Cape York findest du den nächsten Reisebericht.

Viele Grüsse aus dem Naturwunderland,
Marcel und Reni

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