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Die Jahre 2007, 2008 und 2009 waren für uns drei ganz besondere Jahre. Während knapp drei Jahren haben wir
unseren grössten Traum verwirklicht. Die Weihnachtszeit verbringen wir dieses Jahr im Kreise unserer Familien und Freunden. In der Schweiz geniessen wir ein paar Wochen Winter mit tollem Schnee. Wir planen aber auch bereits wieder für die nächste Etappe unseres mehrjährigen Auslandaufenthaltes. Am 6. Januar 2009 geht unser Abenteuer bereits wieder weiter. Wir starten in Hongkong, dort nehmen wir uns fünf Tage Zeit, die faszinierende Stadt zu entdecken.
Unser Guesthouse liegt superzentral und wir können vieles zu Fuss entdecken. Der Mix zwischen modernster Grossstadt und dem traditionellen Leben der Chinesen fasziniert uns. Wir geniessen es durch die Strassen und Märkte zu schlendern. Natürlich darf auch die Fahrt mit der traditionellen Standseilbahn auf The Peak nicht fehlen. The Peak liegt 552 Meter über Meer und ist der höchste Punkt von Hong Kong Island. Die Belohnung ist eine super Aussicht.
Am 12. Januar 2009 geht unsere Reise weiter nach Neuseeland. Nach einem Marathon-Flugtag von Hongkong über Perth nach Sydney landen wir kurz vor Mitternacht in Auckland, auf der Nordinsel von Neuseeland. Wir haben sieben Wochen eingeplant, um die beiden Inseln zu entdecken. Die Einreise klappt problemlos und wie abgemacht, werden wir von der Campervanvermietung Bedmobils abgeholt. Ein super Service, so mitten in der Nacht. Nach allen Formalitäten übernehmen wir unsern Campervan Charly und freuen uns auf die Entdeckungsreise.
Unser erstes Abenteuer startet in Taumaruni. Wir hören vom Forgotten World Highway, dieser Name fasziniert uns und so holen wir auf dem Touristen-Info eine Strassenkarte. Schliesslich wollen wir uns ja nicht verirren und dann in Vergessenheit geraten. Das Abenteuer erstreckt sich über 155 Kilometer und führt uns durch hügelige Landschaft und Busch. Auf der gesamten Strecke gibt es keine Tankmöglichkeit und 12 Kilometer führen über ungeteerte Strassen. Natürlich begegnen wir auch vielen Schafen, schliesslich sind wir in Neuseeland.
Wie geplant erreichen wir am 17. Januar die Hauptstadt Wellington. Von hier aus geht es mit der Fähre rüber auf die Südinsel, wo wir rund zwei Stunden später in Picton ankommen. Wir fahren durch die Weinregion Marlborough und erreichen am selben Tag die gemütliche Stadt Nelson. Die Gebäude in der Haupteinkaufsstrasse und der South Street sind sehr farbig und typisch Neuseeländisch-Englisch.
Das Wetter ist ganz auf unserer Seite und so steht unserem nächsten Vorhaben nichts im Weg. Wir fahren zum Farewell Spit, der längsten Sandzunge Neuseelands. Diese erstreckt sich nämlich über 35 Kilometer, ist 800 Meter breit und rund 20 Meter hoch. Wir geniessen das prächtige Wetter bei einer Tageswanderung.
Eine Traumwelt mit romantischer Hügellandschaft, Sanddünen, Küste und warmen Farben.
Die Fahrt vom Farewell Spit führt uns über das Takaka Gebirge und durch das Motueka Tal. Wir fahren auf kurvenreichen Strassen über Berge, durch Täler und Schluchten und erreichen schlussendlich die wilde Westküste. Nebst faszinierender Natur gibt es aber auch geschichtliches zu besichtigen. Shanty Town, eine nachgebaute Goldgräberstadt, präsentiert sich in voller Funktionstüchtigkeit, wie einst 1880 im Goldrausch Zeitalter. Viele der Gebäude wurden stilecht nachgebaut oder renoviert.
Als Schweizer wollen wir die bekannten Gletscher, den Franz Josef und den Fox Gletscher, unbedingt sehen. Obwohl Gletscher für uns ja nichts neues sind, ist es faszinierend zu wissen, dass nirgendwo sonst in diesen Breitengraden Gletscher und Meer so nahe zusammen sind. Nach der Gletscherbesichtigung spazieren wir um den Lake Matheson und geniessen die Aussicht auf die schneebedeckten Berge.
Wieder zurück an der Küste statten wir der abgelegenen Jackson Bay einen Besuch ab und finden einen guten Platz zum campieren. Und auch unser Abendessen ist gesichert. Das mobile Restaurant "Craypot" gilt bei Einheimischen als Geheimtipp. Hier gibt es die weltbesten Fish and Chips.
Nach einem kurzen Abstecher im supertouristischen Queenstown, reisen wir weiter zum Milford Sound. Mit dem Schiff "Lady of the Sounds" erkunden wir die faszinierende Fjordlandschaft.
Leider verfolgt uns seit einigen Tagen der Regen. So stehen wir am südlichsten Punkt von Neuseeland im Regen und auch in der schottisch angehauchten Stadt Dunedin ist es nass. Ein Katzensprung von Dunedin entfernt, befindet sich die Halbinsel Otago. Die atemberaubende Küstenlandschaft beherbergt eine Fülle von Wildtieren und lädt zu Wanderungen ein. An der Sandfly Bay treffen wir auf Seelöwen und Pelzrobben. Faszinierend, so nahe an diese Kolosse ranzukommen.
Seelöwen machen vermutlich nur drei Dinge im Leben: Fressen, sonnenbaden oder schlafen.
Am Nachmittag erreichen wir Oamaru, eine kleine Stadt an der Küste mit rund 12'000 Einwohnern. Oamaru ist nebst der Architektur für die Pinguinkolonien bekannt. Hier gibt zwei Arten von Pinguinen, die Gelbaugenpinguine und die Blauen Pinguine. Die Pinguine verlassen jeweils das Nest vor dem Sonnenaufgang und verbringen den Tag zur Nahrungssuche im Meer. Erst nach dem Eindunkeln kehren sie zu ihren Nistplätzen zurück um ihre Jungen zu füttern. Dieses Schauspiel wollen wir nicht verpassen. Wir haben Glück und rund 100 Pinguine kommen heute zurück. Fotografieren ist verboten, da wir die tolpatschigen Kreaturen erschrecken würden. Am nächsten Morgen macht Marcel dann aber Bekanntschaft mit einer Pinguin Familie und kann doch noch ein Beweisfoto knipsen. Links auf dem Bild ist das Jungtier zu sehen, dass noch ein ganz anderes Gefieder und Färbung hat als der erwachsene Pinguin.
Nach viel Natur steht wieder einmal eine Stadt auf dem Programm: Christchurch. Den Mittelpunkt bildet der Cathedral Square mit der Christchurch Kathedrale. Auf diesem Platz werden jeden Tag Marktstände mit Souvenirs und Essensstände aufgebaut und hier tummeln sich Jung und Alt, Einheimische und Touristen.
Von Christchurch aus ist es ein Katzensprung zur Banks Peninsula. Die Küste der Halbinsel ist sehr zerklüftet und überall gibt es Buchten die zum Teil sehr tief in das Land hinein fliessen. Wir geniessen die Landschaft und besuchen die Hafenstadt Lyttelton und das Städtchen Akaroa.
Unser Aufenthalt auf der Südinsel geht zu Ende und wir überqueren erneut die Cookstrasse mit der Fähre. Von Wellington geht es nun weiter der Ostküste entlang. Am 17. Februar verlassen wir die Küste und fahren ins Landesinnere, nach Rotorua. Rotorua wurde auf einem vulkanisch aktiven Gebiet erbaut und nur schon das Atmen erinnert uns auf Schritt und Tritt daran. Es riecht unheimlich stark nach Schwefel und an vielen Stellen tritt Dampf aus der Erde. Wir besuchen das Thermalgebiet Waiotapu. Das 18 Quadtratkilometer grosse Gebiet ist übersät mit kollabierten Kratern, heissen und kalten Seen, Schlammtümpeln und dampfenden Erdspalten. Faszinierend aber auch etwas unheimlich zu sehen, wie das Erdinnere lebt.
Unser nächstes Vorhaben ist das Tongario Crossing, eine der schönsten und bekanntesten Wander-Tagestouren Neuseelands. Auf der Anfahrt sehen wir den Mt. Ngaueuhoe, er ist mit seinen 2291 Metern der höchste Gipfel, den wir Morgen auch gerne besteigen würden. Leider ist es am nächsten Morgen stark bewölkt, wir lassen uns jedoch nicht einschüchtern. Wir wandern in einer dicken Nebeldecke und so entscheiden wir uns beim Abzweiger, den Weg hoch zum Mount Ngauruhoe zu gehen, mit der Hoffnung über die Wolkendecke vorzustossen. Der Aufstieg ist sehr anspruchsvoll und das schlechte Wetter ist auch nicht gerade hilfreich für die Orientierung. Einen richtigen Weg gibt es nicht. So bahnen wir unseren eigenen Weg entlang der Flanke des Vulkanberges. Wir erreichen den Gipfel gegen Mittag und tatsächlich reisst die Wolkendecke für wenige Sekunden auf auf.
Nach der Vulkanbesteigung machen wir uns wieder auf den Weg zur Küste. Mit kurzem Halt auf der Halbinsel Coromandel und einem Besuch in der Goldminenstadt Thames fahren wir in das verschlafene Nest Russel. Eines der interessantesten Gebäude in Russel ist die historische, französische Buchdruckerei von Pompallier. Dieses Gebäude wurde im Jahre 1842 erbaut und ist somit das älteste katholische Gebäude und auch das älteste Industriegebäude Neuseelands.
Schon ist es Zeit Abschied zu nehmen von Neuseeland. Wir spazieren durch die Stadt Auckland und zu unserem Abschied verfärbt sich der Himmel für uns ganz rot. Die Stimmung ist mystisch. Für dieses Bild haben wir weder Farbfilter auf der Kamera noch eine Bildbearbeitungssoftware zur Nachbearbeitung verwendet.
Am 1. März 2009 fliegen wir von Auckland in Neuseeland nach Melbourne in Australien. Jetzt folgt unsere längste Reise in ein und demselben Land. Da Australien solch riesige Ausmasse aufweist, nehmen wir uns rund acht Monate Zeit um dieses wundervolle Land zu erkunden. Die Reiseplanung ist durch die Grösse des Landes, die enormen Distanzen, die lange Zeit und die Klimabedingungen natürlich alles andere als einfach. Was wir sicher wissen ist, dass wir in Melbourne starten und auch dort unsere Reise beenden werden. Dazwischen haben wir geplant den Kontinent im Gegenuhrzeigersinn zu umrunden. Alleine das Umrunden von Australien bedeutet etwa 15'000 Kilometer zurückzulegen. Die Küstenlinie von Australien weist eine Länge von beeindruckenden 25'000 Kilometern auf. Flächenmässig ist der Rote Kontinent der sechstgrösste Staat, denn er ist 7'686'850 Quadratkilometer gross. Trotz der Grösse werden lediglich sechs Prozent der Fläche für Landwirtschaft genutzt. Auf dieser Fläche leben rund 21 Millionen Einwohner, somit beträgt die Bevölkerungsdichte ungefähr 2,6 Einwohner pro km2. Damit ihr euch besser vorstellen könnt, was das bedeutet, ein Vergleich zu Deutschland, wo 231 Menschen pro km2 oder in Hongkong, wo 6700 Personen pro km2 leben. Unvorstellbar, nicht?
In Melbourne startet nun unser langes Abenteuer auf dem Roten Kontinent. Die Passkontrolle verläuft sehr effizient und problemlos. Mit unserem eVisa dürfen wir uns nun ein ganzes Jahr in Australien aufhalten. Vom Flughafen fahren wir mit dem Bus ins Zentrum von Melbourne. Wir kommen an der Station Southern Cross an, schnallen uns die Rucksäcke um und marschieren eine halbe Stunde quer durch die Stadt. Zum Glück finden wir das Guesthouse auf Anhieb. Ziemlich verschwitzt kommen wir im Greenhouse Backpackers an. Als erstes gönnen wir uns eine erfrischende Dusche und danach gehen wir gleich einmal raus und schauen uns die nähere Umgebung an. Wir sind mitten im Geschehen. Gleich um die Ecke ist die Flinders Station, der Hauptbahnhof von Melbourne, Einkaufsläden und Restaurants überall. Superguter Standort.
Es scheint, als ob wir genau zur richtigen Zeit in Melbourne sind. Während unseres Aufenthaltes findet das Moomba Wasserfest statt. Während zehn Tagen ist in Melbourne Karneval Stimmung. Es gibt eine Chilbi, Feuerwerke, Outdoor-Aktivitäten wie Wasserski-Wettkämpfe, Wake-Boarden, Drachenboot Fahren und vieles mehr.
Die esten zehn Tage verbrigen wir in Melbourne und sind hauptsächlich mit organisatorischem beschäftigt. Wir müssen zur Bank, suchen im Internet nach einem geeigneten Auto, vergleichen die Autoversicherungen und gehen auf Einkaufstour. Einen Reiseführer haben wir bereits, aber uns fehlt noch das Kartenmaterial und diverse Campingutensilien. Zwischen organisieren, planen und shoppen bleibt natürlich auch immer wieder Zeit, um die Stadt anzuschauen. Am 11. März ist es dann soweit. Wir können unseren Reisebegleiter, den Troopy, abholen. Nachdem wir uns im IKEA mit Decken, Kissen und Küchenutensilien eingedeckt haben, kaufen wir noch fleissig diverse Ersatzteile für unsern Troopy ein. Nun kann unsere Abenteuerreise losgehen. Unsere erste Etappe führt uns über steile Bergstrassen, Hügellandschaft und dichte Wälder. Wir fahren durch den Snowy River Nationalpark und sehen den Fluss "Snowy River" auch schon. Das Wasser schlängelt sich durch das Tal. Wir sind hier sehr abgeschieden und wir begegnen nur selten anderen Autofahrern.
Das Wetter ist noch recht kühl und so fahren wir an die Südostküste. In Indonesien haben wir Michael kennen gelernt und ihn wollen wir in Australien besuchen. Er wohnt in Mallacoota, einem schönen Dorf inmitten eines Nationalparks. Er zeigt uns die Gegend und wir geniessen unser erstes Bad im Meer. Wir lassen uns von den Wellen hin und hertreiben. Wir sind noch sehr südlich an der Ostküste von Australien und Michael bestätigt uns, dass hier keine Gefahr wegen Haien, Quallen oder sonstigen gefährlichen oder giftigen Meerestieren besteht.
Wir entfernen uns wieder von der Küste und fahren ins Landesinnere. Canberra, die Hauptstadt Australiens steht auf unserem Programm. Canberra ist sehr symetrisch aufgebaut, hat die grössten Kreisel die wir je gesehen haben und ist äusserst sauber. Wir besichtigen das Australian War Memorial, eines der beeindruckendsten Museen im Lande, das die Kriegsgeschichte Australiens aufzeigt. Das Kriegsdenkmal gedenkt den Opfern, die in den Kriegen ums Leben gekommen sind. Ausserdem hilft es zu erinnern und zu verstehen, welchen Einfluss Krieg auf unsere Leben hat und welche Leiden durch die unzähligen Kriege auf unserem Planeten entstehen.
Das neue, extravagante Parlamentsgebäude wurde vom Architekten Romaldo Giurgola entworfen und am 9. März 1988 eingeweiht. Das Gebäude wurde in den Capital Hill hineingebaut. Der Bau dieses riesigen Komplexes hat über eine Milliarde verschlungen und thront seither über Canberra. Auf der Führung durch das Gebäude erhalten wir einen guten Einblick über die Regierungsstruktur Australiens.
Nach zwei interessanten Tagen in Canberra fahren wir zurück an die Ostküste. An der Mystery Bay finden wir einen tollen Platz zum campieren und geniessen die Abendstimmung. Schon ein bisschen "Mystery".
Auf der Fahrt Richtung Sydney besuchen wir den Blue Mountains Nationalpark. Der Ausgangspunkt für die Besichtigung der Blue Mountains ist das Dorf Katoomba. Wir parkieren unseren Troopy und spazieren zum ersten Aussichtspunkt. Wir sind überwältigt von der Aussicht. Wälder und Schluchten soweit das Auge reicht. Die Sandsteinplateaus der Blue Mountains liegen auf rund 1100 Metern über Meer. Beim Echo Point müssen wir die Aussicht mit vielen anderen Touristen teilen, denn wir sind hier an einem beliebten Ausflugsziel für Tagestouristen aus Sydney. Sobald wir aber etwas weg vom Haupttouristenstrom sind, haben wir die Natur praktisch für uns alleine. Scheint als ob viele wenig Zeit mitbringen oder zu faul zum spazieren sind.
Am 29. März erreichen wir Sydney. Da es in Sydney mit dem Parkieren nicht ganz so einfach ist, schlagen wir unsere Zelte in einem Vorort, in der Botany Bay, auf. So können wir morgens stressfrei mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mitten ins Zentrum von Sydney fahren. Die Aufseher auf dem Campingplatz erklären uns, wie wir in die Stadt kommen. Die Fahrt mit Bus und Zug dauert rund eine Stunde und wir geniessen es für einmal nicht selber fahren zu müssen. Bei der Haltestelle "Circular Quay" heisst es aussteigen. Wow, so einen Ausblick hatten wir noch nie von einer Bahnstation. Jetzt ist uns klar, weshalb Circular Quay das symbolische Tor zu Sydney genannt wird. Von hier aus sieht man nämlich die beiden Wahrzeichen auf einen Blick. Links die Harbour Bridge und rechts das Opernhaus. Leider geht das nicht auf ein Foto, deshalb dieses Bild von der Harbour Bridge. Bilder des Opernhauses folgen später. Im Hafen ankert gerade das Kreuzfahrtschiff Millenium.
Das berühmte Opernhaus wurde vom dänischen Architekten Jorn Utzon entworfen und 1973 eröffnet. Das Design, die Form und der Zweck gehen in uralte Zeiten zurück. Das Opernhaus ist 67 Meter hoch und über eine Million Fliesen wurden für den Bau benötigt.
Eine Fahrt mit der Fähre darf bei einem Besuch in Sydney auf keinen Fall fehlen. Wir fahren zur Manly und Bondi Beach, gönnen uns ein Glace, schauen den Surfern zu und geniessen auf der Rückfahrt die tolle Aussicht auf das Meer und die Stadt Sydney. Im abendlichen Licht und mit den aufziehenden Wolken sieht die Oper und die Harbour Bridge sehr unwirklich aussehen.
Am 4. April fahren wir von der Küste landeinwärts. Auf dem Ausflug in den Snowy River Nationalpark haben wir den Australier Sandy kennen gelernt und ihn wollen wir nun besuchen gehen. Als wir Sandy anrufen und fragen, ob wir am Montag vorbeischauen können, werden wir gleich für ein Wochenende an einem See eingeladen. Sandy und seine Frau Steph haben sich mit ein paar Verwandten und Freunden für ein Wochenende am Lake Keepit verabredet. Sie laden uns ein mit ihnen das Wochenende gemeinsam zu verbringen. Auf dem Weg zum Lake Keepit erleben wir das erste Mal so richtig die Weiten Australiens. Am Spätnachmittag erreichen wir den Campground am Lake Keepit. Wir fahren mit dem Wagen gleich zum See und finden dort Sandy, Steph und deren Freunde. Wir werden mit all den Leuten bekannt gemacht und trinken erst Mal ein Bier. Dann werden wir von Sandy zu einer Fahrt in seinem schnittigen Boot eingeladen. Das Wasser ist schön flach, es hat kaum Wellen und mit dem abendlichen Licht ist die Fahrt atemberaubend.
Zuerst steht Wasserskilaufen auf dem Programm. Wir sind beide noch nie auf Wasserskiern gestanden und sind sehr gespannt wie das ist. Zuerst versucht Marcel sein Glück. Nach kurzen Instruktionen geht's los. Das Wichtigste ist immer die Arme gestreckt lassen und nicht anziehen. Gespannt sitzt Marcel im Wasser mit den Skiern an den Füssen und dem Seil in den Händen. Der erste Startversuch misslingt. Beim zweiten Mal klappt es bereits und Marcel steht sicher auf den Skiern und gleitet elegant über das Wasser.
Nach dem lässigen Wochenende am Lake Keepit werden wir zu Sandy und Steph nach Hause eingeladen. Sandy ist Manager einer Baumwollfarm und die wird er uns zeigen. Zur Zeit sehen die Felder so aus. Ein Teil der Baumwollknospen ist schon offen und die weisse Bauwolle ist gut zu sehen. Die obersten Knospen sind aber noch halb oder sogar ganz geschlossen und brauchen noch etwas mehr Sonne.
Auf der Nachbarsfarm sind die Pflanzen bereits etwas weiter entwickelt und die Baumwollfelder bereit zum Pflücken. Vor dem Pflücken wird übrigens mit Sprühflugzeugen eine Chemikalie über die Pflanzen gesprüht. Diese Chemikalie veranlasst die Baumwollpflanzen die Blätter abzuwerfen. Zurück bleiben dann die Stauden mit den Baumwollbüschel, die sehr einfach mit den Pflückmaschinen geerntet werden können.
Mit riesigen Pflückmaschinen wird die Baumwolle von den Feldern geerntet. Eine Pflückmaschine besteht aus vier Modulen und kann somit vier Reihen gleichzeitig Pflücken. Die Baumwolle wird von den Stauden gepflückt und in einen grossen Behälter geblasen. Dann wird in diesen Pressen die Baumwolle zu riesigen Baumwollmodulen gepresst.
Die Baumwollmodule sind so gross wie ein Schiffscontainer und wiegen je nach Pressung zwischen 12 und 18 Tonnen.
Nach dem Mittagessen wartet ein ganz anderes Abenteuer auf uns. Die Nachbarn von Sandy und Steph sind Schweizer. Vor rund 35 Jahren sind die Schneebeli's nach Australien ausgewandert und haben hier in Moree eine Farm aufgebaut. Als sie vom Schweizer Besuch erfahren, werden wir gleich zu einem Rundflug eingeladen.
Vater Henry und Sohn Nick besitzen nämlich ein eigenes Flugzeug. Das Flugzeug ist ein zweiplätziges Leichtbauflugzeug der Slowenischen Firma Pipistrel. Das Flugzeug mit der Bezeichnung Sinus ist ein sehr schönes Flugzeug. Das ultraleichte Segelflugzeug hat einen Motor, kann damit auf sehr kurzen Pisten starten und hat eine bemerkenswerte Reichweite. Es ist bis zu 200 km/h schnell und hat einen Verbrauch von weniger als 10 Liter pro Stunde. Mit dem Standard 60 Liter Tank kommt das Flugzeug somit über 1000 Kilometer weit.
Wir haben die Gastfreundschaft der Australier oder ausgewanderten Schweizer sehr geschätzt und werden die Erlebnisse nie vergessen. Unsere Reise geht wieder weiter und am 14. April erreichen wir Brisbane, die drittgrösste Stadt Australiens. Die Stadt liegt am Brisbane River, der sich durch die Geschäfts- und Wohnhäuser hindurchschlängelt. Oder wurde die Stadt ums Wasser gebaut?
Städte sind schön, aber die Natur ist noch schöner. Unser nächstes Ziel ist die grösste Sandinsel der Welt: Fraser Island - ein Naturwunder. Fraser Island ist ein Nationalpark und hat mit einer Länge von 120 km und einer Breite von 15 km eine stattliche Grösse. Bevor wir jedoch auf die Insel fahren, üben wir am Festland, am Freshwater Beach das Fahren am Strand. Uhhh... cooles Gefühl.
Nachdem wir die nötigen Bewilligungen, das Fährticket und die Campingplätze organisiert haben, kann es endlich losgehen. Wir fahren zum Inskip Point, wo die Fähre zur Fraser Island ablegt. Hier gibt es kein Hafen und kein Steg. Die Fähren legen direkt am Strand an und wir müssen zuerst durch den tiefen Sand am Strand fahren, um auf die Fähre zu gelangen. Aber kein Problem, wir haben ja einen zuverlässigen Reisebegleiter - unsern 4x4 Toyota Landcruiser. Ein 4-Radantrieb mit hoher Bodenfreiheit ist für einen Trip auf Fraser Island Pflicht.
Der grösste Teil der Insel ist bedeckt mit Regenwald und es gibt 40 Süsswasserseen. Die höchste Erhebung der Insel ist erstaunliche 224 m hoch.
Vom Inselinnern fahren wir wieder runter an den Strand und wollen das gestrandete Wrack besichtigen. Das Dampfschiff Maheno wurde im Jahre 1904 in Schottland für eine Neuseeländische Firma hergestellt. Der Hauptzweck der Maheno lag im Personenverkehr zwischen Neuseeland und Australien und im ersten Weltkrieg wurde es zu einem Spitalschiff umgebaut. 1935 wurde das Schiff als seeuntauglich erklärt, aus dem Verkehr gezogen und als Alteisen an eine Japanische Firma verkauft. Eigentlich hätte die Maheno nach Japan zur Ausschlachtung geschleppt werden sollen, ist jedoch auf ihrer letzten Fahrt von einem Zyklon erfasst und vom Schleppschiff abgetrennt worden. Letztendlich ist die Maheno am Strand von Fraser Island aufgelaufen.
Ein weiterer Ausflug im Innern der Insel führt uns zum Lake Wabby. Dies ist der tiefste See auf Fraser Island. Der See grenzt an drei Seiten an Eukalyptuswald und auf der linken Seite befindet sich der Hammerstone Sandblow, eine Sanddüne die den See bedrängt und langsam in ihn hineinwächst.
Nach dem genialen Erlebnis auf Frasel Island fahren wir nach Bundaberg, wo wir unseren Troopy in den Service bringen und die berühmte Bundaberg Distillerie besichtigen. Natürlich degustieren wir auch vom Bundi-Rum. Am nächsten Tag geht die Reise weiter zum Carnarvon Gorge. Nun kommen wir dem "richtigen Australien" langsam näher. Die hügelige Landschaft wird immer flacher. Und juhuii, wir sehen heute unseren ersten Bottle Tree. Genial, das ist für uns Australien.
Nach einer langen Fahrt ins Inland erreichen wir am 25. April den Campingplatz beim Carnarvon Gorge Nationalpark. Am nächsten Tag stehen wir früh auf und gehen auf Entdeckungstour. Noch beim Parkplatz begegnen wir schon den ersten Kängurus mit Baby im Beutel. Das Kleine ist wohl schon etwas zu gross für den Beutel. Aber kein Problem, was kein Platz im Beutel hat, lässt es einfach raushängen.
Auf unserer Wanderung gibt es 20 Flussüberquerungen. Ja, wir überqueren 20mal ein und denselben Fluss. Wir sind in der Trockenzeit hier, während der Regenzeit ist eine Wanderung hier unmöglich. Brücken gibt es nämlich keine.
Dem Ausflug in den Nationalpark folgt das raue Outback. Auf der Fahrt kommen uns freundliche Truckerfahrer entgegen, jeder winkt uns zu. Sogar die Polizei winkt uns. Kein Wunder, denn hier kann es einem schon mal passieren, dass man eine Stunde fährt und keiner Menschenseele begegnet. Und das auf einem Highway. Auch der Lokomotivführer winkt. Aber hier fährt ja schliesslich nur einmal pro Tag ein Zug.
Die Fahrt auf dem Matilda Highway führt an vielen interessanten kleinen Dörfern vorbei. In der Provinzstadt Winton vertreten wir uns die Beine und entdecken Arno's Wall. Der australische Weg, Dinge zu entsorgen. Arno's Wall ist eine 70 Meter lange Mauer voller Überraschungen.
Nach hunderten von Kilometern auf dem Highway erreichen wir schlussentlich die Minenstadt Mount Isa. Die Stadt liegt im Nordwesten von Queensland und ist stark durch den Bergbau geprägt. Die Mine ist durch den Leichhardt River von der Stadt Mount Isa getrennt. Bis heute wird diese Trennung untertags beibehalten und unter der Stadt finden keinerlei Minentätigkeiten statt. Ganz im Gegensatz zu anderen Minen, die direkt unter Wohngebieten operieren.
Über abgelegene Schotterstrassen fahren wir weiter zum Porcupine Nationalpark und schlagen unsere Zelte auf. Kurz nach dem Abendessen raschelt es im Gebüsch. Zwei witzige und äusserst neugierige Kerlchen hüpfen aus dem Gras. Die beiden sehen ein bisschen aus wie eine Mischung aus Wallaby und einer Maus. Sie beschnuppern alles und sind ganz scharf auf unsere Brotkrümel unter dem Tisch.
Vom Outback machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Ostküste. Unser nächstes Ziel ist der Paronella Park. Dieser spezielle Ort wird uns von vielen Australiern empfohlen. Der Paronella Park ist schwer mit Worten zu beschreiben. Der Ort ist märchenhaft, verspielt und mystisch. Ein Ort, wie wir keinen anderen bisher in Australien gesehen haben. Eine Mischung zwischen Märchenschloss, Naturpark und überwucherten Tempelruinen aus Angkor Wat.
An der Küste besuchen wir Hartley's Crocodile Adventures. Bis jetzt haben wir weder einen Koala, ein Krokodil noch eine giftige Schlange gesehen. Im Tierpark und der Krokodilfarm werden wir alles auf einmal zu Gesicht bekommen. Uns beeindruckt vorallem die Krokodil-Show. Schon beeindrucken was für eine Kraft diese Salzwasserkrokodile aufbringen - richtige Killermaschinen.
In Cooktown tanken wir unseren Wagen und stocken unsere Essensvorräte auf. Denn hier starten wir unser nächstes grosses Abenteuer. Für das Cape York planen wir rund zwei Wochen Zeit ein, denn wir fahren auf dem legendären Old Telegraph Track bis an die nördlichste Spitze Australiens. Als erstes fahren wir durch den Daintree Nationalpark, wo wir einen ausgedehnten Strandspaziergang machen. Auch wenn der Strand schön und menschen leer ist - baden verboten - Gefahr droht. Krokodile oder Jellyfish. In dem Fall verschieben wir unser Bad.
Nach dem Daintree Nationalpart startet nun unsere Tour ans Cape York. Unser Ziel ist der nördlichste Punkt Australiens. Wir wollen über den Old Telegraph Track dahin. Diese 4x4-Strecke ist ein Must für alle Australier und Abenteurer. Der Track ist legendär, sehr anspruchsvoll und verlangt viel fahrerisches Geschickt. Drum ist es wohl besser, wenn Marcel den schwierigen Teil der Strecke übernimmt. So sind wir auf der sicheren Seite. Die erste Flussüberquerung ist noch recht harmlos dank festem Untergrund und nicht allzu tiefem Wasser. Trotzdem ist volle Konzentration angebracht.
Insgesamt werden wir 14 Flüsse überqueren - Brücken gibt es keine. Die Durchfahrten werden von mal zu mal anspruchsvoller.
Dank den guten Fahrkenntnissen von Marcel kommen wir ohne Probleme voran. Aber es braucht viel Geschick und Energie, denn ein Steckenbleiben ist schnell passiert. Gegen Ende des Old Telegraph Track gibt es einen Abstecher an wunderschöne Wasserfälle. Vom Parkplatz erreichen wir in wenigen Gehminuten die Twin Falls, wo wir uns ein erfrischendes Bad gönnen. Diese Wasserfälle sind mehrstöckig und die verschiedenen Pools sind ideal zum Schwimmen. Das Schöne ist hier, dass es keine Krokodile hat. So ist ein relaxtes Bad garantiert.
Wir haben es geschafft. Wir stehen am nördlichsten Punk Australiens.
Abends werden wir mit einem traumhaft schönen Sonnenuntergang belohnt und wir geniessen die Ruhe hier am Cape York.
Auf dem Rückweg nehmen wir die Bypass-Road und so kommen wir viel schneller voran. Aber es ist natürlich nur halb so spannend. Wir unternehmen noch einen Abstecher an die windige Chilli Beach, wo wir eine Nacht bleiben. Es ziehen Wolken auf und zusammen mit der Sonne ergibt sich eine ganz besondere Stimmung. Der Strand ist menschenleer, so geniessen wir einen ausgedehnten Spaziergang bei Ebbe. Zum Abschluss fahren wir noch zum Captain Billys Landing, wo wir auch wieder einsame Strände vorfinden. Auf der Rückfahrt gibt es noch die letzte Flussdurchquerung, wo wir einmal mehr froh um unseren Schnorchel sind.
Wir sind glücklich das Abenteuer Cape York gut überstanden zu haben. Der nächste Besuch gilt den Undara Lava Tubes, eines der längsten Netzwerke von Lava Tubes auf der Welt. Vor rund 190'000 Jahren hat der Vulkan Undara während einer heftigen Eruption eine riesige Menge Lava ausgespuckt und so eine Fläche von 1550 Quadratkilometern bedeckt. Der Lavastrom ist bis zu 160 Kilometer weit durch Fluss- und Bachbette geflossen. Als die Kraft der Eruption nachliess, hat sich der Lavastrom langsam abgekühlt und ist an der Oberfläche erstarrt. Die unterirdischen Lavaströme sind ausgeflossen und haben leere Basalt Lava Tunnels hinterlassen. Über die Jahre sind Teile der Tunneldecke eingestürzt. Diese Bereiche bieten nun Zugang zu den unterirdischen Tunnels.
In Normanton stimmt unser Reisetiming wieder einmal perfekt. Am Wochenende ist Rodeo angesagt. Dies bedeutet Volksfest für das 2500 Seelen Dorf. Bereits am Freitagabend findet eine Parade zum Start des Rodeos statt und jeder Verein trägt zur Parade bei.
Wir verbringen einen ganzen Tag auf dem Rodeo-Gelände und sind begeistert von der genialen Stimmung. Müde fallen wir am Abend ins Bett und machen uns am nächsten morgen früh auf die Weiterfahrt. Es folgt ein weiter Weg auf Schotterstrassen. Die Stimmung am Vormittag ist genial. Die Farben wirken unglaublich schön in der Morgensonne. Das ist das Outback.
Der Savannah Way ist anstrengend aber wir werden mit einer atemberaubenden Landschaft entschädigt. Nach tagelangen Fahrten erreichen wir schlussendlich den Boodjamulla (Lawn Hill) Nationalpark. Da dieser Nationalpark nicht so gut erreichbar ist, ist er auch nicht ganz so touristisch wie andere. Lawn Hill wird von einer Schlucht und steilen Klippen der Sandsteinhügel dominiert. Die Landschaft ist optimal um Wanderungen und Kanufahrten auf dem Fluss zu unternehmen.
Und wieder steht eine Stadt auf dem Programm. In Darwin machen wir ein paar Tage Pause und geniessen das Kleinstadtleben. Jeweils am Sonntag findet in Darwin am Mindil Beach ein Markt statt, den dürfen wir natürlich nicht verpassen. Es gibt allerlei zu kaufen, vorallem aber hat es Essensstände aus aller Welt. Von Thai über Chinesisch zu Italienisch bis hin zu Holländisch kriegt man alles. Während des Sonnenunterganges wird es um die Marktstände etwas ruhiger und die meisten Leute suchen sich einen Platz am Strand um den superschönen Sonnenuntergang mitzuverfolgen.
Am 16. Juni verabschieden wir uns von Darwin und reisen weiter in den Litchfield Nationalpark. Dieser befindet sich 120 Kilometer südwestlich von Darwin und ist bekannt für einzigartige Wasserfälle, magnetische Termitenhügel, historische Plätze und Sandsteinformationen.
Der Kakadu Nationalpark ist als Weltkulturerbe gelistet und erstreckt sich auf einer Fläche von über 19'800 km2. Der Name Kakadu kommt von der Gagudju Sprache, die von den Aborigines in Norden des Parks gesprochen wird. Heute werden hier im Park noch drei verschiedene Sprachen von den Ureinwohnern gesprochen. Die Aborigines besiedeln diese Region seit über 50'000 Jahren. Als erstes besichtigen wir Ubirr Rock, eine der schönsten Rock Art Stätten mit fantastischer Aussicht auf die Umgebung.
Am 27. Juni erreichen wir gegen Mittag die Ortschaft Kununurra. Das 6'000 Seelendorf ist für uns der ideale Ort unsere Vorräte aufzustocken und Informationen über die Gibb River Road zu holen. Im Infocenter machen wir uns schlau und kaufen uns auch gleich eine Bewilligung für die Nationalparks in Westaustralien. Bevor wir jedoch unser Abenteuer Gibb River Road starten, gibt es noch etwas ganz Besonderes. Marcel lädt mich (Reni) zum Geburtstag zu einem Rundflug über die Bungle Bungles ein. Morgens zum Sonnenaufgang starten wir zu einem unvergesslichen Rundflug. Danke Marcel, für das wunderbare Geburtstagsgeschenk. Zuerst fliegen wir über den Lake Argyle. Der riesige Stausee ist Australiens zweitgrösstes Wasserreservoir und kann 18mal soviel Wasser stauen, wie das Hafenbecken von Sydney enthält.
Und dann kommen sie zum Vorschein: Die Bungle Bungles. Wie Bienenkörbe sehen sie aus. Einfach genial!
Wow, wieder auf dem Boden sind wir noch immer ganz hin und weg von der Schönheit dieser Gegend.
Die nächste Station ist Wyndham, der Ausgangspunkt für ein weiters Highlight Australiens. Von hier aus werden wir unsere Erkundung der Kimerly Region starten. Die Gibb River Road ist eine der bekanntesten Offroadstrecken Australiens. Die Strasse wurde gebaut um Vieh von den entlegenen Stationen der Kimberlys zum Hafen von Wyndham und Derby zu transportieren. Als erstes überqueren wir den Chamberlain River. Der Fluss führt zur Zeit nicht viel Wasser und so ist die Durchfahrt harmlos. Im Hintergrund sind die Pentecost Ranges zu sehen. Da uns diese Aussicht so gut gefällt, machen wir hier gleich Mittagspause.
Auf der Gibb River Road gibt es immer wieder Abstecher die wir machen können. Den zu den Mitchell Falls lassen wir uns nicht entgehen. Diese Wasserfälle sind mitunter die Eindrücklichsten, die wir bis anhin in Australien gesehen haben. Über mehrere Kaskaden ergiesst sich das Wasser in einen riesigen Pool.
Zwei Tage und 700 Kilometer Schotterpiste später machen wir noch den letzten Abstecher. Der Windjana Gorge ist einer der besten Orte Australiens, um Süsswasserkrokodile in freier Wildbahn zu beobachten. Wir machen eine lange Wanderung und geniessen auf dem Campingplatz einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Derby, wo am 9. Juli die Mowanjum Aboriginal Community ein grosses Festival veranstaltet. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und brechen am späten Nachmittag auf zum Festgelände, das 12 Kilometer ausserhalb von Derby liegt. Dieses Festival ist eines der grössten dieser Art, das in Westaustralien für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Von Derby fahren wir in die Küstenstadt Broome, geniessen ein paar Tage die Annehmlichkeiten der Zivilisation und fahren über Halls Creek zum Purnululu Nationalpark. Hier verbringen wir drei Tage. Am ersten Tag erkunden wir den nördlichen Bereich des Nationalparks und unternehmen viele Wanderungen. Das erste Highlight ist der Echidna Chasm.
Am nächsten Tag fahren wir zu den Bungle Bungles. Wow, ist ja schon beeindrucken vom Flugzeug aus, aber wenn man dann davorsteht, einfach wunderschön. Vom Piccaninny Creek Lookout können wir eine etwas weiter entfernte typische Formation der Bungle Bungles bestaunen. Im Vordergrund sehen wir das steinerne Flussbett des Piccaninny Creeks. Die Bungle Bungle Range ist ein Gebiet, in welchem durch Erosion auf einer Fläche von 45'000 Hektaren sehr aussergewöhnliche Sandsteinformationen entstanden sind. Erst im Jahre 1983 wurden die Bungle Bungles für Touristen erschlossen und im Jahre 2003 zum Weltkulturerbe ernannt. Es wird angenommen, dass die Bungle Bungles rund 360 Millionen Jahre alt sind. Die bis zu 200 Meter hohen Dome sind durch Erosion über 20 Millionen Jahre entstanden.
Am 18. Juli starten wir eine einsame Fahrt auf dem Tanami Track nach Alice Springs. Die gesamte Strecke zieht sich über 1'040 km und ist die schnellste Verbindung von der Kimberly Region nach Alice Springs in Zentralaustralien. Gebaut wurde diese Strasse für die Minenindustrie, im speziellen für die alte Tanami Goldmine. Heute wird sie hauptsächlich für Viehtransporte benutzt und von Touristen befahren.
Drei Tage später treffen wir durchgeschüttelt in Alice Springs ein. Die Gegend um Alice Springs hat sehr viel zu bieten. Zuerst machen wir einen Abstecher ins Rainbow Valley und den Chambers Pillar. Anfangs sind die Strassen recht gut ausgebaut, gegen Ende der Strecke geht es immer wieder auf und ab und die Strasse wird zu einem anspruchsvollen 4WD-Track. Nachdem wir die anspruchsvolle Strecke gemeistert haben, werden wir mit einer aussergewöhnlichen Umgebung belohnt.
Nach dem Abstecher südlich von Alice Springs stehen nun die östlichen MacDonnell Ranges auf dem Programm. Die East MacDonnell Ranges sind vor 310 bis 340 Millionen Jahren durch eine massive Erdverschiebung entstanden. Die gleiche Erdverschiebung kreierte auch Uluru (Ayers Rock) und Kata Tjuta (die Olgas). Die Gebirgskette war einst über 3'000 Meter über Meer. Durch Erosion und Klimaveränderung sind über Jahrtausende Spalten, Schluchten und Höhlen entstanden.
Die Gegend lässt sich ideal mit einem 4x4 entdecken. Wir fahren durch den Finke Gorge Nationalpart, machen einen Abstecher zum Boggy Hole und ins Palm Valley. Das Palm Valley ist ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der das Zentrum Australiens noch viel nasser und baumreicher war. Tausende von Red Cabbage Palms haben hier entlang des Finke Rivers überlebt. Diese Palmenart gedeiht nur hier im Palm Valley und der Bestand wird auf rund 12'000 Pflanzen geschätzt.
Als nächstes steht die Besichtigung des Kings Canyon an. Kings Canyon liegt im Watarrka Nationalpark und ist einer der Höhepunkte im Roten Zentrum Australiens.
Wir kommen dem Nationalsymbol immer näher. Der Uluru-Kata Tjuta Nationalpark ist der kulturelle Mittelpunkt und der meistbesuchte Nationalpark in Australien. Es ist ein ganz spezielles Gefühl nun endlich diesem riesigen Monolithen näher zu kommen. Bereits auf der Zufahrtsstrasse können wir den Uluru sehen. Es ist unglaublich, wie sich das Erscheinungsbild ständig verändert, je nach Winkel von welchem aus wir diesen Giganten betrachten. Wir fahren zuerst einmal ganz nahe ran, stellen unseren Wagen ab und bestaunen die steilen Flanken vom Fusse des Uluru. Danach fahren wir zur Sunset Viewing Area, packen unsere Stühle aus und geniessen einfach nur die Aussicht auf den Uluru.
Wir hören von Australiern, dass die Aussicht von oben umwerfend sei. Wir entscheiden uns, auch rauf zu gehen. Der Aufstieg ist sehr steil, es gibt keinerlei Treppentritte und wir müssen uns immer wieder Halt suchen. Zur Hilfe gibt es eine Kette, an der wir uns festhalten können.
Am 10. August verabschieden wir uns von den Highlights in Zentralaustralien und starten eine weitere einsame Fahrt durch die Wüste. Auf dem Great Central Highway und dem Gunbarrel Highway werden wir bis zur Westküste fahren. Die 1'400 Kilometer lange Strecke ist bekannt als die längste Abkürzung. Da die Strasse durch Aboriginal Land führt, haben wir im Vorfeld die Bewilligungen eingeholt. Wir benötigen zwei Bewilligungen, denn die erste Teilstrecke befindet sich im Northern Territory und die zweite Teilstrecke in Westaustralien. Die ersten paar Kilometer fahren wir auf dem Great Central Highway und wechseln später auf dem Heather Highway. Wir sind erstaunt über die Namensgebung für diese Landstrasse durchs Feld. Diese grasbewachsene Fahrspur soll ein Highway sein? Wir zweifeln kurz, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind. Ein Blick auf die Landkarte bestätigt uns, dass wir hundert Prozent richtig sind.
Die Strecke ist zwar einsam und doch begegnen wir immer wieder Lebewesen, wie diesem Thorny Devil. Ein Glücksfalls, dieses wundersame Tier in der Wildnis zu sehen.
Nach tagelangem Fahren durch unfruchtbares Land erreichen wir schussendlich die Outback Stadt Wiluna. Nachdem wir unsere Vorräte aufgestockt haben, geht die Reise weiter zum Karijini Nationalpark. Hier gibt es unzählige Buchten die wir entdecken können. Wir planen gleich mehrere Tage ein, um möglichst viel von dieser Gegend zu sehen. Ein Hightlight ist der Spiderwalk. Hier Spiderman Marcel.
Am 18. August erreichen wir Exmouth, wo wir uns ein paar Tage Ferien gönnen. Wir geniessen es am Meer zu sein und wollen wieder einmal einen Tauchgang machen. Exmouth ist Ausgangspunkt für den Cape Range Nationalpark und das bekannte Ningaloo Reef. Das dürfen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Leider haben wir keine Unterwasserkamera dabei, aber die Taucherlebnisse haben wir in unseren Köpfen gespeichert. Nach zehn Tagen relaxen fahren wir der Westküste entlang Richtung Süden. Im Kalbarri Nationalpark machen wir ein paar Wanderungen. Das Highlight ist für uns das Natures Window. Hier hat Wind und Wasser ein natürliches Fenster in den Sandsteinfelsen geschaffen.
Als nächstes fahren wir nach Cervantes, wo sich die berühmten Pinnacles befinden. Wie die Türme aus Sandstein entstanden sind, ist und bleibt ein Rätsel. Natürlich gibt es verschiedene Theorien. Wir haben Glück und für ein paar Fotos reicht die Sonne, bevor die Wolken wieder Schatten bringen.
Das Wetter ist recht unstabil und bei Regen erreichen wir am 30. August Fremantle. Fremantle liegt direkt am Meer und ist nur ein Katzensprung von Perth, der Hauptstadt Westaustraliens, entfernt. Wir finden einen sehr schönen Campingplatz, mit dem gemütlichsten Aufenthaltsraum den wir je hatten. Hier können wir dringende Dinge erledigen und im Aufenthaltsraum haben wir genügend Platz, um dem nassen und stürmischen Wetter zu entfliehen. Der Aufenthaltsraum hat sogar eine Heizung, um die wir bei dem nasskalten Wetter sehr froh sind. Zwischendurch lässt sich auch die Sonne blicken und wir nutzen die Gelegenheit, die Umgebung zu besichtigen. Das Strassenbild in Fremantle wird von historischen Gebäuden im Kolonialstil geprägt. Die ersten europäischen Einwanderer erreichten Fremantle mit der HMS Challenger im Jahre 1829. Viele der alten Gebäude stammen aus der Goldrauschzeit Ende des 18ten oder Beginn des 19ten Jahrhunderts.
Am 1. September fahren wir mit dem Zug ins Zentrum von Perth. Perth kann ideal zu Fuss entdeckt werden. Mit 1.4 Millionen Einwohnern ist die Stadt nämlich nicht riesig. Die meisten Sehenswürdigkeiten können wir sehr gut auf einem Marsch erkunden. Über die Jacob's Treppe gelangen wir auf einen Hügel, wo wir eine schöne Aussicht über Perth haben. Gleich nebenan ist der vier Quadratkilometer grosse Kings Park und der botanische Garten.
Das Wetter an der Westküste Australiens ist kühl und regnerisch. Wir haben uns ganz spontan dazu entschieden, dem schlechten Wetter für zwei Wochen zu entfliehen und haben einen Flug von Perth nach Bali gebucht. Die zwei Wochen Urlaub vom Urlaub verbringen wir auf Nusa Lembongan, einer kleinen Insel südöstlich von Bali.
Wir geniessen das sonnige und warme Wetter und verbringen unsere Tage abwechselnd mit tauchen und faulenzen am Strand. Die Unterwasserwelt ist sehr schön und die Korallen in einem ausgezeichneten Zustand. Das geschäftige Treiben am Strand und in den Seegrasfeldern fasziniert uns sehr. Es wirkt auf uns sehr entspannend. Wir könnten stundenlang einfach nur zuzuschauen, wie den ganzen Tag irgendwelche Dinge auf die Boote oder von den Booten gebracht werden.
Trotz unserer Flucht nach Bali - wir haben uns zehn Tage Tauchferien auf der Insel Lembongan gegönnt - konnten wir das Regenwetter nicht abschütteln. Am nächsten Tag fahren wir weiter über Busselton zum Cape Naturaliste. Der Jetty von Busselton wurde im Jahre 1864 erbaut und war damals 427 Meter lang. Immer wieder wurde der Jetty verlängert und heute ragt er mit seinen 1'841 Metern fast zwei Kilometer ins Meer hinaus. Er gilt als der längste Holzsteg in der südlichen Hemisphäre.
Wir fahren weiter der Küste entlang und stoppen in Pemberton, um die riesigen Wälder zu erkunden. In den Wäldern rund um Pemberton bestaunen wir riesige Jarrah und Karri Bäume. Die Bäume sind bis zu 300 Jahre alt und bis zu 80 Meter hoch. Der Dave Evans Bicentennial Tree ist riesig und kann bestiegen werden. Der Aufstieg ist allerdings nicht für Jedermann. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte den Aufstieg lieber nicht in Angriff nehmen. In den gewaltigen Stamm des Baumes sind Betoneisen eingeschlagen und so entsteht eine Wendeltreppe rund um den Baum. Mit einer Umrundung des Baumes bin ich (Marcel) bereits einige Meter über dem Grund. Auf etwa einem Drittel gibt es auf 25 Meter eine Plattform, zu der ich hochklettere. Die Aussicht von dieser Plattform ist schon ganz beeindruckend. Ich entscheide mich noch höher zu klettern. Nach 130 Eisenstangentritten und einigen Baumumrundungen erreiche ich die obere Plattform. Diese Plattform ist auf etwa 65 Meter Höhe. Nun geht es über normale Leitern in einem Aufbau über die Baumkrone des Baumes hinaus. Vier Leitern weiter befinde ich mich auf atemberaubenden 75 Metern Höhe über den Baumkronen. Die Aussicht ist gewaltig und der Aufstieg hat sich sehr gelohnt.
Etwas ausserhalb von Hyden liegt der Wave Rock, für den wir hierher gefahren sind. Die Welle am Wave Rock ist rund hundert Meter lang und 15 Meter hoch. Der Granitfelsen selbst ist viel grösser. Auf dem Felsen wurde im Jahre 1928 an der Kante eine kleine Mauer erstellt. Mit Hilfe dieser Mauer wird noch heute das Regenwasser gesammelt und in einen Damm geleitet der fast 30'000 Kubikmeter Wasser fasst.
Kalgoorlie-Boulder ist eine Goldgräberstadt, die vor allem mit ihren schön verzierten Fassaden an den Goldrausch erinnert. Mit rund 29'000 Einwohnern ist die Outback- und Minenstadt Kalgoorlie-Boulder die zweitgrösste Stadt Westaustraliens. Die Goldgräberstadt hat bis heute ihren Charme behalten.
Am 1. Oktober fahren wir zur KCGM Super Pit. In dieser Mine, oder besser gesagt in diesem riesigen Loch, wird nach Gold gegraben. Die Mine ist zur Zeit 3,2 Kilometer lang, 1,4 Kilometer breit und 600 Meter tief. Pro Jahr werden 800'000 Unzen Gold gewonnen. Das Goldvorkommen ist natürlich nicht unbegrenzt. Die Firma KCGM vermutet, dass die Super Pit ihre Minenaktivitäten im Jahre 2017 einstellen muss.
Am 2. Oktober geht unsere Reise weiter. Wir fahren nach Norseman, dem Ausgangspunkt zur Nullabor Plain. Der Name Nullabor kommt vom lateinischen "Nullus and Arbor", was soviel heisst wie "Keine Bäume". Wir sind gespannt, was uns auf den folgenden 1'200 Kilometern erwartet. Auf der einsamen Strecke gibt es alle paar 100 km ein Roadhouse mit Tankstelle und Restaurant. Gut zu wissen für den Notfall. Wir sind aber gut vorbereitet und haben genügend Esswaren, Wasser und Diesel dabei. Mit unserem Doppeltank werden wir auf dem Nullabor Plain ohne zusätzlichen Diesel auskommen.
Nach zwei Tagen konstantem Fahren auf dem Nullabor machen wir uns auf zum letzten Off-Road-Track. Nach 30 Kilometer Fahrt auf normaler Kiesstrasse erreichen wir den "Dog Fence", den längsten Zaun der Welt um Dingos vom Land fernzuhalten. Der Zaun ist total 5'614 km lang. Er startet in Queensland und geht bis in den fernen Westen Südaustraliens. Der Zaun soll die schafreiche Gegend in Südaustralien vor den Dingos schützen. Wir passieren das Tor und dann beginnt der Goog's Track. 300 Sanddünen werden wir überqueren. Die Sanddünen werden immer höher und der Sand immer weicher. Um über diese Düne zu kommen, müssen wir unseren Reifendruck massiv reduzieren und einige Liter Wasser aus unserem Wassertank ausleeren. So klappt die Überquerung dann beim zweiten Anlauf prima.
Nach der abenteuerlichen Fahrt auf dem Goog's Track erreichen wir schlussendlich die Outbackstadt Coober Pedy. Coober Pedy hat rund 3'500 Einwohner, davon sind 60 % ausgewanderte Süd- und Osteuropäer, die nach dem zweiten Weltkrieg des Opals wegen hierher gekommen sind. In Coober Pedy werden 85% vom Weltbedarf des Opals gefördert. Wir wollen uns ein Bild von der Stadt machen und gehen zum Aussichtspunkt. Die Gegend ist trocken, sandig, steinig und fast baumlos. Grünpflanzen sind rar, denn Wasser ist überaus kostbar und teuer.
Coober Pedy ist das Opalzentrum der Welt. 1915 wurde erstmals Opal gefunden. Die Opalsucher arbeiteten unter schwersten Bedingungen, denn Coober Pedy ist weit weg von Zivilisation und es herrschte extremer Wassermangel. Während der Depression in den 30er und 40er Jahren stand die Opalgewinnung still. In den 60er und 70er Jahre brach ein Opal Rausch aus, was viele Immigranten aus Europa hierher brachte. Heute ist Coober Pedy eine moderne Minenstadt und lebt neben dem Opal hauptsächlich vom Tourismus.
In der Region um Coober Pedy wächst nicht viel. In der steinigen, baumlosen Wüste fehlt es an guter Erde und Regen. Und durch die Opalgewinnung ist die Landschaft im Radius von 40 Kilometern um die Stadt geprägt von Löchern und Erdhaufen. Wie auf dem Mond.
Das Breakaways Reserve ist ein Nationalpark, der 32 km nördlich von Coober Pedy liegt. Die Gegend erinnert uns sehr an eine Mondlandschaft. Kein Wunder waren die Breakaways und die Moon Plain Kulisse für verschiedene Filme. Mad Max und Ground Zero wurden zum Beispiel hier gedreht. Diese beiden Hügel tragen den Namen "Das Schloss" oder "Salz und Pfeffer". Bei Sonnenschein leuchtet der weisse Hügel in intensivem Weiss.
Am 11. Oktober erreichen wir die 1,5 Millionen-Stadt Adelaide. Leider unsere letzte Station mit unserem treuen Wegbegleiter, unserem Troopy. In Adelaide planen wir rund zehn Tage zu bleiben, denn wir müssen die Übergabe unseres Troopy's vorbereiten. Natürlich nehmen wir uns auch Zeit, Adelaide und die Umgebung auszukundschaften. Die Rundle Street ist die bekannteste Strasse um in Adelaide einzukaufen. Hier findet man alles was das Herz begehrt. Jeden Sonntag werden am östlichen Ende der Rundle Street Marktstände aufgebaut. Dann verwandelt sich die Strasse in eine farbenfrohe Marktstrasse.
Am 19. Oktober fahren wir Richtung Barossa Valley. Wir wollen für zwei Tage der Stadt entfliehen und uns die Weingüter des bekannten Barossa Valleys anschauen. Die Fahrt ist nur etwa 60 Kilometer und schon befinden wir uns mitten in der weltbekannten Weinregion der rund 60 Weingüter des Barossa Valleys. Die ersten Weine wurden vor 160 Jahren produziert. In der Zwischenzeit sind die Weine dieser Region weit über die Grenzen Australiens bekannt. Einige Namen der Weingüter kennen wir aus der Schweiz. Penfolds, Jacobs Creek und Wolf Blass sind die grossen Weingüter, die riesige Mengen an Wein herstellen. Es gibt aber auch kleinere Weingüter, die uns besser gefallen. Peter Lehmann, erfahren wir, ist sogar unter Schweizer Besitz. Die Weine des kleinen Weingutes Ross Estate kennen wir auch bereits aus der Schweiz und die Weine des aktuellen Jahrganges schmecken uns ausgezeichnet.
Zurück in Adelaide gilt es nun ernst. Wir müssen unseren treuen Reisebegleiter für die Übergabe vorbereiten. Zuerst heisst es alles ausräumen, putzen und natürlich müssen wir auch unsere wenigen Habseligkeiten packen. Am 22. Oktober holen wir unseren Mietwagen ab und fahren zu Craig, dem Freund des Deutschen Pärchens, dass unser Auto übers Internet gekauft haben. Es lebe die Technik. Am Morgen des 23. Oktober packen wir unsere Habseligkeiten in unseren Mietwagen und verabschieden uns von unserem treuen Reisebegleiter. Mit dem kleinen Hyundai Getz fahren wir nach Mt. Gambier und weiter ans Cape Nelson.
Wir übernachten in Warnambool und starten unsere Fahrt auf der weltbekannten Great Ocean Road. Diese Küstenstrasse ist wohl eine der beliebtesten Strassen in Australien. Auf den 250 Kilometern von Warnambool nach Torquay windet sich die Strasse der zerklüfteten Küste entlang. Die erste Idee für eine Strasse entlang der Südküste Victorias reicht zurück ins Jahr 1864. Die Strasse sollte ein Verbindung der einzelnen Küstenorte schaffen, welche bis dahin nur per Schiff erreichbar waren. Erst im Jahre 1919 wurde mit dem Bau der Strasse im unwegsamen Gelände begonnen. Ausgeführt wurden die Arbeiten von heimkehrenden Soldaten aus dem ersten Weltkrieg. Für diese diente der Strassenbau als Arbeitsbeschaffungsmassnahme durch die Regierung und andererseits ist nun die Strasse eine Art Kriegsdenkmal zur Erinnerung an die gefallenen Kameraden. Bei der Bay of Islands stoppen wir und bewundern die atemberaubenden Felsformationen. Durch Erosion liess die Natur eine wunderschöne, zerklüftete Küstenlandschaft entstehen.
Und das sind sie nun, die zwölf Apostel. Wer Mühe hat die zwölf Apostel zu erkennen ist nicht alleine. Die Meinungen gehen stark auseinander, wie viele Apostel nun wirklich noch stehen, welche Türme dazugezählt werden und welche nicht. Über die Jahre hat auch hier der Zahn der Zeit genagt und von den zwölf Aposteln sind, nach einem Felseinsturz im Jahre 2005, nur noch acht übrig geblieben.
Auf der Weiterfahrt zum Cape Otway fahren wir durch einen dichten Wald von Eukalyptusbäumen. Von Australiern haben wir den Tipp bekommen in die Bäume zu schauen. Und siehe da, plötzlich entdecken wir den ersten Faulpelz in einer Astgabelung. Wir stoppen am Strassenrand und steigen aus, um den Koala etwas näher zu betrachten. Nun sehen wir überall in den Bäumen die faulen Koalas am schlafen.
Am Nachmittag des 26. Oktobers erreichen wir Melbourne. Nun sind wir, nach fast 40'000 Kilometern, wieder dort angelangt, wo wir vor acht Monaten unsere Abenteuerreise durch Australien begonnen haben. Wir laden zuerst unser Gepäck im Hotel mitten in der Stadt ab und bringen dann unseren Mietwagen zurück. Zum Abendessen gönnen wir uns beim Inder ein herzhaftes Essen. Hier waren wir bereits vor acht Monaten, als unsere Reise durch Australien begann. Wir sind sehr erstaunt, die Inderin die an der Theke bedient erkennt uns wieder. Sie sagt nur "You are back? Nice to see you again." Wir fühlen uns wie zu Hause.
Nun haben wir nur noch zwei ganze Tage bis zu unserem Rückflug. Wir erledigen noch die letzten administrativen Dinge und natürlich bleibt uns dabei auch noch genügend Zeit für einen ausgedehnten Bummel durch Melbourne. Zum Abschluss unserer Reise haben wir heute Abend nochmals in unserer Lieblingspizzeria von Australien einen Tisch reserviert. Das Restaurant Mercadante liegt an der Lygon Street. Diese Strasse wird gesäumt von italienischen Restaurants. Im Mercadante gibt es - unserer Meinung nach - die beste Holzofen Pizza ganz Australiens. Das Personal ist grösstenteils italienischer Herkunft und der Besitzer ein richtiger Spassvogel, der es versteht, den Gästen ein Freude zu bereiten. Und dann gibt es hier die unbeschreiblich himmlische Verführung - die Schokoladenpizza. Wir geniessen unser letztes Abendessen hier in Australien. Nach dem Abendessen gehen wir nochmals in den Rialto Tower, wo wir die grandiose Aussicht über Melbourne bei Nacht sehen. Ein Lichtermeer wie im Märchen.
Am 29. Oktober 2009 haben wir nach zehn Monaten wieder Schweizer Boden unter den Füssen. Es fühlt sich irgendwie eigenartig an. Nach fast 3-jährigem Auslandaufenthalt versuchen wir wieder in der Schweiz Fuss zu fassen. Wir haben unseren lang in uns schlummernden Traum gelebt und sind um unzählige Eindrücke und Erfahrungen reicher. Unsere Weltansicht hat sich geändert und wir haben sehr viele Dinge schätzen gelernt, die wir zuvor für selbstverständlich gehalten haben. Im Innern sind wir aber die selben geblieben. Wir bereuen keinen einzigen Tag und sind sehr glücklich und zufrieden mit unserem Leben. Natürlich steckt aber der Reisevirus noch immer in uns und wir freuen uns jetzt schon, bei den nächsten "normalen" Ferien - zwischen dem arbeiten - ein weiteres Stück der Welt zu entdecken. Wir hoffen, wir konnten euch einen umfassenden Einblick in unser fast 3-jähriges Reiseabenteuer geben. An dieser Stelle bedanken wir uns auch ganz herzlich bei euch allen für die Besuche auf unserer Webpage, die unzähligen E-Mails und die Einträge in unser Gästebuch. Natürlich werden wir weiterhin Reiseberichte veröffentlichen, die nächsten Ferien kommen bestimmt. Und nicht vergessen: Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum! - Don't dream your life - Live your dream! Herzlich Eure Globetrotter Marcel und Reni |
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