1000 Nächte unter fernen Sternen – Teil 1
1000 Nächte unter fernen Sternen - Teil 1
Die Jahre 2007, 2008 und 2009 waren für uns drei ganz besondere Jahre. Während knapp drei Jahren haben wir
unseren grössten Traum verwirklicht.
So ganz nach unserem Motto: "Träume nicht dein Leben, lebe deinen
Traum". Nach rund 30 Flügen, unendlichen Busfahrten, 50'000 Kilometer rund um Australien und Neuseeland,
über 500 Tauchgängen, zwei Paar Trekking Schuhen, unzähligen Tuben Sonnencreme, zehntausenden von Fotos und einer riesige Menge
an Erinnerungen in unseren Köpfen ist es Zeit einen Blick zurück zu werfen.
Im Sommer 2006 ist die Entscheidung gefallen: Wir krempeln unser Leben komplett um und gehen ins Ausland. Unser Traum ist, Reisen und Arbeiten im Ausland. So planen wir für mehrere Jahre der Schweiz den Rücken zu kehren. Bevor wir jedoch losziehen, heisst es zuerst einmal organisieren und planen. Schliesslich haben wir einige Dinge, die für ein solches Vorhaben sehr hinderlich sind. Wir starten mit dem Verkauf unseres Hauses, unserer Autos und geben vieles weg, was in unserm grossen Haus steht.
Neben dem Reisen möchten wir auch im Ausland arbeiten. Unser Ziel: Tauchlehrer. Wir wollen unser Hobby zum Beruf machen. Im November 2006 machen wir in Phuket, sozusagen als Hauptprobe, die Ausbildung zum Divemaster. So lernen wir, was als Tauchlehrer alles auf uns zukommen wird und ob wir es uns überhaupt vorstellen können. Die Ausbildung in Phuket ist top und so wird unsere Entscheidung bestätigt. Zurück in der Schweiz müssen wir nun unsere Jobs künden. Dies fällt uns nicht leicht, da wir beide sehr glücklich mit unseren Arbeitsstellen sind.
Ende Januar ist es dann soweit und wir übergeben unser Haus den neuen Besitzern. Jetzt haben wir also kein eigenes Zuhause mehr. Zum Glück haben Reni's Eltern Platz für unsere verbleibenden Habseligkeiten und so verbringen wir den Februar bei Reni's Eltern in Sirnach und geniessen das Beisammensein mit unseren Familien und Freunden.
Die Tage vor der Abreise werden wir mit Sonnenschein belohnt und die Ostschweiz präsentiert sich von ihrer besten Seite. Bei einem Spaziergang in unserem ehemaligen Wohnort Wil haben wir eine herrliche Aussicht über die Stadt und die Kurfirsten im Toggenburg.

Die letzten Reisevorbereitungen laufen auf Hochtouren und der Abreisetag rückt immer näher. Es wird Zeit zu packen. Mit zwei vollen Rucksäcken machen wir uns auf zu neuen Ufern. Da wir in Südostasien mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen und unser Gepäck oft tragen müssen, beschränken wir uns aufs Nötigste. Am Schluss kommen aber trotzdem rund 15 kg zusammen.
Am 26. Februar ist der grosse Tag und wir verabschieden uns von der Schweiz und unseren Familien und Freunden. Von Zürich fliegen wir nach Bangkok in Thailand.

In Bangkok wohnen wir die ersten Tage bei einer Familie etwas ausserhalb und feiern auch gleich den
Geburtstag des Gastgebers mit. Wir sind zum Tortenessen eingeladen und singen natürlich auch ein
Geburtstagslied.
Vom gemütlichen Guesthouse können wir mit dem Expressboot fahren und sind wir in weniger als
30 Minuten im Herzen des Geschehens. Zuerst besichtigen wir den Königspalast und einige der
wichtigsten buddhistischen Tempel Thailands.

Am 2. März verabschieden wir uns von unserer Gastfamilie und fliegen weiter nach Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha. Eine der eindrücklichsten Sehenswürdigkeiten in Phnom Penh ist der Königspalast, der von einer sehr gepflegten Gartenanlage umgeben ist. Der hier abgebildete Tanzpavillon ist im traditionellen Khmer-Stil gebaut.

Mit dem Motorrad fahren wir raus aufs Land. Da ausser uns auch viele Lastwagen und sonstige luftverpestende Fahrzeuge fahren, tragen wir beide einen Mundschutz. Wir besichtigen die Killing Fields Choeung Euk und das Toul Sleng Museums. Es ist sehr beeindruckend aber das Ganze stimmt uns auch nachdenklich. Dieses Museum gedenkt den vielen Gefangenen, die von den Roten Khmer ermordet wurden. Schätzungen zufolge sollen über 20'000 Menschen zu Tode gefoltert worden sein. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass dieses tragische Ereignis erst rund 25 Jahre zurück liegt.

Nach ein paar Tagen in der kambodschanischen Hauptstadt machen wir einen kurzen Abstecher in den Süden Kambodschas. Von der Kleinstadt Kampot aus besichtigen wir das Naturschutzgebiet von Bokor Mountain. Wir finden alte, verwitterte Gebäude die in den 20er Jahren von Franzosen gebaut wurden. Mittlerweile holt sich die Natur alles wieder zurück.

Unsere Weiterreise erfolgt im lokalen Bus Richtung Norden nach Siem Reap. Die Strassen sind teilweise in einem sehr schlechten Zustand und das Reisen ist nicht immer ein Zuckerschleck. Die Nationalstrasse Nr. 6, die etwa 100 km der Strecke von Battambang nach Siem Reap ausmacht, ist in einem fürchterlichen Zustand. Sie ist ungeteert, an vielen Stellen gibt es grosse Schlaglöcher, die Brücken müssen wegen Unterhaltsarbeiten umfahren werden und überall gibt es Baustellen. Der Staub kriecht in jede Ritze und am Strassenrand ist alles mit einer feinen roten Staubschicht überzogen. Natürlich gibt es auch hier entlang der Strasse genügend Verpflegung, sodass die verstaubte Kehle nie austrocknet.

In Siem Reap befinden sich die Tempel von Angkor Wat. Diese Tempel sind eines der Highlights unserer gesamten Reise. Angkor Wat ist sicher der eindrücklichste und darum auch berühmteste Tempel. Allerdings gibt es noch viele weitere Tempel zu besichtigen. Im Jahre 1992 wurden die Tempel von Angkor in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Tempelanlagen liegen auf einer Fläche von mehr als 300 m2 verstreut. Sie wurden über mehrere Jahrhunderte erbaut und sind sehr unterschiedlich in ihrer Form und Gestalt. Es gibt Beweise, dass die ältesten Monumente von Angkor aus dem Jahre 802 stammen und die jüngsten Bauten aus dem Jahre 1219.

Drei Besichtigungstage reichen gerade aus um die bekanntesten Tempel zu besichtigen. Wir waren ja vor drei Jahren schon mal hier und haben dieses Mal eine etwas andere Route gewählt. Am ersten Tag besichtigen wir mit einem Auto die abgelegenen Tempel. Am zweiten Tag fahren wir mit einem zu kleinen, unbequemen und verlotterten Fahrrad die zentralen Tempel an und strampeln dabei gut und gerne 30 km ab. Unsere Tour starten wir bereits morgens um 5 Uhr, denn wir wollen rechtzeitig zum Sonnenaufgang beim Angkor Wat sein. Ohne Licht (ist hier ganz normal) flitzen wir mit unsern klapprigen Fahrrädern durch die Strassen und kommen heil am Ziel an. Angkor Wat bei Sonnenaufgang zu sehen ist ein einzigartiges Erlebnis und entschädigt für das frühe Aufstehen.

Gegen Mittag brennt die Sonne richtig kräftig runter und unsere Fahrradtour ist ganz schön anstrengend. Trotz der Anstrengung und den viele Schweissperlen ein herrliches Erlebnis, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Am dritten Tag chartern wir uns ein TukTuk, was natürlich viel bequemer ist als selber zu fahren. Bevor wir uns auf die Weiterfahrt machen, gibt es noch eine Zwischenverpflegung.

Im Tempel Ta Som gibt es einen mächtigen Baum, der aus einem der Eingangsbereiche wächst. Dieses Motiv ist ein Fotoklassiker. Den separaten Reisebericht zu den Tempeln von Angkor findest Du unter Die Tempel von Angkor.

Nach den Tempeln von Angkor reisen wir Richtung Norden an die Grenze von Kambodscha zu Laos. Wir passieren die Landesgrenze und erhalten in einer Strohhütte vom Zöllner gegen ein paar Dollar unseren Stempel. Wir dürfen nun einen Monat in Laos bleiben. Mit dem Bus und Boot fahren wir nach Don Det, einer kleinen Insel (ca. 2,5 x 1 km) die ganz im Süden von Laos inmitten des Mekongs liegt. Don Det ist eine von 4'000 Inseln in der Gegend. Hier gibt es bis anhin keine Elektrizität und kein Wassersystem. Der gesamte Güter- und Personentransport wird mit Holzbooten durch das Labyrinth der 4'000 Inseln abgewickelt. In dieser Insellandschaft inmitten des Mekongs leben rund 70'000 Menschen. Nach ein paar Tagen Ruhe und gemütlichem Inselleben geht unsere Reise mit dem VIP Nachtbus weiter und wir fahren von Pakxe nach Vientiane. Der Bus ist mit richtigen Betten ausgestattet und so verschlafen wir die zehnstündige Busfahrt.
Vientiane ist die Hauptstadt von Laos und es wohnen ca. 400'000 Menschen in dieser gemütlichen, am Mekong gelegenen, Stadt. Das älteste erhaltene Kloster von Vientiane ist Vat Sisaket, das im Jahre 1818 erbaut wurde und auch heute noch aktiv genutzt wird. Der Sim (Ordinationshalle) ist im Bangkok-Stil gebaut und von einem Wandelgang umgeben. Der gesamte Wandelgang ist gesäumt mit Buddhastatuen. In der Aussenwand des Wandelgangs werden kleine Buddhastatuen in Aussparungen aufbewahrt. Insgesamt sollen im Vat Sisaket mehr als 10'000 Buddhastatuen aufbewahrt werden.

Zum Abschluss besichtigen wir Pha That Luang, das Nationalsymbol und wichtigste religiöse Monument von Laos.

Am 5. April fahren wir mit dem lokalen Bus in die Traveller-Hochburg Vang Vieng. Die Hauptattraktion ist das Tuben. Mit Badehose und einem aufgepumpten Lastwagenschlauch lässt man sich den Fluss runtertreiben. Wir überlassen das den anderen und gehen stattdessen mit dem Motorrad auf Entdeckungstour. Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter nach Phonsavan, wo wir nach einer sechssündigen Busfahrt über mehrere Pässe eintreffen. Die Provinzhauptstadt liegt in den Bergen auf einem Plateau. Da es nicht erlaubt ist mit einem Motorrad selbst die Gegend zu erkunden, buchen wir eine Tour. Wir besichtigen drei Sites der Ebene der Tonkrüge mit den überdimensionalen Steinkrügen. Diese dickwandigen Monolithen sind einmalig auf der südostasiatischen Halbinsel. Auf dem grössten Feld stehen und liegen über 300 Steinkrüge.

Über die Herkunft und die genauen Hintergründe sind sich die Forscher noch nicht ganz einig. In den 30er Jahren unternahm die französische Archäologin Madeleine Colani die bisher umfangreichste Erforschung. Dabei kam sie zum Schluss, dass es sich um Begräbnissstätten handelt. In der Gegend um Phonsavan leben die Einheimischen äusserst einfach und ärmlich, aber sie scheinen trotz allem sehr glücklich. Mehrere Generationen sitzen vor dem Haus und freuen sich über unseren Besuch. Die Bewohner hier sind sich noch nicht an Touristen gewöhnt und deshalb sehr schüchtern.

Eine der Dorfältesten schenkt uns ein Lächeln.

Auch die junge Mutter lächelt uns zu, bevor sie wieder an die Arbeit geht.

Dieses kleine Mädchen findet unseren Fotoapparat ziemlich lustig und als wir ihr das Bild auf dem kleinen Bildschirm der Kamera zeigen, kichert sie nur nochmehr vor Freude.

Am 11. April heisst es einmal mehr Bus fahren. Auf der rund achtstündigen Busfahrt wird es sehr kurvig. Es ist fast vergleichbar mit Schweizer Passstrassen, aber nur fast. Wir werden belohnt mit herrlicher Aussicht auf den Urwald, Reisfelder und Dörfer. Wir sind froh nach acht Stunden in Luang Prabang aus dem Bus aussteigen zu dürfen. Luang Prabang ist seit 1995 Weltkulturerbe. Verständlich, denn es ist eine wunderschöne kleine Stadt. In Luang Prabang dürfen wir mit der laotischen Bevölkerung die Festlichkeiten zum Jahreswechsel miterleben. Am 16. April beginnt hier in Laos das Jahr 2550. Das Fest der Erneuerung und des Regens wird hier in Luang Prabang sechs Tage lang mit viel Wasser, das ein Symbol für die Verdienste Buddhas ist, gefeiert. In vielen Klöstern finden rituelle Waschungen von Buddhastatuen und grosse Zeremonien statt.

Auf den Strassen geht es ganz schön wild zu und her. Keiner ist sicher vor Wasser, Farbe und Talkpulver. Es finden Paraden, Umzüge und Feste statt und die ganze Stadt ist auf den Beinen. Da die Festivitäten ein grandioses Erlebnis für uns sind, gibt es darüber einen separaten Reisebericht Happy New Year auf Laotisch.
Vor dem grossen Fest ist Marcel ganz früh aufgestanden, um den Mönchen bei ihrem allmorgendlichen Ritual (Dag Bat) zuzusehen. Jeder Mönch bekommt das Essen, das er an einem Tag benötigt, von Gläubigen. Jeweils am frühen Morgen nach dem Morgengebet laufen die Mönche mit ihren Almosenschalen durch die Strassen, wo viele Gläubige mit Essen bereitstehen und den Mönchen in die Almosenschalen legen. Dies ist ein wunderschönes Ritual, das einem einen tiefen Einblick in den Glauben der lokalen Bevölkerung erlaubt.

Wir verabschieden uns von Luang Prabang und ziehen noch weiter in den Norden von Laos. Die nächste Station ist Luang Namtha, wo ein weiteres Abenteuer auf uns wartet. Am 18. April starten wir zu einer dreitägigen Trekking-Tour in den Urwald des Gebietes Phou Sam Yord. Unsere internationale Gruppe besteht aus zwei einheimischen Führern und sieben Leuten - aus England, Irland den USA und der Schweiz. Nach einer schönen Wanderung durch unbewohntes Gebiet und Urwald erreichen wir das Dorf Ban Sam Yord. Das Dorf wird von Khmu bewohnt und es leben etwa 20 Familien in dieser abgelegenen Gemeinschaft. Vor dem Abendessen pflegen wir den Kontakt mit der Dorfbevölkerung und mischen uns unter die spielenden Kinder. Wir werden mit grossen Augen bestaunt, denn alltäglich ist es nicht, dass hier Touristen übernachten. Es wird darauf geachtet, dass maximal zwei- bis dreimal im Monat Touristen in den abgelegenen Dörfern übernachten.

Am zweiten Tag erreichen wir nach etwa sechs Stunden Marsch eine kleine Ebene mit einem Fluss und Reisfeldern. Hier liegt das Dorf Ban Nam Talan, wo wir die zweite Nacht verbringen. Das Dorf besteht aus etwa 40 Familien der Khmu und Lanten. Unsere Unterkunft befindet sich im Teil der Lanten, die Ihre Häuser auf Stelzen bauen. Vom Balkon unseres Hauses haben wir eine herrliche Aussicht auf die Ebene, die Häuser und Reisfelder.

Das letzte Abenteuer in Laos erleben wir ganz im Norden nahe der Grenze zu Thailand. Das Ganze nennt sich Gibbon Experience und wird im Bokeo Natural Reserve durchgeführt. Dieses Abenteuer ist so einzigartig, dass es schwierig ist, die Stimmung und Spannung mit Fotos und Text zu beschreiben. Wir versuchen es trotzdem.
Mit dem Pickup fahren wir los und erreichen nach rund drei Stunden das Dorf Bann Toup. Dort werden wir von einem lokalen Führer in Empfang genommen. Die erste Stunde führt uns durch den Dschungel und der Weg ist extrem steil. Nach einer schweisstreibenden Wanderung erreichen wir mitten im Wald die Küche und das Lager. Dort erhält jeder von uns ein Klettergestältli, welches in den nächsten drei Tagen unser ständige Begleiter sein wird. Jetzt geht's los. Der Führer macht es einmal vor und schon sausen wir am etwa 50 Meter langen Stahlseil zum ersten Baumhaus. Dieses Baumhaus ist das grösste der fünf Baumhäuser. Es besteht aus drei Etagen und die unterste Etage befindet sich auf etwa 35 Metern Höhe. Sieben Leute finden in diesem Baumhaus Platz zum schlafen. Hier wohnen wir die nächsten drei Tage.

Die Infrastruktur ist unglaublich. Es gibt fliessendes Wasser, eine Dusche, ein WC und das auf rund 40 Metern Höhe. Wir haben die Ehre, das Turmzimmer im Baumhaus zu beziehen. Die nächsten zwei Nächte verbringen wir auf schwindelerregender Höhe und das mitten im Dschungel. Aufregend!
Am nächsten Tag geniessen wir die Ritte auf dem Netz von Stahlseilen das durch die Baumkronen führt. Die längsten Seile sind etwa 400 m lang und führen über ganze Täler. So gleitet man auf mehreren hundert Meter Höhe einfach und rasch durch den Dschungel. Zwischendurch sind auch immer wieder Märsche durch den Urwald nötig um die nächsten Seile zu erreichen. Am zweiten Tag haben wir unheimliches Glück. Zuerst können wir den Gibbons bei ihrem unglaublich lauten und schrillen Gesängen zuhören. Dann führt uns der Guide durch den Dschungel und wir können die Gibbons aus nächster Nähe aus sehen. Leider ist dieses einmalige und wundervolle Erlebnis viel zu schnell zu Ende. Die Gibbon Experience war ein genialer Abschluss unseres Aufenthaltes in Laos.
Mit einem kleinen Boot passieren wir die Grenze von Laos nach Thailand. Wir verabschieden uns vom Mekong und verbringen die nächsten Tage in Chiang Mai, wo wir uns auf die Reise nach Burma vorbereiten. Von Chiang Mai fliegen wir am 2. Mai über Bangkok in die burmesische Hauptstadt Yangon. Unser Visum ist auf 28 Tage limitiert. In diesen vier Wochen bereisen wir ein Land, das ungefähr doppelt so gross ist wie Deutschland. So beschränken wir uns ausgewählte Orte zu besuchen, vor allem in Hinsicht auf die langsamen und unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsmittel und die schlechten Strassen- und Schienenverhältnisse.

In Burma oder neu Myanmar scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf den Strassen verkehren an vielen Orten noch Pferdekutschen, Ochsenkarren und uralte Chinesische Busse und LKW's. Das Stromnetz ist völlig unstabil und es vergeht kein Tag ohne Stromausfälle, die zum Teil mehrere Stunden dauern. Noch heute haben nur die wenigsten Leute einen Telefonanschluss und auch Mobiltelefone sehen wir nur bei Wohlhabenden in den Städten. Das Fernsehen wurde erst im Jahre 1986 eingeführt, heutzutage besitzt jedoch praktisch jede Familie die in der Stadt wohnt einen Fernseher. Und die Kleidung ist hier auch etwas anders. In Burma tragen nicht nur Frauen sondern auch die meisten Männer Röcke - den sogenannten Longyi. Auch Marcel ist auf den Geschmack der luftigen Kleidung gekommen und hat seinen Longyi beinahe jeden Tag getragen.

Ein Höhepunkt unserer Burma Reise ist die Besichtigung des Nationalheiligtums: Die Shwedagon Pagode. Sie gilt als die Pilgerstätte für Buddhisten aus aller Welt. Die Shwedagon Pagode ist mit vielen Tonnen von Gold und tausenden Edelsteinen geschmückt. Der achteckige Hauptstupa misst einen Umfang von 433 m, ist über 100 m hoch und von unschätzbarem Wert.

Nach der Grossstadt zieht es uns aufs Land. Nach einer fünfstündigen Busfahrt erreichen wir Pyay bei strahlendem Sonnenschein. Pyay liegt zwischen Yangon und Bagan. Der ideale Ort einen Zwischenstopp einzulegen. Von der Busstation lassen wir uns mit der Fahrradtrishaw ins Guesthouse fahren. Trishaws sind hier die Hauptnahverkehrsmittel.

Am nächsten Tag chartern wir zwei Fahrradtrishaws und lassen uns zu den Ruinen von Sri Ksetra chauffieren. Die Ruinen datieren aus dem 3. bis 8. Jahrhundert. Das Gelände der Ancient City ist weitläufig und zu Fuss sehr beschwerlich. Da die Sonne extrem stark runter brennt, mieten wir uns einen Ochsenkarren und wir geniessen die Landschaft und alten Ruinen auf der 3-stündigen Fahrt.

Als nächstes steht der Besuch des Tempelfeldes in Bagan auf dem Programm. Bagan ist neben Angkor in Kambodscha einer der kulturellen Höhepunkte unserer Reise. Auf einer Fläche von 40 km2 stehen über 4'400 Monumente. Wenn man alle mittelalterlichen Kathedralen von Europa auf Manhatten platzieren würde, ergäbe dies eine sehr gute Darstellung der Grössenordnung von Bagan. Da die Gegend so faszinierend ist, haben wir den Tempeln von Bagan einen separaten Reisebericht gewidmet Bagan - Tempel soweit das Auge reicht.

Die Bauwerke der alten Königsstadt wurden innerhalb von 250 Jahren, zu Beginn des 10. Jahrhunderts, erbaut. Die Landschaft rund um die Monumente hat einen savannenähnlichen Charakter und liegt in einer Trockenzone. Zu recht wurde dieser Teil von Burma in alten Zeiten verdorrtes Land genannt. Während drei Tagen erkunden wir die Tempel von Bagan, mit dem Fahrrad oder Pferdekutsche. Am Spätnachmittag klettern wir auf die Shwesandaw Pagode und geniessen die atemberaubende Aussicht.

Drei intensive Tempeltage gehen zu Ende und es heisst wieder Rucksack packen. Nach einer 11-stündigen Busfahrt erreichen wir Mandalay, die zweitgrösste Stadt Burmas. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Stadt, machen wir einen Abstecher in den Norden und reisen im Bus weiter nach Nyaungshwe beim Inle See. Nach einer Marathon-Busfahrt werden wir in übermüdetem Zustand um vier Uhr morgens an einer Kreuzung ausgeladen. Leider sitzen wir hier 12 km ausserhalb von Nyaungshwe. Zum Glück sind wir nicht die einzigen Gestrandeten. Wir teilen unser Schicksal mit zwei Jungs aus Kanada. Nach harten Verhandlungen finden wir dann ein Taxi, das uns ans Ziel fährt. Nach einem Nickerchen machen wir uns auf zu einem Bootsausflug, wo wir viel über Land, Leute und das Leben am zweitgrössten See in Burma erfahren. Der Inle See ist nämlich stattliche 22 km lang und 11 km breit. Wir beobachten die Einbeinruderer beim Fischen.

Am 29. Mai verabschieden wir uns von Burma und fliegen zurück nach Bangkok. Wir geniessen für ein paar Tage die Zivilisation und die Annehmlichkeiten der faszinierenden Grossstadt. Eine Woche später geht unsere Reise weiter mit dem Ziel Kuala Lumpur in Malaysien. Der Flughafen ist supermodern und mit dem Bus erreichen wir das Stadtzentrum in 70 Minuten. Hier ist alles sehr gut organisiert und auf Effizienz getrimmt. Wir erleben Kuala Lumpur als sehr moderne, aber auch gemütliche Grossstadt. In Sachen Kultur und Religion müssen wir uns umgewöhnen. Denn im Gegensatz zu den ersten drei Monaten in buddhistischen Ländern befinden wir uns nun in einem Land, in welchem der Islam sehr grossen Einfluss hat und die meist verbreitete Religion darstellt.
Auf dem Bild sieht man das Sultan Abdul Samad Gebäude. Es wurde im Jahre 1897 gebaut und diente während der Britischen Ära als Regierungssitz. Heute ist hier das Gericht untergebracht. Auf der anderen Strassenseite befindet sich das traditionelle Herz der Stadt, der Merdeka Square. Merdeka ist das malaysische Wort für Unabhängigkeit, die am 31. August 1957 ausgerufen wurde.

Die Petronas Twin Tower sind 451.9 m hoch und mit im Club der höchsten Wolkenkratzer der Welt. Obwohl, mit dem höchsten Gebäude, dem neu eröffneten Burj Dubai (818 Meter), können sie natürlich nicht mithalten. Auf dem 41. Stockwerk sind die beiden Türme miteinander verbunden. Wir bewundern die Petronas Twin Tower nachts und sind überwältigt.

Nach der Grossstadt zieht es uns wieder in die Natur. Wir fahren in den Nationalpark Taman Negara, einen der ältesten Regenwälder der Welt und das erste offiziell geschützte Gebiet in Malaysien. Schätzungen zufolge ist der Wald rund 130 Millionen Jahre alt. Seit 1938 ist das Ziel des Parks die Umwelt zu schützen und dem Besucher die Dschungelwelt zugänglich zu machen. Auf den Abstecher in den Urwald folgen Ferien auf der Insel. Von Kuala Terengganu aus geht es mit einem Schnellboot weiter zur Insel Redang. Nach vier Monaten reisen sind wir reif für die Insel. Wir gönnen uns ein paar Tage mit Sonne, Strand und Meer - und tauchen zwischendurch ab und geniessen die Unterwasserwelt.

Mit dem Schnellboot fahren wir drei Tage später zurück ans Festland und weiter mit dem Nachtbus der Küste entlang in den Südosten. In der Hafenstadt Mersing legen wir den nächsten Halt ein. Uns gefällt die kleine Stadt so gut, dass wir gleich drei Tage dableiben bevor wir auf die Insel Tioman entfliehen. Am 18. Juni 2007 schippern wir mit der Fähre auf die bekannte Tauchinsel Tioman, wo wir tauchen gehen und einfach nochmals ein paar Tage die Seele baumeln lassen.
Am 24. Juni heisst es dann Abschied nehmen vom Inselleben. Die Fähre bringt uns zurück nach Mersing und am nächsten Tag geht es mit dem Bus nach Johor Baru, den Ausgangspunkt für unseren Trip nach Borneo. Nach zweieinhalb Stunden Flug landen wir in Kota Kinabalu, der Hauptstadt von Sabah (Borneo). Eigentlich erwarten wir in einem kleinen Fischerdorf zu landen, werden aber eines besseren belehrt. Ist ja auch kein Wunder, die Stadt hat 270'000 Einwohner.
Bis heute haben wir den Namen Borneo oder Sabah mit unberührter Natur, Wildnis, Ursprünglichkeit und Gemütlichkeit in Verbindung gebracht. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Wir erleben Borneo als sehr modern mit Starbucks, Burger King und Shopping Centern an jeder Ecke, viel Beton und übermässigem Verkehr und Abgasen. Gar nicht was wir erwartet haben. Das Highlight unseres Borneo Besuches sollte eigentlich die Besteigung des Mount Kinabalu sein. Das wäre unser erster Viertausender. Um auf den Gipfel zu kommen, muss im Basislager übernachtet werden. Und genau da scheitert unser Vorhaben. Die Zimmer im Basislager sind für die nächsten sechs Wochen ausgebucht. So lange wollen wir nicht warten und da sich unsere Begeisterung von Borneo in Grenzen hält, buchen wir unseren Weiterflug einiges früher als geplant.

Am 29. Juni fliegen wir bereits wieder aufs malayische Festland. Von Johor Bahru fahren wir mit dem Bus über den Causeway, das ist eine 1 km lange Verbindungsbrücke zwischen Malaysien und Singapur. Am Grenzübergang gibt es eine riesige Abfertigungshalle und Tausende von Menschen passieren hier täglich die Grenze. Das Erste was uns auffällt ist die Sauberkeit und Ordnung. Alles glänzt und ist geputzt. Die Strassen sind mehrspurig und in ausgezeichnetem Zustand und entlang der Strassen gibt es sehr viele Bäume, Büsche und Blumen. Und nirgends liegt Müll am Strassenrand. Genau das ist Singapur.
Wir fahren mit dem Bus ins Stadtzentrum und geniessen die zentrale Lage unseres Hotels. In unmittelbarer Nähe befindet sich das quirlige Quartier Chinatown, wo es zu jeder Tages- und Nachtzeit Unmengen von Essens- und Einkaufsmöglichkeiten gibt. Im Chinatown finden wir eine Bar mit Dachterasse. Von hier oben können wir das Treiben in den Strassen beobachten und eine tolle Aussicht auf die Skyline geniessen.

Die Skyline des Central Business Districts, mit einer herrlichen Parkanlage im Vordergrund, gefällt uns sehr. Hier sind die Banken und das grosse Geld von Singapur untergebracht.

Nach fünf tollen Tagen verabschieden wir uns wieder von Singapur und fliegen nach Indonesien. Da wir uns den Grosstadtstress des Riesenmolochs Jakarta ersparen wollen, fliegen wir direkt nach Jogjakarta. Jogjakarta ist der ideale Ausgangspunkt um kulturelle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Als erstes besuchen wir den Tempel von Borobudur. 1200 Jahre alt ist dieser Buddhistische Tempel und hat schon einiges mit- oder besser überlebt. Vom Vulkanausbruch des Mount Merapi bis hin zu terroristischen Bombenanschlägen. Ausser des Alters des Tempels ist nicht viel bekannt über die Geschichte von Borobudur. Im Jahre 1991 ist die heilige Stätte zum Weltkulturerbe anerkannt worden.

Der nächste Ausflug führt uns zu den Tempeln von Prambanan. Dies sind die am besten erhaltenen Beispiele Javas Hindu Kultur. Die Tempel wurden zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert erbaut. Im 16. Jahrhundert wurde Prambanan durch ein Erdbeben zerstört und Jahre später haben sich Plünderer bedient und die Steinbrocken als Baumaterial verkauft. Die meisten Tempel von Prambanan wurden über Jahre restauriert. Leider wurden einige Bauwerke durch ein weiteres Erdbeben im Mai 2006 in Mitleidenschaft gezogen. Wie Borobudur sind auch die Tempel von Prambanan seit 1991 in der Unesco Weltkulturerbe Liste.

Via Solo und Blitar reisen wir Richtung Osten nach Malang. Auf dem Weg schauen wir uns immer wieder Tempelanlagen an. Auch in das lokale Kleingewerbe erhalten wir auf unseren Ausflügen einen Einblick. Wir lernen, wie Dachziegel, Reisschnaps, Tofu, Batikstoffe, Musikinstrumente und andere Alltagsgegenstände hergestellt werden.

Das grösste Hightlight unserer Reise durch Java ist die Besteigung des Berges Penanjakan mit Aussicht auf den Vulkan Bromo. Wir werden nachts um 1:30 Uhr im Guesthouse in Malang abgeholt. Wir sind müde, aufgeregt und freuen uns auf die spannende 2-Tages-Tour. Nach rund zwei Stunden Autofahrt erreichen wir das erste Ziel. Es ist bitterkalt und dunkelste Nacht. Zum Aufwärmen gönnen wir uns zuallererst einen feinen, frisch gebrauten Java Kaffe. Kurz vor halb fünf brechen wir auf und ein kurzer Fussmarsch bringt uns zur Aussichtsplattform des Mount Penanjakan. Wir befinden uns nun auf 2770 m und haben eine herrliche Aussicht auf den Mount Semeru (3676 m), den Mount Bromo (2392 m), den Mount Batok (2440 m), den Sandsee und die umliegende Landschaft. Gespannt warten wir auf den bevorstehenden Sonnenaufgang. Der Himmel verfärbt sich langsam rot und gelb. Die Stimmung ist wunderschön und wir erleben, wie der Tag erwacht. Die Vulkane sind nach wie vor aktiv und immer wieder gibt es grössere Eruptionen. Mount Semeru ist einer der aktivsten Vulkane Javas und speit etwa alle 15 Minuten Asche.

Nach Sonnenaufgang geniessen wir die wärmende Sonne, einen weiteren Java Kaffe und unser wohlverdientes Frühstück. Als wir mit unserem Minibus losfahren wollen, stellen wir mit Schrecken fest, dass wir einen Plattfuss eingefangen haben. Mit vereinten Kräften ist das Rad rasch gewechselt und unsere Fahrt kann weiter gehen. Am Fusse des Mount Bromo steigen wir aus und machen uns an den steilen Aufstieg auf den Vulkan hoch. Auf dem Rückweg kaufen wir noch ein Getränk im Open-Air Shop.

Nach unserer Vulkanbesteigung geht es wieder bequem im Minibus weiter. Wir fahren durch den Sandsee, durch Dschungel und eine riesige Kaffeeplantage. Am nächsten Tag steht dann das Ijen-Plateau auf dem Programm. Das Ijen-Plateau ist der östlichste Vulkan-Komplex auf der Insel Java und hat gigantische Ausmasse. Auf dem Plateau leben tausende von Menschen, die vor allem von den Kaffeeplantagen leben. Der Ijen Vulkan, dessen Krater mit Wasser gefüllt ist, ist 2386 Meter hoch. Dieser See wird als der giftigste See der Welt bezeichnet. Aus dem Krater werden pro Monat 250 Tonnen Sulfat gefördert. Der Abbau und Transport ins Tal wird von einigen hundert Männern manuell erledigt. Zweimal im Tag schleppen die Männer eine Ladung Sulfat in Bambuskörben runter ins Tal - eine Ladung wiegt rund 80 Kilogramm. Unglaublich, denn der mühseligen Weg verlangt schon von uns einiges ab - und das ohne Gepäck.

Unser Aufenthalt auf Java ist zu Ende und wir freuen uns auf die Nachbarinsel. Mit der Fähre erreichen wir 30 Minuten später Gilimanuk, im Westen von Bali. Von da aus fahren wir mit dem lokalen Bus nach Lovina, einem kleinen Touristenort an der Nordküste Bali's. Hier gönnen wir uns zehn Tage Verschnaufpause.

Lovina liegt ideal, um Töffliausflüge der Küste entlang oder ins gebirgige Mittelland zu unternehmen. Auf einer unserer Erkundungstouren besichtigen wir den Pura Ulun Danu Bratan, einen sehr wichtigen hindu-buddhistischen Tempel aus dem 17. Jahrhundert.

Erholt und motiviert reisen wir mit dem Bemo (lokaler Minibus) weiter nach Amed. Hier im Osten von
Bali ist es noch sehr ursprünglich. Amed ist ein typisches Fischerdorf und Fischen hat hier lange
Tradition. Zweimal täglich fahren die Fischer der ganzen Küste mit ihren Segelbooten zum Fischen
hinaus. So befinden sich hunderte von Segelbooten gleichzeitig auf dem Meer. Wir beobachten begeistert
das geniale Schauspiel, dass sich morgens und abends abspielt.
Amed ist auch für Taucher ein beliebtes Ziel. Ganz nahe an der Küste liegt das Wrack der USS Libert.
Das Schiff ist am 11. Januar 1942 von Torpedos der Japaner getroffen worden und lag dann rund 20 Jahre am Strand.
Nach der Eruption des Vulkanes Agung im Jahre 1963 wurde das Schiff dann an seine jetzige Position geschwemmt.
Für Taucher liegt das Wrack ideal, denn der tiefste Punkt ist auf 30 Metern Tiefe.
Natürlich tauchen auch wir ab und bewundern das Wrack, welches komplett mit Korallen bewachsen ist.

Am 2. August reisen wir ins Zentralland von Bali. Die Fahrt nach Ubud führt uns der Ostküste entlang bis ins Zentralgebirge. Ubud ist bekannt für Kunst, Kultur und prächtige Reisfelder. Wir erleben Ubud als sehr gemütlich, mit bestem Essen und kulturellen Höhepunkten. Während unseres 10-tägigen Aufenthaltes machen wir natürlich wieder Ausflüge mit dem Töffli. Wir erleben das Verkehrschaos in der Hauptstadt Denpasar, machen einen Abstecher an die bekannte Kuta Beach, bewundern die Surfer bei Ulu Watu und besichtigen Tempel. Am Meisten beeindruckt uns der Tempel Tanah Lot. Bei Sonnenuntergang ist Tanah Lot, der wichtigste Meertempel der Balinesen, einfach atemberaubend.

Da es in Bali so viele Sehenswüdigkeiten gibt, geht unsre Tempeljagd ein paar Tage später weiter. Pura Besakih gilt als Muttertempel des Hinduismus und liegt auf 1000 m Höhe. Im Hintergrund ist der Vulkanberg Agung zu sehen, der mit seinen 2900 Metern der höchste Berg Bali's ist.

Jeder Tourist der ein paar Tage in Ubud verbringt, kommt an einer klassich-balinesischen Tanzvorführung nicht vorbei. Am zweitletzten Abend besuchen wir die Vorführung des Barong Tanzes der Gruppe Women's Dance Gamelan. Die Tänzerinnen ziehen die Zuschauer mit ihren Mimiken und abwechselnden Gesichtsausdrücken in den Bann.

Dieser Junge tanzt den Baris Tunggal, einen Kriegstanz, den alle Jungs die Tanz studieren erlernen.

Nach einem erlebnisreichen Monat in Bali fliegen wir am 13. August 2007 nach Manado in Sulawesi. Leider fehlt uns die Zeit Sulawesi intensiv zu bereisen, deshalb beschränken wir uns aufs Tauchen auf der Insel Bunaken. Am Flughafen werden wir bereits erwartet und mit einem Minibus bis zum Hafen gefahren. Von da aus geht es mit dem Boot weiter und wir erreichen rund 30 Minuten später die Trauminsel Bunaken. Mit vier anderen Inseln gehört sie zum Bunaken Manado Tua Marine National Park. In den Gewässern des Nationalparks gibt es eine aussergewöhnliche Vielfalt an Unterwasserlebewesen. Über 300 Arten Korallen und 3000 Spezies an Fisch findet man hier.
Unser Resort liegt ganz in der Nähe eines der drei Dörfer auf Bunaken. Die meisten Einwohner auf Bunaken sind Fischer, Bootsfahrer oder arbeiten in einem der Resorts oder Tauchshops. Wir sind im Sea Breeze Resort untergebracht und tauchen mit den Bunaken Divers ab. Die Tauchgänge sind sehr eindrucksvoll und wir sehen eine Unmenge von Lebewesen, die wir bis anhin noch nie gesehen haben.

Wie immer geht die Zeit viel zu schnell vorbei und wir verabschieden uns bereits wieder von Nordsulawesi. Von Manado fliegen wir via Balikpapan, Jakarta und Kuala Lumpur zurück nach Bangkok. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Grossstadt, reisen wir mit Bus und Fähre weiter nach Koh Tao, einer kleinen Insel im Golf von Thailand. Nun sind wir bereits an der Endstation unserer Südostasienreise angelangt. Unser Aufenthalt auf Koh Tao hat zwei Gründe: Erstens wollen wir herausfinden, ob wir hier die Tauchlehrerausbildung absolvieren wollen und zweitens, ob wir uns vorstellen können eine Saison lang auf Koh Tao zu leben. Die Entscheidung ist nach wenigen Tagen gefallen - ja, wir kommen zurück.

Zurück in Bangkok - mittlerweile fast wie unser zweites Zuhause - machen wir noch ein paar Tage Zwischenstopp. Für Marcel steht im Bumumgrad Spital ein kleinerer Eingriff an. Alles geht gut und so fliegen wir am 6. September zurück in die Heimat. Für drei Wochen dürfen wir die Schweiz geniessen und während dieser Zeit wohnen wir bei Reni's Eltern in Sirnach. Wir werden verwöhnt mit herrlichem Herbstwetter und viel Sonnenschein. Wir nutzen die kurze Zeit und besuchen Familie und Freunde. Natürlich haben wir auch wieder einiges an Papierkram zu erledigen und die Reisevorbereitungen laufen auf Hochtouren.
Drei Wochen später stehen wir zum zweiten Mal unserer Reise am Flughafen in Zürich. Dieses Mal ist unser Gepäck vollgestopft mit unserem Tauchequipment und Büchern rund ums Tauchen. Wir fliegen nach Bangkok, dieses Mal jedoch mit einem Oneway Ticket. Wir wissen noch nicht, wann wir die Schweiz wieder sehen werden. Ein komisches Gefühl, aber auch speziell. Wir sind frei und haben alle Zeit der Welt.
Nach der Ankunft in Koh Tao und einem relaxten Tag am Strand machen wir uns mit unserem gemieteten Motorrad auf die Suche nach einer Unterkunft. Wir schauen uns verschiedene Bungalows an und finden genau das Richtige. Ein schönes Holzbungalow mit einer supergrossen Terrasse, grossem Badezimmer und separater Küche. Das Beste an unserem neuen Heim ist die Aussicht. Von der Terrasse aus können wir das Meer sehen - wenn auch nur ein kleines bisschen.

Der grösste Strand auf Koh Tao heisst Sairee Beach und liegt im Westen der Insel. Das Meer ist flach abfallend und das Wasser glasklar. An diesem Strand hat sich die Mehrzahl der Tauchschulen, Restaurants, Bars und Unterkünfte angesiedelt. Mae Haad Beach ist der zweitgrösste Strand und dann gibt es unzählige kleinere, teilweise sehr abgelegene und schwierig erreichbare Strände rund um die Insel.

Zuerst absolvieren wir in Koh Tao die Ausbildung zum Tauchlehrer. Wir sind glücklich und stolz, denn am 18. Oktober bestehen wir die dreitägige Abschlussprüfung und ab sofort sind wir ausgebildete PADI Tauchlehrer. Nach der intensiven Lernzeit gönnen wir uns ein paar Tage Entspannung und beginnen dann mit der Jobsuche. Da im Oktober Nebensaison ist, gibt es nicht so viel Arbeit aber mit herumfragen finden wir Arbeit als freischaffende Tauchlehrer für verschiedene Tauchschulen. Da der Erhalt eines Visums mit Arbeitserlaubnis in Thailand nicht mehr so einfach ist, suchen wir auch anderweitig nach Arbeitsmöglichkeiten. Mit der heutigen Vernetzung und der weltweit anerkannten Tauchlehrerausbildung stehen uns die Türen auf der ganzen Welt offen. Wir bewerben uns gleichzeitig auf den Malediven, in Ägypten, Malaysien und Thailand. Nach ein paar Wochen erhalten wir ein Angebot aus den Malediven, das wir einfach nicht ablehnen können. So sind die Weichen für die nächsten 12 Monate gestellt. Wir werden für ein Jahr auf der Malediveninsel Kuredu leben und arbeiten.
Am 28. November reisen wir via Koh Samui nach Bangkok, übernachten noch einmal auf dem Festland bevor wir im Inselparadies der Malediven unser neues Zuhause finden. Die ersten zwei Tage verbringen wir in der Hauptstadt Male um alle Einreiseformalitäten zu erledigen. Für das Arbeitsvisum wird ein medizinisches Gutachten benötigt. Nach den Untersuchungen im Spital bleibt uns noch Zeit, die belebteste Malediveninsel etwas genauer anzusehen.

Am 1. Dezember 2007 ist es dann soweit. Mit dem Wasserflugzeug fliegen wir nach Kuredu.

Die Insel Kuredu liegt inmitten des indischen Ozeans und gehört mit ca. 1500 m Länge und 350 m Breite zu den grösseren Malediveninseln. Auf dieser traumhaften Insel mit über 3000 m schneeweissem Sandstrand leben und arbeiten wir im 2008 als Tauchlehrer.

Die Prodivers Tauchschule ist unser neuer Arbeitsplatz. Wenn wir nicht in der Lagune beim Schnuppertauchen, auf dem Boot am Guiden oder im Klassenzimmer Theorie unterrichten, sind wir in der Tauchschule am beraten. Prodivers auf Kuredu ist eine sehr grosse Tauchschule. Wir sind im Moment insgesamt 15 Instruktoren, 4 Schnorchelguides und einige Bürokräfte.

Dieses Jahr feiern wir Weihnachten und Silvester auf den Malediven. Wir geniessen es hier auf der Insel zu sein, aber ein richtiges Weihnachtsgefühl kommt bei uns nicht auf. Es ist einfach zu warm. Für uns gehört kaltes Wetter zu richtigen Weihnachten. Schön wäre natürlich auch etwas Schnee. So stellen wir uns einfach den schneeweissen Sand als Schnee vor.

So rutschen wir also auf dem Pooldeck in Kuredu unter fernen Sternen ins 2008. Wir stossen auf ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr auf unserer Paradiesinsel an. Die nächsten 365 Tage dürfen wir im Paradies, inmitten des indischen Ozeans, verbringen und unzählige Stunden unserer Lieblingsbeschäftigung, dem Tauchen, nachgehen.

Wir haben uns schnell eingelebt und fühlen uns rundum wohl. Der Alltag als Tauchlehrer unterscheidet sich komplett von unserem früheren Büroalltag. Abends um 19:00 Uhr machen wir uns in der Tauchschule schlau, welche Aktivitäten am nächsten Tag auf uns warten. Das geht vom Schnuppertauchen bis zu Ganztagesausflügen oder auch mal Tauchcenter-Dienst. Die Abwechslung ist gross. Im Normalfall sind wir täglich viele Stunden an der frischen Luft, tauchen mindestens zwei Stunden im 28 Grad warmen Wasser und geniessen das unbeschwerte, sorgenfreie Leben inmitten des Indischen Ozeans.

Wir geniessen es jeden Tag aufs Neue, mit dem Boot raus aufs Meer zu fahren und die wundervolle Unterwasserwelt zu erleben. Noch nach mehreren Monaten leben auf der Insel, verleiden uns das türkisblaue Wasser, der schneeweisse Strand, die Palmen oder das Tauchen nie. Ein herrliches Leben - so als Tauchlehrer!

Nach sechs arbeitsintensiven Monaten dürfen wir in die Ferien. Da wir jeden Tag das Meer haben, entscheiden wir uns für einen 2-wöchigen Aufenthalt in der schönen Schweiz. Vom 18. Juni bis zum 2. Juli geniessen wir traumhaftes Sommerwetter und das Zusammensein mit unseren Familien und Freunden. Wie es Ferien so in sich haben, geht auch unser Aufenthalt in der Heimat viel zu schnell vorbei. Aber wir freuen uns natürlich auch wieder sehr auf unser kleines Paradies im Indischen Ozean.

In der zweiten Hälfte unseres Tauchlehrerlebens auf Kuredu erleben wir die Tiefsaison. Leider sind wir nicht mehr täglich im Wasser, sondern auch regelmässig am Klassenzimmer weiss streichen oder T-Shirts zählen. Weil wirklich nicht viel los ist, ermöglicht uns unsere Basisleiterin Jutta, dass wir eine Woche auf dem Luxus-Safari-Boot, der Monsoon, mitfahren dürfen. Das heisst, Tauchen bis zum umfallen. Vom 29. September bis 5. Oktober leben wir wie die Könige. Das Boot ist nur halb belegt und so ist die Tour sehr gemülich und familiär. Wir geniessen diese unerwartete Ferienwoche in vollen Zügen. Denn endlich können wir wieder einmal zusammen abtauchen und erleben unvergessliche Tauchgänge im Ari, Baa und Noonu Atoll.

Für viele vielleicht unvorstellbar, aber wahr. Das Jahr auf den Malediven geht vorüber wie im Flug.
Trotz durchschnittlicher Jahrestemperatur von 31 Grad, Wassertemperaturen um die 29 Grad wird uns
nie langweilig, denn die Unterwasserwelt hat so viel zu bieten. Ende November heisst es bereits wieder
Abschied nehmen. Wir verlassen die traumhafte Insel Kuredu mit einem lachenden und einem weinenden
Auge. Wir haben viele liebe Menschen kennen gelernt und sehr viel gelernt und erlebt. Das Jahr als
Tauchlehrer auf Kuredu werden wir immer in Bester Erinnerung haben.
Hier gehts zum zweiten Teil unserer Erzählungen.
1000 Nächte unter fernen Sternen - Teil 2

Herzlich
Eure Globetrotter
Marcel und Reni
Bericht und Titelbild im Fernweh. Reni's Text und Marcel's Bilder im Manta Reisemagazin.
>> Der Bericht